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Heilmittel für Frauen


LandApotheke - epaper ⋅ Ausgabe 1/2021 vom 09.12.2020

Seit Jahrhunderten wissen heilkundige Frauen, welche Kräuter helfen können. Susanne Seethaler hat das Wissen um diese alten Hausmittel zusammengetragen.


Artikelbild für den Artikel "Heilmittel für Frauen" aus der Ausgabe 1/2021 von LandApotheke. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: LandApotheke, Ausgabe 1/2021

Kraft der Natur: Rezepturen mit Heilkräutern können bei Regelschmerzen oder während der Schwangerschaft wahre Wunder bewirken


Die gebürtige Tegernseerin arbeitete 20 Jahre lang als Buchhändlerin in München. Ihre eigenen Bücher handeln von Sagen, Brauchtümern und der bayerischen Küche


Was ums Haus herum gedeiht, das braucht der Mensch, der darin wohnt


Über ein Jahr lang war Susanne Seethaler in ihrer oberbayerischen Heimat unterwegs. Bei schönem Wetter ist ...

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... sie in stundenlangen Fußmärschen zu verwitterten Almhütten aufgestiegen, an anderen Tagen steuerte sie stattliche Gehöfte und denkmalgeschützte Bauernhäuser mit dem Auto an. Die Frauen, die sie oben in den Bergen und unten im Tal traf, haben sie häufig hinausgeführt an ihre Lieblingsplätze in der freien Natur oder in ihre prächtig blühenden Gärten. Dort zeigten sie ihr ganz besondere Pflanzen – Frauenkräuter, die bei ihren weiblichen Vorfahren seit Jahrhunderten in hohem Ansehen standen.„Mit diesen Gewächsen haben früher Sennerinnen, Bäuerinnen, Hebammen und ,Kräuterweiberl‘ Tees, Salben, Tinkturen und andere Heilmittel zubereitet, die bei speziell weiblichen Beschwerden Linderung verschaffen sollten. Auf abgelegenen Almen und Höfen waren die Frauen damals im Krankheitsfall meist auf sich selbst gestellt und vertrauten auf die von Generation zu Generation überlieferten Hausmittel“, erklärt die Brauchtumsforscherin, die den alten Erfahrungsschatz in ihrem unterhaltsam geschriebenen Buch „Das Heilwissen der Frauen vom Land für den weiblichen Körper“ (siehe Buchtipp S. 39) zusammengetragen hat.Susanne Seethaler erinnert sich immer noch an die Ehrfurcht, die sie des öfteren ergriffen hat, wenn die Bäuerinnen bei ihren Besuchen die Aufzeichnungen ihrer Mütter und Großmütter aus den Kommodenschubladen hervorkramten: zerlesene Kräuterfibeln, die mit Unterstreichungen und Kommentaren gespickt waren, abenteuerlich anmutende Zettelsammlungen oder mit handgeschriebenen Texten und Pflanzenzeichnungen fein säuberlich gefüllte Notizhefte. Darin fand sie bewährte Rezepturen, die Frauen auf dem Land heute weiterhin anwenden – zur Linderung von Blasenentzündungen, Menstruationskrämpfen, Schwangerschaftsübelkeit und Beschwerden in den Wechseljahren, zur Erleichterung der Geburt und zur Stärkung des Unterleibs, aber genauso zur Pflege von Haut und Haar.

ALTE BAUERNWEISHEIT

Oft bekam die Autorin, die sich auch mit ihren Kochbüchern einen Namen gemacht hat, bei ihren Gesprächen eine alte Bauernweisheit zu hören: Was ums Haus herum gedeiht, das braucht der Mensch, der darin wohnt. „Viele der Heilpflanzen für Frauen stehen in jedem Garten – beispielsweise Salbei, der seit der Antike sogar ,Frauenkraut‘ genannt wird. Seine Wirkung bei lästigen Hitzewallungen während der Wechseljahre und als Hilfe beim Abstillen schätzen die Frauen bis in die Gegenwart“, so die passionierte Köchin.
Die Schafgarbe, die im Volksmund so klangvolle Bezeichnungen wie „Augenbraue der Venus“, „Frauendank“ oder „Gotteshand“ hat, besitzt in der Frauenheilkunde ebenfalls hoch geachtete Eigenschaften. Der zart duftende Korbblütler soll die Blutung während der Periode regulieren, in der Stillzeit wunde Brustwarzen heilen und Unterleibskrämpfe lösen. „Wie vielen anderen Frauenkräutern auch wurden der Schafgarbe darüber hinaus große magische Kräfte zugeschrieben“, ergänzt die Expertin. „Jahrhundertelang haben ,weise Frauen‘ die Blüten verräuchert, um im aufsteigenden Rauch die Zukunft lesen zu können. Dieses Ritual wird manchmal heute noch in den Raunächten zwischen Heiligabend und dem Dreikönigstag vollzogen.“

DIE WICHTIGSTEN FRAUENKRÄUTER

Der Pflanzenschatz, den die Natur für Frauen zur Heilung und Linderung von Krankheiten und Beschwerden bereithält, ist groß. Neben Feiner Melisse, Zitronenmelisse, Gänsefingerkraut, Thymian, Schafgarbe, Storchschnabel, Hainbuche, Frauenmantel und Basilikum gehören auch Beifuß, Dost, Eisenkraut, Fenchel, Johanniskraut, Kamille, Labkraut, Ringelblume, Rose, Rosmarin und Salbei zu den wichtigsten Kräutern der bäuerlichen Frauenheilkunde.

