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HARTE SCHULE


Chronos - epaper ⋅ Ausgabe 6/2019 vom 18.10.2019

IWC schützt die Fliegeruhr mit Schleppzeigerchronograph nun mit einem kratz- und bruchfestenGehäuse aus Hightech-Material . Das freut nicht nur die namensgebende Top-Gun-Schule für Kampfpiloten.


TEST IWC PILOT’S WATCH DOUBLE CHRONOGRAPH TOP GUN CERATANIUM

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Bildquelle: Chronos, Ausgabe 6/2019

VORZÜGE
+ cooles Design
+ seltene Funktion
+ Magnetfeldschutz

NACHTEILE
-stattliche Höhe
-kein Manufakturwerk

IWC ist berühmt für seine Fliegeruhren, deren Tradition bis 1936 zurückreicht. Der Schleppzeiger hat es 1992 in die Kollektion geschafft; die Komplikation heißt bei IWC traditionell Doppelchronograph. Weil die Modelle nun alle englische ...

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IWC ist berühmt für seine Fliegeruhren, deren Tradition bis 1936 zurückreicht. Der Schleppzeiger hat es 1992 in die Kollektion geschafft; die Komplikation heißt bei IWC traditionell Doppelchronograph. Weil die Modelle nun alle englische Namen tragen, wird daraus der Double Chronograph.

Der Name Top Gun steht bei IWC für die besonders professionellen Fliegeruhren. In Deutschland verbindet man ihn vor allem mit dem gleichnamigen Film von 1986, in dem Tom Cruise einen jungen Kampfjetpiloten spielt. Die fiktive Handlung fand vor einem realen Hintergrund statt: Top Gun wird die United States Navy Fighter Weapons School genannt, die Piloten im Luftkampf schult. Inzwischen ist diese Marinefliegerschule Teil des Naval Strike and Air Warfare Center, gilt aber immer noch als anspruchsvollste Kampffliegerschule der amerikanischen Streitkräfte. Das Top-Gun-Logo findet sich auf dem Gehäuseboden der Uhr.

IWC hat die Partnerschaft vor Kurzem intensiviert: Es gibt Modelle mit Logo auf dem Zifferblatt, die ausschließlich den Piloten vorbehalten bleiben. Aber allein der Cockpit-Instrumenten-Look der Uhr und das von Tarnkappenbombern bekannte Stealth-Design, bei dem hier die üblicherweise weißen Ziffern und Indexe nun in Grau zurückgenommen sind, erinnern an Kampfjets. Dazu passt das mattschwarze Gehäuse aus Ceratanium. Dieses Material sieht nicht nur gut aus, es soll auch die kratzfeste Oberfläche von technischer Keramik mit der Bruchfestigkeit von Titan verbinden. Vereinfacht gesagt, handelt es sich um eine Titanlegierung, bei der nur die äußere Schicht im Ofen keramisiert; im Innern bleibt das Material elastisch. Den Kratztest mit einer Schere hat das Gehäuse unserer Testuhr schadlos überstanden. Die Verarbeitung des Gehäuses ist ausgezeichnet, es finden sich keine scharfen Kanten. Die Oberfläche ist matt, was gut zum Instrumentenlook des Zifferblatts passt.

Die Krone und die Drücker mit Drückerschutz bestehen ebenfalls aus dem neuen Material und sind perfekt in das Gehäuse eingepasst. Hier kann man auch den Unterschied zu einem Keramikgehäuse erkennen: Dort fertigt IWC Krone und Drücker stets aus Titan.

Schleppflug

Der dritte Drücker bei der Zehn weist auf die zweite Besonderheit des Chronographen hin: Er verfügt über einen Schleppzeiger, auch Rattrapante genannt. Bei dieser Komplikation wird ein zweiter Sekundenstoppzeiger fast unsichtbar unter dem ersten mitgeschleppt, wenn man den Chronographen startet. Er lässt sich dann jederzeit über den zusätzlichen Drücker bei der Zehn abkoppeln. So können Zwischenzeiten gestoppt werden. Bei erneuter Betätigung des Drückers schnellt der Schleppzeiger zum Stoppzeiger zurück und wird wieder von ihm mitgeschleppt.

Diese auf den ersten Blick nur am zusätzlichen Drücker erkennbare Komplikation, die IWC auf der Basis des bekannten Chronographenkalibers Eta-Valjoux 7750 realisiert, erfordert erhebliche Eingriffe im Uhrwerk und einen hohen Entwicklungsaufwand. In der aktuellen Top Gun tickt im Grunde das gleiche Werk wie im ersten Doppelchronographen von 1992, auch wenn es im Laufe der Zeit Detailverbesserungen gab.

Der Drücker für den Schleppzeiger trägt hier einen roten Ring, der mit dem zweiten Sekundenzeiger mit roter Spitze korrespondiert. Allerdings wird der obenliegende graue Zeiger abgekoppelt und ist daher der eigentliche Schleppzeiger, während der mit der roten Spitze weiterläuft.

