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HEILUNG FÜR DIE LUNGE


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Frau im Leben - epaper ⋅ Ausgabe 2/2022 vom 05.01.2022

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Bildquelle: Frau im Leben, Ausgabe 2/2022

Das stärkt die Lunge Singen o der Tee trinken -einfache Maßnahmen, die schnell helfen

SEITE 65

So funktioniert die Lunge Wie der Körper mit Sauerstoff versorgt wird

SEITE 65

Die besten Atem- Übung en Luftholen geht ganz automatisch. Doch es gibt bestimmte Techniken, um die Lunge langfristig zu stärken

SEITE 67

Die Lunge sieht wie ein Sc hmetterling aus. Der linke Flügel ist et was kleiner als der re chte, um dem Herzen Platz zu lassen

Spätfolgen einer Corona-Infektion Ein Experte erklärt, wie das Virus die Atemwege langfristig sch ädigen kann

SEITE 69

Rauchfrei in 5 Schritten Tipps, um von Zigaretten loszukommen

SEITE 66

Aein leichtes Heben und Senken des Brustkorbs: Mehr spüren wir nicht von der Arbeit unserer Lunge. Vorausgesetzt, sie ist gesund. Dann leistet das Organ Erstaunliches, denn rund 10 000 Liter Luft atmen wir unbewusst ein und aus – und das jeden Tag. Dafür sorgen rund 300 Millionen ...

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... winzige Lungenbläschen. Sie nehmen lebenswichtigen Sauerstoff aus der Atemluft im Blut auf und geben dafür wieder Kohlendioxid an die Lunge ab. Dieser ausgeklügelte Mechanismus (s. Infografik) kann jedoch schnell Schaden nehmen, sei es durch eine Infektion oder aufgrund eines ungesunden Lebensstils. Als Lungen-Laster Nummer eins gilt Rauchen, denn daraus entwickelt sich häufig eine chronische Erkrankung des Organs namens COPD. Die Kurzform steht im Englischen für „Chronic Obstructive Pulmonary Disease“. Auf Deutsch: atemwegsverengende Lungen-Erkrankung bzw. Raucherhusten. Laut Schätzungen sind ungefähr 15 Prozent der Bundesbürger über 40 Jahre betroffen. Bei den über 70-Jährigen sind es 30 Prozent, Tendenz steigend. Den Raucherhusten bekommen zunehmend Frauen, weil sie immer öfter zur Zigarette greifen.

„Meine Atem- Muskulatur llenfalls stärke ich mit regelmäßigem Sport"

Anni Friesinger- Postma (45) hat seit ihrer Kindheit allergisches Asthma

Ein Leben lang krank

Auch Marion Wittersheim aus Bonn rauchte bis zu 30 Zigaretten täglich, bis ihr das Treppensteigen Probleme machte. „Mir blieb irgendwann schlicht die Luft weg“, erzählt die 61­Jährige. Das war 2011. Die ehemalige Friseurin reagierte damals sofort. Sie hörte von einem Tag auf den anderen mit dem Rauchen auf und vereinbarte einen Termin beim Lungenfacharzt, einem Pneumologen. Die Diagnose war eine mittelschwere und fortgeschrittene COPD. Atemnot sowie Husten mit Auswurf gelten als typisch für die chronische Lungenkrankheit, die nicht heil-, aber behandelbar ist.

Die Therapie setzt bei den Bronchien an. Das sind feine Gänge, die sich ausgehend von der Luftröhre über die gesamte Lunge verzweigen. Bei einer COPD sind diese entzündet und dauerhaft verengt. „Es geht also zuerst darum, die Bronchien zu erweitern.

DAS STÄRKT DIE LUNGE

SICH IMPFEN LASSEN Um Entzündungen der Atemwege zu vermeiden, ist es wichtig, sich gegen Corona, Grippe, Keuchhusten und Pneumokokken impfen zu lassen. Letztere können Lungenentzündungen auslösen.

SPORT MACHEN Am besten ist moderater Ausdauersport wie Wandern, Radfahren, Walken, Tanzen sowie regelmäßige Spaziergänge oder auch gezieltes Training in einer Lungensportgruppe (deutschlandweite Adressen unter www. lungensport.org).

SINGEN Für Lungenkranke bieten viele Kliniken kostenlos Chor-Stunden an. Das Singen hebt die Laune und trainiert die Atemmuskulatur.

