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Harz, aber herzlich


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Auto Bild reisemobil - epaper ⋅ Ausgabe 10/2022 vom 08.09.2022

Mittelgebirge in drei Bundesländern

Artikelbild für den Artikel "Harz, aber herzlich" aus der Ausgabe 10/2022 von Auto Bild reisemobil. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.
Markante Felsformation: die berühmte Teufelsmauer bei Thale. Insgesamt zieht sie sich über 20 km hin

Der Harz entpuppt sich als wahres Wanderparadies

ALLES FING MIT EINEM STEMPELHEFT für vier Euro an. Schon vor ein paar Jahren las ich von den Harzer Wanderstempeln. 222 Stempelstellen, die im ganzen Harz verteilt sind. Als Ziel jeder Wanderung wird dann fleißig gestempelt. Je nachdem, wie viele man erlaufen hat, erhält der Wanderer verschiedene Abzeichen – von Bronze über Silber, Gold bis hin zum Harzer Wanderkaiser. Doch wie es so oft im Leben ist: Man hört von einer spannenden Sache, macht es aber letztlich nicht.

Doch dann kam der erste Corona-Sommer, und die Stellplätze in Deutschland durften wieder öffnen. Also hieß es für mich: Wanderstiefel entstauben, Rucksack aus dem Keller holen und zur Sicherheit noch Blasenpflaster aus der Apotheke besorgen. Was als lustiges Wanderwochenende begann, endete in meiner ganz persönlichen Harzreise. Einer Reise zu mir ...

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... selbst. Dem Beginn der Liebe zum Wald und den Wildtieren sowie der Wiederentdeckung des Wanderns. Mein erstes Wanderabenteuer startete in Bad Harzburg. Jedem Harz-Neuling würde ich diesen Wohnmobilstellplatz auch als Ausgangspunkt empfehlen. Selbst für größere Reisemobile gibt es hier Platz. In der Übernachtungsgebühr inbegriffen ist das Nahverkehrsticket für die Region. Im Hexenstübchen gibt es abends kühles Bier, Schnitzel und Wurst. Als schöner Wanderweg für Anfänger eignet sich der Luchsweg hoch zum Burgberg, über das Kreuz des Ostens bis zur Mittagseinkehr in der Waldgaststätte Rabenklippe. Auf dem Rückweg nach Bad Harzburg unbedingt weiter dem Luchsweg folgen. Selbst im Hochsommer spenden die Laubbäume Schatten, und der Weg ist kaum überlaufen. Auch das schätze ich so sehr am Harz, egal ob Sommerferien oder beliebte Pilzsucherzeit im Herbst, es ist immer möglich, einen ruhigen Ort zum Wandern abseits der Touristenmassen zu finden. So zum Beispiel auch am Torfhaus. Hier geht es mit dem Bus direkt vom Stellplatz Bad Harzburg hoch. Neben dem Nationalparkhaus, Restaurants und einem gut ausgestatteten Outdoorladen startet hier eine Vielzahl an Wanderwegen. In den Haupturlaubszeiten ist Torfhaus der Startpunkt in Richtung Brocken. Wer genau in die andere Richtung läuft, wird einen zauberhaften und kaum überlaufenen Wanderweg entdecken. Die Rede ist vom Märchenweg.

 Über Holzbohlen und Wurzeln führt der ansonsten nicht besonders steile Weg zu dem Oderteich. Genau hier hatte ich frühmorgens um acht Uhr ganz alleine meine erste Begegnung mit einem Reh. Eine ebenfalls magische Begegnung mit Wildtieren hatte ich in Stolberg auf dem Weg zum Josephskreuz. Ganz alleine im Wald vernahm ich plötzlich den typischen Maggi-Geruch. Ich blieb stehen, und ehe ich mich versah, stand ich in einer Rotte Wildschweine, die entspannt an mir vorbeiliefen. Solche Begegnungen werde ich mein Leben lang nicht vergessen, und es zeigt, dass es sich lohnt, den Harz abseits der touristischen Hauptorte zu erkunden. Unweit vom Brocken ent-fernt liegt der heilklimatische Kurort Altenau. Hier gibt es zum einen köstliches Bier und eine Therme zum Entspannen. Zum anderen auch den Kräuterpark. Erwachsene zahlen für den Besuch vier Euro. Zu entdecken gibt es die frischen Kräuter im Garten sowie Gewürze und Tees im angeschlossenen Ladengeschäft.

