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HASENPEST: Der Schwarze Tod


Wild und Hund - epaper ⋅ Ausgabe 1/2020 vom 02.01.2020

… bedroht unsere Mümmelmänner. Reviere aus ganz Deutschland melden an Tularämie erkrankte Feldhasenbesätze. Auch Menschen infizieren sich mit der tödlichen Seuche. Wie gefährlich ist sie wirklich?


Artikelbild für den Artikel "HASENPEST: Der Schwarze Tod" aus der Ausgabe 1/2020 von Wild und Hund. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Foto: Alexander Ahrenhold

Tote Feldhasen im Revier können erste Anzeichen sein, dass die Seuche grassiert. Klarheit bringt letztendlich aber nur die Untersuchung im Labor.


Foto: Duncan Usher

Immer öfter liegen Hasenkadaver im Revier. Einige lebende Mümmelmänner wirken abgekommen und scheinen, ihre natürliche Scheu verloren zu haben. Die Pächter sind ratlos. Ein an die lokale veterinärmedizinische Behörde ...

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Immer öfter liegen Hasenkadaver im Revier. Einige lebende Mümmelmänner wirken abgekommen und scheinen, ihre natürliche Scheu verloren zu haben. Die Pächter sind ratlos. Ein an die lokale veterinärmedizinische Behörde eingeschicktes Stück wird im Labor positiv auf Hasenpest getestet. „In diesem Jahr ist die Anzahl der Feldhasen, bei denen Tularämie nachgewiesen wurde, höher als in den Jahren zuvor“, so Dr. Angela Hafner-Marx vom Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL). Doch um was für eine Krankheit handelt es sich dabei eigentlich? Tularämie oder Hasenpest wurde 1911 das erste Mal beschrieben und der Erreger dann 1912 aus einer Eichhörnchenart in Kalifornien isoliert. Bis in die 1950er-Jahre gab es in Deutschland immer wieder – vermutlich – an

Tularämie erkrankte Feldhasenpopulationen. Danach wurde es still um die Seuche. Erst seit 2005 werden wieder zunehmend Tularämiefälle bei uns bestätigt. Auch in anderen europäischen Ländern, Asien und Nordamerika werden immer wieder Fälle bekannt. Da insbesondere Nordeuropa betroffen ist, scheint ein Nord-Süd-Gefälle zu bestehen. Vor allem wild lebende Hasenartige und Nagetiere sind betroffen. Aber auch viele andere Säugetiere, Vögel und sogar Fische und Amphibien können sich infizieren. Hierzulande wurde der Erreger auch bei Siebenschläfern, Feldhamstern und Wildkaninchen nachgewiesen. In Skandinavien hingegen sind primär die Lemminge betroffen. Auch der Mensch kann sich anstecken. Jäger, Tierärzte und Metzger gelten als höchstgefährdete Risikogruppen.

Die Seuche zählt zu den bakteriellen Krankheiten. Sie wird durch das Stäbchen-Bakterium Francisella tularensis ausgelöst. Gemäß § 7 Abs. 1 Nr. 13 des Infektionsschutzgesetzes (IfSG) besteht bei direktem oder indirektem Erregernachweis in Verbindung mit einer akuten Infektion Meldepflicht. Diese gilt auch bei Krankheit sowie Nachweis des Erregers in Hasen und Kaninchen. „Wichtig dabei ist, dass Feldhasen lediglich die Opfer sind und nicht als eigentliches Erregerreser-voir gesehen werden sollten“, so Dr. med. vet. Ingo Schwabe, Pathologe vom Chemischen und Veterinärmedizinischen Untersuchungsamt Stuttgart.

Der Erreger ist hochansteckend und verhältnismäßig stabil, d. h. er kann auch bei niedrigen Temperaturen über Tage bis Wochen in Kadavern, Wasser oder Erde überleben. Wärme und Desinfektionsmittel töten die Bakterien dagegen ab. Aus gefrorenem Material ist eine Anzucht des Bakteriums auch noch nach Jahren möglich, d. h. auch eingefrorenes Wildbret von Feldhasen ist bedenklich. Aufgrund seiner hohen Infektiosität und Widerstandsfähigkeit in der Umwelt war F. tularensis bis zum Biowaffenübereinkommen sogar Forschungsgegenstand in den Biowaffenprogrammen einiger Länder, z. B. in den USA.

