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Heilpflanzen fürs Immunsystem: Meisterwurz


Heil & Kraut - epaper ⋅ Ausgabe 3/2019 vom 27.09.2019

Meister der Pflanzen, das heißt die Beste der Pflanzen bzw. Wurzeln ist die Meisterwurz, auch Magisterwurz genannt. Im Englischen heißt siemasterwort , was auch diese Bedeutung hat. Als Meisterin soll sie alle bzw. die meisten Krankheiten heilen, und tatsächlich ist ihre Wirkung sehr umfassend und reicht von Verdauung, Menstruation, seelische Stärkung, über Entgiftung bis zur Immunstärkung. Im Gebirge wachsend, sammelt sie auf größer Höhe (über 1200 m) ihre Heilkräfte dafür. Sie kommt in den Alpen, Pyrenäen, auf Island, in Ost-, Südeuropa und Nordamerika auf Kalk- und Kieselböden, auf feuchten Bergwiesen sowie an Bachufern vor.

Artikelbild für den Artikel "Heilpflanzen fürs Immunsystem: Meisterwurz" aus der Ausgabe 3/2019 von Heil & Kraut. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Heil & Kraut, Ausgabe 3/2019

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Überlegenheit

Obwohl sie nur 30–100 cm hoch wächst, während andere Vertreter der Doldenblütler (z. B. Engelwurz, Bärenklau) 150 cm hoch werden, heißt sie aufgrund ihrer weitreichenden Wirkung auchImperatoria und „Kaiserwurz”.

Die BezeichnungImperatoria (alter lat. Name) beschreibt die Überlegenheit der Pflanze gegenüber anderen Heilpflanzen sowie ihre Kraft zur Auflösung von Zwang und Ein - engung.

Paracelsus – wie auch viele andere Kräuterheiler – lobte die Meisterwurz als Universalfiebermittel und Allheilmittel.

Ursprünglich lateinisch alsImperatoria struthium benannt, wird sie heute unterPeucedanum ostruthium geführt.Peucedanum heißt im Deutschen „Haarstrang”. Das Wort lässt sich auch von griech.peukedanon ableiten, was „bitter schmeckend” bedeutet. Und bitter schmeckt sie wirklich die Pflanze, welche auch noch „Sirenenwurzel”, „Haischwurz”, „Anstrenze” oder „Beizichrut” genannt wird. Es gibt aber auch die Bezeichnung „Ostrutwurz”. Lat.Ostruthium bedeutet „glückhaft, glücklich”.

Beschreibung

Als ausdauernde Pflanze mit weißer Doppeldolde im Juni–August, lässt sie sich am gerillten, hohlen Stängel sowie den doppelt dreizähligen, ungleich doppelt gesägten bis 30 cm langen und 34 cm breiten Blättern mit vergrößerten Blattscheiden erkennen. Der Samenstand bildet wie die verwandte wilde Möhre eine Körbchengestalt.

Verwechslungsmöglichkeiten gibt es vorwiegend mit dem Giersch (Aegopodium podagraria ): Dessen Teilblätter sind kleiner, weniger gezähnt, die Blüte ist unauffälliger und kleiner; seine Wurzeln sind weiß und sehen wie Würmer aus. Eventuell auch Verwechslung mit der Erzengelwurz (Angelica archangelica ) oder mit der Wald engelwurz (Angelica sylves tris ). Alle drei wachsen auch in tieferen Lagen.

Außerdem kannImperatoria mit giftigen Doldenblütlern wie Kälberkropf und Schierling verwechselt werden, die jedoch völlig andere Blätter haben.

Verwendet wird die Wurzel, die im Oktober/ November gegraben wird. Sie hat einen aromatischen Geruch, ist braun, dick und spindelförmig.

Die Vermehrung der Pflanze erfolgt über Ausläufer, die die Wurzel bildet.

In der Wildkräuter-Küche

Die Wurzel kann in der Wildkrauterküche genutzt werden, hier vorwiegend für Kräuterliköre, Essigauszüge und Würzole. Früher wurde sie auch zum Schnaps- Brennen genutzt, so war sie z.B. im 16.–19. Jahrhundert neben anderen Heilpflanzen im Orvietan enthalten, einem Theriak (=alkoholisches Allheilmittel).

