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Heiko Muff: Kleiner Messeflitzer: Tuning eines Snowmobil von New Ray in 1:12


Truckmodell - epaper ⋅ Ausgabe 6/2019 vom 11.09.2019

Auf der Modellbaumesse in Friedrichshafen 2017 brachte mein Modellbaukollege Micha ein ganz besonderes Fahrzeug mit zu unserem Pistenraupen Messestand: Einen YAMAHA RC-Motorschlitten des Fernost Anbieters New Ray im Maßstab 1:12, passend zu den meisten Pistenraupenmodellen auf dem Parcours. Das Modell wurde schon von ihm mit einem kleinen Brushlessmotor, optimierter Lenkung und einer Beleuchtung technisch überarbeitet. Was soll ich lange sagen, das Interesse war geweckt, die Begeisterung groß und daheim wurde gleich so ein Schlitten beim weltgrößten Versandhändler geordert.


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Bildquelle: Truckmodell, Ausgabe 6/2019

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... handliches Paket gebracht hatte, fand gleich eine erste Bestandsaufnahme des Fertigmodells statt. Eine Recherche im Internet ergab, dass das gut detaillierte Fahrzeug ziemlich genau dem Yamaha Motorschlitten SRX 700 aus dem Jahr 1999 entsprach. Danach ließ ich es mir nicht nehmen, den Schlitten in seiner ursprünglichen Konfiguration zu testen. Also, rein mit den Batterien und ab auf den Fußboden. Was dann kam, war sehr ernüchternd und erklärte sofort die schlechten Bewertungspunkte zu dem Produkt. Das Teil tuckerte gaaaanz gemütlich im Schneckentempo von einem Ende des Gangs zum anderen. Auch von einer proportionalen Steuerung war keine Spur vorhanden. So macht das nicht wirklich Spaß und der Frust ist vorprogrammiert. Genug getestet, jetzt geht es ans Eingemachte. Viele Teile waren zum Glück verschraubt und konnten relativ leicht demontiert werden. Die Telefonleitung zu Micha glühte in dieser Zeit und nach und nach bekam ich die Infos, welche Tuningteile er in seinem Skidoo verbaut hatte. So war der von Ihm eingesetzte Brushless Motor von den Maßen exakt baugleich mit dem im Originalfahrzeug verwendeten Bürstenmotor. Denn anders als bei einem echten Motorschlitten befand sich der Antrieb mit dem Getriebe nicht im Frontbereich vor dem Fahrer, sondern direkt im Inneren des Kettenlaufwerkes. Gesagt getan, schnell war das kleine Motörchen geordert. Beim Regler wartete ich erst mal ab, denn diesen wollte ich dann später mit den anderen RC-Bauteilen bestellen. Auch seine Umsetzung der Lenkung mittels Servo und der verwendete Empfänger wurden erörtert und das eine und andere Bildchen wanderte von einem Smartphone zum anderen.

Das Zerlegen in die Einzelteile gestaltete sich dann vor allem beim Antrieb als doch nicht so einfach. Bei den Achswellen stand mal wieder ein Anruf bei Micha auf dem Programm: Wie hast du denn die Wellen von den Kettenrädern gelöst? Antwort: Mit ganz viel körperlichem Einsatz entfernt! Na super, also ran ans Werk und kräftig an den Teilen gezogen. Diese rührten sich auch nach mehrmaligen starkem Drücken und Ziehen nicht um einen Millimeter. So funktioniert das nicht und es müssen härtere Geschütze aufgefahren werden. Nun kam eine kleine PUK Säge zum Einsatz und trennte die Getriebewellen in ihre Einzelteile. Endlich lag der ganze Antrieb in seiner vollen Pracht zerlegt auf dem Arbeitstisch. Und was ich da dann so sah, ließ bei mir leider keine Jubelschreie aufkommen.

