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Heilende Natur


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Liebes Land - epaper ⋅ Ausgabe 4/2022 vom 08.06.2022

Kleine Pause Kräuterexpertin Dix verbringt gerne Zeit am malerischen WuhleseeKurz ist der Spaziergang von Sylvia Dix‘ Haus zum malerischen Wuhlesee in Marzahn-Hellersdorf. Fast vier Hektar ist das künstliche Gewässer aus den 1950er-Jahren groß, das genau genommen ein Staubecken darstellt. Die Wuhle selbst wird westlich um den See geleitet, der hohen Freizeitwert besitzt. Angler fangen hier Karpfen und Schleien, Spaziergänger genießen die Ruhe oder gönnen sich ein Picknick. Baden kann man nicht, doch das kommt dem Ökosystem und den unberührten Schilf- und Röhrichtflächen durchaus zugute. Es gibt alten Baumbestand und viele Tierarten zu entdecken. Kurzum: ein echtes Berliner Idyll. Sylvia Dix spaziert gerne hier entlang, aber meist nicht ohne Grund und Ziel. Sie sammelt in der relativ unberührten Natur Blüten, Kräuter, Beeren und andere Ingredienzien für die vielen gesunden Dinge, die sie ...

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... herstellt. Oft ist sie dort auch mit kleineren Gruppen unterwegs, denn sie veranstaltet Kurse und Kräuterwanderungen zu verschiedenen Themen.Am Wuhlesee hat Sylvia Dix schnell ihren Korb mit Naturschätzen gefüllt Dass Sylvia Dix sich hier auskennt, ist kein Wunder: „Ich bin hier aufgewachsen. Früher war die Gegend um Biesdorf, Köpenick und Mahlsdorf eher dörflich, mittlerweile wird die Bebauung immer dichter. Und trotzdem gibt es sehr viel Natur mit großzügigen Grünflächen. Ich fühle mich hier richtig wohl.“ Obwohl sie erst später zu den Kräutern gefunden hat, war die Ur-Berlinerin dennoch immer irgendwie vom Fach – sie hat nämlich zu DDR-Zeiten den Abschluss als diplomierte Gartenbauingenieurin gemacht: „Mein Kindheitstraum war eigentlich Tierärztin. Aber nach dem Abitur habe ich festgestellt, dass das Leid der Tiere mir doch sehr nahegeht. Ich suchte nach einer Alternative – und so kam ich dann zum Gartenbau. Und das war dann auch die richtige Entscheidung.“ Was waren in der ehemaligen DDR die primären Aufgaben von Gartenbauingenieuren? Sylvia Dix erinnert sich gut: „Wir hatten ja ganz viele Gärtnereien. Am Ende des Studiums stand das Ziel, eine solche Gärtnerei zu leiten. An der Uni habe ich die Grundlagen in Sachen Botanik und Gartenbau gelernt, das war sehr hilfreich. Vor allem aber: Ich habe im Studium meinen Mann kennengelernt.“ Mit ihm arbeitet sie seitdem zusammen. Das Ehepaar hat zwei Kinder großgezogen. Wie bei so vielen Menschen war die Wende auch ein Umbruch: „Ich habe mich selbstständig gemacht, wir haben eine Gartenbaufirma gegründet. Wir begannen damals mit einem Friedhofsgeschäft, und die Grabpflege gehört bis heute zu unserem Beruf dazu.“Man kann sich natürlich entscheiden, es bei der Pflege von Gärten und Gräbern zu belassen, Kunden zu beraten und Pflanzen zu verkaufen. Aber Sylvia Dix war dafür zu neugierig: „Immer, wenn ich was wegehackt habe, wollte ich wissen, was das eigentlich ist und was man damit machen kann. Das Kraut, das den Gärtner ärgert, ist für den Kräuterkundler ja oft hochinteressant. Das fand ich spannend.“ Aus diesem Grund begann sie, sich konsequent fortzubilden: „Ich habe bei Natascha von Ganski hier in Berlin eine Ausbildung zur Phytotherapeutin gemacht, also Heilpflanzenkunde.