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HEIKE FOREVER


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emotion - epaper ⋅ Ausgabe 9/2022 vom 06.07.2022

Begegnung

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Bildquelle: emotion, Ausgabe 9/2022

Wenn sie lacht und mit dieser raspelrauen Stimme spricht, kann man sich sofort an die VIVA-Göre erinnern, diese junge Heike, die steckt immer noch in ihr drin. Dabei ist sie heute eher: die Makatsch – längst eine der etablierten deutschen Schauspielerinnen und auch mit 50 gut im Geschäft. Sie hat dieses Eigenwillige, Unangepasste, Kantige, sodass man ihr gespannt zusieht oder zuhört, ob im „Tatort“, in Serien wie gerade in „Herzogpark“ oder wenn sie singt oder Bücher einspricht. Doch wie geht das, mit so vielen Talenten umzugehen, sich immer wieder neu zu erfinden und sich dabei treu zu bleiben?

Stillstand wäre für mich ...

... ganz schnell schal. Aber getriebener Aktionismus oder die Angst davor, etwas zu verpassen, sind auch keine guten Berater. In jungen Jahren habe ich auf eine Wand meines Zimmers mein Mantra geschrieben: „No stand still, no rush“. Da das gesunde Maß zu finden, ist eine ...

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... Aufgabe, die sich mit den Lebensphasen verändert. Für Stillstand bin ich definitiv nicht bekannt. Aber zur Ruhe zu kommen, das ist immer noch eine Herausforderung.

Es gibt den Bestseller: „Das Leben ist zu kurz für Zeitmanagement“. Oliver Burkemans z entrale Aussage: Wir haben nicht für alles Zeit, denn – vorausgesetzt, wir werden um die 80 Jahre – leben wir gerade mal 4000 Wochen. Wie widerstehen Sie dem allgegenwärtigen Zeit- und Effizienzdruck?

Wenn ich mir angucke, wie schnell so eine Woche um ist, stellt sich die Frage:

Widerstehe ich ihm überhaupt? Als große Familie lebt man in Abläufen, das lässt sich nicht vermeiden, und das will man auch nicht vermeiden. Denn in der Wiederholung liegt etwas Rituelles, das ist eine feste Basis, auf der etwas gedeihen soll. Ich muss gucken, wie ich Dinge, die an mir zerren, organisiere. In meinem Beruf gibt es Stoßzeiten, aber auch Phasen, in denen ich der Frage nachgehen kann: Was fange ich mit meiner Zeit an, was mache ich aus meinem Leben?

ALLES, NUR KEIN STILLSTAND

SIE IST UNSERE FRAU DES MONATS,WEIL ... sie wächst und wächst und wächst. Wir sind gespannt, wie’s weitergeht

Wie lautet Ihre Antwort darauf?

Erst letztens habe ich mit einem Kumpel überlegt: Wenn wir Abschied von dieser Welt nehmen müssten, würden wir bereuen, etwas nicht getan zu haben? Zugeben müssen, uns für die falschen Werte entschieden zu haben? Bei dem Gedanken fühlte ich mich nicht so furchtbar beschwert. Ich habe diese 4000 Wochen schon im Blick und versuche meiner begrenzten Lebenszeit gerecht zu werden.

Spielt das Älterwerden eine Rolle?

Ich bin ja jetzt 50. Bis vor drei Jahren hätte ich gesagt, ich merke noch gar keinen Unterschied zu sonst, auch wenn ich beim Lesen langsam schlechter sehe.

Aber meine Kinder werden plötzlich ernst zu nehmend groß, meine Eltern älter. Da wird einem der Lauf der Dinge plötzlich klar, das Werden und Vergehen.

Das, was meine jugendlichen Kinder erleben, ist für mich gefühlt weit weg; womit sich meine Eltern auseinandersetzen müssen, das Alter, hingegen nah.

Wie verlieren Sie das, was Ihnen wichtig ist und was Sie glücklich macht, nicht aus dem Blick?

Indem ich immer wieder mit mir einchecke. Ich bin in sehr engem Kontakt mit mir und meinem nahen Umfeld.

Das stößt mich immer wieder auf meine Bedürfnisse, auf das, was gerade klemmt.

