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HARDWARE-SYNTHESIZER: BLACK CORPORATION: DECKARD’S DREAM


Keys - epaper ⋅ Ausgabe 8/2019 vom 04.07.2019

Yamahas CS-80 gehört wohl zu den legendärsten Synthesizern überhaupt. Sein ungewöhnlicher Stimmaufbau, ausdrucksstarke Spielbarkeit und breiter Analogklang liefern gute Gründe für diesen Status. Entsprechend gespannt darf man sein, inwieweit sich Deckard’s Dream dieser Zielvorgabe nähert.


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Bildquelle: Keys, Ausgabe 8/2019


>> Deckard's Dream liefert einen Klang, der mit anderen Synthesizern kaum erreichbar ist. <<


Eine kleine japanische Firma wagt sich an die mühevolle Aufgabe, diesem knapp vierzig Jahre alten Instrument in Form einer modernen Hardware-Umsetzung die Ehre zu erweisen. Schon der Name ist Programm: Rick Deckard ...

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... ist der Hauptcharakter in Ridley Scotts Science-Fiction-Klassiker „Blade Runner“ von 1982 – der Film, in dessen Soundtrack der griechische Musiker Vangelis den unnachahmlich breiten Brassklängen des CS-80 ein unvergessliches Denkmal setzte. Der Film wiederum ist eine Adaption des 1968 von Philip K. Dick verfassten Romans „Do Androids Dream of Electric Sheep?“ Et voilà!

Ein wenig Historie

Der achtstimmige analoge CS-80 wurde zwischen 1977 und 1979 produziert. Es handelte es um einen Technologieextrakt der raren analogen „Orgel“ Electone GX-707/GX-1 von Mitte der Siebziger, einer Zeit, in der MIDI noch kein Thema war. Aufgrund dieser Historie ist es auch erklärbar, dass der CS-80 im Unterschied zum im selben Jahr erschienenen Prophet 5 kein digital speicherbares Instrument war. Vielmehr bot der CS-80 22 Presets, ein üppiges Bedien-Panel zum Einstellen einer eigenen Klangfarbe sowie vier User-Speicher, die sich über kleine Schieberegler unter einer Klappe justieren ließen. Was das 90 Kilogramm schwere „Ungetüm“ bis heute begehrenswert macht, ist seine generöse Ausstattung mit Bedienelementen und Spielhilfen sowie die dynamische Klaviatur mit polyphonem Aftertouch, die man bei der Konkurrenz nicht fand. Kein Wunder also, dass der CS-80 ein regelmäßiger Studio- und Bühnengast bei Künstlern wie Stevie Wonder, Rick Wakeman oder Tony Banks war und heute zu Liebhaberpreisen gehandelt wird.

Kein Original

Yamaha hat beim CS-80 weder Kosten noch Mühe gescheut, um ein Musikinstrument im besten Sinne zu bauen. Der Kaufpreis von 6900 US-Dollar entspräche laut Inflationsrechner heute knapp dem 4,5-fachen. Den Gedanken an einen komplettem Nachbau sollte man also direkt verwerfen. Neben dem Kampfgewicht, das sich aus der massiven Verarbeitung, der üppigen Bedienoberfläche und der Klaviatur ergab, war auch der immense Schaltungsaufwand für den Preis verantwortlich. Der CS-80 ist größtenteils diskret aufgebaut und setzt auf eigens entwickelte Bauteile, die nicht am freien Markt verfügbar sind. Dennoch versucht sich Deckard’s Dream dem Mythos anzunähern. Federführend hinter dem Projekt steht Roman Filippov, der bereits bei Malekko arbeitete und unter dem Namen Sputnik Modular eigene Module anbot. Kernziel des Projektes war die Nachbildung der spezifischen Klangerzeugung in analoger Form für die Jetztzeit. Gleichzeitig war aus Kostengründen das Fallenlassen bestimmter Merkmale unabdingbar, namentlich Klaviatur und Ribbon- Controller, während man den Ringmodulator und die Effekte des CS-80 als kostenpflichtige 19-Zoll-Option ergänzen kann. Tatsächlich könnte der erste Eindruck kaum unterschiedlicher sein: Deckard’s Dream Rev. 2, (Firmware 1.3) ist in einem knapp drei Kilogramm leichten 19-Zoll-Metallgehäuse mit vier Höheneinheiten untergebracht. Die Bedienoberfläche des Originals wird mit diversen farbcodierten Fadern nachempfunden, ist aber im Vergleich stark miniaturisiert. Die Polyphonie und den typischen Stimmaufbau behält das Instrument jedoch bei. Die Klangerzeugung ist speicherbar (256 Werks- und 128 Anwenderspeicher) und MIDI-fähig. Da Klaviaturen mit polyphonen Aftertouch heute rar gesät sind, hat der Hersteller wissend MPE (MIDI Polyphonic Expression) implementiert, womit sich Deckard’s Dream mit entsprechenden Controllern besonders expressiv spielen lässt. Bei einem Basispreis von 3900 Euro ergibt sich in Summe mit den gewünschten Optionen ein stattlicher Betrag, der aber immer noch deutlich unter den Gebrauchtpreisen für den CS-80 liegt. Wer technisch versiert ist, kann Deckard’s Dream übrigens auch günstiger als DIY-Kit erstehen, muss sich dann allerdings selbst um Bauteile, Gehäuse, Bedienelemente und den Zusammenbau kümmern.