“Sylvia Dix merkte, dass die Kräuterkunde ihrem Naturell mehr entsprach als der Gartenbau: „Ich war schon als Kind von allen Pflanzen begeistert, die ich finden konnte. Es gab zu DDR-Zeiten ja noch viele kleinere Wäldchen und verlassene Grundstücke. Dort war ich mit der Lupe unterwegs und habe mir alles genau angesehen und manchmal auch probiert.“ Während der Ausbildung wurde auch geräuchert, und das war für die angehende Kräuterexpetin ein tief bewegendes Erlebnis: „Es hat mich fast umgehauen. Ich habe dabei uralte, archaische Kräfte gespürt. Dazu wollte ich unbedingt mehr wissen und absolvierte dann bei Christine Fuchs, einer echten Koryphäe auf dem Gebiet, eine Räucherausbildung.“ Zu guter Letzt hat sie sich auch ausgiebig mit Ethnobotanik beschäftigt, die Pflanzen in ihrem kulturellen und historischen Kontext betrachtet.Die Gartenbaufirma besitzen Sylvia Dix und ihr Ehemann immer noch – hinzugekommen ist ein weiterer Betrieb der Tochter. Sylvia Dix kümmert sich dabei aber primär um die Buchhaltung. Sie hat sich mit ihren Kräuterwanderungen und Kursen eine schöne kleine Nische geschaffen, in der sie ihr Wissen weitergibt und für die sie ihre Website und einige Social-Media-Kanäle wie Instagram bestückt. Es ist mehr als ein Beruf, es ist eine Berufung: „Es entspricht meinem Innersten, was ich jetzt tue.“ Das Beste der Schafgarbe ✪ Service■ Schafgarben-Extrakte gewinnt man in Form eines Hydrolats mittels Destillation. Dafür werden die Blüten und klein geschnittenen Stiele in den Hut einer Kupferdestille gesteckt. Ein Aromasieb verhindert, dass Pflanzenmaterial herausfällt. ■ Hydrolat entsteht, wenn der Destillationsdampf kondensiert. Es enthält öl- und wasserlösliche Inhaltsstoffe der Pflanze sowie Wirkstoffe, die sich beim Destillieren neu bilden. Die Wirkung auf Haut und Psyche ist meist mild, dabei jedoch sehr effektiv. ■ Das blaue ätherische Öl Chamazulen, das entsteht, wirkt entzündungshemmend. Als Gesichtswasser lindert es Juckreiz und hilft bei unreiner, leicht entzündlicher Haut. Verwendung findet das beruhigende Hydrolat auch als Kissenspray bei stressbedingten Schlafstörungen. Die Teilnehmer kommen aus allen Altersklassen, was durchaus spannende Vergleiche zulässt, wie die Kräuterexpertin erzählt: „Ich habe immer wieder junge Studenten dabei, die ein neues Bewusstsein dafür entwickeln möchten, dass man viele Dinge nicht im Supermarkt oder in der Drogerie kaufen muss, sondern selbst anbauen oder sammeln kann. Für sie erkläre ich gerne grundlegende Zusammenhänge der Natur. Sie saugen das regelrecht auf. Bei älteren Teilnehmern, die schon einen eigenen Garten hatten, kann man ganz anderes Vorwissen bei diesen Themen voraussetzen.“Die Leute kommen auch mit unterschiedlichen Ansprüchen an den Kurs, fährt sie fort: „Manche sind nur neugierig und hören viel zu, andere schreiben jedes Wort in ihren Notizblock. Ich habe einen Koch, der gerne Einzelstunden bucht, weil er die Kräuterkenntnisse für seine Arbeit braucht. Manchmal kommen Familien, die die Kräuterwanderung als Erlebnisausflug für ihre Kinder machen.“ Hat sie manchmal das Gefühl, dass die Menschen bei ihr nicht nur etwas lernen, sondern sich auch verändern, zumindest was die Einstellung zur Natur und zu den Heilpflanzen angeht? Sylvia Dix muss nicht lange überlegen:„Ich glaube schon. Es gibt Teilnehmer, bei denen knipse ich etwas an. Die sind begeistert, die kann ich begeistern. Das sind die, die dann auch eine Zeitlang immer wiederkommen, vielleicht später selbst eine Ausbildung machen.