Der Motorschlitten konnte sein Herkunftsland China von der technischen Seite leider nicht ganz verleugnen. Außen Hui, innen … so la la, kam mir gleich in den Sinn. Die gravierendste Schwäche zeigte allerdings die Antriebsauslegung. Dieses lag vor allem an dem nach hinten offenen Kettenkasten, sodass an dieser Stelle Schmutzpartikel leicht ins Innere des Getriebes und der Zahnräder eindringen können. Auch war die Zahnradbreite an der letzten Stufe des Getriebes sehr schmal gehalten. Hier war auch noch durch die verwendeten Kunststoffzahnräder ein hoher Verschleiß beim Einbau eines leistungsstarken Brushless-Antriebes vorprogrammiert.

Antriebslösung

Nachdem die Suche im Internet nach passenden genormten Wechselzahnrädern in Messing oder Stahlausführung nicht sehr ergebnisvoll war (suchen Sie mal ein 28er Kronenrad mit angesetztem geradverzahntem Ritzel M0,5 und acht Zähnen, ich wünsche Ihnen schon mal viel Spaß), musste hier doch noch eine andere Lösung gefunden werden, um zu einem soliden Antriebsstrang zu gelangen. Nach reiflicher Überlegung ließ ich die Umbaulösung mit dem Brushless-Motor fallen und entschied mich wieder für eine klassische Methode. Ein passender Faulhaber Glockenankermotor mit Planetengetriebe und Kegelradumlenkung könnte eine geeignete Alternative darstellen. So wurden im Netz erst einmal die verschiedenen Motor-Getriebe und Leistungsdaten des deutschen Anbieters verglichen. Schnell fand ich eine Kombination (1717A006S R15AK5 331), welche von den Abmessungen gerade noch in den existierenden Antriebskunststoffkasten passen könnte. Da ja sowieso geplant war, auch dieses Bauteil als 3D-Druckteil herzustellen, wurde dieses so am PC gezeichnet, dass der Faulhaber Getriebemotor plus das gewählte Kegelradpaar mit M0,5 und 20 Zähnen gerade so platziert werden konnte. Hier war wirklich Maßarbeit gefragt, denn es ging doch verdammt eng in dem Kasten zu.

Als Lagerung für die Antriebswelle und die Umlenkräder der Antriebskette verwendete ich Miniaturkugellager mit Bund in den Abmessungen D2×5×2,5 und D3×7×3. Doch mit diesen Änderungen war noch lange kein Ende erreicht. So wollte ich ebenfalls die Antriebskettenräder durch die fehlerhafte Maß und Formgenauigkeit nicht mehr weiter verwenden. Diese wurden durch auf der CNC Fräs- und Drehmaschine hergestellte Edelteile aus Alu ersetzt.

Leider konnte ich nicht das Ziel erreichen, einen komplett gekapselten Antrieb zu realisieren. Ein kleiner Spalt an den hinteren zwei Kettenrädern ließ sich leider durch die Bauweise nicht vermeiden. Aber da sich das spätere Einsatzgebiet des Motorschlittens eh auf die Modellbaumessen und den heimischen Wohnzimmerboden beschränkt, kann ich mit diesem Kompromiss gut leben. Das Fahren im echtem Schnee war ja nie eine Option und für diesen Zweck gibt es ja noch den großen Skidoo (siehe TRUCKmodell 3/2013).

Nach einer kurzen Wartezeit erhielt ich die schon schwarz eingefärbten SLS-Druckteile, welche nur eine geringe Nacharbeit bedurften. Zur Komplettierung des Antriebsblockes mussten noch einige Kleinteile maschinell hergestellt werden. So wanderten eigentlich fast alle Teile (Wellen, Stützrollen usw.) des Fertigmodells in die Restekiste.

Die CAD Konstruktion hilft wieder ungemein bei der Umsetzung des Modells


So kommt das Original aus der Box


Der ursprüngliche Antrieb des Snowmobils


Blick auf das neue Winkelgetriebe


Kurz vor dem Zusammenbau


Ein liegendes Miniservo ist für die Lenkung zuständig


Die neuen pendelnden Lenkski


Nach dem Zusammenbau fand dann ein erfolgreicher Probelauf des gesamten Antriebes mittels eines regelbaren Netzteils statt. Die Gummikette des Laufwerks lief sauber über die Kettenund Führungsräder. Das ganze sah doch schon sehr vielversprechend aus, nur das Drehmoment des Faulis könnte etwas höher ausfallen. Schauen wir mal, ob das auf Dauer für einen reibungslosen Fahrbetrieb auch wirklich ausreicht.