Die Klangerzeugung

Anders als viele Synthesizer arbeitet Deckard’s Dream pro Stimme mit zwei identischen Strängen (Layer I/II). Diese beginnen mit einzelnen VCOs auf Basis von CEM3340-Chips mit nachgeschalteten Waveshapern, die einen Sägezahn, eine breitenvariable Rechteckwelle, einen Sinus und pegelbares weißes Rauschen bereitstellen. Für die Pulsbreitenmodulation stehen dabei eigene in der Intensität und Geschwindigkeit regelbare Sinus-LFOs bereit, die wie alle weiteren Modulationen digital umgesetzt wurden. Von hier gelangt man in seriell verschaltete Hoch- und Tiefpass-Filter mit 12 dB/Okt. Flankensteilheit und eigenen Resonanzparametern, die kräftigend um den Sinus der VCO-Sektion ergänzt werden können. Die Filter werden über eine ADR-Hüllkurve (mit zusätzlichen Reglern für Initial- und Attack-Level) gesteuert, ehe sie in die abschließenden VCAs mit eigenen ADSR-Hüllkurven gelangen. Beim Ausklingverhalten kann man sich sodann zwischen einem individuellen oder globalen Ausklingen entscheiden. Weitere Regler justieren die Einflussnahme der Hüllkurve auf beide Filter sowie die Abhängigkeit der Filter und des Ausgangspegels von der Anschlagsdynamik und dem Aftertouch.
Unterhalb der Stränge findet sich ein dritter Bereich, der übergreifende Aufgaben kontrolliert: Hier kann man das Instrument stimmen sowie, pro VCO, in der Oktavlage justieren. Hinzu kommt eine mögliche Feinverstimmung der Oszillatoren gegeneinander. Es folgt ein LFO mit sechs Wellenformen (einschließlich Zufall und externem Eingang), der mit variabler Intensität die Tonhöhen-, Filter- und Lautstärkemodulation steuern kann, global oder stimmbezogen. Für die LFOs und die Hüllkurven lässt sich übrigens pro Patch der Geschwindigkeitsbereich definieren, mit Ergebnissen, die mit dem CS-80 nicht umsetzbar waren. Über weitere Regler mischt man die Layer und steuert die Filter übergreifend Performance-tauglich in Einsatzfrequenz und Resonanz. Die weiteren Bereiche Touch Response und Keyboard Control widmen sich der Anschlagsdynamik und ihrer Auswirkung auf einen automatischen Pitchbend-Effekt, LFO, VCO-Tonhöhe oder die Filter. Zwei weitere Fader pro Layer justieren das Tracking der Filter und der Ausgangslautstärke jeweils für den unteren und oberen Tastaturbereich. Abschließend gibt es noch eine zuschaltbare Portamento-Sektion.

Der zusätzliche Expander erweitert Deckard’s Dream um eine Effektsektion, die einen Ringmodulator, Tremolo, Chorus, Delay und Reverb beheimatet.


Praktisch: Der Synthesizer lässt sich in ein Rack einbauen und kann so gut verstaut werden.


Anschlüsse

Die Frontseite bietet einen Regler für die Ausgangslautstärke und einen Kopfhörerausgang, während sich rückwärtig der monophone Audioausgang, das MIDITrio, USB, der Steuereingang für den LFO, der Netzteilanschluss sowie eine Erweiterungsbuchse verbergen. Auf Pedaleingänge wie am CS-80 verzichtet Deckard’s Dream. Der optionale Expander, der nur per Direktbestellung erhältlich ist und uns zum Test nicht zur Verfügung stand, ergänzt Deckard’s Dream oder auch andere Synthesizer um eine mehrstufige Effektsektion. Das Gerät wird über zwei summierte Monoeingänge angebunden und liefert einen Stereo- und weiteren Kopfhörerausgang. Sein analoger Ringmodulator arbeitet mit dem bewährten MC1496-Chip, ergänzendem CEM-3340-Trägeroszillator und einer dedizierten Hüllkurve zur dynamischen Steuerung. Die weiteren Effekte arbeiten mit eigenen DSPs. Sie liefern umschaltbar Tremolo oder Chorus sowie Delay und Nachhall. Aus Qualitätsgründen bleibt das Originalsignal dabei stets ungewandelt und durchläuft die Effekte nur parallel. Schließlich gibt es noch einen Sustain- Regler und 1/2-Schalter wie am Original. Leider sind die Einstellungen des Expanders laut Hersteller nicht speicherbar. Gleichwohl dürfte das Gerät für eine weitere Annäherung an den CS-80 eigentlich unverzichtbar sein.