Wenn Sie schon in Altenau unterwegs sind, dann sollten Sie unbedingt einen Stopp im Töpferund Kunstatelier Harz Keramik von Irene Schukies einlegen. Neben handgefertigten Mitbringseln bietet die vielseitige Künstlerin auf Anfrage auch Walderlebnis- und Waldbadekurse an, wo sie die heilenden Kräfte des Waldes auf den menschlichen Körper und die Seele erklärt. Denn als gebürtige Rheinländerin zog sie aus Liebe zur Natur und zum Wald in den Harz. Beim Wandern im Harz stößt man immer wieder auch auf die bergbauliche Vergangenheit des Mittelgebirges. Besonders eindrucksvoll zeigt diese sich im Erzbergwerk Rammelsberg, welches seit 1992 auch den Titel UNESCO-Weltkulturerbe trägt. Allein schon der Zugang über den riesigen Platz und der Anblick der Aufzuganlagen lässt die Bedeutsamkeit des ehemaligen Bergwerks erahnen. Los geht es wie damals für die Bergleute im Umkleideraum. Nicht nur lehrreich, sondern auch abenteuerlich ist die einstündige Führung und Fahrt mit der Grubenbahn. Darüber hinaus werden das Jahr über verschiedene Themenführungen angeboten. Eine Nummer kleiner, aber genauso spannend sind die Grube Samson und das angeschlossene Museum in St. Andreasberg. Der Wohnmobilstellplatz befindet sich zum Glück direkt daneben.

Brocken, Bergwerke und Blütenzauber

Genug dunkle Stollen erkundet, wir sind hungrig und durstig. Als kulinarische Geheimtipps gelten die Imbisse und Gulaschkanonen am Waldesrand, die für wenig Geld hausgemachte Gulaschsuppe, Erbseneintopf oder Soljanka an-bieten. Wer besonders gerne Thüringer Rostbratwürste isst, der sollte einen Stopp beim Imbiss Hasenwinkel in Friedrichsbrunn einlegen. Für den größeren Hunger bietet sich die Ziegenalm Sophienhof im Südharz an. Neben Wohnmobilstellplätzen, Hofladen und Hofführungen gibt es die Almstube. Besonders empfehlenswert hier: Salat mit hofeigenem Ofen-Ziegenkäse. Zum Schluss dann unbedingt noch das Ziegeneis probieren! Eher ein Fall für gemütliche Stunden abends sind die Köstlichkeiten der Harzer Edelbrand Manufaktur. In Timmenrode kreiert Marco Fiedler alkoholische Köstlichkeiten. Alles begann als Hobby und mit dem Wunsch, einen eigenen Gin herzustellen. Mittlerweile umfasst das Sortiment der Harzer Edelbrand Manufaktur verschiedene Gin-Sorten, Liköre und Obst-Spirituosen. Hinzu kommen dann noch saisonale Spezialbrände. Einige Zutaten stammen sogar aus dem eigenen Garten. Zu kaufen gibt es die Schnäpse entweder direkt bei Marco Fiedler in Timmenrode oder in Läden, die die regionalen Produkte der Marke „Harz typisch“ vertreiben.

Reisetipps Harz

Wichtige Adressen

Camping und Stellplätze

Bad Harzburg: Wohnmobilstellplatz an der Therme, Nordhäuserstr. 10, 38667 Bad Harzburg. Im Winter 40, im Sommer 80 Stellplätze, auch für Fahrzeuge über 8 Meter. Bezahlung per Automat. Ver- und Entsorgung, Imbiss sowie Dusche und WC am Platz. Bad Lauterberg im Harz: Campingpark Wiesenbeker Teich, Wiesenbek 75/77, 37431 Bad Lauterberg im Harz. www.campingwiesenbek.de Familiengeführter Campingplatz mit Restaurant, Badesee, Wasserskianlage und Restaurant. Elend: Harz Camping am Schierker Stern, Am Stern 1, 38875 Elend. www.harz-camping.com Kleiner familiengeführter und hundefreundlicher Campingplatz direkt am Wald mit Schatten und Sauna. Goslar: Harz Camp, Clausthaler Straße 28, 38644 Goslar. www.harz-camp-goslar.de Kleiner, aber feiner Campingplatz vor den Stadttoren von Goslar. Bushaltestelle vorhanden. Hahnenklee: Das Kreuzeck, Kreuzeck 5, 38644 Goslar. www.camping-harz.com Terrassen-Campingplatz an den Grumbacher Teichen und 140 Touristen-Stellplätze. Neue Sanitärgebäude und Restaurant.

Ilsetal: Wohnmobilstellplatz, Ilsetal 6, 38871 Ilsenburg. Einfacher Stellplatz für 90 Fahrzeuge mit Ver- und Entsorgung sowie Dusche und WC am Platz. Idealer Ausgangspunkt für Wanderungen. Bezahlung im Laden Wanderlust gegenüber. Stolberg: Wohnmobilstellplatz, Rittergasse, 06536 Südharz. Kostenfreier Stellplatz der Gemeinde ohne Ver- und Entsorgung beim Busparkplatz. Höhenbegrenzung bei Durchfahrt Stadttor beachten. Thale: Klostercamping, Wendhusenstr. 3, 06502 Thale. www.klostercamping-thale.de Idyllischer Campingplatz, auch Reservierungen möglich. Ansonsten weiter vorne Wohnmobilstellplatz mit Bezahlung über Automat.

