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Heide, Hirsche und Highland Ponys


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JÄGER - epaper ⋅ Ausgabe 20/2022 vom 14.01.2022

Jagd in Schottland

Artikelbild für den Artikel "Heide, Hirsche und Highland Ponys" aus der Ausgabe 20/2022 von JÄGER. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: JÄGER, Ausgabe 20/2022

Die wilden Weiten Schottlands haben es Charlotte angetan.

Auf der Jagd erlebt man die schönsten Momente. Wenn man diese noch mit jemandem teilen kann, bleiben sie für immer. Der nachfolgende Bericht handelt von einer jungen Frau, die aufbrach, um in der schottischen Natur mit Wildtieren zu arbeiten und zu jagen. Gutes Wetter, Wild, Ponys und nette Gäste: Mehr braucht es nicht, um glücklich zu sein. Lesen Sie selbst!

Eine Reise in die Vergangenheit

Leise klingeln die Metallschnallen des Sattels durch die mystische Stille der Landschaft. Der gleichmäßige Takt der Hufe eines Highland Ponys wird durch das beruhigende Schnaufen untermalt. Uns geht es gut hier. Leise knistert die Heide unter den schweren Hufen des Pferdes, leise ächzt der alte Ledersattel und erinnert an vergessene Zeiten. Ich bin heute der Schatten des Ghillies und darf beobachten, wie jahrzehntelange Erfahrung diesen Job des Pony Ghillies zur Vollendung gebracht haben. Sie ...

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... nennen ihn Eric und sagen er lebt für seine Ponys und die Highlands. Ich folge ihm auf Schritt und Tritt, gierig nach einer Antwort, wie er es schafft, dass jede Bewegung wie ein lang einstudiertes Theaterstück wirkt. Er trägt seine Haare lang. Die goldenen Locken haben einen grauen Schimmer. Sein Anblick erinnert mich an die Rolling Stones oder an jemanden, der schon immer zu Woodstock gehört. Seine Gesichtszüge sind markant, seine Zähne und sein Gesicht lassen vermuten, dass er seit Jahren die ein oder andere Zigarette genießt.

Meilenweit entfernt erspähen wir den erlegten Hirsch. Wie ein winziges farbiges Puzzlestück in der unendlichen Landschaft sticht der rote Bauchlappen des Roten über dem Geweih heraus.

Kurz halte ich inne, denn ich kann all das nicht richtig greifen. Diese Landschaft verschluckt uns und nimmt mir den Atem. Sie reicht in alle Richtungen, so weit mein Auge schauen kann. Wir laden gemeinsam den Hirsch auf. Ich beruhige das Pferd, das nun die Last für uns tragen muss. Über Erics makellosen Tweed rinnt etwas Schweiß und auf meinen besorgten Blick hin knurrt er nur: „Keine Sorge, das war nicht das erste Mal und wird auch nicht das letzte Mal sein. Kannst du für das Pferd ein paar Wurzeln aus meinem Rucksack holen? Die mag sie am liebs- ten.“ Ich greife in seinen alten englischen Militärrucksack. Ich sehe das Orange der Karotten. Ich schaue hinüber zu Eric, der Mann, der gerade in seinem Tweed in voller Ruhe und Zufriedenheit die Lederriemen des Sattels sortiert.

Wie alles begann

Zum ersten Mal war ich 2017 in Schottland, mit dem Ziel, meine Sprachkenntnisse zu verbessern und neue Erfahrungen zu sammeln. Insgesamt war ich damals sechs Monate in Schottland, drei davon in Invermark als Jagdhelfer. Nun habe ich die Möglichkeit, erneut eine ganze Jagdsaison hautnah als Pony Ghillie mitzuerleben. Neben den Ghillies braucht es natürlich Gamekeeper, die verantwortlich für die Jagd und die Gäste sind. Gamekeeper sind ganzjährig und in Vollzeit im jeweiligen Estate angestellt und sind vergleichbar mit deutschen Berufsjägern.

