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Haus für die Zukunft


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das musikinstrument - epaper ⋅ Ausgabe 8/2022 vom 19.08.2022

Interview

Artikelbild für den Artikel "Haus für die Zukunft" aus der Ausgabe 8/2022 von das musikinstrument. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: das musikinstrument, Ausgabe 8/2022

Die Lakewood-Geschäftsführer: Markus Hoppe (l.) und Martin Seeliger

Die Firma Lakewood hat seit dem 1. März ein neues Zuhause. Ende Juni konnten wir die Räumlichkeiten im Rahmen eines Sommerfests erstmals besichtigen. Dazu sprachen wir mit Markus Hoppe, der nun gemeinsam mit Martin Seeliger Geschäftsführer ist.

Warum haben Sie sich entschlossen in ein neues Gebäude zu ziehen?

Markus Hoppe: Das alte Gebäude, die Zigarrenfabrik, hat einen unbeschreiblichen Charme und ist, wenn man es jetzt sozusagen geschichtlich betrachtet, untrennbar mit Lakewood verbunden. Es war ein tolles Gefühl, in dieser Werkstatt unsere Gitarren zu bauen und es hat uns geprägt in der Art wie wir gedacht haben. Über die Jahre haben wir uns weiterentwikkelt und sind stetig gewachsen. Vieles am Gebäude hat dabei irgendwann nicht mehr so perfekt gepasst oder war schlicht unpraktisch. Wir mussten Material und halbfertige Gitarren treppauf und treppab tragen und am Ende war jeder ...

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... Quadratmeter der Werkstatt komplett ausgereizt, wir sind fast aus allen Nähten geplatzt. So waren wir irgendwann auf der Suche nach neuen Räumen, wo wir uns neue Potenziale schaffen und uns weiter entfalten konnten. Mehr Raum im Kopf und neue Ideen bedingen eben auch physischen Raum in gewisser Weise.

Nun haben Sie das neue Gebäude nach ihren Wünschen umgebaut.

Markus Hoppe: Mit Corona im März 2020 begann für uns die Planungsphase. Wir haben die gesamte Werkstatt von Grund auf neu gelayoutet, wenn man so will auf einem weißen Blatt Papier. Nun hatten wir eine ebenerdige große Halle zur Verfügung! Wir haben jetzt große Rolltore, wo man Anlieferungen und Abholungen ganz anders realisieren kann. Wir haben ein großes Lager, einen Versandraum oder z.B. einen Gabelstapler, man kann also ganz anders arbeiten. Wir haben insgesamt viel mehr Platz und konnten uns die Räume komplett so legen, wie wir es brauchten. Das war eine unglaublich reizvolle Aufgabe und es gab viele unterschiedliche Entwurfsphasen. Martin Seeliger war als Kopf maßgeblich daran beteiligt, aber insgesamt haben viele Leute in der Planung daran mitgearbeitet.

Auch mit der Gebäudetechnik wollten wir einen Sprung nach vorne machen. Wir haben nun eine zentrale Luftbefeuchtung und -entfeuchtung. Wir haben Decken-Heizkörper anstelle von Wand-Radiatoren. Perspektivisch werden wir mit den Decken-Heizkörpern auch kühlen können. Wir haben jetzt eine tolle neue Absauganlage mit elektromagnetisch gesteuerten Schiebern. Sie berechnet die Volumenströme, die jeweils an den Maschinen benötigt werden. Die gefilterte Luft wird dann wieder in die Halle zurückgeschickt. Unsere Wünsche konnten wir soweit sehr gut umsetzen, einen perfekten Zustand wird es allerdings nie geben. Diese ganzen Technikeinbauten haben von Mitte letzten Jahres bis Januar / Februar diesen Jahres angedauert. Im Februar haben wir den Umzug in etwa anderthalb Wochen durchgezogen, was durch die Maschinen schon eine logistische Herausforderung war. Und nun sind wir seit dem 1. März hier drin. Die erste Woche war noch sehr holprig. In der zweiten Woche haben wir dann immerhin schon ein paar Gitarren hier gebaut. Wir haben uns mit vielen Themen beschäftigt, mit denen wir uns vorher nicht beschäftigt haben. Es war ein spannende, herausfordernde und intensive Zeit.

Um wie viel Quadratmeter ist Lakewood nun gewachsen?

Markus Hoppe: Im alten Gebäude hatten wir 340 Quadratmeter plus die bereits angemietete Lagerfläche von 700 Quadratmetern. Im neuen Gebäude sind es jetzt insgesamt rund 1.800 Quadratmeter.

Einen Showroom gibt es jetzt auch.