Zum Trocknen größerer Kräutermengen die Zweige zu Büscheln zusammenfassen


In Aufzeichnungen und Kräuterfibeln sind die alten Hausmittel und ihre Rezepturen festgeschrieben und wurden so über Generationen hinweg weitergegeben


„WEIBERKITTEL“ FÜR DEN TEE

Großes Ansehen genießt in der bäuerlichen Frauenheilkunde nach wie vor der Frauenmantel, der mit seinen gefingerten Blättern die Almböden überzieht. Traditionell wird der „Weiberkittel“ als Tee während der Periode eingesetzt, um starke Blutungen zu mindern und Krämpfe zu lindern. Eine weitere Heilpflanze, mit der bei dieser Art von Beschwerden Generationen von Landfrauen gute Erfahrungen gemacht haben, ist das Gänsefingerkraut. Der kleinen Pflanze wird nicht nur eine entkrampfende, sondern ebenso eine beruhigende Wirkung nachgesagt. Die Kräutermilch (siehe Seite 40), deren Rezeptur von einer Bäuerin aus dem Tegernseer Tal stammt, hilft deshalb, vor dem Zubettgehen getrunken, auch beim Einschlafen.
Neben den Frauenkräutern kommen in den überlieferten Rezepturen „Zutaten“ zum Einsatz, die auf jedem Hof oder in der Küche zu finden sind. Wickel mit Lehm – ein weit verbreitetes Heilmittel – helfen nach dem Abstillen bei schmerzenden Brüsten, getrocknete Pflaumen bringen bei Verstopfung den Darm wieder in Schwung und ein Fußbad in kaltem Wasser kräftigt die Organe im Unterleib. Susanne Seethaler: „Und für ihre Schönheit haben die Frauen schon damals die Speisekammer geplündert und sich mit Eiern Haarkuren, mit Sahne und Quark Gesichtsmasken und mit lauwarmem Kartoffelpüree Handpackungen angerührt.“

BUCHTIPP

Von Kräuterwickel bis Tinkturen – in ihrem Buch „Das Heilwissen der Frauen vom Land für den weiblichen Körper“ teilt Susanne Seethaler altbewährte Traditionen von Bäuerinnen. Nymphenburger Verlag (antiquarisch erhältlich)

KONTAKT

Susanne Seethaler Mail: susanneseethaler@gmx.de Internet: www.susanneseethaler.de

Hainbuchensuppe zur Stärkung

ZUTATEN:
1l Milch, 1 Handvoll Hainbuchenblätter (frisch oder getrocknet),
1 EL Butter, 1 TL Mehl, 2 Eier, Salz, weißer Pfeffer, Muskatnuss

ZUBEREITUNG:
1 Milch in einem Topf erhitzen, die Buchenblätter zugeben und ein paar Minuten köcheln lassen. In eine Schüssel abseihen. Butter in den Topf geben und erhitzen.
2 Mehl einstreuen und mit der Butter zu einer glatten Masse verrühren. Aufpassen, dass die Mehlschwitze nicht anbrennt. Die Hainbuchenmilch hinzugeben. Eier aufschlagen, verquirlen und zu einer sämigen Suppe einrühren. Gewürze dazugeben, abschmecken und nochmal gut durchrühren.

ANWENDUNG:
Hainbuchensuppe haben die Frauen früher während der Schwangerschaft mehrmals in der Woche gegessen, um lange kräftig für Arbeit in Haus und Hof zu sein. Sie stärkt während der Schwangerschaft sowohl die werdende Mutter als auch das Kind.

Kaltes Fußbad zur Stärkung

DAS BRAUCHEN SIE: kleine Wanne oder Blecheimer mit eiskaltem Wasser, Handtuch, dicke Wollsocken
ANWENDUNG: Die warmen (!) Füße zwei Minuten ins kalte Wasser stellen. Dann warm rubbeln und Socken anziehen. Hat eine kräftigende Wirkung auf die Organe im Unterleib (Gebärmutter, Eierstöcke, Blase).

Kräutermilch bei Regelschmerzen

ZUTATEN:
1 Handvoll frisches oder getrocknetes Gänsefingerkraut, ¼ l Milch

ZUBEREITUNG:
Beides zusammen in einen Topf geben und aufkochen. Durch ein Sieb abseihen und leicht abkühlen lassen.

ANWENDUNG:
Bei Menstruationsbeschwerden in kleinen Schlucken trinken. Wirkt schmerzlindernd, krampflösend und beruhigend.

Salbeiessig gegen Hitze

ZUTATEN:
4 Salbeiblätter,
1 ungespritzte Zitrone,
1 l naturtrüber Apfelessig

ZUBEREITUNG:
1 Zitrone abschälen. Schale und Blätter zusammen mit dem Essig in ein großes Einmachglas geben und drei Wochen an einem kühlen, schattigen Ort ziehen lassen.
2 Anschließend kann man Schale und Salbei entfernen – die Zutaten können aber auch im Glas bleiben.