Ansonsten werden die Blütenknospen als essbare Deko, für Limonade, Kräuterquark, -butter u. Ä. sowie zum Frittieren gebraucht.

Junge bis mittelalte Blätter werden als Salatund Gemüsebeigabe, für Suppen und Nudelgerichte sowie für Kräuterquark, -butter, -salz und Kräuterkäse genommen.

Die reifen, ebenfalls aromatischen Samen (4–5mm groß, braun, rund) nimmt man als Brotgewürz.

Heilkunde

In der Heilkunde kann die Meisterwurz z.B. als Magenbitter oder Weinauszug verwendet werden. Fertigpräparate sind z.B. von der Firma Ceres (Tinktur aus der Wurzel: Imperatoria Urtinktur) sowie mit weiteren Inhaltsstoffen gemischt von Weleda und Soluna erhältlich.

Die klassische Anwendung ist natürlich das Trinken des Tees: Für eine Tasse Meisterwurztee übergießt man 1/2-1 TL zerkleinerte Wurzel mit 250ml kochendem Wasser und lässt es zugedeckt 5–10 Minuten ziehen; ungesüst 2–3 Tassen täglich trinken.

Die Einnahme erfolgt bei allen Heilzubereitungen jeweils nach dem Essen zur Verdauungsförderung, bzw. 30–60 Minuten vor dem Essen zur Appetitanregung.

Eine hohe Dosierung bewirkt genau das Gegenteil, also nicht übertreiben bei der Anwendung. Gegenanzeigen bestehen in der Schwangerschaft sowie bei Menschen mit akuten Entzündungen im Magen-Darm- Bereich (Colitis ulcerosa, Geschwüre, Magenschleimhaut - entzündung u.Ä.), Gallensteinen und Schilddrüsen über funk - tion. Diese sollten alle starken Bittermittel meiden. Als Nebenwirkung kann die Haut durch die Einnahme lichtempfindlich werden. Außerdem kann es bei starker Dosierung zu Brechreiz und Kopfschmerzen kommen.

Meine Rezeptempfehlungen:

Einnahme jeweils nach dem Essen zur Verdauungsförderung, 30–60 Minuten vor dem Essen zur Appetitanregung.

Meisterwurzmagenbitter:

Zerkleinerte Wurzel in ein durchsichtiges Schraubglas füllen, sodass es zu eiem Drittel voll ist, und mit Korn (30–32%) aufgießen. Vier Wochen am Fenster ziehen lassen, täglich schütteln, absieben. 1–2 Schnapsgläser täglich.

Meisterwurzwein:

Zerkleinerte Wurzel in ein durchsichtiges Schraubglas füllen, sodass es zu einem Drittel voll ist, und mit Rotwein aufgießen. Auf 500ml Wein 1 TL gemahlenen Kardamom dazugeben und verschließen. Zwei Wochen am Fenster ziehen lassen, täglich schütteln, absieben. 2–3 Schnapsgläser täglich.

Meisterwurztinktur:

Zerkleinerte Wurzel in ein durchsichtiges Schraubglas füllen, so dass es zu zwei Drittel voll ist, und mit 60–70%-igem Alkohol aufgießen. Vier Wochen am Fenster ziehen lassen, täglich schütteln, absieben. 1–3 x täglich 5–10 Tropfen.

Meisterwurzbreiumschlag:

Wurzel pulverisieren, mit warmem Wasser zu einem dicken Brei rühren.

Hinweis:

Die Anwendung der vorgestellten Tipps und Heilanwendungen der Meisterwurz erfolgt auf eigene Verantwortung, Verlag und Autorin lehnen jegliche Haftung ab.

Meisterwurz hat eine hitzige, scharfe, brennende und sulfurische Energie. Pflanzen mit sulfurischer Natur schmecken scharf, bitter oder senfig, wirken feurig und verzehren mit dem Feuer Krankheiten. Sulfurische Mittel wirken aktivierend auf die Lebensenenergie und entgiftend. Neben den enthaltenen Bitterstoffen (Ostin, Peucerin) sind v.a. die ätherischen Öle (0,2– 1,4%: Pinen, Phellandren, Limonen, Isovaleriansäure, Carvacrol), Furanocumarine (Imperatorin, Oxypeucedanin, Peucedanin, Isoimperatorin) sowie die Cumarine (Ostruthin) von Bedeutung. Das Carvacrol der ätherischen Öle wirkt antimikrobiell, das Ostru - thin wirkt gegen Mykobakterien. Weiterhin sind Gerbstoffe, Flavonoide, Harze, Gummi und Stärke enthalten.

