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Hautnah: „Meine Identität wurde gestohlen!“: Gefahr im Internet: Sabine (34) wurde Opfer eines Hackers


Lea - epaper ⋅ Ausgabe 45/2018 vom 31.10.2018

Seit einem Jahr hat sie im Internet einen bösen Zwilling: Mit ihren Daten betrügen Kriminelle im Netz – und zerstören dabei fast ihre Existenz


Das muss doch ein Irrtum sein“, ist das Erste, was Sabine im Sommer 2017 denkt, als sie das Schreiben eines Inkassobüros in ihrem Briefkasten findet. Eine so teure Armband-Uhr hat sie sicher nicht bestellt. „Ich habe damals sogar noch gedacht, dass das ein Trick ist – und den Brief einfach in den Müll geworfen.“ Sie lacht bitter. Denn der Betrug lief schon längst. In den nächsten Tagen trudeln immer mehr Mahnungen ein. Schmuck, Designer-Kleider, teure ...

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... Wohn-Accessoires. Mal sind es 800 Euro, mal 250 Euro, mal 1.100 Euro.

Geld, das sie selber gar nicht hätte. Sie ruft bei den Inkassofirmen an, will klarstellen, dass sie mit den Bestellungen nichts zu tun hat, dass sie weder etwas geordert, geschweige denn etwas erhalten hat. Immer wieder kommen ihr während der Telefonate die Tränen, weil alles, was sie sagt, infrage gestellt wird. Sie erkennt, dass sie ohne Anwalt und Polizei nicht weiterkommt. Viel zu spät erstattet Sabine auf dem Polizeirevier Anzeige gegen Unbekannt.

Offenbar haben Betrüger mit ihren Daten bestellt und die Waren an fremde Adressen liefern lassen. Eine gängige Masche, für die Betroffenen ein Horrortrip. Wo ihre Daten abgegriffen wurden, kann sie nur mutmaßen. Die Polizei tippt später auf ein fingiertes Gewinnspiel im Netz. Name, Adresse und Geburtsdatum – mehr brauchen Kriminelle nicht, um mit falscher Identität auf Rechnung etwas zu bestellen. „Schlimm war der Gedanke, dass ich selbst Schuld an allem hatte. Weil ich ja die Daten preisgegeben hatte“, sagt Sabine. Sie schläft schlecht, wacht nachts schweißgebadet auf. Ihre Gedanken drehen sich im Kreis.


Ihre Hände zittern, Tränen steigen ihr in die Augen. „Bitte nicht …“


Was, wenn ihr niemand glaubt? Wenn sie alles bezahlen muss? „Ich habe versucht, mich zur Wehr zu setzen. Ich habe jeder Mahnung widersprochen, jeden einzelnen Betrug bei der Polizei angezeigt und auch bei der Schufa gemeldet. Das kostete nicht nur Zeit und Nerven, sondern auch Geld, für den Anwalt und die unzähligen Einschreiben. Aber die Inkasso-Verfahren gegen mich wurden so nach und nach eingestellt.“

Nach mehreren Wochen kommen auch keine neuen mehr hinzu. Aber trotz aller Anzeigen und Widersprüche ist Sabine jetzt nicht mehr kreditwürdig, auf ihren Namen kann nichts mehr auf Rechnung bestellt werden. Ihr zweites Ich ist für die Täter jetzt nicht mehr nützlich. Aber der Albtraum ist für Sabine noch nicht zu Ende.

Eines Nachmittags klingelt ihr Telefon. Am anderen Ende ist eine aufgebrachte Frau, die wütend fragt, wann Sabine endlich den Kinderwagen versenden würde. Das Geld hätte sie doch längst bekommen. Sabine weiß nicht, wovon die Anruferin spricht, versucht, zu beschwichtigen. Mit einem „Ich schalte jetzt die Polizei ein!“, legt die Frau auf. Sabines Hände zittern, Tränen steigen ihr in die Augen. Nicht das auch noch. Bitte nicht. Sie muss die Situation klären und ruft die Frau zurück.

Die ist zwar wenig erfreut, gibt sich aber einen Ruck. Sabine erfährt, dass sie angeblich über ein Kleinanzeigen-Portal einen hochwertigen Kinderwagen verkauft haben soll. Das Geld – immerhin 800 Euro – hätte die Frau vor drei Wochen auf das Konto ihres Mannes überwiesen. Sie hätte ihr auch schon über Facebook geschrieben, aber nie eine Antwort erhalten, ihre private Telefonnummer hätte sie jetzt im Internet gefunden.


