Weiterlesen mit NEWS. Jetzt testen.
Lesezeit ca. 3 Min.

Hautnah: Wenn der Partner plötzlich zum Pflegefall wird: „Nichts ist mehr, wie es einmal war“


Lea - epaper ⋅ Ausgabe 48/2018 vom 21.11.2018

Als Barbaras Ehemann einen Schlaganfall erleidet, beginnt für sie ein Leben mit vielen Herausforderungen – und großen Plänen


Artikelbild für den Artikel "Hautnah: Wenn der Partner plötzlich zum Pflegefall wird: „Nichts ist mehr, wie es einmal war“" aus der Ausgabe 48/2018 von Lea. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Lea, Ausgabe 48/2018

„Die Liebe zwischen Henrik und mir ist heute eine andere“, sagt Barbara


Es ist der 3. April 2013, als Henrik Wentzel mit einem dumpfen Poltern in der Dusche umfällt – und sich nicht nur sein Leben, sondern auch das seiner Familie von jetzt auf gleich ändert.

Der damals 55-Jährige hat einen Schlaganfall. Ein Blutgerinsel hat einen Hirninfarkt ausgelöst – Lebensgefahr. Der Notarzt bringt ihn in die Klinik, in mehreren Operationen kann sein Leben gerettet werden. An Ehefrau Barbara ...

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 0,99€
NEWS Jetzt gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Lea. Alle Rechte vorbehalten.
Lesen Sie jetzt diesen Artikel und viele weitere spannende Reportagen, Interviews, Hintergrundberichte, Kommentare und mehr aus über 1000 Magazinen und Zeitungen. Mit der Zeitschriften-Flatrate NEWS von United Kiosk können Sie nicht nur in den aktuellen Ausgaben, sondern auch in Sonderheften und im umfassenden Archiv der Titel stöbern und nach Ihren Themen und Interessensgebieten suchen. Neben der großen Auswahl und dem einfachen Zugriff auf das aktuelle Wissen der Welt profitieren Sie unter anderem von diesen fünf Vorteilen:

  • Schwerpunkt auf deutschsprachige Magazine
  • Papier sparen & Umwelt schonen
  • Nur bei uns: Leselisten (wie Playlists)
  • Zertifizierte Sicherheit
  • Freundlicher Service
Erfahren Sie hier mehr über United Kiosk NEWS.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 48/2018 von Liebe Leserin, lieber Leser!. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Liebe Leserin, lieber Leser!
Titelbild der Ausgabe 48/2018 von Neues aus der Forschung. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Neues aus der Forschung
Titelbild der Ausgabe 48/2018 von News: Diese Woche in den Läden!. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
News: Diese Woche in den Läden!
Titelbild der Ausgabe 48/2018 von Großes Umstyling: „Toll, das ist ja ganz mein Stil“. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Großes Umstyling: „Toll, das ist ja ganz mein Stil“
Titelbild der Ausgabe 48/2018 von Beratung: 5 tolle Trend-Looks günstig nachgestylt: Wie vom Laufsteg!. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Beratung: 5 tolle Trend-Looks günstig nachgestylt: Wie vom Laufsteg!
Titelbild der Ausgabe 48/2018 von Topthema: Was Sie immer schon mal wissen wollten …:Digital-Tools einfach erklärt. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Topthema: Was Sie immer schon mal wissen wollten …:Digital-Tools einfach erklärt
Vorheriger Artikel
Beratung: Mit Farbe zaubern Im Trend: Contouring
aus dieser Ausgabe
Nächster Artikel Leichter leben: Freuen, Feiern, Freunde treffen …:Happy Ad…
aus dieser Ausgabe

... ziehen die ersten Stunden, Tage und Wochen wie im Film vorbei, sie funktioniert einfach. „Die Information vom Arzt, dass Henrik nicht überleben könnte, verarbeitete mein Hirn einfach nicht. Ich sagte mir nur: Er schafft alles, er wird auch das schaffen. Punkt.“ Und tatsächlich: Nach einigen Wochen ist klar, dass Henrik überlebt. Aber auch, dass nichts mehr so sein wird, wie es einmal war. „Vorher“ waren die Wentzels eine ganz normale Familie. Barbara Wentzel arbeitet im Marketing, ihr Mann bei einer Reederei. Ihre Ehe gründete sich immer auf Gleichberechtigung: Beide haben Jobs, beide kümmern sich um die drei Kinder Klara (heute 25), Lukas (22) und Maxi (18), beide treffen alle Entscheidungen gemeinsam. Das ist vorbei.