“Man könnte vermuten, dass die Wanderung eine sehr saisonale Attraktion ist, aber laut Sylvia Dix stimmt das gar nicht: „Im Frühjahr stehen die Frühlingskräuter im Fokus: Brennnessel, Giersch, Vogelmiere, Spitzwegerich. Die kann man prima in Salat oder Butter verarbeiten. Sie reinigen unseren Körper und versorgen ihn mit Mineralstoffen. Im Mai /Juni blüht der Holunder. Im Sommer freuen wir uns über Schafgarbe, Johanniskraut und Steinklee. Da geht es mehr um Tinkturen, Öle und Tees, die man mit getrockneten Pflanzenbestandteilen herstellt. Der Herbst ist die Zeit der Früchte, Nüsse und Wurzeln: Weißdorn, Meerrettich, Sanddorn, Hagebutten. Zur kalten Jahreszeit wird es ganz spannend. Es geht um winterliche Kräuter wie das Scharbockskraut und ganz viel um Bäume, ihre Mythen, ihre Knospen.“ Die Beschäftigung mit Kräutern ist demnach eine sehr umfassende. Nach den Wanderungen können die Menschen bei der Expertin Workshops buchen, in denen sie lernen, die gesammelten Kräuter zu Hause zu verarbeiten. Kosmetik, Heilkunde und Ernährung mit Wildkräutern gehören zusammen, findet Sylvia Dix: „Unsere Ernährung wollte ich vor ein paar Jahren sowieso umstellen, da passte das gut. Ich habe mir gerade einen Wildkräutersaft gemacht. Für die Teilnehmer meiner Workshops bereite ich auch Wildkräutersuppen, Kräuterbutter und Kräuterkekse zu. Das ist ganzheitlich. Es wäre ja widersinnig, diese Aspekte brachliegen zu lassen.“Sylvia Dix sammelt nur, was sie aktuell wirklich braucht Man merkt deutlich, dass die intensive Beschäftigung mit den Themen Kräuter und Heilkunde Sylvia Dix’ Sicht auf viele Dinge verändert hat, auch auf ihren gelernten Beruf. Sie ist überzeugt, dass sich in der Gartengestaltung etwas ändern muss, dass das (un-)heilige Dreigestirn aus Beet, Rasen und Hecke nicht mehr zeitgemäß ist. Was soll sich ändern? „Das fängt damit an, dass man seinen Garten insektenfreundlich anlegt. Bei uns wachsen heimische Wildkräuter, wir ziehen Gemüse, wir streuen Mulch aus. Alles näher an der Natur.“hilft bei innerer Unruhe und Erschöpfung. lindert Halsschmerzen und Reizhusten. wirkt blutstillend, antibakteriell, krampflösend. empfiehlt sich bei Migräne und Nervosität, gilt als konzentrationsfördernd Fotos: Uwe Tölle Den eigenen Garten hat die Kräuterexpertin mit einem Gespür für sanfte Ordnung angelegt – der Weg ist mit Mulch gestreut Sylvia Dix lehrt ihre Kursteilnehmer, diverse Produkte herzustellen Dabei kommt es gar nicht so sehr darauf an, alles neu zu gestalten. Man muss einfach loslassen können, wie Sylvia Dix bestätigt: „Es kann sich so viel entwickeln, es kann so viel wachsen, wenn wir uns nicht immer mit Hacke und Rasenmäher einmischen.“ Ein perfektes Beispiel für diese Einstellung ist die Königskerze in ihrem Garten: „Die samt sich selber aus. Im ersten Jahr bildet die eine schöne Blattrosette, im zweiten Jahr kommt dann der Stil mit den Blüten, und im nächsten Jahr steht sie dann ganz woanders. Das Johanniskraut macht es genauso, das steht mal da und mal da. Da greift man allenfalls sanft korrigierend ein, vor allem, wenn man neuen Pflanzen einen Platz schaffen will.“Der Garten, das ist klar, muss auch dem Klimawandel angepasst werden, der längst nicht mehr zu übersehen ist. Sylvia Dix erinnert sich gut daran, dass die Winter in Berlin früher mehr Schnee brachten, die Sommer weniger Trockenheit. Pflanzen brauchen Zeit, sich an die veränderten Klimabedingungen anzupassen. Der Mensch muss ihnen helfen. Die Kräuterexpertin sieht uns alle dabei in der Verantwortung. Der Garten ist nicht nur für den Menschen da, sondern der Mensch auch für den Garten. ■ Kräuterexpertin Sylvia Dix Breitenfelder Str. 6, 12683 Berlin Telefon 030/514 58 59 Instagram: instagram.com/sylvia.dix E-Mail: sylvia.dix@web.de Internet: www.sylvia-dix.de