Lenkungslösung

Nachdem dieser große Kritikpunkt gelöst war, musste natürlich auch die Lenkung optimiert werden. Auch hier hatte Micha schon Vorarbeit geleistet. Ich wollte seine Idee, ein liegendes Miniservo als Steuerglied zu verwenden, weiter verfeinern und ausbauen. Ein Dorn im Auge waren mir hier aber auch die fest fixierten Lenkski, welche sich zwar drehten, aber nicht über ein Gelenk beweglich aufgehängt waren. Dadurch war keine saubere Anpassung an Bodenunebenheiten gegeben. Eine Federung dieser Einheit war nicht eingebaut und von meiner Seite wegen des schon beschriebenen Einsatzgebiets auch nicht vorgesehen. Also ran ans Werk, der bestehende Lenkantrieb wanderte in den Elektroschrott und los ging es mit der Planung und Konstruktion. Ein liegendes HS65 Miniservo von Hitec greift über einen Steuerbolzen am Ruderhorn in ein selbst gefrästes Schiebestück aus AL ein. An diesem sind kleine M2-Kugelköpfe angebracht, die die Verbindung zum ebenfalls selbst gebauten Alu Lenkgestänge der Ski herstellen. Für das Servo musste ein passender Befestigungsrahmen gefräst werden. Dieser wird an der Wanne mit vier M2er Schrauben verschraubt. Nach einiger Anpassung passte das Ganze dann doch recht gut und es ist eine elegante und spielfreie Anlenkung entstanden.

Mittels der Fräsmaschine wurden die Lenkski so modifiziert, dass passende CNC-Frästeile in der Bewegungsachse angebracht werden. Über kleine VA-Wellen konnte nun eine pendelnde Verbindung mit den Steuerbolzen zur Lenkbewegung und der Skiaufhängung realisiert werden. Die pro Ski zwei Rollen (Eine mit aufgezogenem flexiblen O Ring), welche zur besseren Steuerübertragung auf den Boden dienen und in diese integriert sind, behielt ich vom Originalmodell bei.

Leider gab es auf dem ersten Messeeinsatz dann noch ein Vorkommnis, welches hier wieder eine Verbesserung mit einigem an Arbeit nach sich zog. Doch dazu berichte ich später noch ausführlicher.

Designfrage

So langsam machte ich mir auch Gedanken über das Neudesign des Motorschlittens. Und über die Zeit reifte in mir die Idee daraus ein echtes Arbeitstier zu machen, sprich ein Fahrzeug welches zur Versorgung von Hütten und Skigebieten eingesetzt wird. So hebt sich das Modell dann wohltuend vom Standard ab und bietet einen ganz eigenen Charakter. Vor allem konnte ich wieder ein geniales Rundumlicht von Pistenking einbauen. Dieses passt in der kleinsten Ausführung perfekt und bietet so noch zusätzlich ein nettes Beleuchtungsfeature. Beim Design ließ ich dann allerdings meiner Kreativität freien Lauf und konstruierte munter darauf los. So entstand ein vorderer Kastenrahmen und für hinten ein Ablagekorb, an dem noch zusätzliche Verstrebungen zum Sichern der Ladung angebracht sind. Per 3DDruck wurden dann diese Teile wieder hergestellt und fanden erst einmal provisorisch ihren Platz am Modell. Kleine M2-Zylinderschrauben halten von innen diese Ausrüstungsgegenstände in ihrer exakten Position.

