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Heiliger ohne Mitleid


G Geschichte - epaper ⋅ Ausgabe 10/2021 vom 17.09.2021

PROLOG

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Bildquelle: G Geschichte, Ausgabe 10/2021

In der Nacht vor der Schlacht träumt Olav von einer Himmelsleiter und der Prophezeiung seiner kommenden Einkehr in die göttliche Herrlichkeit

König Olav II.

Leider sind die historischen Fakten über König Olav II., dessen Todestag am 29. Juli in Norwegen noch heute gefeiert wird, äußerst dünn gesät. Man muss daher auf die Saga des isländischen Skalden (Dichter) Snorri Sturluson zurückgreifen, die er um 1230 in seiner »Geschichte der norwegischen Könige« niedergeschrieben hat. Doch da Snorri selbst dem christlichen Glauben angehörte, ist seine Schilderung recht tendenziös.

Unsichere Ahnentafel und ein jugendlicher Tatendrang

Vieles bleibt im Dunkeln. Ob Norwegens erster König Harald Schönhaar zu seinen Vorfahren zählt, ist ebenso ungewiss wie Olavs Geburtsdatum. Weil sein Vater, Kleinkönig Harald Grenske, bereits vor Olavs Geburt starb, heiratete Mutter Asta wenig später Sigurd Syr, Kleinkönig von Ringerike im südlichen Norwegen. Hier verbrachte Olav seine Kindheit.

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... junge Olav bereits 1007/8 an jenen Raubzügen, mit denen die Nordmänner Europas Küsten unsicher machten. Nur so ließen sich Ruhm und Ehre erwerben, um später einmal als Held der Sagas »unsterblich« zu werden. Ebenso wichtig war natürlich die reiche Beute. Bevorzugtes Ziel war England, wo sich Olav und seine Mitstreiter die Taschen durch Plünderungen und lukrative Lösegelderpressungen füllten. Als jedoch der Däne Sven Gabelbart, der 1000 bereits Norwegen unterworfen hatte, nun auch das Inselreich überfiel, schlug sich Olav auf die Seite des angelsächsischen Königs Aethelred.

»Vorwärts Christmänner, Kreuzmänner, Königsmänner!«

Der angebliche Schlachtruf Olavs

Ein getaufter Abenteurer und ein gestürzter Gott

Möglicherweise kam er in dessen Umfeld mit dem Christentum in Berührung. Ob Olav tatsächlich von der Segenskraft des Christengottes überzeugt war oder ganz andere Motive hatte, sei zunächst dahingestellt. Auf jeden Fall ließ er sich nach einem weiteren Beutezug, der ihn bis an die Küste von Gibraltar führte, auf dem Rückweg 1014 in Rouen taufen.

Dabei verfolgte er einen ehrgeizigen Plan: So wie es nach christlichem Glauben nur einen Gott gab, sollte es künftig in Norwegen auch nur einen König geben – und zwar ihn selbst! Durch die Raubzüge reich geworden, besaß Olav die nötigen Mittel, um ein schlagkräftiges Heer zusammenzustellen und die Dänen aus seinem Land zu vertreiben. Nachdem er aus der Schlacht bei Nesjar am westlichen Ende des Oslofjords 1016 tatsächlich als Sieger hervorgegangen war, ließ er sich zum König von ganz Norwegen ausrufen. Gleichzeitig begann er, unterstützt von angelsächsischen Geistlichen, mit seiner ambitionierten Christianisierung. Einfach war das nicht, denn die alten nordischen Götter mit ihren oft menschlichen Eigenschaften waren den meisten Norwegern lieber als ein unsichtbarer Christengott. Wie sie sich doch »überzeugen« ließen, schildert Snorri anhand der Begegnung Olavs mit dem Häuptling Dale-Gudbrand 1021. Als der und sein Gefolge sich weigerten, das Christentum anzunehmen, soll Olav kurzerhand selbst zur Keule gegriffen und die mächtige Thor-Statue vor Ort eigenhändig zerschmettert haben. Laut Snorri quollen Schlangen, Echsen und Ratten daraus hervor. Als in diesem Moment auch noch die Sonne aufging und Olav »das Kommen seines Gottes mit großem Licht« verkündete, sollen Dale-Gudbrand und seine Leute derart beeindruckt gewesen sein, dass sie sich umgehend taufen ließen.

