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HEILKRAFT AUS DER NATUR: Lebendige Apotheken


natürlich gesund und munter - epaper ⋅ Ausgabe 1/2019 vom 20.12.2018

Wald tut gut – das spürt jeder, der nach einem Waldspaziergang entspannt und glücklich nach Hause zurückkehrt. Aber wissen Sie auch, wie viel Heilkraft tatsächlich in Bäumen steckt?


Artikelbild für den Artikel "HEILKRAFT AUS DER NATUR: Lebendige Apotheken" aus der Ausgabe 1/2019 von natürlich gesund und munter. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: natürlich gesund und munter, Ausgabe 1/2019

Die Wiederentdeckung des Waldes als Ort der Heilung ist eines der großen Themen unserer Zeit. Seitdem sich ungezählte Bücher und Zeitschriftenartikel mit dem Thema „Waldbaden“ beschäftigen, machen selbst erklärte Waldmuffel ihren Sonntagsspaziergang gern unter dem grünen Laub-und Nadeldach. Und tatsächlich kann sich der immensen positiven Wirkung von Wald auf Körper, Seele und Geist kaum jemand entziehen. Biologen verstehen ...

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Die Wiederentdeckung des Waldes als Ort der Heilung ist eines der großen Themen unserer Zeit. Seitdem sich ungezählte Bücher und Zeitschriftenartikel mit dem Thema „Waldbaden“ beschäftigen, machen selbst erklärte Waldmuffel ihren Sonntagsspaziergang gern unter dem grünen Laub-und Nadeldach. Und tatsächlich kann sich der immensen positiven Wirkung von Wald auf Körper, Seele und Geist kaum jemand entziehen. Biologen verstehen den Wald unterdessen als einen großen Organismus, als ein System der Kooperationvon unterschiedlichsten Lebensformen, in dem die Bäume die zentrale Rolle spielen.
Warum das so ist, zeigt sich, wenn man sich die gigantischen Pflanzen selbst genauer anschaut: Blätter, Nadeln und Knospen, Blüten und Rinde, sogar das duftende Holz entfalten enormes Heilpotenzial und lindern eine Vielzahl von Erkrankungen.
Schon die Germanen nutzten das, was die Bäume ihnen gaben, zur Herstellung von Tinkturen, Salben und Tees. Noch Jahrhunderte später gab die Landbevölkerung das Wissen um die Heilkraft der Bäume ganz selbstverständlich von Generation zu Generation weiter. Mit dem Vormarsch der modernen Medizin geriet die „Baumapotheke“ jedoch in Vergessenheit. Jetzt ist es an der Zeit, die Heilkraft der Bäume neu zu entdecken. Machen Sie sich diese Heilkraft für Ihre Gesundheit und Ihr Wohlbefinden zunutze – in Form einer Gemmo-oder Aromatherapie, in verarbeiteten Fertigarzneien oder als Hausmittel, wie unsere Altvorderen sie kannten.

Knospe der Kastanie


Rinde der Weide


Giganten voller Potenzial

Jeder einzelne Baum ist eine Art Fabrik, in der viele chemische Prozesse stattfinden. Dafür stehen den Pflanzen Tausende von Wirkstoffen zur Verfügung, von denen nicht weni-ge große gesundheitliche Effekte entfalten: Der grüne Farbstoff Chlorophyll fördert den Stoffwechsel, Gerbstoffe hemmen Entzündungen, Bitterstoffe helfen der Verdauung auf die Sprünge, Salicinate hemmen Schmerzen, ätherische Öle und Terpene, also gasförmige Botenstoffe, mit deren Hilfe die Bäume untereinander kommunizieren, stärken das Immunsystem. Dazu kommen zahlreiche pilzabwehrende und antibiotisch wirkende Inhaltstoffe und natürlich jede Menge Eiweiße, Pflanzenhormone, sekundäre Pflanzenstoffe (Polyphenole), Vitamine, Spurenelemente und aus dem Boden gelöste Mineralien. Allerdings unterscheidet sich der Gehalt all dieser heilkräftigen und gesunderhaltenden Substanzen je nach Baumart und verwendetem Baumteil. Die ganzheitliche Naturheilkunde wendet viele dieser Stoffe an – mit Erfolg.

Blüten der Linde


Harz des Weihrauchs


Nadeln der Tanne



Im Wald kommt der Mensch zu sich. Schon der Anblick eines Baums wirkt heilsam.


