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Hautnah: Justina (21) erkrankte mit 19 Jahren an Meningokokken: „Ich habe überlebt – nur das zählt!“


Lea - epaper ⋅ Ausgabe 18/2019 vom 24.04.2019

Ihr Leben hing nur noch am seidenen Faden, als Justina einen mutigen Schritt wagte. Seitdem blickt sie stets nach vorn


Artikelbild für den Artikel "Hautnah: Justina (21) erkrankte mit 19 Jahren an Meningokokken: „Ich habe überlebt – nur das zählt!“" aus der Ausgabe 18/2019 von Lea. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Lea, Ausgabe 18/2019

Kölnerin Justina strahlt: Sie hat die Meningitis überlebt. Die Fingerprothesen trägt sie nur selten, die stören


Rote Kringellocken, mit einem strahlenden Lächeln im Gesicht– so kommt Justina in die Redaktion, reicht die Hand zur Begrüßung. Warm, herzlich, aber ungewöhnlich fühlt es sich an. Sie setzt sich an den Tisch, kreuzt die verkürzten Finger, legt das Kinn darauf und erzählt. Eine wirklich besondere Frau, denke ich. Ihre Energie wirkt ansteckend.

Es war ein Mittwoch vor ziemlich ...

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... genau zwei Jahren, erinnert sich Justina, als es ihr nicht gut ging: heftige Kopfschmerzen, Übelkeit, Gliederschmerzen. Vermutlich eine Grippe, nichts Ungewöhnliches in dieser Jahreszeit. Die Schmerzen werden noch ein bisschen schlimmer, am Freitagmorgen ist allen in der Familie klar, dass da etwas gar nicht stimmt. Sie bringen Justina direkt ins Krankenhaus. Da hat sie schon so komische schwarze Punkte an den Fingern und Füßen. Das soll noch schlimmer werden. Die Ärzte erkennen sofort: Meningokokken-Sepsis. Am Abend fällt Justina ins Koma. Eine ganze Woche wird ihre Familie an ihrem Bett um ihr Leben bangen. Dramatische Tage, in denen die schwarzen Flecken immer mehr werden. Auch Justina kann sich an diese Zeit noch erinnern. Zwar nicht daran, dass ihr Familie Wache hielt. Aber an die Komaträume. „Die waren wirklich ganz schrecklich“, sagt sie. Völlig wirr. Und irgendwie merkte sie, dass Menschen um sie herum waren. Aber alles war verzerrt und überlaut und angsteinflößend.


„Ich habe entschieden, dass die Finger und Füße amputiert werden“


Nach sieben Tagen wacht sie auf. Sie hat überlebt. Fast ist es ein Wunder. Doch durch die Blutvergiftung, die für die schwarzen Flecken verantwortlich war, sind ihre Füße, Unterschenkel und oberen Fingerglieder abgestorben. „Es war ganz merkwürdig. Ich stand – mit Unterstützung – zwar auf meinen Füßen, konnte sie aber nicht spüren. Und mit den Fingern konnte ich nicht mal das Handy bedienen.“ Justina selbst trifft die Entscheidung, dass die ersten Fingerglieder und die Beine bis zum Knie amputiert werden. Sie will leben, sich nicht unterkriegen lassen. Sie hat doch noch so viel vor im Leben.

Der nächste Schritt: sich in ihrem neuen Leben, mit dem operierten Körper zurechtzufinden. Erst sitzt sie im Rollstuhl. Aber sie wäre nicht Justina, wenn sie nicht daran arbeiten würde. Sie lässt sich Prothesen anfertigen und lernt, damit zu gehen. Das klappt so gut, dass der Hersteller der Prothesen sie mitnimmt zum Sport. Der Mann trägt selbst eine Beinprothese und trainiert bei der Leichtathletikabteilung von Bayer Leverkusen. Justina zieht ihr Handy aus der Tasche und ruft ein Video auf: sie, wie sie auf Lauf-Prothesen über die Tartanbahn sprintet. „Es ist ganz verrückt“, erzählt sie. „Auf diesen Sportprothesen kann man nicht allein stehen, eben nur loslaufen.


„Die Menschen sind meist froh, wenn ich das Thema selbst anspreche“


Aber es war nach langer Zeit so toll, endlich mal wieder den Gegenwind im Gesicht zu spüren.“

Im Jahr nach ihrer dramatischen Erkrankung reist sie für fünf Wochen nach Australien, allein. Zuerst besucht sie eine Freundin, die für einige Monate dort lebt. Drei Wochen reist sie solo durch das Land. Alles klappt ohne große Probleme – und für die kleineren finden sich immer Menschen, die gern helfen.

Das Abitur hatte sie schon vor der Meningokokken-Erkrankung in der Tasche. Danach absolvierte sie ihr freiwilliges soziales Jahr. Und im vergangenen Herbst hat sie angefangen, Psychologie zu studieren. Anstrengend, sagt sie. Aber gut und das Richtige. Im Moment muss sie viel für die anstehenden Prüfungen lernen. Für Ausgleich sorgt ihr Freund, mit dem sie seit dem letzten Jahr zusammen ist. Es läuft für Justina. Dennoch muss sie auf manches verzichten. Danach gefragt, überlegt sie: „Ketten kann ich nicht mehr so gut allein zumachen. Wenn, dann dauert das. Oder Geldstücke vom Tisch aufnehmen – echt schwierig. Und früher hatte ich meine Fingernägel immer lackiert, in allen Farben.“

Hadert sie manchmal mit dem Schicksal? Oder, konkret, mit ihren Eltern, die sie nicht impfen ließen gegen die Meningokokken? „Nein“, sagt sie sofort. Es ist einfach so, wie es jetzt ist. Und wie gehen andere damit um? „Ach, eigentlich ganz gut“, sagt Justina. „Obwohl die meisten froh sind, wenn ich es von selbst anspreche und erzähle, dass es Meningokokken waren. Denn so direkt fragen mögen viele nicht.“

Auffällig sind vor allem die Unterschenkel-Prothesen. Sie trägt gern Sneaker und krempelt die Hosen auf, im Sommer am liebsten Röcke. Auch auf den Musik-Festivals, ihre große Leidenschaft, steht sie in Shorts – besser gesagt: sitzt dort auch gern auf einem mitgebrachten Barhocker. So lange stehen ist dann eben doch manchmal noch schwierig.

„Ich wollte immer viel erleben“, sagt Justina. „Und jetzt will ich noch viel mehr.“ Sie lacht, die Locken wippen. So viel Energie. Wow!

Justina mit ihrer besten Freundin Annette vor dem Laptop. Ihre Schwester hatte einen Blog für sie gegründet


Fotos: Jochen Manz