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Haushälters hoffnungsloser MUT


Buddhismus aktuell - epaper ⋅ Ausgabe 4/2019 vom 24.09.2019
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Bildquelle: Buddhismus aktuell, Ausgabe 4/2019

Wenn da einer wünscht: „Ach, möchte ich doch Furcht und Angst bemeistern, mögen sie mich nicht beherrschen und möge ich die aufsteigende Furcht und Angst überwinden können“, so soll er … die Geistesruhe pflegen, nicht die Vertiefung vernachlässigen, den Hellblick gewinnen und ein Bewohner einsamer Behausungen sein.“
(Aller Wünsche Erfüllung, Anguttara Nikaya X. 71)

Gern wäre ich ein mutiger Mensch. Manchmal bin ich das auch. Doch häufiger, als mir lieb ist, überfällt mich eine Mutlosigkeit, die mich schier zu erschlagen droht. Dann wandere ich wie auf einer Gratkante, hin- und hergerissen zwischen ...

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... grenzenloser Furcht und abgrundtiefer Angst.

Zugegeben, das klingt wie der Erfahrungsbericht eines schwer Depressiven. Oder wie die Inhaltsangabe jener Folge von „Games of Thrones“, in welcher der Nachtkönig Daenerys‘ Drachen übernimmt und Furcht und Schrecken nach Westeros trägt.

Doch Tatsache ist, dass mein kleines Herz des Öfteren komplett überfordert ist von diesem Ereignis, das man „Leben“ nennt. Und da ich kein Bewohner einsamer Behausungen bin, sondern im Gegenteil mein Haushälterleben so unauflösbar verbandelt ist mit dem Leben anderer Menschen, rücken mir deren Leiden – körperliche und seelische Krankheiten und Nöte, Rückschläge, Sorgen, Enttäuschungen – manchmal näher auf die Pelle, als mir lieb ist.

Ehe man sich’s versieht, ist man mittendrin im Strudel der Emotionalität, den solches Leiden mit sich bringt, und kann in eine große Mutlosigkeit geraten. In solchen Momenten schlägt einem das Herz bis zum Hals und wird schwer wie ein Mühlstein. Man glaubt, in die schwärzesten Tiefen uralter Ängste gezogen zu werden.

All die schönen, oft gelesenen und gehörten buddhistischen Ratschläge wie „Entspanne dich“, „Bewahre Geistesruhe“, „Verweile in der Vertiefung, in der Natur des Geschehens“ oder „Bleibe beim Atem“ sind zwar präsent. Aber was in der Praxis des Sitzens so kühn und vertrauensvoll gedacht, mit weisem Lächeln und wohlfeilen Worten großzügig an andere verteilt werden kann, verliert im eigenen Leben plötzlich alle Kraft.

Wie entspannen, wenn man in Sorge um das Liebste plötzlich vor dem Abgrund der Unwissenheit steht? Wie Geistesruhe bewahren, wenn das Gedankenkarussell sich so schnell dreht, dass man umgehend bei Doc Morris eine Großpackung Vertigoheel gegen akute Schwindelzustände bestellen möchte? Wie in der Natur des Geschehens verweilen angesichts von Gefühlen, die grauenhaften Drachen gleichen? Verweilen – mit Verlaub: Das geht nur im angenehmen Geschehen, wenn Klangschalenschwingen und Mantrasingen uns süß die Fußsohlen kitzeln.

Wer angesichts der Angst um die Liebsten noch ruhig atmen kann, der muss Hochseilakrobat sein, bei den Navy Seals trainiert haben oder Clint Eastwood heißen. Doch zum Glück gilt das eherne Gesetz der Unbeständigkeit nicht nur für die angenehmen Geschehnisse des Lebens. Wie sonst ließe sich bohrender Zahnschmerz ertragen? Oder eine Nacht mit dem Norovirus? Oder eine Folge von „Germany’s Next Topmodel“? Auch die schmerzhaftesten, ekligsten und peinlichsten Phänomene währen nicht ewig, und so gehen auch in meinem Haushälterdasein die Zeiten der Sorgen und Notlagen immer wieder vorbei. Irgendwann fasse ich wieder Mut. Irgendwann fange ich wieder an, zu hoffen, dass alles gut enden möge.

Doch genau dieses Hoffen lässt mich stutzen: Steht Hoffnung dem Mut nicht diametral entgegen? Beruht Hoffnung nicht auf einer höchst spekulativen angenehmen Zukunft, die – bitte, bitte – eintreten und uns vor allem Unangenehmen bewahren möge? Nein, solcher Mut ist nichts anderes als Selbstbezogenheit.

Darum plädiere ich für einen hoffnungslosen Mut. Für einen Mut, mit dem wir uns eingestehen, dass uns vor Angst die Knie schlottern. Der uns trotz unseres Zitterns vorwärtsgehen lässt und unserem Herzen den nötigen Stoß gibt, endlich ehrlich zu sein mit uns und mit anderen. Für einen Mut, der uns – auch wenn uns bei diesen drei Worten das Gefühl attackieren mag, wir könnten doch wieder nur uns selbst damit meinen – sagen lässt: „Ich liebe dich.“