Kurz ist der Spaziergang von Sylvia Dix‘ Haus zum malerischen Wuhlesee in Marzahn-Hellersdorf. Fast vier Hektar ist das künstliche Gewässer aus den 1950er-Jahren groß, das genau genommen ein Staubecken darstellt. Die Wuhle selbst wird westlich um den See geleitet, der hohen Freizeitwert besitzt. Angler fangen hier Karpfen und Schleien, Spaziergänger genießen die Ruhe oder gönnen sich ein Picknick. Baden kann man nicht, doch das kommt dem Ökosystem und den unberührten Schilf- und Röhrichtflächen durchaus zugute. Es gibt alten Baumbestand und viele Tierarten zu entdecken. Kurzum: ein echtes Berliner Idyll. Sylvia Dix spaziert gerne hier entlang, aber meist nicht ohne Grund und Ziel. Sie sammelt in der relativ unberührten Natur Blüten, Kräuter, Beeren und andere Ingredienzien für die vielen gesunden Dinge, die sie herstellt. Oft ist sie dort auch mit kleineren Gruppen unterwegs, denn sie veranstaltet Kurse und Kräuterwanderungen zu verschiedenen Themen.

Ein echtes „Berliner Kindl“

Dass Sylvia Dix sich hier auskennt, ist kein Wunder: „Ich bin hier aufgewachsen. Früher war die Gegend um Biesdorf, Köpenick und Mahlsdorf eher dörflich, mittlerweile wird die Bebauung immer dichter. Und trotzdem gibt es sehr viel Natur mit großzügigen Grünflächen. Ich fühle mich hier richtig wohl.“ Obwohl sie erst später zu den Kräutern gefunden hat, war die Ur-Berlinerin dennoch immer irgendwie vom Fach – sie hat nämlich zu DDR-Zeiten den Abschluss als diplomierte Gartenbauingenieurin gemacht: „Mein Kindheitstraum war eigentlich Tierärztin. Aber nach dem Abitur habe ich festgestellt, dass das Leid der Tiere mir doch sehr nahegeht. Ich suchte nach einer Alternative – und so kam ich dann zum Gartenbau. Und das war dann auch die richtige Entscheidung.“ Was waren in der ehemaligen DDR die primären Aufgaben von Gartenbauingenieuren? Sylvia Dix erinnert sich gut: „Wir hatten ja ganz viele Gärtnereien. Am Ende des Studiums stand das Ziel, eine solche Gärtnerei zu leiten. An der Uni habe ich die Grundlagen in Sachen Botanik und Gartenbau gelernt, das war sehr hilfreich. Vor allem aber: Ich habe im Studium meinen Mann kennengelernt.“ Mit ihm arbeitet sie seitdem zusammen. Das Ehepaar hat zwei Kinder großgezogen. Wie bei so vielen Menschen war die Wende auch ein Umbruch: „Ich habe mich selbstständig gemacht, wir haben eine Gartenbaufirma gegründet. Wir begannen damals mit einem Friedhofsgeschäft, und die Grabpflege gehört bis heute zu unserem Beruf dazu.“

Vom Unkraut zum Gesundkraut

Man kann sich natürlich entscheiden, es bei der Pflege von Gärten und Gräbern zu belassen, Kunden zu beraten und Pflanzen zu verkaufen. Aber Sylvia Dix war dafür zu neugierig: „Immer, wenn ich was wegehackt habe, wollte ich wissen, was das eigentlich ist und was man damit machen kann. Das Kraut, das den Gärtner ärgert, ist für den Kräuterkundler ja oft hochinteressant. Das fand ich spannend.“ Aus diesem Grund begann sie, sich konsequent fortzubilden: „Ich habe bei Natascha von Ganski hier in Berlin eine Ausbildung zur Phytotherapeutin gemacht, also Heilpflanzenkunde.“