Das Estate von Lord and Lady Dalhousie auf dem ich arbeite, liegt in Invermark im Glen Esk, einem Ort der digitale Gewohnheiten stark einschränkt. Man lebt hier quasi isoliert von der Außenwelt. 18 Meilen braucht es, um diesen kleinen Ort am Ende der Straße zu erreichen. Hier gibt es das Haus des Headkeepers, eine Wildkammer, eine Gemeinschaftsküche und ein Bothy. Das Bothy, übersetzt Baracke, dient für uns Ghillies als Schlafplatz. Etwas neben diesen Gebäude liegt die Lodge. Die Lodge ist für die Gäste bestimmt und empfängt diese mit jeglichem Luxus, ganz im Gegenteil zum Bothy, der sehr spartanisch eingerichtet ist. Hier gibt es keine Heizung, sondern nur einen zentralen Holzofen, was das Leben im Winter mit bis zu -15 Grad Celsius sehr besonders macht. Unser Luxus ist der Blick auf den See „Loch Lee”. Hier ist jeden Tag Jagd und alles dreht sich um das schottische Waidwerk. Während der Moorhuhnsaison werden bis zu 50 Helfer benötigt, meist sechs Gamekeeper, 30 Treiber und bis zu acht Schützen pro Treiben, zudem Hundeführer, deren Hunde das geschossene Flugwild apportieren.

Royaler Besuch

In der Hirschsaison führen bis zu fünf Gamekeeper die Gäste. Sie werden jeweils von einem Walking Ghillie und einem Pony Ghillie begleitet. Der Walking Ghillie ist zusammen mit dem Gamekeeper und dem Gast unterwegs und trägt das Equipment sowie den Lunch für die Pause. Der Pony Ghillie ist mit einem Pferd gleichzeitig unterwegs, um auf Abruf das erlegte Wild zu bergen und zur Wildkammer zu transportieren. Die Saison beginnt Ende September und geht bis zum 20. Oktober. Hierbei führt jeder Gamekeeper ein bis zwei Gäste pro Tag in seinem Pirschbezirk. Auch zur Hirschjagd ist es möglich, sich wochenweise in die Lodge einzumieten. Gelegentlich, aber mindestens einmal im Jahr, gibt es adeligen Besuch. Das Nachbarestate von Lord and Lady Dalhousie ist im Besitz der Queen. Es ist das Balmoral Estate, mit dem berühmten Balmoral Castle, in dem die royale Familie jedes Jahr ein paar Wochen verbringt.

Nach dem 20. Oktober wird nur noch das weibliche Rotwild, das sogenannte Hind, bejagt. Ab diesem Zeitpunkt wird die Lodge geschlossen und Gäste kommen nur noch vereinzelt für maximal ein bis zwei Tage zum Jagen hierher.

Die Jagd nach den Hinds findet bis Ende Februar statt, bevor die gesamte Saison vorbei ist. Neben dem weiblichen Rotwild werden im Winter Füchse bejagt. Dies dient dem Schutz der Moorhühner und Fasane. Ende Februar ist ebenfalls der Zeitpunkt, an dem die Ghillies wieder aus dem Estate abreisen.

Durch die besondere Geografie des Estates in den Highlands, müssen oftmals lange Strecken auf schwierigem Terrain zurückgelegt werden. Morgens fahren alle an der Jagd Beteiligten vor der Lodge vor und dort werden die Gäste mit den Gamekeepern und Ghillies bekannt gemacht.

„Sobald ein Stück erlegt wurde, binde ich es auf und transportiere es zur Wildkammer.“

„Kurz halte ich inne. Diese Landschaft nimmt mir den Atem.“

Dann geht es in das Revier. Neben Highland Ponys werden im Winter auch Quads oder Schneemobile zum Bergen des Wildes genutzt.

Jagd ist Hundearbeit

Der Einsatz von vielen verschiedenen Jagdhunderassen bei der Niederwildjagd ist beeindruckend. Ich persönlich habe noch keinen eigenen Jagdhund, werde mir aber in Deutschland einen vierbeinigen Jagdhelfer anschaffen. Die Arbeit hier hat mich sehr fasziniert. Das Leben von Menschen mit ihren Hunden in Schottland hat mich sehr inspiriert. Jeder Gamekeeper hat hier mindestens fünf Hunde. Angefangen von Terriern, über Labradore bis hin zu Cocker- und Springer Spaniels. Die Hunde werden vielseitig eingesetzt. Vor allem zum Apportieren des erlegten Wildes.