Blätter der Birke


Holz der Zirbe


Duftendes Holz und Harz

Wer von massivem Holz umgeben ist, schläft besser und hat einen ruhigeren Puls. Selbst der Herzschlag verlangsamt sich laut einer medizinischen Studie der Universität Graz. Konkret nachgewiesen wurde dieser Effekt bisher für das Holz derFichte(Picea) und der auch Zirbe oder Arve genanntenZirbelkiefer(Pinus cembra) . Die Wissenschaftler gehen aber davon aus, dass zumindest sämtliche Nadelhölzer eine ähnliche Wirkung entfalten. Der Grund: Das Holz von Nadelbäumen enthält zum Schutz vor Schädlingen und Verletzungen reichlich duftendes Harz. Mit der Nase riechen wir die ätherischen Öle, die bei Raumtemperatur aus dem Holz ausdünsten, und weil die Riechrezeptoren direkt mit dem sogenannten Limbischen System im evolutionsgeschichtlich ältesten Teil des Gehirns verbunden sind, lösen sie dort Emotionen aus.
Auch getrocknet entfalten die Harze ihre große Heilkraft.Weihrauch(Boswellia) undMyrrhe(Commiphora myrrha) verströmen seit rund 5000 Jahren als duftendes Räucherwerk bei religiösen Riten ihren Wohlgeruch. Inzwischen ist aber auch bekannt, dass Weihrauch stark antiseptisch und entzündungshemmend wirkt. Kein Wunder also, dass Weihrauchcremes zum Beispiel die Haut bei Neurodermitis und Psoriasis pflegen. Auch verbreitete Gelenkerkrankungen wie Rheuma und Arthritis, Darmentzündungen wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa sowieAtemwegs-und Harnwegserkrankungen können durch die Einnahme von Weihrauchpräparaten gelindert werden.

Hilfreiche Rinden

Die Rinde schützt den Baum vor äußeren Einflüssen, vor dem Austrocknen, vor Pilzbefall, aber auch vor gefräßigen Insekten. Hier konzentrieren sich deshalb verschiedene Gerbstoffe, die ebenfalls zum Wohle der menschlichen Gesundheit genutzt werden. Bitteren Tee ausEichenrinden(Quercus peduntulata) trank man noch bis ins 19. Jahrhundert bei Durchfall, äußerlich lindern Umschläge mit einem Sud aus der austrocknend wirkenden Rinde nässende Ekzeme. Bei Hämorrhoiden bewährt: ein Sitzbad mit Eichenrinde, für das Sie 500 Gramm Eichenrinde in fünf Liter Wasser aufkochen, abseihen und abkühlen lassen.
Die bekannteste heilkräftige Baumrinde ist aber sicherlich die derWeide(Salix) . Sie enthält den natürlichen Schmerzstiller Salicin und gilt als Vorläufer des modernen Schmerzmittels Acetylsalicylsäure, auch bekannt unter dem Markennamen Aspirin. Wie diese synthetisch hergestellte Arznei wirken Präparate aus Weidenrinde schmerzstillend und fiebersenkend. Allerdings muss das natürliche Salicin erst im Körper in Salicinsäure umgewandelt werden – und das dauert mehrere Tage. Die Wirkung der nebenwirkungsarmen Weidenrindenpräparate setzt deshalb vergleichsweise spät ein, sie hält dafür aber länger vor. Weidenrindenmedikamente sind ideal bei chronischen Schmerzen zum Beispiel in Rücken und Gelenken, bei akuten Schmerzen werden sie nicht eingesetzt.

Gesunde Blätter und Nadeln

Auch aus den grünen Trieben und Blättern der Pflanzengiganten werden seit jeher wertvolle Heilmittel hergestellt. Tee ausBirkenblättern(Betula pendula) ist ein guter Begleiter bei einer Frühjahrskur. Er regt die Blasenund Nierentätigkeit an und spült die Harnwege. Ein Sud aus den sehr gerbstoffreichenWalnussblättern(Juglans regia) wirkt hingegen entzündungshemmend und gewebeverdichtend – Waschungen mit abgekühltem Walnusstee (ein Teelöffel Blätter mit einer Tasse Wasser langsam erhitzen, zehn Minuten ziehen lassen) können deshalb Hauterkrankungen wie Herpes, Schorf oder Akne lindern.
Die Nadeln vonFichten(Picea) undTannen(Albies alba) sind wiederum ein gutes Hausmittel bei Erkältungskrankheiten und Husten. Sie enthalten reichlich ätherische Öle, die die Lungen stärken und den Auswurf bei Verschleimung fördern. Zudem wirken sie nervenstärkend bei Aufregung und Stress. Fichten-oder auch Tannennadelextrakte sind deshalb Bestandteil vieler Badezusätze für Erholungs-oder Erkältungsbäder.
Ein hustenhemmendes Fichtennadelbad können Sie aber auch ganz einfach selbst herstellen: Kochen Sie eine Handvoll getrocknete Fichtennadeln in drei Litern Wasser auf, schalten auf mittlere Hitze zurück und lassen das Ganze im geschlossenen Topf etwa eine halbe Stunde ziehen. Danach gießen Sie das Ganze durch ein Sieb, um die Nadeln zu entfernen, und gebenden Sud in das möglichst warme Badewasser.


Alle Teile der Bäume enthalten heilkräftige Stoffe, von denen unser Körper wie unsere Psyche profitieren.


