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Hautnah: Wie viel kann eine Beziehung aushalten?: Meine Frau, die Psychose und ich


Lea - epaper ⋅ Ausgabe 34/2019 vom 14.08.2019

Wie fühlt es sich an, wenn der Mensch, den man am meisten liebt, plötzlich nicht mehr er selbst ist?


Artikelbild für den Artikel "Hautnah: Wie viel kann eine Beziehung aushalten?: Meine Frau, die Psychose und ich" aus der Ausgabe 34/2019 von Lea. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Lea, Ausgabe 34/2019

D er Teufel hat gesagt, ich bin es nicht wert, zu leben.” Fassungslos starrt Mark seine Frau an. Meint sie das etwa ernst? Ja, sie war in letzter Zeit häufig wegen ihres neuen Jobs gestresst, hatte Angstzustände, redete komisches Zeug. Aber diesen Ausbruch hatte er nicht kommen sehen. Das ist nicht mehr die clevere, selbstbewusste Frau, in die er sich vor neun Jahren verliebt hat. Als er Giulia zu beruhigen versucht, kreischt sie hysterisch wieder vom Teufel. Mark fährt mit ihr ins Krankenhaus. Nach ...

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... Gesprächen mit den Ärzten wird sie als selbstmordgefährdet eingestuft und in die Psychiatrie eingewiesen. Mark klammert sich an die Hoffnung, dass es sich nur um eine vorübergehende Erkrankung handelt.

„Giulia war fest davon überzeugt, dass der Teufel mit ihr spricht”

In der Klinik bekommt Giulia starke Medikamente, die sie beruhigen. Doch der Verfolgungswahn wird schlimmer. Inzwischen ist sie der Auffassung, dass sie selbst der Teufel ist und eine Gefahr für ihre Mitmenschen. Giulias Arzt erklärt Mark schließlich, dass sie eine Schizophrenie hat. „Für mich hörte sich das an wie ein Todesurteil. Unser ganzes Leben verschwand mit diesem einzigen Wort. Giulia würde nie mehr dieselbe sein.” Doch Mark hält an dem Glauben fest, dass ihre Liebe diesen Schlag überstehen wird.

Erst mal scheint sich die Lage auch zu bessern: Giulia redet nicht mehr wirr und darf die Klinik verlassen. Dank der Medikamente und einer Therapie ebbt die Psychose nach und nach schließlich ab. Doch sie leidet dafür unter starken Depressionen – eine Nebenwirkung der Tabletten. Für Mark ist es kaum zu ertragen, seine Frau so niedergeschlagen und apathisch zu sehen. Gleichzeitig setzt es ihm zu, dass ihm sein eigenes Leben immer mehr entgleitet. „Ich verbrachte den ganzen Tag mit Giulia, unser Leben beschränkte sich auf die nackte Essenz des Überlebens, nachts schlug die Welt über mir zusammen.” Trotzdem denkt Mark nie darüber nach, seine Frau zu verlassen, obwohl er selber mit den Kräften am Ende ist.

Je mehr Zeit vergeht, desto mehr kehrt das Glück aber wieder in ihre vier Wände zurück. Sie entschließen sich, ein Baby zu kriegen. Als Mark seinen Sohn Jonas in den Armen hält, kann er sein Glück kaum fassen. Alles scheint perfekt, doch dann hat Giulia aus dem Nichts einen zweiten Anfall. Manisch halluziniert sie davon, dass sie den Himmel auf Erden gefunden hätte. Auf die Psychose folgt wieder eine depressive Phase. Und Mark sieht sich jetzt mit der Herausforderung konfrontiert, nicht nur Giulia vor sich selbst zu beschützen, sondern auch Jonas. „Ich musste dafür sorgen, dass es ihm gut ging, womit ich die unangenehme Möglichkeit in Betracht zog, zwischen Giulia und Jonas intervenieren zu müssen.” Trotz vieler Tränen und Auseinandersetzungen übersteht die Beziehung auch diese Phase und sogar eine dritte Psychose.

„Unsere Liebe ist stark genug, um mit der Krankheit zu leben”

Inzwischen haben Mark und Giulia einen zweiten Sohn. Sie sind sich sicher, dass ihre Liebe stark genug ist, um jede Herausforderung zu meistern. „Wir wollen die Erkrankung nicht als Begrenzung unseres Lebens sehen.”

UNSER BUCH-TIPP:

Die Story einer großen Liebe eines Mannes zu seiner kranken Frau.
11 Euro. Fischer

FRÜHER


Mark lernte Giulia mit 18 kennen und verliebte sich sofort. Inzwischen haben sie zwei Söhne und viele Höhen und Tiefen zusammen gemeistert


TIPPS UND INFOS ZUM THEMA

Was ist eine bipolare Störung?

Starke Schwankungen im Denken und Fühlen sind typisch für eine bipolare Störung. Wer betroffen ist, erlebt ein ständiges Auf und Ab der Gefühle. Man spricht hier von Phasen der Manie und der Depression. Etwa ein bis drei Prozent der Bevölkerung sind davon betroffen. Oft treten die Symptome im frühen Erwachsenenalter auf. Aber auch im späteren Alter kann eine Krise oder ein schwerer Umbruch im Leben solch eine psychische Erkrankung auslösen.

Depressive Phasen sind wie eine Depression selbst von gedrückter Stimmung und Antriebslosigkeit gekennzeichnet. Betroffene fühlen sich antriebslos, leiden unter Selbstzweifeln, können sich kaum konzentrieren und schlafen schlecht. Nicht selten kommen Gedanken an Selbstmord dazu. Auch körperliche Symptome wie Appetitverlust oder Kopf- und Magenschmerzen kommen vor.

In der Manie schlägt die Stimmung komplett um. Mit einem Mal sind Erkrankte sehr aktiv und euphorisch. Das kann auch extreme Ausmaße annehmen: Ohne Anlass sind Betroffene überschwänglich heiter oder auch gereizt. Das Gefährliche an der Manie ist auch, dass Erkrankte in dieser Phase nicht selten den Bezug zur Realität verlieren. Sie geben bedenkenlos Geld aus, stürzen sich in überdimensionale Projekte oder verlieren vor anderen Menschen sämtliche Hemmungen. Neben Größenwahn kann es außerdem zu Verfolgungswahn kommen – Symptome einer Psychose.

Die Ursachen konnten bisher nicht festgestellt werden. Forscher gehen momentan davon aus, dass mehrere Faktoren eine Rolle spielen. So deutet viel darauf hin, dass bei einer bipolaren Störung ein Ungleichgewicht wichtiger Botenstoffe im Gehirn eine Rolle spielt. Dazu kommen die individuellen Lebensumstände. Vor allem Stress soll laut Experten ein Auslöser für manisch-depressive Schübe sein. Aber auch manche Medikamente können die Stimmungslage verändern und eine bipolare Störung auslösen.

Behandelt wird die Krankheit durch eine Psychotherapie, in der Regel werden außerdem Medikamente verschrieben. Die Tabletten können die Stimmungsschwankungen allerdings nicht völlig verhindern, sondern lediglich abmildern.


Fotos: fischerverlage, Getty Images, Privat (2),www.instagram.com/marklukach