Ein spezielles Problem ergab sich dann aber noch bei dem Bügelträger für die RKL-Leuchte. Diesen lötete ich aus Messing-Rohren zusammen. Geplant war dabei, dass die zwei Anschlusskabel des Rundumlichtes unsichtbar durch das Rohr direkt zum Anschlusssockel gelangen. Da die Kabel im oberen Teil um 90 Grad „ums Eck“ mussten, gelang es erst mit zahlreichen Tricks und einigem „Gefummel“, diese nach dem Lackieren des Bügels an die richtige Stelle zu verlegen. Ein Test mit dem Netzteil brachte dann das gewünschte Erfolgserlebnis, die doch sehr empfindlichen Kabel blieben trotz der ruppigen Prozedur heil. Die ganze Einheit wird nun am Heck des Modells am Unterteil mittels zwei M2er Schrauben befestigt. In einer kleinen Bohrung unterhalb des Yamaha Schriftzuges werden dann die Kabel nach dem Oberflächenfinish ins Innere des Modells geleitet.

Das Lenkgestänge im Detail


Beleuchtung und RC-Einbau

Das Thema Beleuchtung war natürlich mit der RKL noch nicht abgeschlossen. Hier muss man den Hersteller dann doch mal loben, denn das Front- und Rücklicht ließen sich relativ einfach mit passenden 3-mm-LEDs nachrüsten. Nur für die Rückleuchte fertigte ich per CNC-Technik ein Alu-Frästeil an, in welchen zwei LEDs eingebaut wurden. Diese Einheit wurde dann in den roten Kunststoff-Rückleuchtenkörper vom Original eingeklipst. Die Vorwiderstände wurden danach direkt an die Anschlussbeine der Leuchtdioden gelötet.

Damit ging es jetzt langsam an die Konfiguration der restlichen RC-Ausstattung des Schlittens. Da der Platz im Inneren doch nicht so üppig vorhanden war, hieß es teilweise auf Miniaturteile zurück zu greifen. So verwendete ich erstmals einen Miniempfänger GR12-SC 6K von Graupner mit dem kleinen SC-Stecksystem. Beim Fahrtenregler (Thor 15Li), ebenso wie bei dem Schaltbaustein (PS4a) für die Beleuchtung, griff ich auf die Produkte von CTI zurück. Gerade beim Regler hätte man eine noch kleinere Version verwenden können, aber es sollte unbedingt eine LiPo-Abschaltung integriert sein, um ohne einen zusätzlichen Schutzschalter gegen Tiefentladung auszukommen. Leider passten die Standard JR-Stecker natürlich nicht in die kleinen Empfängerbuchsen. Hier riskierte ich nun die Garantieansprüche, indem ich alle Kabel ablötete und durch fertig konfektionierte SC-Steckerkabel ersetzte. Das ermöglicht auch gleichzeitig ein aufgeräumtes Modellinnenleben ohne lästigen Kabelwirrwarr.

Der RKL-Bügel mit der innenliegenden Kabelführung


Das modifizierte Rücklicht


So sieht nun das Modellinnenleben aus


Akkuwechsel bei abgenommener Sitzbank


Von Anfang an stand ein LiPo mit 7,4 Volt als Energiequelle fest. Ebenso sollte dieser Akku an derselben Stelle untergebracht werden, wo auch die zwei Original Mignon-Batterien im Modell gelagert waren. Also entfernte ich mit dem Feinbohrschleifer den nun überflüssigen Batterie Trennungssteg an dem Plastik-Kettenkasten, um Platz für den Akku zu schaffen. Hier zeigt sich dann auch, dass dieser Raum unter der Sitzbank ebenfalls nicht besonders großzügig bemessen ist. Nach längerer Suche fand ich dann einen Energieriegel mit 300 mAh und BEC-Anschlussstecker, welcher hier gerade so von der Länge und Breite sein Plätzchen fand. Mit dem sparsamen Faulhaber-Motor sollte damit dann doch eine verhältnismäßig lange Laufzeit möglich sein. Der alte Ein-Ausschalter des Modells wurde einfach weiterverwendet, was bei den zu erwartenden Strömen auch kein Problem darstellt. Die Verdrahtung des Ganzen nahm ich mir dann nach der Lackierung und dem Aufbau des Modells vor.