Markus Hoppe: Ja, der Showroom hat in der Planung von Anfang an viel Platz bekommen. Wir wollen hier künftig auch den Endkunden bessere und neue Dienstleistungen anbieten können. Sie können hier Instrumente ausprobieren und wir sie umfassender zum Custom-Shop beraten. Demnächst starten wir mit unseren sogenannten Galeriehölzern. Dabei können sich Kunden ihre Hölzer ganz genau selbst aussuchen. Das haben wir bisher nur auf Zuruf gemacht, wenn jemand explizit danach gefragt hat. Jetzt wird das professioneller. Die Hölzer werden vorsortiert und die Kunden können sich vor Ort bei Lakewood oder auch online auf unserer Webseite in einer Galerie, Hölzer aussuchen. Diese Sache wäre z.B. über den Handel gar nicht darstellbar, weil es aus Gründen der Lagerung und des Hin- und Herschickens von Holz nicht wirklich umsetzbar und praktikabel wäre. Eine Sache, die nur wir machen können. Der Kunde fordert es immer mehr ein, direkt beim Hersteller auch beraten zu werden.

Der Handel spielt dennoch weiterhin eine wichtige Rolle für Lakewood.

Markus Hoppe: Ja. Der Handel ist ein wichtiges Medium für uns. Er ist unser Fenster nach außen. Es gibt allerdings auch Hersteller, die beides machen. Sie verkaufen parallel direkt. Wir lancieren bei Lakewood alle Bestellungen konsequent immer über den Handel, auch wenn die Beratung komplett bei uns stattgefunden hat. Der Laden ist ja eigentlich immer der erste Ansprechpartner für den Kunden. Der Endkunde ist der Kunde des Händlers und der Händler ist unser Kunde – diese Kette wird vom Kunden immer mehr durchbrochen.

Mit dem Showroom möchten wir dem Handel natürlich auch etwas zeigen und vorleben. Sicher lässt sich so ein großer Lakewood-Showroom im Handel nicht Eins zu Eins umzusetzen. Ein Händler muss schließlich viele verschiedene Produkte gleichermaßen präsentieren. Wir zeigen mit dem Showroom, wie wir unsere Gitarren präsentiert haben möchten und versuchen im Handel im Kleinen, diese Corporate Identity und Art der Wahrnehmung der Marke Lakewood umzusetzen. Auch mit einfachen Mitteln kann man im Ladengeschäft eine kleine Lakewood-Ecke kreieren.

Welche Pläne haben Sie nun noch mit dem neuen Gebäude?

Markus Hoppe: Wir wollen unsere EDV so weiterentwickeln, dass die internen Produktionsprozesse noch besser mitverfolgt und abgebildet werden. Im Nebenprodukt soll dadurch für den Endkunden ein schöneres Erlebnis generiert werden. Er oder sie wird dann mitverfolgen können, in welchem Produktionsschritt sich seine/ihre Gitarre jetzt gerade befindet. Des Weiteren arbeiten wir an unserer Effizienz und an ökologischen Aspekten. Wir verwenden bereits seit ein paar Jahren Ökostrom aus erneuerbaren Quellen. Nun haben wir zusätzlich eine Photovoltaik-Anlage auf dem Dach und wollen diese sogar noch ausbauen. Wir wollen in der Materialbeschaffung sukzessive Materialien durch ökologisch sinnvollere ersetzen, beispielsweise Cocobolo und Makassar-Ebenholz. Das sind Hölzer, die nicht mehr lange verfügbar sind. Hier muss man überlegen,

”Wir haben uns mit vielen Themen beschäf tigt, mit denen wir uns vorher nicht beschäf tigt haben.

welche Alternativen es gibt. Dabei geht es nicht darum, sie durch anderes Tropenholz zu ersetzen, sondern durch etwas das es hier bei uns gibt. Es geht um die Beschaffung von Materialien, die ökologisch sinnvoll und über längere Zeiträume verfügbar sind. Diesen Bereich wollen wir sehr aktiv betreiben und müssen das auch.

Nun haben Sie bei einem Sommerfest, die neuen Räumlichkeiten auch einer größeren Öffentlichkeit präsentiert. Wie fällt ihr Fazit aus?

Markus Hoppe: Wir sind sehr zufrieden, besonders wenn man bedenkt, dass die Veranstaltung, schon ein bisschen aus dem Bodem gestampft war. Wir sind ja im März erst umgezogen und waren die ersten vier bis sechs Wochen noch sehr mit uns beschäftigt waren, um alles richtig zum Laufen zu bekommen. Ich war zufrieden mit dem Zuspruch. Ich hatte das Gefühl, dass alle ihren Spaß hatten und jeder irgendwie seine neuen Eindrücke mitgenommen hat. Es war ein sehr geselliger bunter Abend mit schönen Gesprächen. Diese Dinge, die in den letzten Jahren einfach viel zu kurz gekommen sind, dass man sich in einer gelösten Atmosphäre unterhalten kann und auch mal aus dem Nähkästchen plaudert, das hat allen sehr gefehlt.

Was hat sie dabei besonders gefreut?

