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HAUSBESUCH: „An seinem Tod wäre ich fast zerbrochen“


SUPERillu - epaper ⋅ Ausgabe 4/2019 vom 17.01.2019
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Bildquelle: SUPERillu, Ausgabe 4/2019

Brigitte Mentzel mit dem Bild ihres Mannes: „Manchmal, wenn ich daran vorbeilaufe, schimpfe ich mit Achim, dass er mich alleingelassen hat“


Die gelernte Dreherin macht den Pool winterfest. Früher war ihr Mann dafür zuständig


Die schwarze Tasche im Flur von Brigitte Mentzel, 76, erzählt eine traurige Geschichte. Am 3. Januar 2016 stellte Ehemann Achim, † 69, sein Markenzeichen wie immer auf das braune Schränkchen. Einen Tag später starb der Moderator völlig überraschend. Das war vor drei Jahren. Seitdem blieb die Tasche unberührt. „Ich konnte sie nicht wegräumen“, sagt seine Witwe. Diese kleinen ...

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... Erinnerungen an ihren Mann schmerzen zwar, sind aber auch unendlich wichtig. „Achim fehlt mir immer noch jeden Tag. Wir haben doch so viel miteinander gelacht“, erzählt Brigitte SUPERillu.

Hinter ihr liegt eine schlimme Zeit. Die ersten Monate ohne den Entertainer, der fast 40 Jahre an ihrer Seite war, zehrten an der Cottbuserin. „Nach Achims Tod konnte ich lange nichts mehr essen, habe in drei Monaten zehn Kilo abgenommen. Ich war wie zugeschnürt.“ Sie musste sich regelrecht zwingen, wieder Nahrung zu sich zu nehmen. „Irgendwie musste es ja weitergehen. Ich wäre sonst kaputtgegangen“, sagt Brigitte, die alle nur „Gitti“ nennen. Der Weg zurück in den Alltag schien unendlich weit. Nur eines tröstete sie zunächst. „Die Familie ist nach dem Tod von Achim näher zusammengerückt. Sie waren alle für mich da.“

Auch an Achims drittem Todestag, dem 4. Januar 2019, ist sie nicht alleine. Sohn Robert, 38, und Enkelin Svea, 34, sind bei ihr. „Dann habe ich jemanden zum Kartenspielen“, sagt Brigitte und lächelt. Solche kleinen Momente des Glücks zu empfinden, musste sie erst wieder lernen. „Es hat lange gedauert. Gerade im ersten Jahr dachte ich, die Welt bleibt stehen.“ Hinzu kamen die Sorgen um Robert, das einzige gemeinsame Kind des Paares, der beim Vater angestellt war und nach dessen Tod arbeitslos wurde. Der gelernte Bürokaufmann, der durch eine Hirnblutung bei der Geburt gesundheitlich eingeschränkt ist, wollte sich später als Altenpfleger ausbilden lassen, schaffte es aber körperlich nicht. „Danach wurde mir Arbeitsunfähigkeit attestiert“, sagt er.

An Achim Mentzels Todestag, dem 4. Januar, trinken Brigitte, Sohn Robert und Enkelin Svea gemeinsam Kaffee.


Dort wo sonst Achim saß, ist jetzt Brigittes Platz


Ich konnte bisher nichts im Haus verändern. Alle Sachen von Achim habe ich gelassen, wie sie waren.“ B r i g i tte Mentze l

Doch etwas gab Brigitte Mentzel dann neuen Lebensmut: Robert und seine Freundin schenkten ihr einen Enkel. Vor zwei Jahren kam der kleine Mats auf die Welt. „Mein Enkelkind hat mir das Lachen zurückgegeben. Plötzlich war da ein neues Leben.“

In ihrem Haus im Cottbuser Ortsteil Gallinchen hat sie sich auf Kinder-Besuch eingestellt. Überall stehen Spielsachen. „Mats ist ein Wirbelwind. Da komme ich kaum hinterher“, sagt Gitti. Dass ihn sein Sohn noch mal zum Opa machen würde, hat Achim Mentzel zu Lebzeiten nicht geahnt. „Er wäre so unendlich stolz gewesen auf den Kleinen“, sagt Brigitte und blickt auf den Ehering ihres Mannes, den sie jetzt am Daumen trägt.

Durch Achims Tod hat sich für Brigitte Mentzel vieles verändert. Früher drehte sich der Tag um ihren Ehemann, jetzt plant sie ihren Ablauf für sich alleine. „Meist stehe ich früh auf, frühstücke vor dem Fernseher. Dann gehe ich einkaufen und mache einige Besorgungen“, erzählt sie. Am Nachmittag geht sie zwei Mal in der Woche zum Sport, besucht regelmäßig den Dorfklub, nimmt an einem Textilgestaltungs-Kurs teil. „Das habe ich schon früher gemacht, aber nach dem Tod meines Mannes ist es intensiver. Ich bin dort abgelenkt und habe Menschen um mich herum.“ Unterstützung findet sie auch bei Freunden und in der Nachbarschaft. „Dafür bin ich sehr dankbar.“

Seit Sohn Robert ans andere Ende der Stadt gezogen ist, lebt Brigitte alleine. Könnte sie sich vorstellen, das Haus zu verkaufen? „Nein! Solange ich es kann, werde ich hier bleiben“, macht sie deutlich. Doch ist sie denn richtig abgesichert? „Achim hat nicht wirklich vorgesorgt. Mein Mann dachte nicht, dass er schon sterben muss. Ich habe immer gesagt: Wir müssen mal über Absicherung im Alter sprechen. Das ist nie passiert. Aber ich komme schon über die Runden. Ich erhalte eine Rente, habe früher als Dreherin gearbeitet. Zudem kann ich mich einschränken. Das habe ich schon in meiner Kindheit gelernt.“

Traurige Erinnerung: Im Flur steht immer noch die Tasche von Achim, wie er sie am Tag vor seinem Tod abgestellt hatte


FOTOS: Uwe Schwarz für SUPERillu (5)