Sylvia Dix merkte, dass die Kräuterkunde ihrem Naturell mehr entsprach als der Gartenbau: „Ich war schon als Kind von allen Pflanzen begeistert, die ich finden konnte. Es gab zu DDR-Zeiten ja noch viele kleinere Wäldchen und verlassene Grundstücke. Dort war ich mit der Lupe unterwegs und habe mir alles genau angesehen und manchmal auch probiert.“ Während der Ausbildung wurde auch geräuchert, und das war für die angehende Kräuterexpetin ein tief bewegendes Erlebnis: „Es hat mich fast umgehauen. Ich habe dabei uralte, archaische Kräfte gespürt. Dazu wollte ich unbedingt mehr wissen und absolvierte dann bei Christine Fuchs, einer echten Koryphäe auf dem Gebiet, eine Räucherausbildung.“ Zu guter Letzt hat sie sich auch ausgiebig mit Ethnobotanik beschäftigt, die Pflanzen in ihrem kulturellen und historischen Kontext betrachtet.

Eine kleine Oase mit Kräutern

Die Gartenbaufirma besitzen Sylvia Dix und ihr Ehemann immer noch – hinzugekommen ist ein weiterer Betrieb der Tochter. Sylvia Dix kümmert sich dabei aber primär um die Buchhaltung. Sie hat sich mit ihren Kräuterwanderungen und Kursen eine schöne kleine Nische geschaffen, in der sie ihr Wissen weitergibt und für die sie ihre Website und einige Social-Media-Kanäle wie Instagram bestückt. Es ist mehr als ein Beruf, es ist eine Berufung: „Es entspricht meinem Innersten, was ich jetzt tue.“

Das Beste der Schafgarbe

✪ Service

■ Schafgarben-Extrakte gewinnt man in Form eines Hydrolats mittels Destillation. Dafür werden die Blüten und klein geschnittenen Stiele in den Hut einer Kupferdestille gesteckt. Ein Aromasieb verhindert, dass Pflanzenmaterial herausfällt.

■ Hydrolat entsteht, wenn der Destillationsdampf kondensiert. Es enthält öl- und wasserlösliche Inhaltsstoffe der Pflanze sowie Wirkstoffe, die sich beim Destillieren neu bilden. Die Wirkung auf Haut und Psyche ist meist mild, dabei jedoch sehr effektiv.

■ Das blaue ätherische Öl Chamazulen, das entsteht, wirkt entzündungshemmend. Als Gesichtswasser lindert es Juckreiz und hilft bei unreiner, leicht entzündlicher Haut. Verwendung findet das beruhigende Hydrolat auch als Kissenspray bei stressbedingten Schlafstörungen.

Die Teilnehmer kommen aus allen Altersklassen, was durchaus spannende Vergleiche zulässt, wie die Kräuterexpertin erzählt: „Ich habe immer wieder junge Studenten dabei, die ein neues Bewusstsein dafür entwickeln möchten, dass man viele Dinge nicht im Supermarkt oder in der Drogerie kaufen muss, sondern selbst anbauen oder sammeln kann. Für sie erkläre ich gerne grundlegende Zusammenhänge der Natur. Sie saugen das regelrecht auf. Bei älteren Teilnehmern, die schon einen eigenen Garten hatten, kann man ganz anderes Vorwissen bei diesen Themen voraussetzen.“

Die Leute kommen auch mit unterschiedlichen Ansprüchen an den Kurs, fährt sie fort: „Manche sind nur neugierig und hören viel zu, andere schreiben jedes Wort in ihren Notizblock. Ich habe einen Koch, der gerne Einzelstunden bucht, weil er die Kräuterkenntnisse für seine Arbeit braucht. Manchmal kommen Familien, die die Kräuterwanderung als Erlebnisausflug für ihre Kinder machen.“ Hat sie manchmal das Gefühl, dass die Menschen bei ihr nicht nur etwas lernen, sondern sich auch verändern, zumindest was die Einstellung zur Natur und zu den Heilpflanzen angeht? Sylvia Dix muss nicht lange überlegen:„Ich glaube schon. Es gibt Teilnehmer, bei denen knipse ich etwas an. Die sind begeistert, die kann ich begeistern. Das sind die, die dann auch eine Zeitlang immer wiederkommen, vielleicht später selbst eine Ausbildung machen.“

Kräuterwandern durchs ganze Jahr

Man könnte vermuten, dass die Wanderung eine sehr saisonale Attraktion ist, aber laut Sylvia Dix stimmt das gar nicht: „Im Frühjahr stehen die Frühlingskräuter im Fokus: Brennnessel, Giersch, Vogelmiere, Spitzwegerich. Die kann man prima in Salat oder Butter verarbeiten. Sie reinigen unseren Körper und versorgen ihn mit Mineralstoffen. Im Mai /Juni blüht der Holunder. Im Sommer freuen wir uns über Schafgarbe, Johanniskraut und Steinklee.

