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HECTOR OLIVERA: ENCORE HECTOR


OKEY - epaper ⋅ Ausgabe 149/2019 vom 05.06.2019

Hector Olivera, ein Name der bei Orgelfans in aller Welt einen außerordentlichen Ruf hat. Und das kommt nicht von ungefähr. Mit seinen atemberaubenden Live-Interpretationen sowohl auf der klassischen Orgel wie natürlich auch auf der Roland Atelier hat sich „The One And Only“ in die Herzen von Freunden der Orgelmusik in aller Welt gespielt und genießt höchste Reputation.


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Bildquelle: OKEY, Ausgabe 149/2019

Wer erinnert sich nicht noch wehmütig an die regelmäßigen Auftritte von Hector Olivera auf der Musikmesse in Frankfurt? In den Showkabinen bei Roland oder bei den verschiedenen Orgelnächten im großen Konzertsaal neben der Messe brachen ...

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... regelmäßig Emotionen los, wenn Hector an der Atelier die großen Werke der Filmmusik oder der Klassik zelebrierte, die man so bisher kaum von einer Orgel und einem Organisten gehört hatte. Wie kann ein Musiker allein sowas live auf einem Instrument umsetzen, fragte sich der staunende Zuhörer immer wieder. Gute Organisten, klar, die gibt es viele, gerade auch im klassischen Bereich. Bei Hector Olivera aber kommt nehmen der besonderen Virtuosität, des rein handwerklichen Könnens, die Seele hinzu. Olivera „drischt“ auch schwierigste Paradestücke nicht einfach herunter, sondern haucht der Musik immer das besondere Quäntchen „Seele“ ein, die eine Olivera-Interpretation von vielen anderen, an reiner Virtuosität vielleicht auch vergleichbaren Darbietungen unterscheidet. Diese Fähigkeit und Hectors besondere Wirkung auf sein Publikum lassen selbst viele der anspruchvollsten Musikerkolleg(inn)en heute ohne Neid zugeben, dass Hector Olivera „einer der größten Organisten der heutigen Welt“ ist.

Auf über 20 CD- und DVD-Produktionen kann Hector Olivera zurückblicken. Die letzte ist schon länger her. In Amerika, wo Hector Olivera seit langem lebt, ist er regelmäßig auf Konzertreise und bespielt die größten und bekanntesten Orgeln. Auch nach Europa, Australien, Südamerika und in andere Länder haben ihn seine Engagements immer wieder geführt. In Deutschland sind seine Auftritte in den letzten Jahren bis auf wenige Ausnahmen sehr rar geworden. Umso mehr sind wir bei OKEY glücklich, dass wir ihn in diesem Jahr wieder für ein Konzert auf dem TASTENFESTIVAL gewinnen konnten. Am 5. Oktober wird Hector Olivera in Herdecke das Abschlusskonzert des diesjährigen Festivals bestreiten. Für diese OKEY-Ausgabe stand er uns im Interview Rede und Antwort.

OKEY: Hector, der letzte Auftritt bei einem OKEY-Festival war vor vielen Jahren. Seit Roland sich aus dem E-Orgel-Geschäft zurückgezogen hat, bist du nun hauptsächlich im Bereich der klassischen Organe tätig?
Hector Olivera: Ja, ich beschäftige mich ausschließlich mit klassischen Orgeln. Das war allerdings auch immer schon so. Ich habe mich auch früher wesentlich mehr im Bereich der klassischen Orgel bewegt, auch auf digitalen Instrumenten, als in der Atelier-Welt. Heutzutage führen mich meine Konzerte zu den großen Pfeifenorgeln in der ganzen Welt. Digital konzertiere ich aktuell auf den Allen-Digitalorgel.
OKEY: Arbeitest du noch viel mit der Roland Atelier?
Hector Olivera: Nein, leider nicht! So sehr ich die Atelier-Orgel in den langen Jahren meiner Zusammenarbeit mit Roland geliebt habe, ich gebe heute nur noch 2 oder 3 Konzerte im Jahr darauf.
OKEY: Umso mehr freuen wir uns, dass wir dich bei deinem Konzert auf dem TASTENFESTIVAL am 5. Oktober einmal wieder auf diesem Instrument werden erleben können! Für viele Menschen ist Hector Olivera der Inbegriff für perfektes Orgelspiel, du giltst als einer der Weltbesten in deinem Fach. Wie kommst du mit diesen Superlativen zurecht? Setzt du dich persönlich unter Druck oder bist du entspannter damit?
Hector Olivera: Nur Gott ist perfekt! Ich versuche nur, das Geschenk, das mir mit meiner Musikalität gegeben wurde, zu nutzen, um jedem Musikstil, den ich präsentiere gerecht zu werden. Ich glaube allerdings schon, dass es einen großen Unterschied zwischen einem bloßen Organisten und einem wirklichen Musiker gibt. Das ist bei anderen Instrumenten nicht anders: Es gibt beispielsweise ohne Frage viele Menschen, die technisch perfekt Cello spielen, aber es gibt nur einen Yo-Yo Ma (Anm.: chinesisch-amerikanischer Ausnahme-Cellist). Unter Druck fühle ich mich nie. Ich lasse die Musik einfach für sich selbst sprechen. Ich liebe es, Musik zu machen, und wenn ich an der Orgel sitze, übernimmt die Musik die Oberhand. Ich konzentriere mich nicht auf die Mechanik des Musizierens; die Musik selbst ist der wichtigste Teil.
OKEY: Wie viel Talent brauchst du für die Virtuosität, die dir gegeben ist, und wie viel davon kann man lernen?
Hector Olivera: Ich glaube, es gibt eine gewisse Menge an Talent, das einem Individuum gegeben wurde. Der Musiker arbeitet hart daran, sein Handwerk zu verbessern. Es gibt zwei Arten von Spielern, den Hobbyisten und den völlig engagierten Organisten. Das Endergebnis ergibt sich aus dem Umfang des persönlichen Engagements und der Disziplin für die Aufgabe. Ein Künstler sollte immer höher hinausgehen und sich nicht nur mit seiner letzten Performance zufriedengeben; es gibt immer mehr zu lernen!
OKEY: Du hast schon viele berühmte Orgeln auf der ganzen Welt gespielt. Hast du ein persönliches Lieblingsinstrument?
Hector Olivera: Ganz klar: die Orgel von Notre Dame in Paris!