TEE TRINKEN Abbau von Nudeln, Kartoffeln Das ist generell sinnvoll, oder Reis entsteht im Körper besonders bei akuten vermehrt Kohlendioxid. Das kann Infekten. Dank der Flüssigkeit kann sich festsitzender Schleim besser lösen. Tees mit Heilpflanzen wie Thymian, Salbei, Spitzwegerich und Ingwer wirken zudem entzündungshemmend.

GEMÜSE ESSEN Menschen, die an der chronischen Lungenkrankheit COPD leiden, sollten besser Gemüse statt Kohlenhydrate essen. Denn beim die Atem-Muskulatur schwächen.

DEN HALS WÄRMEN Die Atemwege vieler Lungen-Patienten reagieren empfindlich auf Kälte. Daher ist es sinnvoll, den Hals in den kalten Monaten mit einem Schal oder Tuch warm zu halten und bewusst nur durch die Nase einzuatmen. So wird die Luft besser angewärmt und die Atemwege weniger gereizt.

Genug Luft zum Leben

Die Lunge arbeitet wie ein ausgeklügeltes Luftfiltersystem und versorgt den Körper mit Sauerstoff

Die Lunge ist unser zentrales Atemorgan im Brustkorb 1 . Ihre Aufgabe ist es, genügend Sauerstoff für alle Körperzellen zur Verfügung zu stellen. Gleichzeitig transportiert die Lunge beim Ausatmen Kohlendioxid nach außen – es fällt als Abfallprodukt an und wir atmen es automatisch aus. Für diesen Regelkreis sind die rund 300 Millionen winzigen Lungenbläschen (Alveolen) zuständig 2 . Sie sitzen wie kleine Blütenknospen an den Atemwegen – den Bronchien 3 . Diese ziehen sich wie ein verzweigtes Röhrensystem durch die Lungenflügel. Umschlossen sind die Lungenbläschen von einem Netzwerk feinster Blutgefäße, den sogenannten Lungenkapillaren 4 .

Die Lungenbläschen sorgen schließlich für den lebenswichtigen Gas-Austausch im Körper, indem sie Sauerstoff aus der Atemluft in das Blut aufnehmen und Kohlendioxid aus dem Blut an die Lunge abgeben. Das funktioniert so gut, weil die Wände der Lungenkapillaren und der Lungenbläschen so dünn sind, dass Kohlendioxid und Sauerstoff leicht hindurchtreten können 5 . Bei Asthma oder COPD verengen sich die Atemwege in der Lunge und behindern so den Gasaustausch – das Atmen fällt schwerer.

Grundlage dafür sind Medikamente, sogenannte Bronchodilatatoren“, erläutert der Kölner Pneumologe Dr. Justus de Zeeuw. „Die Patienten inhalieren diese Präparate, so kann der Wirkstoff direkt in die Lunge gelangen. Dort erweitert er die Atemwege und verbessert die Luftzufuhr.“

Außerdem ist viel Bewegung wichtig, um die Symptome zu lindern. „Trainierte Muskeln haben einfach mehr Kraft und dadurch fällt auch das Ein- und Ausatmen leichter“, sagt Dr. de Zeeuw. Zwei- bis dreimal pro Woche Ausdauersport sind ideal, aber auch Spazierengehen hilft. „Jeder Schritt zählt“, so der Experte, „dabei ist es besser, im eigenen Tempo zu gehen, auch wenn das vielleicht langsam ist. Denn so kommt man nicht in Atemnot und trainiert dennoch die Muskeln.“

„Der Austausch mit anderen Betroffenen hilft mir"

Marion Wittersheim (61) leidet an der chronischen Lungenkrankheit COPD

Rauchfrei in 5 Schritten

1 Ein konkretes Datum festlegen Vereinbaren Sie mit sich selbst einen Tag, an dem Sie aufhören. Nach der letzten Zigarette sollten Sie ganz konsequent sämtliche Zigaretten, -Etuis und Aschenbecher entsorgen oder verschenken.

2 Den Bekanntenkreis einweihen Damit Sie nicht wieder rückfällig werden, erzählen Sie Freunden und Familie von Ihrem Vorhaben.

3 Sinnvolle Alternativen nutzen Nikotin-Ersatzpräparate wie Pflaster oder Nikotin-Kaugummis können anfangs helfen, von den Zigaretten loszukommen. Auf lange Sicht ist Ausdauersport empfehlenswert, denn er wirkt beruhigend und hebt die Stimmung. Ebenfalls gut: Entspannungstechniken wie Yoga, autogenes Training, Meditation.