Sein Wesen hat sich vollkommen verändert. Er ist häufig aggressiv


Henrik erholt sich soweit, dass er wieder sprechen kann. Sogar über Gott und die Welt diskutieren. Doch seine linke Körperhälfte bleibt gelähmt, er braucht einen Rollstuhl und bei allem Unterstützung. Auch wenn er es selbst oft nicht wahrhaben will, wird er nie mehr allein leben können.

Was für Barbara und die Kinder aber noch viel schwieriger zu ertragen ist: Henriks Wesen hat sich verändert. Er ist häufig aggressiv, sein Tonfall oft harsch. An seiner Frau lässt er seine Wut aus, beschimpft sie. Für ihn ist Barbara schuld, wenn etwas nicht klappt. Der Schlaganfall hat die Hirnareale zerstört, die für die Gefühle zuständig, in denen Persönlichkeit und Sozialverhalten angsiedelt sind. Er ist nicht mehr der, der er mal war. „Ich habe mich damit abgefunden. Henrik hat ein hartes Schicksal. Es ist seine Möglichkeit, mit seiner Frustration und Trauer umzugehen. Alles, was von mir ausgeht, sieht er als böse an. Da kann ich mir noch so viel Mühe geben.“


„Ich hatte ein schlechtes Gewissen, wenn ich froh war, länger zu arbeiten“


Nach der monatelangen Reha kommt Henrik an Weihnachten 2013 wieder nach Hause. Für die Familie beginnt die Auseinandersetzung mit den Tücken des deutschen Pflegesystems. Ob Pflegekräfte, Rollstuhl, Treppenlift oder Pflegegrad: Um alles muss Barbara kämpfen. „Wer rund um die Uhr versorgt werden muss, landet zwangsläufig bei Pflegekräften aus Polen“, erklärt Barbara. „Und das lief am Anfang nicht reibungslos.“

Das Zusammenleben mit Henrik wird immer schwieriger. „Das Energieraubendste war der Alltag zu Hause. Die Stimmung war furchtbar. Ich hatte ein schlechtes Gewissen, dass ich froh war, länger zu arbeiten. Ich wusste nicht, wie lange ich das noch schaffe. Henriks Aggressionen waren unfassbar groß.“ Auch gegenüber dem Jüngsten, Maxi, der noch zu Hause lebt.

Zwei Jahre nach dem Schlaganfall ringt sich Barbara dazu durch, die große Familienwohnung zu kündigen und dafür zwei kleinere Appartements zu mieten. Eins für sich und ihren Sohn und eins für ihren Mann. „Es war schon schlimm, dass keiner von uns mit Henrik unter einem Dach leben wollte. Aber es gab keine andere Möglichkeit. Wir sind nicht getrennt. Aber wir brauchten und brauchen die Distanz.“

Und noch etwas ändert sich: Barbara lernt den Franzosen Vincent kennen – und verliebt sich aus heiterem Himmel. Ihre Kinder freuen sich für sie. Und auch Henrik macht die neue Situation nichts aus. Im Gegenteil: Er versteht sich blendend mit dem Freund seiner Frau. „Es ist eine andere Liebe geworden“, sagt die 54-Jährige. „Die Rollen in der Familie haben sich verändert. Meine Beziehung muss mit Henrik funktionieren. Zu dritt. Ich werde ihn nie sitzen lassen. Er ist immer noch ein kluger, wissender Mensch – und mein Mann.“

Im Moment kann die Familie die zweite Wohnung und einen Pflegedienst noch von Henriks Rente, Barbaras Gehalt und Ersparnissen stemmen. „Mir ist völlig klar, dass viele Familien an dieser Situation zerbrechen“, sagt Barbara. „Das Problem ist, dass es für jüngere Schlaganfallpatienten außer dem eigenen Zuhause keinen Platz gibt. Altenheime sind für diese Menschen völlig ungeeignet.“


Barbara träumt von einer Wohngemeinschaft auf einem Bauernhof


Aus der Not heraus wächst in ihr die Idee zu einem Projekt. Mit ihrem Verein „Haus für Morgen e.V.“ möchte sie eine Wohngemeinschaft für Menschen mit Hirnschädigungen und körperlichen Einschränkungen gründen. Ein großes, umgebautes Haus ist ihr Traum: familiär, mit Atmosphäre, Geselligkeit und Intimität. Für ein Leben in Würde, für ihren Mann und für andere. Eine tolle Idee, für die sie mit dem Motivationspreis 2018 ausgezeichnet wurde. Sobald sie ein Haus gefunden hat, geht es los …

Unser Buch-Tipp:

Barbara Wentzel erzählt vom Alltag nach dem Schlaganfall ihres Mannes.
20 Euro. Pieper Verlag


70% der Betroffenen bleiben auf lange Zeit behindert. In Deutschland erleiden etwa 270.000 Menschen im Jahr einen Schlaganfall, die Hälfte ist unter 75 Jahre alt.