Einer der größten Unterschiede zu Deutschland ist, dass das Estate sowie die Menschen die dort leben, abhängig vom Jagdtourismus sind. Das Estate finanziert sich über seine Gäste. Dementsprechend steht der Gast hier im Mittelpunkt und es wird alles dafür getan, dass der Gast zufrieden ist und im nächsten Jahr möglichst wiederkommt. Es wird sehr viel Wert auf die britische Etikette gelegt. Hinzu kommt, dass in Schottland noch viele Familien vom Job des Gamekeepers, also des Berufsjägers, abhängig sind. Dadurch, dass der Jäger noch ein Vollzeitberuf ist, genießt er ein hohes Ansehen in der schottischen Gesellschaft. Für mich bleibt es ein faszinierender Beruf, da er Natur und Wild in Einklang bringt. Er gibt die Möglichkeit das Hobby zum Beruf zu machen. Ich bin sehr dankbar dies so zu erleben. Die Hege, Pflege und die Jagd bestimmen hier den Tagesablauf.

Den Hirschen auf der Fährte

Einen klassischen Tagesablauf gibt es hier nicht. Allerdings habe ich gewisse Routinen entwickelt, gerade zur Hirschsaison. Am Vorabend wird ein Blick auf den Wetterbericht des morgigen Tages geworfen. Anschließend überlege ich, welche Ausrüstung, welches Equipment und welche Kleidung sinnvoll für den nächsten Tag sind. Ich habe dieses Jahr als Pony Ghillie gearbeitet. Das bedeutet, auch bei sehr niedrigen Temperaturen muss ich in der Lage sein, mehrere Stunden in den Hills auszuharren. Ich wache so gegen 6.00 Uhr in der Früh auf. Danach gibt es ein kurzes Frühstück, meistens eine Sausage Roll und ein Cup of Tea – selbstverständlich. Anschließend fahren wir zur Lodge. Auf dem Weg in unsere Stallungen fahren wir schon durch unser Gebiet und beobachten das Rotwild. Als Pony Ghillie sattle ich das Pferd und gehe zu einem logistisch sinnvollen Punkt. Dabei sichte und beobachte ich das Rotwild und melde dies meinem zuständigen Gamekeeper. Kontakt wird in den Highlands über Walkie-Talkies gehalten. Die Jagd findet den ganzen Tag statt. Als Pony Ghillie verbringe ich viel Zeit mit Warten, bis ein Stück erlegt wurde. Mittags gibt es den Lunch in den Highlands, zusammen mit dem Gast und dem Gamekeeper. Sobald Wild erlegt wurde, gehe ich mit dem Pferd zum Hirsch, binde ihn auf und transportiere diesen mit dem Pferd zur Wildkammer. Anschließend verbringe ich jeden Tag so eine Stunde in der Wildkammer mit dem Zerwirken des Stücks. Danach geht es zurück ins Bothy, wo das Feuer entfacht wird, um das Gebäude nach und nach aufzuwärmen. Abschließend findet ein gemeinsames Essen aller Helfer statt. Den Abend lasse ich vor dem Feuer ausklingen. Dabei putze ich meine Schuhe für den nächsten Tag.

Charlotte Schröder

Die Autorin ist Architektin und Jägerin mit einer großen Leidenschaft für die Jagd in den schottischen Highlands, die Landschaft, Kultur und Lebensweise in der Region. Zur Jagd gekommen ist sie über ihre Arbeit als Ghillie. Sie ist auf dem Estate sowohl für die Niederwildhege als auch für die Rotwildjagd verantwortlich. Ihre Passion ist die traditionelle Arbeit mit den Ponys beim Bergen der Hirsche sowie insbesondere die Hundearbeit bei der Grouse-und Fasanenjagd.