4 Routinen durchbrechen Ändern Sie Abläufe, bei denen das Rauchen dazugehörte. Haben Sie etwa immer nach dem Essen geraucht, gewöhnen Sie sich jetzt vielleicht an, einen kleinen Gang durch den Park oder ein paar Entspannungsübungen zu machen. Ablenkung ist immer gut!

5 Auch mal die Erfolge feiern Motivieren Sie sich, dranzubleiben, indem Sie sich immer mal wieder fürs Durchhalten belohnen. Das kann ein Essen in Ihrem Lieblingslokal sein oder ein gutes Buch; schließlich tun Sie nicht nur Ihrer Gesundheit etwas Gutes, sondern sparen auch Geld. Wie viel genau? Das können Sie auf dieser Internet-Seite der Bundesregierung ausrechnen: www. nutzedeinechance.de

Hier gibt’s Unterstützung

• Online-Programme mit persönlicher Betreuung finden Sie auf der Seite www.rauchfrei-info.de

• Infos zu Nichtraucher-Kursen, die auch von der Kasse bezuschusst werden, gibt es unter www.rauchfrei-programm.de

• Kostenfreie Beratung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung: 0800 8 31 31 31, Mo. bis Do. 10 – 22 Uhr, Fr. bis So. 10 – 18 Uhr

Lungensport tut gut

„Ziel einer COPD-Behandlung ist es immer, die Symptome zu lindern und im besten Fall das Fortschreiten der Krankheit zu stoppen“, erklärt Dr. de Zeeuw. Bei Marion Wittersheim aus Bonn gelang das nicht auf Anhieb. Ihre COPD verschlimmerte sich sogar noch, nachdem sie mit dem Rauchen aufgehört hatte. Heute nimmt sie bronchienerweiternde Medikamente und seit 2018 braucht sie zudem ein tragbares Sauerstoff-Gerät, das ihr hin und wieder beim Atmen hilft. Sie blieb trotzdem immer optimistisch und begann, regelmäßig an einer Lungensportgruppe teilzunehmen. Vor zwei Jahren dann endlich gute Nachrichten: Ihre COPD hat sich nicht weiter verschlechtert. Lungenkrank wird Marion Wittersheim jedoch bleiben. Das Wissen, damit nicht allein zu sein, hilft ihr sehr: „Ich habe mich gleich nach der Diagnose einer Selbst- hilfegruppe angeschlossen.

Der Zusammenhalt gibt mir Kraft und Zuversicht.“ schnelllauf-Olympiasiegerin unter Asthma. Ihre Atemwege sind überempfindlich, ziehen sich zusammen, die Schleimhäute schwellen an. Auslöser dafür können etwa Pollen oder Kälte sein. Trockener Husten bis hin zu einem Engegefühl in der Brust sind die Folgen.

Die ehemalige Profi-Eisläuferin gehört somit zu den rund acht Prozent aller Deutschen, die Asthma haben. „Es betrifft vor allem Menschen, deren Atemwege überempfindlich sind. Das ist meist familiär veranlagt. Oft haben die Patienten aber auch Allergien, die ein Asthma auslösen können“, sagt Pneumologe Dr. de Zeeuw. Ähnlich wie bei COPD gilt in Hinblick auf Asthma: Es sind mehr Frauen als Männer betroffen – und zwar fast doppelt so viele. Das liegt neuen Studien zufolge daran, dass Männer durch das Geschlechtshormon Testosteron besser geschützt sind vor Entzündungen der Atemwege.

Kortison gegen Asthma

„Wird Asthma nicht behandelt, führt es zu einer dauerhaften Entzündung in der Bronchialschleimhaut“, erklärt Dr. Iris Koper, Chefärztin der Pneumologie an der Sana Klinik Oldenburg. „Dies kann zu Ablagerungen an den Lungenbläschen führen und so den lebenswichtigen Gasaustausch erschweren.“ Dagegen hilft Kortison. Das Medikament schützt vor Entzündungen und weitet die Atemwege. Am besten entfaltet es seine Wirkung als Spray oder Inhalat. „Bei der Behandlung von Lungenkrankheiten wie Asthma wird Kortison so gering wie möglich dosiert, landet durch die Inhalation direkt in den Atemwegen und kommt nur in sehr kleinen Mengen in den Blutkreislauf, wo es vom Körper wieder abgebaut wird. Nebenwirkungen sind bei richtiger Anwendung kein Thema“, erklärt die Expertin.

