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Hautnah: „Meine Tochter hat mich verlassen“


Lea - epaper ⋅ Ausgabe 47/2018 vom 14.11.2018

Liebe weg, Mann weg, Kind weg: Nach der Scheidung muss Bettina damit leben, dass Tochter Pia bei ihr auszieht und lieber beim Vater wohnt


Artikelbild für den Artikel "Hautnah: „Meine Tochter hat mich verlassen“" aus der Ausgabe 47/2018 von Lea. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Lea, Ausgabe 47/2018

Mama, allein zu Haus: Bettina (47) vermisst ihre Tochter Pia immer noch jeden Tag. Nicht aber die Streitereien mit ihr – wie sie jetzt merkt


Die Wohnung ist still, wenn Bettina von der Arbeit nach Hause kommt. Keine Musik läuft. Keine Stiefel liegen im Flur, kein angebissenes Käsebrot auf dem Küchentresen. Alles ist ordentlich. Wie Bettina es am Morgen zurück gelassen hat.

Bettina mag Ordnung. Trotzdem wünscht sie sich oft nichts mehr als ein bisschen Chaos. Eine ...

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... Tochter, die auf dem Sofa in ihr Handy starrt. Doch seit sechs Monaten wohnt die 47-Jährige alleine. Pia ist ausgezogen, lebt jetzt beim Vater.

Wie jeden Abend öffnet Bettina die Tür zu Pias Zimmer. In der Luft hängt noch der vanillig-süße Duft von Teenager-Deo. Am Wochenende war Pia zu Hause. Bei ihr. Heute fehlt sie umso mehr. Bettina atmet ein, seufzt, schließt die Tür.


„Es ist ja nicht ihre Schuld, dass wir uns getrennt haben“


„Ja. Ich fühle mich von ihr verlassen. Dass Pia nicht mehr da ist, dass ich nicht mehr ihre Nummer eins bin, das schmerzt“, erzählt sie. „Aber ich mache ihr deshalb keine Vorwürfe. Thomas und ich sind beide ihre Eltern – und sie hat so entschieden. Es wäre nicht richtig, ihr ein schlechtes Gewissen zu machen. Es ist ja nicht ihre Schuld, dass wir uns getrennt haben.“

Vor zwei Jahren ist Thomas ausgezogen, seit einem Jahr sind sie geschieden, teilen sich das Sorgerecht. Dass Pia bei ihrer Mutter bleiben wird, stand von Anfang an fest. Doch immer häufiger gibt es Streit. Pia redet oft davon, zu ihrem Vater zu ziehen. An dem Abend, an dem sie dann ernst macht, gibt es vorher nicht mal Krach. Pias Wangen glühen, als sie mit der Sprache rausrückt: „Ich ziehe zu Papa.“

Bettina wird von dieser Entscheidung überfahren. Damit hätte sie nie gerechnet. Pia hat mit ihrem Vater schon alles besprochen – der wäre einverstanden. Die 47-Jährige fühlt sich machtlos und traurig. „Was sollte ich sagen? Thomas ist ein guter Vater. Und er arbeitet oft von zu Hause aus, hat Zeit für Pia. Es sprach ja nichts dagegen.“

Dazu kommt, dass Pia mit ihren 14 Jahren mitentscheiden kann, wo sie leben will. „Ich habe mich gefragt, ob ich etwas falsch gemacht habe. Ob ich so schrecklich bin, dass sie es bei mir nicht aushält?“


„Ich habe mich gefragt, ob ich vielleicht etwas falsch gemacht habe“


Das Verhältnis von Mutter und Tochter ist damals angespannt. „Ganz ehrlich? Ich hatte die ewigen Streitereien auch satt. Aber in der Pubertät ist das doch normal. Zu Thomas zu ziehen, war für Pia der einfachste Weg“, sagt Bettina. „Er ist niemand, der meckert: ,Räum das auf‘, ,Leg das weg‘, ,Hast du …?‘ Das war meine Rolle. Mama, die Nervige. Papa, der Coole.“ Bettina versteht ihre Tochter. Natürlich. Aber es tut auch richtig weh.

Nach dem ersten Schock spricht Bettina mit ihrem Ex-Mann. Da er nur zwei Straßen entfernt wohnt, wird sich in Pias Alltag wenig ändern. Statt bei ihrem Vater, wird sie nun eben jedes zweite Wochenende bei ihrer Mutter verbringen. Den Rest der Zeit ist Bettina allein. Ohne Fahrdienste, ohne Essens-Diskussionen. Und ohne Kind.


Bettina lernt langsam, die Vorzüge ihres neuen Lebens zu schätzen


Einige Wochen später packt Pia ihre Sachen: Kleidung, Schuhe, ein paar Bücher, ihr Laptop. Sie nimmt ihre Lieblingsfotos von der Wand. Den Rest lässt sie zurück. Mit ihrem Vater hat sie schon neue Möbel ausgesucht. „Tschüss, Mama. Bis nächste Woche. Ich hab dich lieb“, sagt Pia, als alle Kartons im Auto verstaut sind. Sie umarmt ihre Mutter, dreht sich um und geht. Bettina schließt die Tür. Und weint.

Auch wenn die 47-Jährige nach Pias Besuchen heute noch oft in ein Loch fällt, lernt sie langsam, die Vorteile ihres neuen Lebens zu schätzen. Wenn Pia bei ihr ist, genießen beide die gemeinsame Zeit. Reden lange, unternehmen viel. Streit ums Aufräumen oder Handy gibt es nur selten. „Damit kann Thomas sich jetzt rumärgern. Das ist ein kleiner Trost“, sagt Bettina und lächelt.


„Hauptsache, unser Kind ist glücklich“
Ex-Mann Thomas (50) über die neue Situation:


■ „Nachdem Bettina und ich uns getrennt hatten, bin ich in eine Wohnung im gleichen Stadtviertel gezogen. Ich wollte es uns allen so leicht wie möglich machen und Pia die Möglichkeit geben, mich jederzeit zu besuchen. Ich habe mich ja von meiner Frau getrennt, nicht aber von meiner Tochter. Dass Pia dann ganz zu mir ziehen wollte, hat mich erst mal überrascht, damit hatte ich nicht gerechnet. Aber Platz ist genug. Außerdem bin ich IT-Spezialist, arbeite viel von zu Hause aus und kann mir den Tag flexibel einteilen. So kann ich da sein, wenn meine Tochter nach Hause kommt. Aber Pia ist jetzt fast 15. Sie braucht und will nicht mehr rund um die Uhr Betreuung. Sie ist lange in der Schule, hat viele Hobbys und Freunde. Ich verstehe, dass meine Ex-Frau enttäuscht ist. Aber in den letzten Jahren ging es viel zu oft nur noch um uns. Pia hat viel mitgemacht. Auch wenn es für mich jetzt anstrengender ist, konnte ich ihr den Wunsch, bei mir zu leben, nicht abschlagen. Ich möchte nur, dass sie glücklich ist.“