Glaubhaft ist das leider nicht, denn anderswo ist von äußerst brutalen Missionsmethoden die Rede. Norwegern, die sich weigerten, den neuen Glauben anzunehmen, wurde mit drastischen Strafen gedroht. Um ein Exempel zu statuieren, ließ Olav dem einen oder anderen sogar die Augen ausstechen oder die Zunge herausreißen. Auf diese Weise erreichte er, dass die meisten der wichtigen norwegischen Anführer das Christentum zwangsläufig »akzeptierten«.

So konnte König Olav 1024 schließlich eine Volksversammlung (Thing) auf der Insel Moster im westlichen Norwegen einberufen, das Mostrathing. Hier, erzählt Snorri, »nahmen die Heiden das Christentum und Olav das Reich an«.

Jetzt, da das Christentum zur Staatsreligion geworden war, ließ Olav alle Relikte der alten Götter zerstören und mithilfe der angelsächsischen Geistlichkeit eine Kirchenorganisation aufbauen. Doch der neue Glaube stand auf tönernen Füßen. Durch seine brutalen Missionsmethoden hatte sich Olav zahlreiche Feinde gemacht, sowohl unter den einfachen Bauern als auch unter den mächtigen Anführern.

Brutale Missionierung der Norweger und ein heiliger Machtmensch

Einer von ihnen war Enlingr Skjalgsson, nach Olav der mächtigste Mann in ganz Norwegen. Selbst Christ, hatte er zunächst fest an der Seite des Königs gestanden. Inzwischen aber besaß er einen anderen starken Verbündeten: Knut, König von England und Dänemark. Der König kam mit seiner Flotte über die Nordsee und besiegte Olav in der Schlacht am Helgea bei Schonen.

Während sich Knut zum neuen König Norwegens ausrufen ließ und das Land jedoch seinem Neffen Håkon übertrug, suchte Olav Zuflucht bei seinem Schwager Jaroslaw, Großfürst von Kiew. Als Håkon 1029 bei einem Schiffsunglück ums Leben kam, nutzte Olav das Machtvakuum, um seine Krone zurückzuerobern. Über Schweden, wo er ein Heer zusammenstellte, kehrte er 1030 zurück nach Norwegen. Doch hier erlebte er eine böse Überraschung: Seine alten Feinde hatten unterdessen ein schlagkräftiges Bauernheer versammelt.

Am 29. Juli 1030 kam es nördlich von Trondheim zur Schlacht von Stiklestad, wo Olav im Kampf sein Leben verlor. Glaubt man der Überlieferung, dann soll es an diesem Tag eine Sonnenfinsternis gegeben haben, die tatsächlich erst einen Monat später stattfand. Vermutlich nahmen die Skalden Bezug auf die biblische Sonnenfinsternis beim Tod Christi.

Schon bald begannen sich weitere Legenden um Olav zu ranken, die von den angelsächsischen Geistlichen eifrig gestreut wurden. Es hieß, er sei ohne Waffen in die Schlacht gezogen und als Märtyrer für seinen Glauben gestorben. Die Legenden wirkten: Nur ein Jahr später, am 3. August 1031, wurde der vormals so verhasste Olav II. heiliggesprochen.

LESETIPPS

Rudolf Simek, Hermann Pálsson: »Lexikon der altnordischen Literatur«. Kröner TB 2007, € 29,90

Susanne und Walter Elsner: »Olavsweg«. Rother Wanderführer 2019, € 14,90