OKEY: Wir alle waren von dem schrecklichen Brand in der Kathedrale Notre Dame vor einigen Wochen betroffen. Du hast dort vor einigen Jahren ein Konzert auf dieser berühmten Cavaille-Coll-Orgel gegeben. Was hast du gefühlt, als du die Bilder der brennenden Kirche gesehen hast?
Hector Olivera: Ich habe diese Orgel eigentlich dreimal gespielt! Ich war sehr traurig über die Perspektive, dass wir die gesamte Kathedrale und beide darin installierten Orgeln verlieren könnten. Aber glücklicherweise überlebten beide Orgeln das Inferno. Sie werden aber beide eine Menge an Rekonstruktionsarbeit wegen der Schäden und Verunreinigungen durch den Rauch usw. benötigen, das dieser einfach in die Rohre und Mechanismen eingedrungen und diese verunreinigt hat, Aber die Orgeln überlebten – das ist das Wichtigste! Die Chororgel muss durch das Löschwasser ziemlich in Mitleidenschaft gezogen worden, aber dennoch rekonstruierbar sein. Ja, ich habe in der Tat viel geweint, als ich die Bilder sah!!!!! Fast so viel wie damals, als ich die traurige Nachricht erhielt, dass meine Mutter gestorben war….
OKEY: Du bist in Argentinien geboren und hast dort deine persönlichen und musikalischen Wurzeln. Hast du noch viel mit deiner Heimat gemeinsam?
Hector Olivera: Ja, weil ich dort in der Tat inmitten französischer Cavaille-Coll und deutscher Orgeln aufgewachsen bin, eine Liebe, die für den Rest meines Lebens Teil von mir sein würde! Von Zeit zu Zeit vermisse ich einige meiner Lieblingsessen in Argentinien wie Empanadas und Kalbfleisch… Ich freue mich schon darauf, in Deutschland wieder in Restaurants zu gehen, die echte Wiener Schnitzel servieren…aber es muss super dünn sein (lacht). Ich liebe Europa, es kommt in meinem Herzen gleich nach Argentinien!
OKEY: Wie entstehen deine berühmten Arrangements, insbesondere die Orchesterarrangements? Wonach wählst du die Stücke aus, die du spiest? Und wie gehst du das Arrangement an?
Hector Olivera: Es gibt mehrere verschiedene Wege: Der erste ist der „preiswerte“ Weg, indem man auf IMSLP.com geht und kostenlos eine Dirigentenpartitur herunterlädt. Normalerweise bekommt man da auch eine gute Qualität, insbesondere wenn es um Klassiker wie Beethoven oder Strauss usw. geht. Allerdings kommst du dort nicht weiter, wenn du Musik von John Williams oder Ennio Morricone transkribieren willst; der nächste Weg ist also, einen sehr großen Geldbetrag (lacht) zu zahlen, und die Dirigentenpartitur von „StarWars“ zu kaufen…! Die ist teuer, aber der einfachste Weg, die komplette Originalorchestrierung zu sehen, um diese dann an deine drei Spielebenen (Hände und Füße) anzupassen. Natürlich musst du deine Partitur dann auch für die spezielle Orgel (Modell und Marke) und deren Möglichkeiten anpassen. Hat das Instrument z.B. zwei oder drei Manuale? Hast du 25 oder nur 20 Pedale, usw. usw….
Der nächste Schritt ist der härteste…. Nutze deine hoffentlich gut trainierten Ohren, um zu entschlüsseln, welche Instrumente und Klänge verwendet werden. Und dann kommt deine eigene Handschrift hinzu: Tu, was DU willst…! Spiele die Noten des Komponisten, ändere aber z.B. die Besetzung oder sogar die Harmonien, wenn Du willst. Nur weil die Moonlight Serenade von Glenn Miller für eine spezielle Big Band voller Saxophone und Posaunen geschrieben wurde, bedeutet das nicht, dass man sie nicht auch mit Orchesterstreichern und Waldhörnern spielen kann, oder?
OKEY: Welche Musiker und/oder Komponisten haben dich am meisten beeinflusst?
Hector Olivera: Bach, Bach und Bach.
OKEY: Wie siehst du die Bedeutung der Orgel heute? Erreichst du in deinen Konzerten auch junge Menschen? Ist die Orgel - auch in Zeiten, in denen immer mehr Kirchen verlassen werden - ein Instrument mit Zukunft?
