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HARLEY-DAVIDSON LOW RIDER S/ROAD GLIDE ULTRA: Nur die Harten kommen in den Garten …


Motorrad News - epaper ⋅ Ausgabe 11/2019 vom 02.10.2019

Die Harley-Davidson Low Rider S stellt durchaus Ansprüche an ihren Fahrer, belohnt ihn dafür aber mit markanter Formgebung und sehr guten Fahrleistungen.


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Bildquelle: Motorrad News, Ausgabe 11/2019

Die neue Low Rider S mit den typischen auf dem Tank montierten Instrumenten ist ein Motorrad, das den Fahrer – und nur den, einen Soziusplatz gibt es nicht – fordert.


J a, es gab jüngst schon mal eine Low Rider S: 2016 kam sie ins Programm. Kurz vor der Präsentation der Milwaukee-Eight-Motoren fand der damals stärkste V2 den Weg in die niedrige, kompakte Dyna Low Rider, was diese zur fahraktiven Low Rider S mutieren ließ. 2018 war Schluss mit lustig, ...

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J a, es gab jüngst schon mal eine Low Rider S: 2016 kam sie ins Programm. Kurz vor der Präsentation der Milwaukee-Eight-Motoren fand der damals stärkste V2 den Weg in die niedrige, kompakte Dyna Low Rider, was diese zur fahraktiven Low Rider S mutieren ließ. 2018 war Schluss mit lustig, denn damals verschwand die komplette Dyna-Modellreihe. Zuerst feierte 2018 die Low Rider auf Softail-Basis mit dem Milwaukee-Eight 107 Wiederauferstehung, nun folgt ihr die S-Version, ausgerüstet mit dem hubraumund leistungsstärkeren 114er-V2. Sie ist nix für die Gemütlichen, auch nix für die Connaisseure der Zweiradwelt, sondern ein Bike für die harten Brüder und – vielleicht sogar besonders harten – Schwestern. Für beide zusammen nicht, denn die Low Rider S ist ein bedingungsloser Einsitzer.

Noch stärker als andere Modelle des amerikanischen Traditionskonzerns aus dem Bundesstaat Wisconsin wird die Low Rider S von ihrem Motor dominiert. Die bislang stärkste Serienstufe des Milwaukee- Eight mobilisiert in diesem Modell aus 1868 Kubikzentimeter Hubraum 94 PS/69 kW bei 5020/min; für das lässige, schon bei kurzem Dreh des Gasgriffs aber gewaltige Durchzugsvermögen wichtiger ist das Drehmoment von 151 Nm, dessen Gipfelwert bei 3000/ min anliegt. Noch bedeutsamer als diese Bestmarke ist der Verlauf der Drehmomentkurve: Bereits ab 2000/min feuert die Low Rider S, sodass der Fahrer dankbar für die angedeutete Stütze am unteren Rücken ist. Das durchaus nennenswerte Leergewicht von 308 Kilogramm tut zumindest gefühlt nichts zur Sache.

Der Drang nach vorne ist aber nicht allein eine Folge der Installation des 114ers, sondern hat seine Ursache in den zahlreichen Modifikationen gegenüber der Low Rider. Der Lenker weist höhere Riser auf, die Fußrasten sind nicht weit vom Fahrzeugzentrum positioniert und zugunsten einer durchaus markanten Schräglagenfreiheit auch ziemlich hoch montiert. In Verbindung mit dem nur 690 mm hohen Sitz ergibt das eine gewollt aggressive Sitzposition, die den Fahrer zum Rundrücken zwingt. Bereits ab mittlerer Körpergröße befinden sich die Knie höher als der Fahrerhintern; je größer der Fahrer, desto stärker nähert er sich dem Gefühl, als sei er ein Klappmesser kurz vor dem Einschnappen. Bequem ist das nicht, aber die Low Rider S will ja auch kein Bike für das Erleben der großen, weiten Welt auf zwei Rädern sein.

Kenner wissen selbstverständlich, dass sich bei allen Softails das Federbein, in der Vorspannung stufenlos hydraulisch einstellbar, unter dem Sitz versteckt. Es liefert angesichts von nur 112 mm Federweg eine erstaunlich gute Leistung ab. Die im 62°-Winkel montierte 43-mm-Upside-down-Telegabel mit Single-Cartridge-Technik spricht fein an, sodass auf den 130 mm Federweg fast alle harten Stöße unschädlich gemacht werden. Auf vielleicht noch höherem Niveau arbeitet die Dreischeiben-Bremsanlage; das im Hintergrund wachende, optisch kaum erkennbare ABS greift, sofern nötig, beherzt ein. Mit stabilem, dabei keineswegs kurvenunwilligem Fahrwerk, ordentlicher Schräglagenfreiheit, sehr guten Bremsen und ordentlichem Federungskomfort ist die Low Rider S eine willige Partnerin für locker-flockige Landstraßenpartien, gerne auch der kurvigen Art. Die Großglockner Hochalpenstraße mit ihren runden Biegungen ist mit einer Low Rider S sicherlich hochgradig spaßig, das Stilfser Joch mit seinen Spitzkehren wohl kaum.

Stattliche Erscheinung: Zwischen dem von einer erstaunlich gut arbeitenden Gabel geführten Vorderrad bis hin zum Hinterrad erstrecken sich 1615 Millimeter Radstand.