Die Zahl der Tularämiefälle bei Menschen nimmt tendenziell zu. Eine hohe Dunkelziffer wird angenommen. Jäger zählen zur hochgefährdeten Risikogruppe.


Grafik: Dagmar Siegel, Quelle: Robert-Koch-Institut

Der Mensch infiziert sich durch Haut-(dabei dienen vermutlich besonders kleinere Verletzungen als Eintrittspforte) oder Schleimhautkontakt mit kontaminiertem organischen Material, erkrankten Wildtieren und deren Exkrementen, unzureichend erhitztem Wildbret, Inhalation, Stiche von blutsaugenden Ektoparasiten (Zecken, Flöhe, Milben, etc.). Bislang ist das Haupt-Erregerreservoir noch unklar. Nach Angaben des LGL reichen bereits geringste Mengen (lediglich 10 bis 50 Bakterien) für eine Infektion aus, d. h. die Infektiosität ist demnach extrem hoch.

Von Mensch zu Mensch wurde bislang noch keine Übertragung nachgewiesen. Absolute Vorsicht sollten Jäger hingegen im Umgang mit erlegten und möglicherweise kranken Hasen und Kaninchen walten lassen. Sie können z. B. beim Abbalgen Erreger einatmen oder sich mit kontaminierten Gegenständen (Messer) infizieren. Die Gefahr für Jagdhunde ist nur gering. Hunde zeigen u. a. Appetitlosigkeit, Fieber und geschwollene Lymphknoten. Generell scheinen Haustiere gegen Tularämie resistenter als Wildtiere zu sein.

Hochgradige, durch Tularämie verursachte Milzschwellung bei einem Feldhasen.


Foto: Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL)

Francisella tularensis – eine Bakteriengruppe (Elektronenmikroskopie mit Negativkontrastierung).


Foto: Robert-Koch-Institut

Klinisches Bild bei Tieren

Nach Angaben des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) sind kranke Feldhasen häufig apathisch, verlieren Scheu und Fluchtdrang, haben Fieber und eine hohe Atemfrequenz. Innerhalb von 2 bis 13 Tagen gehen die meisten infizierten Stücke an einer Sepsis (lebensbedrohlicher Zustand, der entsteht, wenn die körpereigenen Abwehrreaktionen gegen eine Infektion die eigenen Gewebe und Organe schädigen) ein. Bei einem chronischen Verlauf kommt es zu Abmagerung, Nekrosen, Milz- und Leberabszessen bzw. -schwellungen.

Klinisches Bild beim Menschen

Infizierte Menschen zeigen grippeähnliche Allgemeinsymptome, wie plötzliches hohes Fieber, Unwohlsein, Kopf-, Muskel und Gliederschmerzen. Die Inkubationszeit beträgt etwa drei bis fünf Tage (abhängig von Infektionsdosis und Infektionsweg). Bei Hautinfektionen treten schmerzhafte Geschwüre an der Eintrittsstelle, eine regionale Lymhknotenschwellung sowie Fieber auf. Beim Eintritt über die Augenbindehaut kommt es oft zu Bindehautentzündung, Lidschwellung, Lichtscheu, Tränenfluss und einer regionalen Lymphknotenschwellung. Wird der Erreger eingeatmet, kann es zu einer Lungenentzündung mit trockenem Husten kommen. Kontaminierte Nahrungsmittel können auch Geschwüre im Rachen und an den Mandeln verursachen.

Der Nachweis des Erregers bzw. spezifischer Antikörper etwa im Blut gegen Francisella tularensis ist serologisch nach zwei bis drei Wochen möglich. Bei Wildtieren geschieht dies meist über einen molekularbiologischen Nachweis direkt aus (veränderten) Organen wie der Milz. Es können dabei unterschiedliche klinische Formen der Tularämie kommen.

Bei Verdacht auf eine Infektion sollten Jäger den behandelnden Arzt explizit auf die Seuche hinweisen. Tularämie kann mit Antibiotika behandelt werden. Unbehandelt, besonders bei respiratorischer Infektion (über die Atemwege), führt die Krankheit bei 20 bis 40 % der Fälle zum Tod (bei Tularämie Typ A). Der hierzulande primär vorkommende Typ B ist weniger gefährlich. Es existiert bereits ein Impfstoff, der in Deutschland allerdings bislang nicht verfügbar bzw. zugelassen ist. Informationen gibt das Robert-Koch-Institut unter rki.de.