>> Die glaubhafte Annäherung an den CS-80 ist eine bemerkenswerte Leistung, selbst wenn es im Detail Unterschiede gibt und bestimmte Funktionen den Erwerb des Expanders verlangen. <<


Praxis

So schön die üppige Reglerausstattung auch ist, die kurzen Fader liegen für meine Begriffe zu eng beieinander. Man mag das geringe Gewicht und das Kompaktformat als Vorteil auslegen, ich selbst hätte eine Desktop-Variante mit großzügigerer Bedienoberfläche klar bevorzugt. Dazu habe ich meine Probleme mit dem 19-Zoll-Format, das nur selten eine intuitive Bedienung gestattet. So auch hier. Erschwerend hinzu kommt das OLEDDisplay mit 128 × 64 Pixeln, dessen kleine Abmessungen man ebenso wie die fünf winzigen, unangenehm spitzen Taster eigentlich nur als Witz abtun kann: viel zu klein, kaum lesbar und umständlich zu bedienen. Dazu fehlt ein Data-Entry-Regler, weshalb Werteänderungen schrittweise vorzunehmen sind. Das gilt auch für Wechsel der nicht benennbaren Presets. Zum Glück gibt es Programmwechselbefehle! Angesichts des Verkaufspreises hätte ich da klar mehr erwartet. Abseits weniger globaler und Patch-abhängiger Parameter, die im Display justiert werden, stehen nahezu sämtliche Parameter im direkten Zugriff. Dazu gibt es unterschiedliche Fader-Modi (Jump, Pickup, Merge) und einen Panel-Modus. Überflüssig finde ich die umgekehrten Regelwege mancher Parameter in Anlehnung an das Original, etwa im LFO-Bereich, die eher Verwirrung stiften. Mit etwas Einarbeitung und richtiger Platzierung lässt sich dennoch flüssig an der Klangumgestaltung arbeiten. Die MIDI-Spezifikation erlaubt sogar ein Senden und Adressieren der zahlreichen Parameter als MIDI Controller, etwa für Automationen. Der Test lief zu großen Teilen mit einem konventionellen Keyboard. Allerdings konnte ich die MPEKompatibilität kurz auf einem Haken Continuum erfolgreich zu testen. Tatsächlich lässt sich hier das notenspezifische Adressieren der Modulationen und Filter umsetzen. Übung vorausgesetzt, ist das schon eine Besonderheit. Schließlich bietet Deckard’s Dream noch die Möglichkeit eines Micro-Tunings, die aber leider nur global greift.