Da geht es mehr um Tinkturen, Öle und Tees, die man mit getrockneten Pflanzenbestandteilen herstellt. Der Herbst ist die Zeit der Früchte, Nüsse und Wurzeln: Weißdorn, Meerrettich, Sanddorn, Hagebutten. Zur kalten Jahreszeit wird es ganz spannend. Es geht um winterliche Kräuter wie das Scharbockskraut und ganz viel um Bäume, ihre Mythen, ihre Knospen.“ Die Beschäftigung mit Kräutern ist demnach eine sehr umfassende. Nach den Wanderungen können die Menschen bei der Expertin Workshops buchen, in denen sie lernen, die gesammelten Kräuter zu Hause zu verarbeiten. Kosmetik, Heilkunde und Ernährung mit Wildkräutern gehören zusammen, findet Sylvia Dix: „Unsere Ernährung wollte ich vor ein paar Jahren sowieso umstellen, da passte das gut. Ich habe mir gerade einen Wildkräutersaft gemacht. Für die Teilnehmer meiner Workshops bereite ich auch Wildkräutersuppen, Kräuterbutter und Kräuterkekse zu. Das ist ganzheitlich. Es wäre ja widersinnig, diese Aspekte brachliegen zu lassen.“

Kein Garten vom Reißbrett

Man merkt deutlich, dass die intensive Beschäftigung mit den Themen Kräuter und Heilkunde Sylvia Dix’ Sicht auf viele Dinge verändert hat, auch auf ihren gelernten Beruf. Sie ist überzeugt, dass sich in der Gartengestaltung etwas ändern muss, dass das (un-)heilige Dreigestirn aus Beet, Rasen und Hecke nicht mehr zeitgemäß ist. Was soll sich ändern? „Das fängt damit an, dass man seinen Garten insektenfreundlich anlegt. Bei uns wachsen heimische Wildkräuter, wir ziehen Gemüse, wir streuen Mulch aus. Alles näher an der Natur.“

Dabei kommt es gar nicht so sehr darauf an, alles neu zu gestalten. Man muss einfach loslassen können, wie Sylvia Dix bestätigt: „Es kann sich so viel entwickeln, es kann so viel wachsen, wenn wir uns nicht immer mit Hacke und Rasenmäher einmischen.“ Ein perfektes Beispiel für diese Einstellung ist die Königskerze in ihrem Garten: „Die samt sich selber aus. Im ersten Jahr bildet die eine schöne Blattrosette, im zweiten Jahr kommt dann der Stil mit den Blüten, und im nächsten Jahr steht sie dann ganz woanders. Das Johanniskraut macht es genauso, das steht mal da und mal da. Da greift man allenfalls sanft korrigierend ein, vor allem, wenn man neuen Pflanzen einen Platz schaffen will.“

Der Garten, das ist klar, muss auch dem Klimawandel angepasst werden, der längst nicht mehr zu übersehen ist. Sylvia Dix erinnert sich gut daran, dass die Winter in Berlin früher mehr Schnee brachten, die Sommer weniger Trockenheit. Pflanzen brauchen Zeit, sich an die veränderten Klimabedingungen anzupassen. Der Mensch muss ihnen helfen. Die Kräuterexpertin sieht uns alle dabei in der Verantwortung. Der Garten ist nicht nur für den Menschen da, sondern der Mensch auch für den Garten. ■

KONTAKT

Kräuterexpertin Sylvia Dix Breitenfelder Str. 6, 12683 Berlin Telefon 030/514 58 59

Instagram: instagram.com/sylvia.dix E-Mail: sylvia.dix@web.de Internet: www.sylvia-dix.de