Lackierung und Finish

Nachdem alles soweit vorbreitet war, machte ich mich an die Lackierung der Bauteile. Da diese schon vom Grundmodell vorlackiert waren, konnte ich nach der Oberflächenbehandlung direkt die passendenden Farben mit der Sprühdose aus dem Baumarkt auftragen. Nach einer ausgiebigen Trocknungsphase brachte ich die Aufkleber auf. Diese fertigte mir mein langjähriger Modellbaufreund Andreas Rieger von Pistenking, vielen Dank nochmal an dieser Stelle. Diese peppen optisch das Modell noch zusätzlich auf und sorgen nach einem schützenden Klarlacküberzug für das perfekte Finish.

Nun ging es an die Endmontage aller Bauteile und der RC-Ausrüstung. So wurde jetzt alles nach dem Zusammenbau der Fahrzeugteile sauber verlötet, das Akkukabel verlegt, die Kabelverbindungen mit Schrumpfschlauch abgesichert und auch sonst noch einiges gemacht, um ein ordentliches Modell zu erhalten. Auch der abschließende Funktionstest auf dem Fußboden verlief zufriedenstellend und so ging es jetzt nach dem Finale zum ersten Einsatz auf die Modellbaumesse nach Friedrichshafen.

Erster Einsatz auf der Messe in Friedrichshafen


Aber halt, da fehlt doch noch etwas, was ist denn mit dem Fahrer? Dafür war die Zeit jetzt vor der Messe zu knapp und ich plante, mich dort aktiv nach einem Piloten für das Gefährt umzuschauen.

Erster Einsatz

Auf der Faszination Modellbau lief es dann auch an den ersten Tagen ganz gut für das neue Modell. Gerd lieh mir von seinem Schlitten einen Fahrer, damit kein Geisterfahrzeug auf den Pisten unterwegs ist. Dieses Männchen wurde provisorisch auf dem Sitz befestigt und machte dort eine hervorragende Figur. Nachdem auf dem Pistenraupen-Parcours der Kunstschnee etwas auf die Seite verfrachtet wurde, flitzte der kleine Motorschlitten los und war (fast) nicht zu bremsen. Das Regel- und Steuerverhalten war so gut, dass er gleich aktiv in die Shows mit eingebunden wurde. Am dritten Tag passierte dann das Unglück. Aus irgendwelchen Gründen vergaß ich das Modell auszuschalten und stellte es wie gewohnt oben auf eine der Abstellplätze im Kabuff. In der Zwischenzeit fuhr ich mit einem anderen Modell auf unserer schönen Winterlandschaft, als plötzlich laute Stimmen aus dem Abstellraum kamen. Mein Snowmobil hat sich ganz von alleine selbstständig gemacht und ist mit Schwung und voller Leistung im freien Fall Richtung Hallenboden gekracht. Na super, dachte ich mir, das hört sich ja ganz nach einem Totalschaden an. Nach einer ersten Sichtung sah ich allerdings bis auf beide zerbrochenen Lenkski und einem deformierten vorderen Schutzbügel keine größeren Schäden. Da hab ich ja nochmal Glück gehabt, denn nach einer provisorischen Reparatur konnte das Modell noch seinen Dienst bis zum Ende der Messe am Sonntag antreten.