Hector Olivera: Oh, das ist eine gefährliche Frage! Okay, ich selbst interessiere mich ehrlich gesagt nicht für Kirchenmusik mit Congas, Bongos und Gitarren. Aber selbst dabei könnte man die Orgel noch sinnvoll einsetzen, um etwa den Hymnensänger zu begleiten… Aber wir brauchen Organisten, und wir brauchen Kirchen, die bereit sind, dem Organisten für seine Leistung auch ein angemessenes Salär zu zahlen. Ich bin sicher, dass die Orgel als Instrument überleben wird, denn ich sehe nicht, dass Kirchen wie eben Notre Dame, St. Sulpice oder bei Euch in Deutschland der Berliner Dom die Orgel anstelle von Gitarren und Congas aufgeben werden!
Viele renommierte Konzertsäle der Welt verfügen heute über Pfeifenoder Digitalorgeln; als Christ spiele ich allerdings lieber in einer Kirche. Ich hätte noch viel zu diesem Thema zu sagen, aber dafür hat Euer Magazin wohl nicht genug Seiten….
Es gibt inzwischen auch Kirchen, die sich für beide Arten von Gottesdiensten einsetzen, eine für die mehr traditionell orientierten Menschen mit Orgelmusik und und eine für die Congas und Bongos mit Gitarre….
OKEY: Du hast immer elektronische Instrumente gespielt, früher Roland und Rodgers, jetzt auch Allen. Stehen solche Orgeln heute für dich gleichberechtigt neben den „echten“ Orgeln oder bleiben sie für Sie ein Kompromiss?
Hector Olivera: Es gibt nichts Vergleichbares wie das authentische akustische Instrument, aber es ist nichts falsch daran, auch digitale Instrumente zu benutzen, die heute eine wirklich herausragende Qualität und Musikalität haben.
OKEY: Wie beliebt ist die Orgel in Amerika noch? Mit Lowrey ist gerade ein weiterer traditioneller amerikanischer Orgelname vom Markt verschwunden.
Hector Olivera: Nun, es gibt zwei Arten von Orgeln. Wenn Du die Unterhaltungsorgel meinst, sieht es nicht so gut aus, auch wenn es noch einige Leute gibt, die solche Instrumente spielen und auch Unterricht nehmen. Die meisten sind aber Ein-Finger-Spieler und nur eine sehr kleine Minderheit ist überhaupt noch in der Lage, ein aufwändigeres Arrangement mit linker Hand und Pedal zu spielen. Ich für meinen Teil gebe immer noch meine Meisterkurse in jedem Jahr in meinem Haus, aber das Interesse hat sich hier in den letzten rund 5 Jahren mehr zur klassischen Orgel verlagert. Die klassische Orgel ist nach wie vor gefragt, obwohl einige Kirchen den Weg zu anderen Musikformen mit Gitarren und Percussion gegangen sind oder gar Multi-Screen-Produktionen mit viel Rauch und Spezialeffekten auffahren. Das solltest du mal sehen…ich bin mir nicht sicher, ob das einem Martin Luther gefallen würde.
OKEY: Deine letzte CD-Produktion liegt schon einige Jahre zurück. Wann wird es eine neue Aufnahme oder gar eine DVD von Hector Olivera geben?
Hector Olivera: Ich spiele mit der Idee einer neuen CD/DVD-Produktion, die würde dann auf einer klassischen Orgel entstehen. Aber es gibt noch keine definitiven Pläne.
OKEY: Was macht Hector Olivera, wenn er nicht auf der Orgel spielt? Hast du neben der Musik auch ein Leben?
Hector Olivera: Ich arbeite z.B. in meiner Freizeit gerne mit Holz; ich habe mir einen eigenen Orgelspieltisch im Stil von Cavaille-Coll mit der typischen Terrassenform gebaut, da bin ich richtig stolz drauf. Die Maße habe ich von dem Spieltisch von St. Sulpice in Paris übernommen. Meine Idee war es, eine schöne und ergonomische dreimanualige Konsole zu bauen, wo alles leicht zu erreichen ist.
OKEY: Kannst du uns ein wenig über das aktuelle Programm erzählen? Worauf können wir uns in Herdecke freuen?
Hector Olivera: Ah, da bin ich immer sehr spontan und werde es wahrscheinlich erst am Vorabend entscheiden, sorry! Lasst Euch überraschen!
OKEY: Hector, vielen Dank für das Interview! Wir freuen uns auf ein Wiedersehen auf dem TASTENFESTIVAL im Oktober!