Klang

Beim Durchschalten der Presets und der direkt möglichen Klangeditierung wird klar, dass Deckard’s Dream den Grundsound des CS-80 glaubhaft einfängt. Eine bemerkenswerte Leistung, selbst wenn es im Detail Unterschiede gibt und andere Funktionen den Erwerb des Expanders verlangen. Gleichwohl liefert auch Deckard’s Dream Klänge, wenn auch nicht in der Vollständigkeit des CS-80, die mit anderen Synthesizern kaum erreichbar sind. Beide Instrumente sind keine Alleskönner, sondern weisen spezifischen Stärken auf, zu denen insbesondere synthetische Bläser aber auch zupfsaitenverwandte und E-Piano-artige Sounds gehören. Mit einem Lexicon 224 für die Hallfahne kann man sich zweifellos in den warmen, breiten Flächen verlieren. Der doppelte Signalstrang mit je zwei Filtern, ergänzendem Sinus, übergeordneter Modulation und Performance-Steuerung ist gewöhnungsbedürftig, aber einzigartig. Dennoch muss man an der Bedienoberfläche schrauben, bis der Klang passt. Durch menügesteuerte Veränderungen der Hüllkurven- und Modulationszeiten birgt das Gerät gerade bei bewegten Klängen einen Mehrwert: Maximalwerte von bis zu hundert Sekunden lassen sich für die Hüllkurvenphasen für lange Klangevolutionen nutzen. Ich hätte aber zusätzliche Modulationsoptionen begrüßt. Der Grundklang ist hochwertig und dank der variablen Pulswellen, dem Sägezahn und dem Rauschen vielseitig, verzichtet aber auf Extras wie FM. Der generelle Bass ist üppig, weich und füllig. Er lässt sich zudem durch einen achtfachen Unisono- Modus mitsamt Verstimmung intensivieren. Dazu lässt sich global festlegen, ob man mit zwei statt einer Voice-Card pro Stimme arbeitet, bei halbierter Polyphonie.
Das Klangspektrum würde ich nach heutigen Maßstäben als konservativ mit eigenständiger Vintage-Note bezeichnen. Deckard’s Dream besetzt eine Nische und punktet über die genannten Klänge hinaus vor allem durch seine vier eigenständigen Filter und die dynamische Steuerbarkeit während des Spiels mit einem geeigneten Controller.
Ein Synthesizer für Klangexperimente, knackige Bässe, Percussions oder warme Streicher ist er hingegen nicht. Auch disharmonische Sounds sind ohne Ringmodulator kaum umsetzbar. Immerhin sorgt der Modulator mit Zufallswellenformen für spannende Kreativsounds, etwa mit mehrfach gefiltertem Rauschen. Apropos Filter: Sie klingen eigenständig und ihre Resonanz überprägt den Klang ohne Pegeländerungen und Selbstoszillation. So entstehen stimmige Abrundungen und Ausdünnungen, nasale Bandpässe oder gar formantartige Klänge. Da die Modulatoren stets Hoch- und Tiefpass gleichzeitig adressieren, erfreut die Möglichkeit, die Modulationsrichtung des Hochpass-Filters für gegenläufige Sweeps zu invertieren. Leider wieder nur global schaltbar. Ohne direkten A/B-Vergleich meine ich, dass der CS-80 Original im Klangbild noch lebendiger wirkt. Deckard’s Dream klingt dazu in den oberen Oktaven erkennbar weniger schön als in den tiefen Registern und hat ferner eine Neigung, sich im Mittenbereich leicht aufzuschwingen. Im Test griffich dem Testgerät erfolgreich mit einem hochwertigen Chorus unter die Arme (AMS DMX-15 mit Choru- Controller). Auch unter diesem Aspekt ist der optionale Expander einen näheren Blick wert.

KEYS INFO

PROGRAMMIERUNG UND KLANGVERWALTUNG

Eine Erleichterung bei der Programmierung und Klangverwaltung soll ein kostenloser Editor von Spektro Audio (www.spektroaudio.com ) für Mac-OS bringen. Die Software arbeitet standalone, als AU-MIDIEffekt oder über Max for Live. Die GUI fällt für meine Begriffe zu klein aus, bietet aber immerhin einen vom Rack losgelösten visualisierten Parameterzugriff. Auch hier fehlen leider die Patch-Namen, dafür gibt es eine vielseitige Zufallsfunktion zum Erstellen neuer Sounds. Ergänzend lässt sich Deckard’s Dream zur Patch-Archivierung als USB-Speichermedium booten. Das ist praktisch, erlaubt aber keinen Zugriffauf einzelne Klänge.

Trotz unzähliger Einstellungsmöglichkeiten präsentiert sich Deckard’s Dream in einem kompakten Format.


FAZIT

Deckard’s Dream versteht sich als fachgerechte Hommage an Yamahas Analogklassiker. Der Synthesizer liefert erkennbar vergleichbare Sounds, wenn auch nicht vollständig identisch und mit dessen Opulenz.
So würde ich Deckard’s Dream in der Lebendigkeit des Klangbilds die letzten zehn Prozent aberkennen. Auch fehlen wichtige Aspekte des Gesamtkonzepts CS-80, wobei prägende Elemente wie der Ringmodulator und die Effekte optional zu haben sind. Sie untermauern ebenso wie die MPE-Implementation, dass es der Hersteller wirklich ernst meint, wenngleich es bei einigen Funktionen noch Nachholbedarf gibt.
Die Black Coporation hat Deckard’s Dream kompakt, leicht, stimmstabil und speicherbar ausgeführt. Die Umsetzung im 19-Zoll-Format mit den resultierenden Einschränkungen bei der Bedienung kann der Großzügigkeit des Originals erwartungsgemäß nicht gerecht werden, hätte aber angesichts des Preises durchaus einen weiteren Schritt in dessen Richtung machen können – persönlich hätte ich dafür sogar gern tiefer in die Tasche gegriffen.
Zusammenfassend ist Deckard’s Dream ein bemerkenswertes, engagiertes Projekt, das in vielen Fällen eine Alternative zum CS-80 darstellt. Klanglich belegen Testgerät und Vorbild eine bestimmte Nische, die ihre größte Stärke bei einzigartigen Brassklängen hat. Kein Synthesizer für alle Fälle und jede Situation, wohl aber ein bemerkenswertes Instrument.

Ulf Kaiser