Das 3D-Modell des Ski-Helms


Durch die 3D gedruckten Handschuhe hat der Fahrer die Hände immer fest am Lenker


Spontanes Treffen auf der Skipiste


Endausstattung

Die Kunststoff-Ski des Originals schienen mir für den weiteren Einsatz ein zusätzlicher Schwachpunkt zu sein. Da ich ja sowieso Ersatzski durch den Messeunfall benötigte, wurde an dieser Stelle gleich eine perfekte und dauerhafte Lösung entwickelt. Am PC wurde ein neues Skimodell gezeichnet, dass grob an den New-Ray-Originalen angelehnt ist. Auch die vier Lenkrollen wurden in diesem Zusammenhang mit selbst auf der Drehmaschine hergestellten Exemplaren ersetzt, um optimale Laufeigenschaften zu erreichen. Die Daten wurden dann gleich zum Druckerdienstleister geschickt und aus Polyamid im SLS-Verfahren bestellt. Dieses Material ist durch seine Zähigkeit und gewisse Flexibilität ideal für solche Anwendungsfälle geeignet. Nach dem Erhalt der Teile wurden diese noch mit der Sprühdose schwarz lackiert, um eine einigermaßen glatte Oberfläche zu erhalten. Nach dem Zusammenbau erfolgte die obligatorische Testfahrt, welche gut verlief und keine Änderungen vom Fahrverhalten zeigte.

Fahrerfigur

Jetzt fehlte zum großen Glück nur noch eine ordentliche Fahrerfigur. Da die Auswahl an passenden 1:12er Figuren nicht gerade überwältigend ist, habe ich mich auf der Messe in Friedrichshafen umgeschaut und bei der Firma Pistenking einen Pistenbully Fahrer ergattert. Durch seinen Arbeitsanzug passt er perfekt zum Motorschlitten und wird optisch noch mit einem Skihelm und einer passenden Schneebrille weiter aufgepeppt. Gesagt getan, leider gibt es keine fertigen Skihelme in 1:12 im Handel. Also habe ich meinen echten Helm vermessen, auf den passenden Maßstab runterskaliert und das Ganze dann grob am PC 3D gezeichnet. Dabei habe ich gleich ein Aufmaß von 3 mm bei der Modellgröße mit eingeplant. Nach dem ich das Teil bekommen habe, war doch die Verwunderung groß, dass dieser nicht mal im Ansatz über den Kopf der Puppe passte. Hm, vielleicht hätte ich den Kopf des Bullyfahrers mal davor ausmessen sollen. Dann hätte ich schon festgestellt, dass er im Verhältnis zum echten menschlichen Körperteil riesig ist. Mir blieb also nichts anderes übrig, als den Kopf am Hinterteil so weit zu verkleinern, bis der Helm endlich passte. Dafür musste sogar eine Stützkonstruktion eingebracht werden, um diesen an den passenden Stellen zu stabilisieren. Der Kopf sah jetzt fast aus wie beim Terminator, aber wenn der Helm aufgezogen wird, sieht man davon zum Glück nichts mehr. Die Skibrille wurde aus Alu CNC-gefräst, gebogen und an die Kopfform angeglichen. Die Sichtscheibe wurde aus einer eingefärbten Klarsichthüllenfolie ausgeschnitten und eingepasst.

Um die Figur auf dem Motorschlitten zu befestigen, habe ich diese am Hinterteil mittels eines runden Klettbandes auf der Sitzbank befestigt. Eine Besonderheit entwickelte ich für die Armfixierung am Lenker. Da die Figur von Haus aus ohne Handschuhe ausgeliefert wird, fertigte ich diese, wie soll es auch anders sein, wieder als 3D-Druckteile an. Und die haben es in sich, denn sie können über die Lenkergriffe geschoben werden und fixieren so die Arme des Fahrers. Das Ganze ist bei Bedarf leicht lösbar und sieht auch noch super aus.

Fazit

Der fertige Motorschlitten hat bis auf ein paar Karosserieteile keine Gemeinsamkeit mehr mit dem ursprünglichen Modell. Die Arbeit hat sich trotz aller Probleme, die beim Umbau entstanden sind, wirklich gelohnt. Angefangen vom Fahrverhalten, dem Design und nicht zuletzt den Beleuchtungsfunktionen ist ein sehr eigenständiges und tolles Modell entstanden. Man sieht dem kleinen Flitzer leider nicht an, was da für ein Aufwand zum Tuning investiert wurde. Zur dauerhaften Ersatzteilversorgung habe ich mir dann aber vorsorglich doch noch einen zweiten New Ray Schlitten geordert. Man weiß ja nie, was noch so alles an Missgeschicken in der Zukunft passiert.