Kraftvolle Knospen

In den Knospen von Blättern und Blüten konzentriert sich die ganze Vitalität und Kraft einer Pflanze. Eingefangen in den Extrakten der Gemmotherapie wirken die Knospenpräparate auf Körper und Psyche. Sie unterstützen Heilungs-und Regenerationsprozesse und helfen somit bei akuten und chronischen Krankheiten. So fördern beispielsweise Gemmopräparate aus den Knospen derSilberbirke(Betula linfa) die Ausscheidung und helfen so dem Körper zu entgiften.Schwarzerle(Alnus glutinosa) undWeißbuche(Carpinus betulus) werden bei akuten Entzündungen der Atemwege eingesetzt,Esskastanie(Castanea sativa) verbessert den Venen-und Lymphfluss,Esche(Fraxinus excelsior) ist gut für Bänder und Sehnen.Bergkiefer(Pinus montana) hilft bei degenerativen Veränderungen der Gelenke,Silberlinde(Tilia tomentosa) verbessert den Schlaf. DerMammutbaum(Sequoia gigantea) wiederum entfaltet durch seinen starken Bezug zur Psyche und zum Nervensystem seine heilenden Kräfte bei Schwäche und Energiemangel. Die tief wurzelndeEiche(Quercus peduntulata) hingegen dient zur Kräftigung und Erdung, wodurch sich der Allgemeinzustand verbessert.
Anwendung: Gemmopräparate gibt es als Tropfen oder Mundspray in der Apotheke. Erwachsene sprühen dreimal täglich zwei bis drei Sprühstöße auf die Mundschleimhaut (im Akutfall bis zu zehnmal ein Sprühstoß), Kinder dreimal täglich ein bis zwei Sprühstöße. Von den Tropfen nehmen Sie zweimal täglich jeweils 30 mit etwas Wasser vor den Mahlzeiten ein.

Heilkräftige Blüten

Die oftmals eher unscheinbaren Blüten der Waldbäume werden häufig übersehen – es sei denn, sie ziehen wie dieLindenblüten(Tiliaceae) mit ihrem intensiven süßen Duft die Aufmerksamkeit auf sich. Ein Tee daraus ist bis heute ein beliebtes Hausmittel. Er wirkt schweißtreibend, stillt Hustenreiz und entfaltet eine krampflösende, schmerzstillende und entzündungshemmende Wirkung.
Daher kommen Lindenblüten vorwiegend bei fieberhaften Erkältungen, grippalen Infekten, Halsschmerzen und Entzündungen der oberen Atemwege zum Einsatz. Gesammelt wird der gesamte Blütenstand samt dazugehörigem Hochblatt bis zu fünf Tage nach dem Aufblühen – am besten bei sonnigem und trockenem Wetter, wobei es auch am Vortag nicht geregnet haben sollte. Sie haben die Blühzeit der Sommerlinde im Juli und August verpasst? Kein Problem: Tee aus getrockneten Lindenblüten gibt es das ganze Jahr über in der Apotheke.

Bäume der Götter

Unsere Vorfahren glaubten, die Gegenwart ihrer Gottheiten in Wäldern und unter Bäumen zu spüren. Sie ordneten den Göttern und Göttinnen Bäume passend zu den jeweiligen Charakteren zu.

Die mächtige Eiche galt bei den Griechen als Baum des Göttervaters Zeus. In der nordischen Mythologie ist sie dem Donnerund Kriegsgott Thor geweiht.

Die harmonisch geformte Esche spiegelt sich in der germanischen Mythologie im Weltenbaum Yggdrasil mit seinen drei Wurzeln. Die Esche war deshalb dem Hauptgott Wotan gewidmet.

Die duftende Linde galt den Germanen als heiliger Baum der Göttin Freya, der Göttin der Liebe, des Glücks und der Fruchtbarkeit. Auch die Griechen opferten der Aphrodite unter Lindenbäumen.

Auch die zarte Birke wurde als Fruchtbarkeitssymbol angesehen und war der Freya geweiht. Die Kelten verehrten in der Birke die Göttin Birgit, die Schutzpatronin der Ärzte, Schmiede und Dichter.

Die Weide mit ihren biegsamen Ruten (siehe Foto oben) wurde in der nordischen Mythologie der Göttin Iduna zugeordnet, der Göttin der unvergänglichen Jugend. Die alten Griechen wiederum brachten die wuchsfreudige Weide mit der Erdgöttin Demeter in Verbindung.

Für einen lieblich duftenden Lindenblütentee übergießen Sie ein bis zwei Teelöffel frische oder getrocknete Blüten mit einem viertel Liter kochendem Wasser und lassen ihn fünf bis sieben Minuten ziehen. Danach abseihen und trinken – bei hartnäckigem Husten am besten zwei Wochen lang täglich einen Liter über den Tag verteilt.

Erfahren Sie mehr

Knospen und die lebendigen Kräfte der Bäume

Buntgefächertes Heilwissen aus der Welt der Knospen mit Tipps und Rezepten, wie sie die Kraft der Bäume für sich nutzen können. Gabriela Nedoma
Freya, 24,90 Euro (D, A)

Bäume in Küche und Heilkunde

Die Baum-und Heilkundekennerin zeigt, welche Schätze heimische Baumarten von A wie Apfel bis Z wie Zirbe zu bieten haben. Karin Greiner
AT Verlag, 29 Euro (D), 30 Euro (A)


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Foto: SergeyChayko/iStock.com