Markus Hoppe: Ich hatte ein paar Tage vorher mit Gregor Meyle telefoniert, der dann kurzfristig vorbeigekommen ist, wovon wir Martin aber nichts gesagt haben und ihn so wirklich überraschen konnten. Gregor hat dann mit seiner Band eine kleine halbstündige Einlage gegeben. Das hat uns wirklich sehr gefreut und es war auch einfach etwas ganz Besonderes. Das zeigt die persönliche Bindung zu einigen Musikern. Ich weiß nicht, wie viele Künstler das sonst machen, wenn sie einen Tag Off haben und spontan zu ihrem Gitarrenbauer fahren.

Am Tag darauf waren dann auch die Endkunden eingeladen.

Markus Hoppe: Der zweite Tag hat uns fast schon umgehauen, wir hatten sehr großen Zuspruch. Geschätzt waren es an die 300 Menschen, die uns da besuchten. Es gab zu essen und zu trinken. Wir hatten alle halbe Stunde Werkstattführungen, wobei pro Führung bestimmt 15 bis 20 Teilnehmer dabei waren. Die Kollegen vom Lakewood Team haben an bestimmten Orten in der Werkstatt Vorführungen gemacht: von den CNC-Fräsen, vom Polier-Roboter, haben demonstriert wie eine Gitarre eingestellt, oder wie das Holz ausgesucht wird – gerade das Holz anschauen und anfassen war sehr beliebt.

Während des Tages hat Sophie Chassée einige Sets gespielt. Sie ist Fingerstyle-Gitarristin und singt dazu. Bei AnnenMayKantereit steht sie seit kurzem am Bass und war auch mit Alli Neumann auf Tour. Sie ist gerade eine sehr angesagt Musikerin, die namentlich gar nicht so vielen bekannt ist, aber absolutes Top-Niveau hat. Wir haben aus dem Sommerfest nun schon die Idee entwickelt, das in irgendeiner Form jedes Jahr zu machen. Vielleicht veranstalten wir in unserem Flurbereich kleine exklusive Konzerte für 50 bis 80 Leute und kreieren ein bisschen Wohnzimmer-Ambiente dabei. Auf so etwas haben wir immer richtig Lust. Das haben wir in der Vergangenheit auch immer wieder mal in der Dorfkirche gegenüber unserer alten Firma gemacht.

Nun ist das neue Gebäude nicht die einzige Neuerung bei Lakewood. Sie sind nun gemeinsam mit Martin Seeliger auch Geschäftsführer.

Markus Hoppe: Ich bin seit Oktober 2000 in der Firma und habe als Gitarrenbauer angefangen. Als wir 2006 damit begonnen haben den Vertrieb selbst zu übernehmen, bin ich quasi ins Büro gewechselt und habe mich um die Bereiche Marketing und Vertrieb gekümmert. Zuvor hatte ich bereits die Umgestaltung und Betreuung der Webseite übernommen. Der Einstieg in die Geschäftsführung war nun viele Jahre später irgendwie ein nächster logischer Schritt. Ich habe bereits den langjährigen Kontakt zum deutschen Einzelhandel und kenne dort viele Leute, ich kenne auch alle unsere Auslandskunden und viele Lieferanten persönlich. Martin Seeliger möchte sich schrittweise aus den Dingen des Tagesgeschäfts zurückziehen und sich anderen Aufgaben innerhalb der Firma widmen. Es wird also eine Übergangsphase geben. Er möchte sich mehr und mehr auf Dinge wie Qualitätsmanagement konzentrieren, Vorrichtungsbau, Ausbildung, den Aufbau einer Dokumentation zum Bau und Reparatur von Lakewood Gitarren, Weiterentwicklung von Gitarrenmodellen oder sich um die Materialbeschaffung kümmern, die ich bereits angesprochen haben.

Wie blicken Sie Ihrer neuen Aufgabe entgegen?

Markus Hoppe: Ich stelle mich der Aufgabe mit viel Enthusiasmus und Ambitionen, habe andererseits natürlich auch großen Respekt davor. Ich möchte das, was Martin Seeliger geschaffen hat und woran ich selbst nun auch seit zwei Jahrzehnten mitgearbeitet habe, würdig und erfolgreich weiterführen. Ich muss mich daran gewöhnen, manche Dinge nicht mehr selbst bis in jedes Detail austüfteln zu können, sondern auch einmal etwas delegieren zu müssen. Aber wir haben ein fantastisches Team an Mitarbeitern, auf die ich mich verlassen kann. Und Martin selbst ist ja auch nicht gleich weg, ich habe eine Übergangszeit mit ihm gemeinsam, in der ich Dinge lernen kann und von seiner Erfahrung profitiere. Wann genau sein Ausstieg aus der Geschäftsführung letztlich vollends vollzogen wird, entscheidet er selbst.

nb