Das hat etwas mit einer Aufmerksamkeit sich selbst gegenüber zu tun, auch mit einem guten Körperbewusstsein.

Ist der Raum dafür immer da?

Den schaffe ich. Aber natürlich gibt es manchmal Zeiten, da ist es so turbulent, dass ich gar nicht weiß, wie es mir geht.

Dann freue ich mich auf den nächsten Dreh, darauf, allein im Hotelzimmer zu sein, weg von zu Hause, dem Alltags- rausch. Als Mutter hat man immer die Befindlichkeit der anderen im Blick. In der Solitüde docke ich wieder bei mir und meiner eigenen Befindlichkeit an.

„IM SEXUELLEN SINNE MAG EINE JUNGE FRAU MEHR BLICKE AUF SICH ZIEHEN. ABER VIEL WICHTIGER IST DOCH, UNABHÄNGIG VOM ALTER, DIE ENERGIE, DIE EINEN UMGIBT“

Worauf verwenden oder verschwenden Sie möglichst wenig Zeit?

Auf meine Steuer. Bürokratie sehe ich als verschwendete Zeit an. Das fällt mir bisweilen auf die Füße, denn irgendwann muss das natürlich erledigt werden. Aber ich kann Papierkram sehr lange liegen lassen, ohne dass es mich bedrückt. Ich habe da einen Rhythmus für mich gefunden, bei dem manche Herzrasen bekommen würden, aber ich kriege es immer noch rechtzeitig hin.

Was würden Sie gern wieder tun, was Sie länger vernachlässigt haben?

Mit meinem Freund allein verreisen. Das habe ich eigentlich noch nie gemacht.

Richtig absehbar ist das noch nicht, aber das werden wir sicher irgendwann tun.

Wenn Sie ein Sabbatical hätten, wie würden Sie es gern nutzen?

Für spirituelles Wachstum. Ich würde ganz viel lesen, Yoga-Workshops machen und mich dem Atmen widmen. Wenn ich das geschrieben sehe, kriege ich wahrscheinlich Pickel, aber das ist nicht so esoterisch gemeint, wie es klingt. Mir geht es um die philosophischen Fragen.

Damit habe ich mich zwar auch früher schon beschäftigt. Aber diese Gedanken haben mich damals nicht innehalten lassen, ich habe einfach weitergetanzt.

Was sehen Sie im Spiegel?

Meine Tagesverfassung. Und wo ich ein bisschen mit Kosmetik nachhelfen muss.

Sie sind nach wie vor sehr gefragt.

Wie erleben Sie das Phänomen, dass Frauen Ü 40 unsichtbar werden?

Was Rollen angeht, wird die Luft ab einem gewissen Alter dünner für Frauen – das würde ich niemals leugnen. Diese Verbindung von Kommerzialität und Jugend ist nicht so leicht aufzubrechen.

Auch mir selbst geht es so, dass ich mich wundere, wenn ich eine Frau in meinem Alter auf einem Cover sehe.

Umwälzungen brauchen Zeit, aber ich bin ganz positiv gestimmt, dass sich da weiterhin etwas verändern wird.

Was können Frauen tun, um gegen die Unsichtbarkeit anzugehen?

Letztlich kann jede etwas in sich selbst finden, für das sie steht und das sie transportieren will. Im sexuellen Sinne mag eine junge, attraktive Frau mehr Blicke auf sich ziehen. Aber viel wichtiger als eine faltenfreie Haut ist doch, unabhängig vom Alter, die Energie, die einen umgibt.

War der Abschied von der Jugend schmerzlich für Sie?

Ich erinnere mich gerne an meine Jugend, gucke mit Freude darauf zurück.

Aber der Wunsch wieder jung zu sein treibt mich nicht um. Ich habe alles erlebt, was ich erleben wollte. Ich habe noch immer das Gefühl, etwas irgendwann noch mal machen zu können.

Oder sogar noch ganz viele Dinge zum ersten Mal tun zu können. Das fühlt sich lebendig an. Auch wenn ich nicht verblendet bin und weiß, dass vieles auch nicht mehr so sein wird wie früher:

Ich bin sehr neugierig auf das, was kommt. Das Leben steckt voller Überraschungen!