ANWENDUNG:
Bei Schweißausbrüchen während der Wechseljahre etwas Salbeiessig auf einen Waschlappen geben und den Oberkörper damit abreiben. Kann auch als Gesichtswasser verwendet werden.

Leberkur zum Entgiften

ZUTATEN: 1 Salatgurke, 1 EL Quark

ZUBEREITUNG:
1 EL Samen aus der Salatgurke zerquetschen und mit dem Quark mischen.

ANWENDUNG:
Jeden Morgen als Kur etwa drei Wochen lang vor dem Frühstück einnehmen. Entgiftet die Leber und soll damit Krampfadern und Hämorrhoiden lindern. Eine ähnliche Wirkung hat auch die Kombination von Quark mit Honig oder eine Frühjahrskur mit jungem Löwenzahnsalat.

Hafersäckchen bei Entzündungen

ZUTATEN: 8–10 EL Hafer

ZUBEREITUNG:
1 Hafer in ein Säckchen (oder ein Leinentuch) geben und zubinden.
2 In einem Topf Wasser erhitzen und das Säckchen – mit einer Schnur an den Henkeln festgebunden – über dem kochenden Wasser dämpfen. Falls vorhanden, kann es auch in einem Kartoffeldämpfer erwärmt werden. Alternativ wird es an einen langen Kochlöffel gebunden und über dem kochenden Wasser gedämpft.

ANWENDUNG:
Bei einer Blasenentzündung das gedämpfte Säckchen dort auf den Unterleib legen, wo sich die Blase befindet.

Anwendungen mit Heilkräutern sorgen für äußere Schönheit und inneres Wohlbefinden

Teemischung bei gereiztem Magen und Darm

ZUTATEN:
60 g Kümmelfrüchte, 40 g Anisfrüchte,
20 g Fenchelfrüchte, 30 g Kamillenblüten

ZUBEREITUNG:
1 Aus den Zutaten Teemischung herstellen.
2 Ein bis zwei Teelöffel der Mischung im Mörser zerstoßen und mit heißem, nicht mehr kochendem Wasser übergießen.
3 Zehn Minuten zugedeckt ziehen lassen und abseihen. Anschließend kann man Schale und Salbei entfernen – die Zutaten können aber auch im Glas bleiben.

ANWENDUNG:
Täglich zwei oder drei Tassen frisch aufgebrüht trinken. Beruhigt den gereizten Magen und den gereizten Darm.

Johanniskrautöl als Stimmungsaufheller

ZUTATEN: Johanniskraut, Olivenöl

ZUBEREITUNG:
Johanniskrautblüten in eine Flasche geben, diese mit Öl bedecken und vier bis sechs Wochen ziehen lassen. Ab und zu schütteln, dann das Öl abseihen.

ANWENDUNG:
Bei Wochenbettdepressionen damit einreiben – wirkt anregend und stimmungsaufhellend.

Bockshornkleemaske bei unreiner Haut

ZUTATEN: 1–2 Handvoll Bockshornkleesamen, Rosenöl

ZUBEREITUNG:
1 Die Kleesamen im Mörser fein pulverisieren.
2 So viel Rosenöl hinzufügen, dass eine weiche, geschmeidige Paste entsteht.

ANWENDUNG:
Die Paste gleichmäßig auf das gereinigte Gesicht verteilen und zehn Minuten einwirken lassen. Mit lauwarmem Wasser sorgfältig abwaschen. Lässt den Teint strahlen und hilft bei Pickeln. Ihre entzündungshemmenden Eigenschaften können auch bei Furunkeln und Hautekzemen eingesetzt werden.

Kinderwunschtinktur zur Stärkung der Empfängnisbereitschaft

ZUTATEN:
je 1 EL getrockneter Storchschnabel, Sonnentau, Beifuß, Gänsefingerkraut, Ehrenpreis, Salbei, Basilikum,
1 l Doppelkorn oder Obstler

ZUBEREITUNG:
1 Eine Flasche oder ein verschließbares Weckglas zu einem Drittel mit Kräutern und zu zwei Dritteln mit Alkohol füllen. 14 Tage an einem schattigen, kühlen Ort ziehen lassen. Ab und zu schütteln.
2 Anschließend abseihen, zurück in das Gefäß füllen und stehen lassen, bis sich die Flüssigkeit geklärt hat. Dann die Tinktur in eine gut verschließbare Flasche umfüllen.

ANWENDUNG:
Täglich dreimal jeweils nach den Mahlzeiten einen Esslöffel der Tinktur einnehmen. Storchschnabel galt bereits im Mittelalter als ein zuverlässiges Mittel gegen Unfruchtbarkeit; auch Beifuß und der heute unter Naturschutz stehende Sonnentau sollten die Empfängnisbereitschaft stärken.


FOTOS: PETER RAIDER. STYLING: MONIKA NODERER. TEXT & PRODUKTION: ANGELIKA KRAUSE