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Hauptsache Hut


Liebes Land - epaper ⋅ Ausgabe 1/2020 vom 18.12.2019

Martin Wiesner ist einer der wenigen verbliebenen gelernten Hutmacher in Deutschland. Liebes Land hat ihn am Tegernsee besucht und festgestellt: Elegante Hüte sind im Trend!


Artikelbild für den Artikel "Hauptsache Hut" aus der Ausgabe 1/2020 von Liebes Land. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Liebes Land, Ausgabe 1/2020

Edler Glanz: aufgezogene Stumpen für Herrenhüte aus Velours


A


B


C


A Die vielen, teilweise alten Holzformen geben dem Hut sowohl Form als auch Größe

B Auch für die verschiedenen Krempen gibt es Formen, die genau beschriftet sind

C Wer keinen Hut nach Maß braucht, kann im Laden vom Regal weg kaufen

Wenn etwas „ein alter Hut“ ist, dann ist es längst bekannt, vertraut, etabliert. Das trifft auch auf den Hut selbst zu. Mag er in der Stadt ...

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... auch etwas aus der Mode gekommen sein, so ist es auf dem Land für den Herren noch üblich, einen Hut aufzusetzen – und ihn zum Gruße zu lüpfen. Das gilt besonders beim Besuch der Kirche, bei Festen und im Verein.Besucht man den Hutmacher Martin Wiesner in Rottach-Egern am Tegernsee, ist man zuerst überrascht, denn er hat wenig vom Bild des alten Handwerksmeisters, wie man ihn sich vorstellt. Gerade 34 Jahre ist er alt, und sein Beruf liegt nicht in der Familie: „In der Schule haben wir ein Schnupperpraktikum absolviert, zuerst in einer Schreinerei. Das hat mir nicht so zugesagt. Da habe ich mir für die zweite Woche einen anderen Betrieb gesucht – eine Hutmacher-Werkstatt. Und da wusste ich sofort: Das will ich machen!“Seiner Familie war der Beruf nicht vertraut, aber sie unterstützte ihn von Anfang an: Eine Tante schenkte Martin Wiesner zur Eröffnung des ersten kleinen Geschäfts sogar eine handbemalte Schachtel, die den Apostel Jakobus, den Jüngeren zeigt. Er ist der Schutzpatron der Hutmacher.

Das Ladengeschäft von Martin Wiesner setzt auf Tracht für Jung und Alt


Von den Alten lernen

Wiesner hatte das Glück, dass in der Gegend rund um den Tegernsee noch viel Tracht und Hut getragen wird – und dass es immer weniger Hutmacher gibt. Als es nach der Ausbildung daran ging, die Werkstatt einzurichten, durfte er die Maschinen und Werkzeuge eines Kollegen aus Garmisch übernehmen, der in Rente gehen musste: „Der wollte nicht, dass seine ganze Werkstatt in alle Winde verstreut wird.“
Mit Lieferwagen wurden die Maschinen an den Tegernsee transportiert. Ein paar Jahre später zog der Betrieb von Kreuth um, in den prächtig restaurierten Voitlhof, wo zur Werkstatt nun ein repräsentativer Trachtenladen gehört. Keine Frage: Martin Wiesner hat es weit gebracht. Seit 14 Jahren fertigt er mittlerweile Hüte. Fast immer grün oder braun, fast immer für Herren, fast immer aus Velours. Das seidig glänzende Material wird aus dem Haar des Feldhasen hergestellt. Zwölf Tiere werden für einen Stumpen (Rohling) gebraucht. Manchmal ist Wiesner von den Wünschen seiner Kunden überrascht: „Alle wollen Velours. Früher war der Velourshut für die Festtage. So was trugen nur die Gutsbesitzer, reiche Leute. Der ist sehr schön, aber wetterfest ist er nicht.“ Schlechtwetterhüte, die mal einen Regenguss vertragen, sind aus Schurwolle. Die Herstellung eines Herrenhuts ist nicht kompliziert, muss aber sehr präzise vonstatten gehen. Grundlegend geändert hat sich das Handwerk in den letzten 200 Jahren nicht. Zwar helfen mittlerweile einige Maschinen dabei, den Hut in Form zu bringen, aber bei den wichtigen Schritten kommt es immer noch auf die Handarbeit und das Augenmaß an. Die vorgefärbten Stumpen landen in einem Kochtopf, damit der Stoff feucht und dehnbar wird. Straff über einen „Holzkopf“ gezogen, findet das Velours seine Form – Herrenhüte gibt es in den Standardgrößen von 54 bis 63 Zentimeter. In mehreren Arbeitsgängen wird die Krempe beschnitten und geplättet, das Velours gebürstet und schließlich geschoren. Manche Kunden bevorzugen Bänder als Zier, andere wollen Kordeln. Die Auswahl beim Tegernseer Hutmacher ist groß.

Stolz auf sein Handwerk: Martin Wiesner


1 Hat der Hut seine Form, wird das Velours für den Glanz mit einer Messingbürste wieder aufgerissen


2 Die Verzierungen (Posamenten) werden je nach Kundenwunsch angebracht


3 Die Seidenkordel gehört zum traditionellen Hut


4 Die Mitarbeiterinnen des Betriebs bei der Arbeit


5 Dieser Hut bekommt die Kordel angepasst


Ein Großkopferter: Liebes Land-Redakteur Torsten Dewi (l.) hat satte 60 Zentimeter Kopfumfang, das gilt schon als XL


Ein Hut ist wie ein guter Freund

Ab und an bringt ein Kunde auch ein altes, abgewetztes Lieblingsstück vorbei, das sein Haltbarkeitsdatum sichtbar überschritten hat, auf das er aber partout nicht verzichten möchte. Dann misst Martin Wiesner genau nach, vergleicht Stoffe und Farben und entwirft schließlich eine perfekte Kopie als „Nachfolger“.
Männer, die regelmäßig zum Trachtenverein oder zum Schützenfest gehen, bestellen ihre Hüte ebenso bei Wiesner wie Touristen, die für die Vermessung des Kopfes vor Ort sind, sich den fertigen Hut dann aber nach Hause schicken lassen.
Dafür müssen sie allerdings einige Geduld aufbringen: Die reine Arbeitszeit für einen Velourshut schätzt Martin Wiesner auf einen Tag. Dass der Hut zwischen den Arbeitsgängen oft trocknen muss, verlängert die Produktion auf eine Woche. Und weil das Auftragsbuch so gut gefüllt ist, müssen die Kunden mit bis zu einem Jahr Wartezeit rechnen, bevor sie das individuelle Modell aufsetzen können. Die wenigsten stört es, wie Wiesner beteuert: „Wer einen Hut kauft, der hat auch die entsprechende Geduld.“ Es mag von Eleganz und Stilbewusstsein zeugen, einen von Hand gefertigten Herrenhut zu tragen – reich sein muss man nicht: „Ein guter Wollhut ist für 105 Euro zu haben, ein Velourshut kann schon mal 225 Euro kosten.“

6 Qualität zahlt sich aus – ein solcher Hut hält bei Pflege lange


KONTAKT: Hutmacherei & Trachten Wiesner Feldstraße 9, 83700 Rottach-Egern www.hutmacherei-wiesner.de


Fotos: Uwe Toelle