Die Anzeige läuft auf ihren Namen. Ihr Profil wurde einfach kopiert


„Ich glaube, wir sind einem Betrüger aufgesessen. Ich bin nicht verheiratet, das ist nicht mein Konto. Und einen Kinderwagen habe ich auch nicht verkauft“, sagt Sabine und verspricht der Frau, sich darum zu kümmern. Diese schickt ihr die betreffende Verkaufs-Anzeige und den Link zu ihrer vermeintlichen Facebook-Seite. Die Anzeige läuft auf ihren Namen. Das Facebook-Profil, über das die Betrüger die Anzeige geteilt haben, gleicht ihrem. Derselbe Name, ihr Profil-Bild, ihre Fotos. Einfach kopiert.

Sabine wird übel: Die Anruferin wird wohl nicht ihr einziges „Opfer“ bleiben? Sie behält recht. Nach und nach melden sich weitere Geschädigte, wollen ihr Geld, beschimpfen sie und drohen ihr. Die Verkaufs-Anzeige und das falsche Facebook-Profil kann sie löschen lassen. Wieder geht sie zur Polizei, wieder zeigt sie die Täter an. Immerhin glaubt man ihr dort sofort – ein kleiner Lichtblick. Offenbar handelt es sich wieder um die gleichen Täter. Doch man macht ihr keine Hoffnungen, dass die jemals gefasst werden. „Ich hoffe, dass ich meinen guten Namen irgendwann wieder herstellen kann. Aber die schlechten Einträge bei der Schufa zu löschen, ist sehr schwierig. Es ist für mich noch ein langer Weg, und die Angst, dass wieder etwas kommt, wird noch lange bleiben.“

33% der Deutschen waren schon von Identitäts-Diebstahl betroffen. Bei 6 Prozent wurde dabei ein gefälschter Account angelegt.

Was kommt bloß als Nächstes? Monatelang führte die 34-Jährige einen harten Kampf mit den geprellten Gläubigern. Immer wieder versuchte sie, zu beweisen, dass auch sie ein Opfer war und nicht die Täterin


TIPPS UND INFOS ZUM THEMA: „Der beste Schutz ist ein gutes Passwort“

Joachim Schneider (53) Leiter der Polizeilichen Kriminalprävention der Länder und des Bundeswww.polizei-beratung.de


Die Fälle von „Identitäts-Diebstahl“ haben in den letzten Jahren stark zugenommen. Tatort ist immer öfter das Internet, das heißt: Profile in sozialen Netzwerken werden gehackt oder kopiert, unter falschem Namen wird Ware bestellt oder Schlimmeres. Verhindern kann man das nur, indem man seine Daten penibel schützt.

Datensammler erkennen Eine Reise buchen, online bestellen oder Strompreise vergleichen: Persönliche Daten sind schnell eingegeben – das kann Folgen haben. Deshalb sollte jeder genau überlegen, wo und wem er seine Daten zur Verfügung stellt. Und wird man direkt nach Passwörtern oder sogar Kontodaten gefragt, sollten alle Alarmglocken schrillen.

Sichere Passwörter wählen Der größte Fehler, den viele machen, ist für alle Dienste dasselbe Passwort zu nutzen. Jeder Zugang sollte ein eigenes Passwort haben. Hier gilt: je länger, desto besser, keine sinnvollen Wörter verwenden, dafür aber Groß- und Kleinschreibung sowie Sonderzeichen. Mehr Infos: www.bsi-fuer-buerger.de

Daten sparsam veröffentlichen Was viele nicht wissen: Das Geburtsdatum ist besonders sensibel. In Kombination mit dem Namen lassen sich ganz einfach Waren auf Rechnung bestellen. Generell gilt: Alle Daten, die man für sich behält, können auch nicht missbraucht werden.

Updates machen Internetbrowser, Betriebssysteme und Antiviren-Software immer aktualisieren. So werden Sicherheitslücken geschlossen.

Nicht abwarten Es ist wichtig, beim ersten Verdacht zu handeln. Und zwar indem man Passwörter zurücksetzt, Zugänge sperrt sowie Banken, Onlineshops oder den Support von sozialen Netzwerken über die Unregelmäßigkeiten informiert. Sobald ein Schaden entsteht, ist eine Anzeige bei der Polizei Pflicht. Wenn Mahnungen eingehen, müssen Gläubiger und auch die Schufa über den Betrug informiert werden.

GEWINNRÄTSEL


Fotos: iStockphoto, Monika Johna, Shutterstock