Bittermittel

Die Pflanze ist einAmara aromaticum (Bittermittel mit ätherischen Ölen). Typisch dafür sind die magenstärkende, verdauungsfördernde, appetitanregende und Leber stärkende Wirkung sowie die Anregung des Gallenflusses. Zudem wirkt Imperatoria entblähend, verbessert die Assimilation der Nahrung und gilt als starkes Magentonikum. Bei Krebspatienten, Mager - süchtigen, alten Menschen und in der Rekonvaleszens wird sie zur Appetitanregung gebraucht.

Da die meisterhafte Pflanze auch körperlich und seelisch stärkend wirkt, ist sie auch deshalb für die vorher genannte Zielgruppe geeignet sowie für alle, die Stress haben, sich erschöpft und müde fühlen, lustlos und konzentrationsschwach sind.

Mit anderen Heilkräutern kombiniert, eignet sie sich hervorragend zur Entgiftung, denn schon als Einzelpflanze gebraucht wirkt sie entgiftend, v.a. im Bereich der Verdauungsorgane und des Immunsystems. Ihr antioxidatives Potential unterstützt alle ihre positiven Fähigkeiten und hilft auch unserem Immunsystem besser mit Zellgiften u.Ä. umzugehen.

Aufgrund der starken Bitterstoffe wirkt die Meisterwurz erwärmend, menstruations- und sekretionsfördernd. Durch letzteres wird die Ausschüttung von Stoffen im Bereich der Verdauungsenzyme oder der Hormondrüsen gefördert.

Immunsystem

Neben dem Verdauungsystem ist das Immunsystem der zweite große Wirkungsbereich vonPeucedanum osthrutium : Sie wirkt im menschlichen Körper entzün - dungshemmend, fiebersenkend, immunmodulierend, antibakteriell, leicht schleimlösend und entkrampfend auf die Bronchien. Eine immunmodulieren- de Wirkung bedeutet, dass durch eine reizende Wirkung das Immunsystem aktiviert und reguliert wird.

Wahrscheinlich wirkt sie auch gegen Salmonellen und Streptokokken, auf jeden Fall beugt sie Erkrankungen durch Norovirus vor. Bei Infektion mitClostridium difficile soll zusätzlich mit Meisterwurz behandelt werden.

In der traditionellen chinesischen Medizin geht man davon aus, dass Meisterwurz das Qi der Leber bewegt und die Psyche aufhellt.

Ganzheitlich

Natürlich hatImperatoria nach der ganzheitlichen Pflanzenheilkunde auch besondere Einflüsse auf den psychisch-seelischen Bereich: Vor allem fördert sie das Selbstbewusstsein, stolz und sich selbst bewusst wie ein Kaiser (=imperator ) zu sein. Sie hilft, für sich selbst einzutreten, zugleich anderen gegenüber wohlwollend zu handeln und in den Mitmenschen das Gute zu fördern. Sie unterstützt die Selbstverständlichkeit, für sich zu sorgen, gibt Stärke und wirkt innerlich aufrichtend.

Meisterwurz hilft Menschen, die dazu neigen, sich schädigenden Einflüssen zu öffnen, sich dessen bewusst zu werden. Sie stärkt außerdem Menschen, die leicht angreifbar sind und durch die Angriffe verunsichert werden, indem sie die innere Kraft fördert und Bedrohliches fernhält. Zugleich macht sie zwanglos, hilft dabei, sich von Ein - engung zu befreien, und reinigt somit körperlich und psychisch von Giften!

Für die Wirksamkeit im psychisch- seelischen Bereich wird die Pflanze in der Regel 1–2x täglich innerlich eingenommen. Ein Kräuterkissen für Hosentasche o.Ä. kann ebenso positiv unterstützend wirken, v.a. in Situationen, in denen das Selbstbewusstsein benötigt wird.

Als Räucherung vertreibt die Wurzel Böses, hilft bei Stress, Melancholie oder Niedergeschlagenheit, indem sie Energie und Lebensmut spendet, Zuversicht, Vertrauen und Optimismus fördert. Außerdem stärkt das Räuchern Selbstbewusstsein und die Selbst- und Fremdwahrnehmung.