Wie haben Sie sich immer wieder neu erfunden: von der VIVA-Moderatorin zur Schauspielerin für Film, Fernsehen und Theater zur Sängerin und Synchron- und Hörbuchsprecherin. Was waren die Auslöser, Neues zu wagen?

Chancen, die mir jemand gegeben hat.

Wenn eine Tür aufging, habe ich gesagt, da gehe ich jetzt durch. Ich hatte keine Scheu, etwas zu wagen, da war ich frei.

Dinge haben sich am Horizont abgezeichnet, ohne dass ich einem festen Ziel hinterhergeeifert wäre. Dadurch hatte das eine Leichtigkeit. Aber alles, was ich angefangen habe, habe ich mit Ernsthaftigkeit gemacht – und mit Liebe und Herzblut.

„WENN EINE TÜR AUFGING, HABE ICH GESAGT, DA GEHE ICH JETZT DURCH. ICH HATTE KEINE SCHEU, ETWAS ZU WAGEN, DA WAR ICH FREI. SO HATTE DAS EINE LEICHTIGKEIT“

Was hilft, die eigene Kreativität zu wecken?

Indem man einfach anfängt. Den ersten Satz spricht oder schreibt, den ersten Bleistiftstrich wagt. Dann kommt sofort etwas in Gang, was vorher blockiert war.

Ich selbst bin sehr kreativ, tue mich aber schwer mit Initialkreativität. Ich arbeite mich ab an Dingen, die schon vorhanden sind, brauche etwas als Inspiration. Dann fängt es an bei mir zu rattern. Ich kann sagen, wie ein vorliegendes Drehbuch besser würde. Und statt ein Bild zu malen, würde ich ein Bild an einer Stelle mehr ausschattieren oder etwas Türkis hinzufügen. Generell gilt: Für Kreativität braucht es Raum und Zeit, wenn man im Stressbewältigungsmodus ist, geht das verschütt.

Wo fehlt Ihnen Geduld?

Es liegen sehr viele angefangene Sachen bei uns im Schrank. Immer wieder habe ich Momente, in denen ich denke: Wie schön wäre es, wenigstens einen Schal bis zum Ende zu stricken! Aber irgendwann geht mir dann die Lust aus.

Wie groß ist Ihr Perfektionsbedürfnis?

Gesund groß. In manchen Bereichen mehr, in manchen weniger. Meine Schneiderlehre hat mir zwar Spaß gemacht, aber ich wäre keine gute Schneiderin geworden, denn ich habe immer gedacht: Ach, passt doch – hudiwudi.

Nein, ich habe nicht so ein riesiges Perfektionsstreben.

Was wollten Sie als Kind werden?

Was ich ganz früher werden wollte, weiß ich nicht mehr. Ernst zu nehmende Wünsche waren dann: Journalistin oder Rockstar.

Gibt es eine Phase aus Ihrem früheren Leben, nach der Sie sich manchmal zurücksehnen?

Ja, manchmal frage ich mich: Wie wäre es, wenn ich morgens aufwache und für niemanden verantwortlich wäre außer für mich. Aber das ist eher so ein Gedankenspiel.

In welcher Lebensphase haben Sie sich am meisten mit der Frage nach Ihrer Identität beschäftigt?

Vielleicht bin ich mittendrin in dieser Lebensphase. Wobei es nicht meine tägliche bewusste Aufgabe ist, mich zu definieren.

Wer wollen Sie sein?

Da habe ich so Ahnungen, aber ich könnte es noch nicht auf den Punkt genau sagen. Aber in dem Zusammenhang kommt ein anderer Lieblingsspruch von mir zum Tragen: „Trust the process!“

Ich vertraue darauf, dass sich Dinge schon entwickeln werden. Denn das hat mich das Leben gelehrt.

LEBEN UND ARBEIT

Seit ihren Anfängen bei VIVA (1) hat sich Multitalent Heike Makatsch v. a. als ausgezeichnete Schauspielerin etabliert. Gerade ist sie in der RTL+-Serie „Herzogpark“ zu sehen, an der Seite von Lisa Maria Potthoff, Antje Traue und Felicitas Woll. Makatsch ist mit dem Schauspieler Trystan Pütter (3) zusammen, der auch Vater der jüngsten ihrer drei Töchter ist. Die Familie lebt in Berlin.