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Hautnah: Wendy Mitchell bekam mit 58 Jahren die Diagnose: „Alzheimer, mein Weg in das Vergessen“


Lea - epaper ⋅ Ausgabe 31/2019 vom 24.07.2019

Die Engländerin leidet unter der tückischen Krankheit. Und sie schreibt auf, was mit ihr dabei passiert


Artikelbild für den Artikel "Hautnah: Wendy Mitchell bekam mit 58 Jahren die Diagnose: „Alzheimer, mein Weg in das Vergessen“" aus der Ausgabe 31/2019 von Lea. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Lea, Ausgabe 31/2019

Wendy kommt noch immer allein zurecht. Dabei helfen viele, viele Zettel, auf denen sie alles notiert

Neulich ist es wieder passiert. Es war echt schlimm, sogar sehr schlimm. Dieses Mal war es nicht ein Wort, das mir nicht eingefallen ist. Es war auch nicht die Tasse Tee, die ich mir gerade eingeschenkt und vergessen habe. Es war absolut anders. Diesmal war alles völlig leer. Ein großes, dunkles, schwarzes Loch.“

So beschreibt die Engländerin Wendy Mitchell ihren Zustand, ihre Krankheit. Mit 58 Jahren ...

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... wurde Alzheimer bei ihr festgestellt, die Diagnose lautet genau „Young Onset Dementia“ – Demenz unter 65 Jahren. Das betrifft etwa zwei Prozent der Alzheimer-Patienten.

Alles beginnt mit einem verschwommenen Gefühl wie Watte im Kopf, mit ausfransenden Rändern ihrer Erinnerungen, mit Gedanken wie im Nebel. Die alleinerziehende Mutter von zwei Töchtern arbeitete als Teamleiterin der Verwaltung im staatlichen britischen Gesundheitswesen, und sie hatte immer ein Top-Gedächtnis, für das alle sie bewundert haben.

Und plötzlich hat sie diese Ausfälle. Hat das diffuse Gefühl, dass irgendwas nicht stimmt. Sie stürzt öfter mal, ohne Grund. Ihr Hausarzt erklärt die Symptome mit Stress und ihrem Alter. Aber das komische Gefühl bleibt. Wendy sucht Rat bei einer Neurologin, und die vermutet beginnende Demenz. Die endgültige Diagnose will die Ärztin in einem Jahr stellen.


„Immer öfter fehlen mir die Namen zu den Gesichtern der Kollegen“


Wendy fürchtet das Ergebnis, sie will es nicht wahrhaben. Aber sie erlebt immer mehr Einbußen im Alltag. Plötzlich weiß sie nicht mehr, wie man mit Gegenverkehr abbiegt. Sie, die gut und sicher Auto gefahren ist, hat es – vergessen.

Und immer wieder kommt ihr Zeit abhanden. Sie erinnert sich nicht, was sie in diesen Minuten oder Stunden gemacht hat. Es ist weg, einfach weg. Sie arbeitet nach wie vor in ihrem Job, aber immer öfter fehlen ihr die Namen zu den Gesichtern der Kollegen, immer öfter scheitert sie an der Bedienung ihres Computers, immer öfter sitzt sie ratlos vor den Tasten ihres Multi-Tasking-Telefons. Das Schlimmste: Sie ist sich dessen bewusst.

Der furchtbarste Moment ist der, als sie im Büro ist und sich das schwarze Loch auftut: „Ich hob den Blick von meinem Schreibtisch und befand mich an einem Ort, an dem ich noch nie in meinem Leben gewesen war, umgeben von wildfremden Menschen“, beschreibt sie dieses entsetzliche Erlebnis. Das Einzige, was sie sicher weiß: Das geht vorbei, hat ihr die Ärztin gesagt.

Und es geht vorbei. Wie lange sie im Nichts gefangen war, das weiß sie nicht – Zeitgefühl hat sie nicht mehr. Da kommt die endgültige Diagnose am 31. Juli 2014 nicht wirklich überraschend. Überraschend dagegen ist, was Wendy daraus macht: Sie schreibt alles auf, aus ihrer Sicht, Tag für Tag. Solange sie sich erinnern kann. Ihr Buch gibt einen einmaligen Einblick in die Gedankenwelt dementer Menschen.

Sie schreibt: „Nach der Diagnose hat sich mein Bewusstsein geändert. Es gibt jetzt für alles ein letztes Mal. Autofahren, Joggen, Kochen.“ Aber trotz aller Verluste: Wendy will kein Opfer sein. Sie will am Leben teilnehmen. Inzwischen ist sie 62 und Botschafterin der Alzheimer-Gesellschaft. Sie reist kreuz und quer durch England und klärt Betroffene und Angehörige über Demenz auf. Und so nimmt sie der Krankheit ein wenig von ihrem Schrecken und schenkt Mut.

UNSER BUCH-TIPP:

Die Alzheimer-Patientin Wendy Mitchell gibt Einblick in die Gedankenwelt einer Dementen.
„Der Mensch, der ich einst war“. 12 Euro.rororo


TIPPS UND INFOS ZUM THEMA: Demenz: Symptome und Behandlungsmöglichkeiten

Bei uns leben 1,6 Millionen Menschen mit Demenz. Zwei Drittel davon leiden an einer Alzheimer-Demenz. Nach Ansicht der Experten wird die Zahl der Betroffenen weiter steigen. Die Ursachen sind bis heute nicht vollständig geklärt. Man nimmt an, dass Eiweißablagerungen im Gehirn Nervenverbindungen und Gehirnzellen zerstören.

Diese Symptome deuten auf eine Erkrankung hin
► Gedächtnisstörungen, Orientierungsstörungen, Sprachstörungen, Störungen des Urteilsvermögens, Persönlichkeitsveränderungen. Der Betroffene kann sich nicht mehr an kurz zurückliegende Ereignisse erinnern. Er hat Schwierigkeiten bei alltäglichen Dingen – er kann zum Beispiel nicht mehr nach Rezept kochen. Er verirrt sich auf dem wohlbekannten Weg zum Supermarkt. Es gibt außerdem Schwierigkeiten mit der Einordnung von gestern, heute oder morgen. Die richtigen Wörter fallen ihm nicht mehr ein, er benennt die Dinge anders. Er sagt zum Beispiel „Hand-Uhr“ statt „Armbanduhr“. Haustürschlüssel werden im Kühlschrank oder der Spülmaschine aufbewahrt. Patienten haben Schwierigkeiten, Entscheidungen zu treffen. Sie ziehen sich immer mehr zurück, weil sie fürchten, unangenehm aufzufallen. Je nach Veranlagung können Verwirrtheit, Depressionen, Ängste oder Misstrauen auftreten, auch im Umgang mit vertrauten Menschen.

Eine richtige Therapie gibt es trotz aller Forschung noch immer nicht
► Zwar sollten Betroffene so früh wie möglich zum Arzt gehen, denn mit Medikamenten lässt sich der Verlauf verlangsamen. Aber heilbar ist Demenz nach wie vor nicht. Alle Studien mit neuen Arzneimitteln waren bis jetzt ergebnislos.

Das sind die Risikofaktoren fur eine Demenz-Erkrankung
► Das Alter ist der größte Risikofaktor. Auch Übergewicht, Bluthochdruck, ein zu hoher Cholesterinspiegel, zu hohe Blutzuckerwerte erhöhen die Wahrscheinlichkeit. Kopfverletzungen oder Gehirninfektionen durch Viren und Stress sind ebenfalls Faktoren.


Fotos: Rowohlt Verlag, Shutterstock (4)