Meisterwurz in früheren Zeiten

Das Räuchern hat schon eine lange Tradition und wurde zu Zeiten der Pest als Desinfektion und Krankheitsvorbeugung durchgeführt. Wesentlich effektiver war dafür das Kauen von Wurzelstücken oder das Trinken des Weinauszuges (s. Rezepte). Heute würde man die Tinktur gegen starke Infektionskrankheiten einnehmen.

Meisterwurz in einem japanischen Kräuterbuch aus dem 17. Jahrhundert


Leonhart Fuchs nahm Meisterwurz als Antidot gegen Spinnengifte und Tierbisse.

Seit dem 16. Jahrhundert wurde der Anbau von Meisterwurz in den Hausgärten empfohlen.

Eine am Johannistag gegrabene Wurzel wurde in Tirol über die Stalltür gelegt oder gehängt, um böse Hexen abzuhalten. Haus und Hof wurden zum Schutz, zur Vertreibung des Bösen, für Selbstbewusstsein und Gesundheit mit Meisterwurz ausgeräuchert oder mit ihr umstreut. Eine Wurzel der Meisterwurz am Körper getragen soll Kraft und Willensstärke verleihen, hieß es. Ebenfalls in Tirol wurde früher in der Thomasnacht (20./21. Dezember) damit geräuchert. Gegen Augenkrankheiten wurden 7–9 Wurzel stücke auf einen roten Faden aufgefädelt und um den Hals gehängt. Zur Vorbeugung von Maul- und Klauenseuche wurde Meisterwurz fürs Vieh genutzt.

Heutzutage wird die Meisterwurz zur Behandlung von Magen- Darmbeschwerden, Verstopfung, Vollegefühl, zur Verdauungsförderung, Leberunterstützung, Gallenflussförderung und bei Blähungen nach oder zum Essen angewendet, indem zwei- bis dreimal täglich eine Tasse Tee, ein Schnapsglas Magenbitter oder ein Schnapsglas des Weinauszuges getrunken wird. Es können stattdessen auch dreimal täglich fünf Tropfen Tinktur eingenommen oder ein Stück Wurzel gekaut werden, am besten als Kur über vier bis sechs Wochen.

Auch bei Magen-Darm-Infekten, nach verdorbenen Nahrungsmitteln oder Umweltgiften wird so verfahren. Bei Fieber, Atemnot, extremem Durchfall oder Erbrechen aber unbedingt ärztliche Hilfe aufsuchen!

Wichtig ist die Pause bei der Einnahme: Werden starke Bittermittel zu hoch dosiert oder zu lange angewendet, schlägt ihre Wirkung ins Gegenteil um. Daher nach vier bis sechs Wochen Einnahme mindestens zwei Wochen pausieren. Zur Appetitförderung und bei Magersucht wird 30–60 Minuten vor dem Essen eine Tasse Tee, ein Schnapsglas Magenbitter oder fünf Tropfen Tinktur eingenommen, zwei- bis dreimal täglich, bei Bedarf oder als Kur vier bis sechs Wochen lang. Bei Zahnschmerzen kann ein Stück Wurzel gelutscht oder gekaut werden.

Zur Immunsystemstärkung, Stoffwechselanregung und bei Infektionskrankheiten (z.B. Erkrankungen der Bronchien, Borreliose) werden zweibis dreimal täglich 5–10 Tropfen Tinktur oder eine Tasse Tee eingenommen, als Kur über 6 Wochen. Gegen Schwächezustände, Erschöpfung, Müdigkeit gilt dieselbe Therapie.

Zur Erkältungsvorbeugung ein Stück Wurzel kauen. Zur effektiveren Wirksamkeit bei starken Infektionen kann zur Meisterwurz mit Wilder Karde, Zistrose, Knoblauch oder Wasserdost gearbeitet werden.

Als äußerliche Anwendung dient ein Breiumschlag aus der Wurzel, der über Nacht auf Wunden, Geschwüre oder Abszesse aufgelegt wird.

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Hinweis:

Die Anwendung der vorgestellten Tipps und Heilanwendungen der Meisterwurz erfolgt auf eigene Verantwortung, Verlag, Redaktion und Autorin lehnen jegliche Haftung ab.


Foto: wikimedia commons, H. Zell

Foto: wikimedia commons, Roger Culos