Essen, Trinken, Hofläden

Brauhaus Goslar: Marktkirchhof 2, 38640 Goslar. Brauerei vom köstlichen Goose-Bier mit gemütlicher Gastwirtschaft. Cafe Alt: Stubengasse 1, 06536 Südharz. Schönes Café, köstliche Kuchen und fair gehandelter Kaffee. Fleischerei Fessel: Ilgerstr. 53, 99768 Harztor. Feinkost-Metzger mit Wildfleisch, kleinem Shop und Grillfleisch. Imbiss Hasenwinkel: Hauptstraße 68, 06507 Thale. Beste Thüringer Bratwurst im Harz, großer Parkplatz. Rabenklippe: Rabenklippe 1, 38667 Bad Harzburg. Urige Gastwirtschaft zum Einkehren mit Terrasse samt Brockenblick. Ziegenalm Sophienhof: Dorfstraße 44, 99768 Harztor. Restaurant Almstube, Hofladen, Hofbesichtigung und Steichelzoo.

Sehenswertes

Baumschwebebahn: Sonderstr. 15, 38667 Bad Harzburg. Brockenbahn: www.hsb-wr.de Einhornhöhle: Im Rott, 37412 Herzberg. www.einhornhöhle.de Grube Samson: Am Samson 2, 37444 St. Andreasberg. www.grube-samson.de Hängebrücke: Rappbodetalsperre, 38889 Oberharz am Brocken. www.titan-rt.de Josephskreuz: Auerberg, 06536 Südharz. www.stadt-stolberg.de/auerberg Monsterroller: Am Amtsweg 4, 38700 Braunlage. www.monsterroller.de Selketalbahn: www.selketalbahn.de Stabskirche: Professor-Mohrmann-Weg 1, 38644 Goslar. www.hahnenklee.de Rammelsberg: Bergtal 19, 38640 Goslar. www.rammelsberg.de Westernstadt: Am Rosentale 1, 38899 Hasselfelde. www.pullmanncityharz.de Wildpark: Christianental 1, 38855 Wernigerode. www.christianental.de

LITERATUR

• Jana Zieseniß: 52 kleine und große Eskapaden im Harz, Verlag Dumont, 16,95 Euro

• André Niedostadek: Glücksorte im Harz, Verlag Droste, 14,99 Euro

• Jens Langlott: Harzer Wandernadel Wanderführer, Verlag KKV, 20,00 Euro

• Heinrich Heine: Die Harzreise, Verlag Anaconda, 3,95 Euro

Nach so viel Abenteuer und sportlicher Bewegung sehnt sich so mancher nach ein paar Tagen Erholung. Dafür eignet sich der Campingpark Wiesenbeker Teich bei Bad Lauterberg perfekt. Familie Dombrowsky führt hier mit viel Herzblut und Erfahrung aus der Hotellerie einen verkehrsberuhigten Campingplatz ohne Durch-gangsverkehr, den es so kein zweites Mal in Deutschland gibt. Denn der zehn Hektar große Platz liegt inmitten eines Naturschutzgebietes, das zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört.

Touristische Hauptorte: Bad Harzburg, Goslar, Werningerode und Thale

Campingparks ist neben der Wasserskianlage auch das gastronomische Angebot. In der regionalen Baude serviert Familie Dombrowsky neben Harzer Spezialitäten morgens ein reichhaltiges Früh-Eine weitere Besonderheit des stück. Campinggäste können auch Halbpension buchen.

Auch in der Hochsaison findet man ruhige Plätze

Nun sitze ich hier abends am Wiesenbeker Teich. Mein Bauch ist voll mit der herzhaften Wildfleisch-Köhlersuppe und Knieste-Kartoffeln. Vor mir öffnet sich der Panoramablick über das Naturschutzgebiet. Die Fledermäuse ziehen ihre Kreise über meinem Kopf. Diese absolute Stille wirkt berauschend. Ich bin eins mit der Natur. Nirgendwo würde ich in diesem Moment lieber sein als in meinem geliebten Harz. Und ich beginne zu träumen, wie es sein wird, wenn mein Stempelheft irgendwann voll ist und ich offiziell Wanderkaiserin bin. Aber 146 Stempelstellen liegen bis dahin noch vor mir, und ich freue mich auf jeden einzelnen Stempel, der noch erwandert wird.

Helene Schmidt