Bei der grauen Leuchtmasse hat IWC das Design über die Ablesbarkeit gestellt. Allerdings lässt sich die Zeit trotz des geringeren Kontrasts noch gut erfassen. Auch die Chronographenzählermit ihren großen vertieften Skalen und den grauen Zeigern sind schnell abzulesen. Teilstriche für die Sekundenbruchteile fehlen allerdings, und bei Dunkelheit konzentriert sich die Top Gun auf die Zeit: Nur das Zwölf-Uhr-Dreieck, die zifferfreien Indexe bei drei, sechs und neun Uhr sowie Stunden- und Minutenzeiger leuchten dann. Das beidseitig entspiegelte und gewölbte Saphirglas trägt in vielen Lichtsituationen zur besseren Ablesbarkeit bei. Die blaue Farbe der Entspiegelungsschicht stört bei dieser modernen Uhr nicht allzu sehr.

Die Testuhr treibt ein aufwendig zum Schleppzeigerchronographen umgebautes Valjoux 7750 an


IWC

Das Erfolgsrezept der Schaffhauser Uhrenmarke ist eine gelungene Mischung aus ikonenhaften Modellen, technischer Kompetenz und attraktivem, jederzeit wiedererkennbarem Design. IWC wurde 1868 vom US-Ingenieur Florentine Ariosto Jones gegründet. Erst Georges Kern, der IWC von 2002 bis 2017 leitete, gab der Marke ihr Lifestyle-Image, das ihren heutigen Erfolg ausmacht. In der Preisgestaltung gibt sich IWC selbstbewusst, strebt aber seit einiger Zeit ein besseres Preis-Leistungs-Verhältnis an. Dafür wurden günstigere Manufakturkaliber entwickelt.

Das Armband aus Kautschuk und Textil endet in einer Schließe aus Ceratanium


Kratzer, Stöße, Magnetfelder, Unterdruck: Der Doppelchronograph hält einiges aus.


Vervollständigt wird das stimmige Design vom Armband aus Kautschuk mit einer oberen Einlage aus Textil, die sogar eingenäht ist. Das sieht cool und ziemlich robust aus. Die Unterseite des Bandes versieht IWC zur Belüftung mit einem kreuzförmigen Reliefmuster, das allerdings nicht ganz angenehm am Arm liegt. Die Dornschließe besteht wie das Gehäuse aus Ceratanium. Die Funktionssicherheit einer Dornschließe passt zu dieser Uhr besser als der Komfort und die Eleganz einer Faltschließe.

Fast ebenso leicht wie die Schließe lassen sich die Drücker und die verschraubte, griffige Krone bedienen. Ein wenig merkt man der Top Gun allerdings doch das nockengeschaltete Basiskaliber Valjoux 7750 der Eta an: Die Drücker lassen sich nicht so butterweich drücken, wie man es von manch einem Schaltradchronographen kennt. Der Drücker für den Schleppzeiger benötigt weniger Kraft. Auch er wird über Nocken geschaltet und bewegt eine Zange, die den Schleppzeiger festhält.

Das ganze System wurde auf der Unterseite des Werkes installiert, wofür auch der Rotor versetzt werden musste. Dafür lässt sich die Mechanik so einfacher warten. Die standardmäßige Etachron-Regulierung mit Rücker ersetzt IWC durch eine Triovis-Feinregulierung. Zudem wird ein Federhaus mit stärkerer Feder eingesetzt.

ALTERNATIVMODELL

BREITLING NAVITIMER B03 CHRONOGRAPH RATTRAPANTE. 10280 EURO

Die eher klassisch gestaltete Breitling bietet statt Kratzfestigkeit ein Manufakturkaliber und einen niedrigeren Preis. Edelstahl, 45 mm, Manufakturkaliber B03, Automatik, Chronometer

Im Ofen wird die obere Schicht des Ceratanium-Gehäuses zu Keramik


Man kann sich vorstellen, dass der Schleppzeiger zusätzliche Kraft benötigt. Mit etwa 70 Grad fällt der Amplitudenabfall auf der Zeitwaage bei eingeschaltetem Chronographen dann auch wesentlich höher aus als die sonst üblichen rund 30 Grad. Koppelt man den Schleppzeiger ab, nimmt die Schwingungsweite noch einmal um zehn bis 15 Grad ab. In den hängenden Lagen bleiben dann gerade noch ausreichende 210 Grad übrig.

Die Ganggenauigkeit beeinträchtigt dies allerdings nicht: Die größte Abweichung zwischen den Lagen ist mit vier Sekunden am Tag erfreulich niedrig. Und mit durchschnittlich 1,5 Sekunden Vorgang am Tag läuft die Top Gun vorbildlich. Das bleibt auch mit eingeschaltetem Chronographen ähnlich. Damit ist die Top Gun ein Präzisionsinstrument, das durchaus mit den anderen Cockpit-Instru menten mithalten kann. Zum Fliegen eignet sie sich auch wegen ihres Saphirglases, das einem Druckabfall widersteht, und dem Magnetfeldschutz durch ein Weicheisen-Innengehäuse, der auch im Alltag sinnvoll ist.

Der Doppelchronograph sieht also nicht nur aus wie eine professionelle Fliegeruhr, sondern kann auch funktional überzeugen. Der Preis von 14600 Euro ist hoch für eine Uhr ohne Manufakturwerk, selbst mit Schleppzeigerchronograph. Da verlangt die Konkurrenz teilweise weniger, allerdings gibt es nicht mehr viele Schleppzeigerchronographen auf dem Markt. IWC kann dafür das neuartige und funktionale Gehäusematerial in die Waagschale werfen. Letztendlich entscheidet das gelungene Cockpit-Design: Denn mit der Top Gun fühlt man sich immer ein wenig wie ein Jetpilot. [10516]


FOTOS NIK SCHÖLZEL (2), IWC (2)