Fotos: Harley-Davidson

Die bislang stärkste Serien- Stufe des Milwaukee- Eight-V2 (g. l.) hat keine Mühe mit 308 Kilo Maschinengewicht plus Fahrer.


Zum Glück gilt das auch für die effektive Bremsanlage.


Das Heck der Low Rider S ziert eine Kaskade von LED-Leuchten.


Freilich kauft man eine Harley mit dem »Big Block« nicht nur zum Fahren, sondern auch zum Anschauen. Dem Liebhaber des »bösen« (An-)Blicks fällt sofort auf, dass die Unterschiede zur Low Rider durchaus markant sind: So weist die S gleich vier Arten schwarzen Lacks auf. Der Motor, die Abdeckung des Primärantriebs und die Tankkonsole mit ihren zwei separaten Rundinstrumenten wurden in Wrinkle Black ausgeführt. Der Kupplungsdeckel, der Luftfilter und die unteren Rockerbox-Abdeckungen tragen Gloss Black, die Auspuffanlage mit ihren Hitzeschilden ist im Farbton Jet Black gehalten, und die Gabel mit Gabelbrücken, der Riser samt Lenker und die hinteren Schutzblechhalterungen wurden mit Matte Black beschichtet. Den gleichermaßen reduzierten wie angriffslustigen Look dieses Bikes sieht Harley in der Tradition des Coastal Looks aus den 1980er-Jahren, seinerzeit umgesetzt bei der Performance-orientierten FXR und den Dyna-Modellen.


Die Low Rider S stellt ein bewusst reduziertes Motorrad dar


Auch wenn die Low Rider S ein bewusst reduziertes Motorrad darstellt, so weist sie dennoch eine Reihe charmanter, teils auch angenehm funktionaler Details auf. Zu nennen sind unter anderem ihre 9-Speichen-Leichtmetallgussräder in Dark Bronze und Schwarz, die echt was hermachen. Dazu kommt eine hochwertige Ausstattung mit automatischer Wegfahrsperre, Keyless-System, LED-Scheinwerfer, perfekt automatisch zurückstellenden Blinkern, USB-Anschluss und allerlei mehr. Ein nettes Detail ist ein im Stil des Low-Rider- Urmodells aus dem Jahr 1977 gehaltener Schriftzug auf der Tankkonsole.

Nicht verschweigen lässt sich ein merkwürdiger Missgriff bei der Reifenwahl: Gilt der von Michelin nach Harley-Vorgaben gebaute Scorcher 31 bereits grundsätzlich nicht gerade als Gripwunder (bei der Präsentation auf dem rauen Kalifornien-Asphalt schlug er sich freilich einwandfrei), so sorgten die Reifen der Testbikes im Falle der Low Rider S bei den aufmerksamen Testern für echte Verwunderung: Teils waren sie schon vor zweieinhalb Jahren produziert worden! Nicht ein Frontpneu stammte aus dem Jahr 2019, und auch die Hinterreifen waren allesamt deutlich älter als ein halbes Jahr. Wie das Harley-Davidson bei den Kundenbikes handhabt, wissen wir natürlich nicht; im Falle eines Kaufes wird diesbezüglich eine gewisse Aufmerksamkeit bei der Fahrzeugübernahme nicht nachteilig sein. Doch abgesehen von dieser Merkwürdigkeit ist die Low Rider S eine echte Harley vom Stamme Softail. Die 13. in dieser Modellfamilie übrigens.

TECHNISCHE DATEN

Motor: Leistung 69 kW (94 PS) bei 5020/min, max. Drehmoment 155 Nm bei 3000/min, luft-/ölgekühlter Zweizylinder- Viertakt-45°-V2-Motor mit Ölkühler, 1868 cm3, Bohrung x Hub 102 x 114,3 mm, Verdichtung 10,5:1, zwei Ausgleichswellen, eine per Zahnkette angetriebene, unten liegende Nockenwelle, vier per Gabelkipphebel betätigte Ventile je Zylinder, Zünd-/Einspritzelektronik, elektronische Drosselklappe, Ø 55 mm, Trockensumpfschmierung, mechanisch betätigte Mehrscheiben-Nasskupplung, Sechsganggetriebe, Zahnriemen
Fahrwerk: Doppelschleifen-Stahlrohrrahmen, v. 43er-USD-Gabel, h. Stahlrohr- Dreieckschwinge, Zentralfederbein mit hydraulisch vorspannbarer Federbasis, Federweg v./h. 130/112 mm, LM-Gussräder, v. 2.5 x 19, h. 5.00 x 16, Reifen v. 110/90 B19, h. 180/70 B16, v. 300-mm- Doppelscheibenbremse m. Vierkolben- Festsätteln, h. 292-mm-Scheibenbremse m. Doppelkolben-Schwimmsattel
Maße und Gewichte: Radstand 1615 mm, Lenkkopfwinkel 62°, Nachlauf 145 mm, Sitzhöhe 690 mm, Gewicht fahrfertig 308 kg, Zuladung 218 kg, Tank 18,9 l
Assistenzsysteme: ABS
Preis: ab 19.795 €
Farben: Vivid Black, Barracuda Silver