Darüber hinaus ist es wichtig, mögliche Allergien zu lindern, die Asthma überhaupt erst auslösen können. Anni Friesinger-Postma etwa reagiert von Jahr zu Jahr heftiger auf Frühblüher und machte daher Anfang 2021 eine Desensibilisierung mit Tabletten.

Der Körper lernt dadurch, auf Pollen nicht mehr übermäßig zu reagieren. Die Behandlung glückte. Der Juckreiz, die tränenden Augen und ständige Müdigkeit bleiben seitdem aus. „Das ist jetzt eine ganz neue Lebensqualität“, erzählt die 45-Jährige. Das Kortison-Spray nimmt sie nur noch bei Bedarf und sie stärkt ihre Atem-Muskulatur nun mit Bewegung. Je nach Witterung geht sie zum Wandern, Radeln oder Ski- und Eislaufen.

BESSER ATMEN

Bis zu 16 Mal in der Minute atmen wir ein und aus – leider oft zu schnell und zu flach. Diese Atemübungen helfen dabei, die Lunge zu stärken (jeweils 5 Minuten täglich)

BAUCHATMUNG Im Sitzen eine Hand auf den Bauch legen und langsam durch die Nase einatmen. Achten Sie darauf, dass sich Ihr Bauch anhebt. Danach atmen Sie durch den Mund aus. Wiederholen Sie den Vorgang und versuchen Sie jedes Mal, die Bauchdecke noch ein Stück höher zu heben als vorher. Die Bauchatmung – auch Zwerchfell-Atmung genannt – senkt den Blutdruck und regt die Verdauung an.

LIPPENBREMSE Aufrecht hinsetzen und langsam durch die Nase einatmen. Beim Ausatmen die Wangen leicht aufblähen, die Lippen spitzen und sanft die Luft entweichen lassen. Wichtig: nicht pressen. Das Ausatmen sollte etwa doppelt so lange dauern wie das Einatmen.

STROHHALM-TRAINING Mit einem Strohhalm in ein Wasserglas blubbern oder einen Luftballon aufpusten. Wie bei der Lippenbremse geht es darum, gegen einen Widerstand auszuatmen – und so langfristig die Lungenfunktion zu stärken.

Neue Therapien bei Krebs

Sehr viel aufwendiger und tiefgreifender ist die Therapie von Lungenkrebs, der aggressivsten Form aller Atemwegserkrankungen. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts sind in Deutschland heute etwa fünfmal mehr Frauen davon betroffen als noch vor 50 Jahren. Auch Monika Müller aus Potsdam gehört dazu. Im Sommer 2020 entdeckte die Verwaltungsangestellte einen kleinen Knoten in der Nähe des Schlüsselbeins. Vorsichtshalber ging sie zum Arzt. Nach Ultraschall und Computertomografie (CT) eröffnete ihr der Mediziner, dass sie auf dem rechten oberen Lungenlappen einen 3,5 Zentimeter großen, bösartigen Tumor hat. „Diese Nachricht zog mir komplett den Boden unter den Füßen weg“, erzählt die heute 59-Jährige.

Eine solche Diagnose ist immer ein Schock, doch neue Behandlungsmethoden geben Hoffnung. Dies bestätigt Prof. Susanne Lang, sie leitet die pneumologische Onkologie am Universitätsklinikum Jena. „In den Neunzigerjahren konnten wir Ärzte im Grunde nur zuschauen, wie die Patienten langsam erstickt sind“, so die Oberärztin, „seither hat die Medizin zum Glück große Fortschritte gemacht.“

NEUE GEFAHR

Corona-Viren greifen nicht nur, aber vor allem die Lunge an. Die Impfung und das Boostern können gefährliche Spätfolgen vermeiden

Ärzte wissen heute, dass es nicht nur eine einzige Form von Lungenkrebs gibt, sondern sehr viele Varianten. Als erste Maßnahme wird daher erkranktes Gewebe entnommen und analysiert. „So erfassen wir“, erläutert Prof. Lang, „mit welcher Form von Krebs wir es zu tun haben und welche möglichen Behandlungen am besten wirken – ob Operation, Chemo oder die noch relativ neue Immuntherapie.“ Letztere ist erst seit wenigen Jahren zugelassen und erzielt beeindruckende Erfolge. Dabei wird das körpereigene Abwehrsystem mit Infusionen so verändert, dass es die Krebszellen erkennen und bekämpfen kann. Auch Monika Müller profitierte von dieser Behandlung. Schon nach ihrer ersten Infusion schrumpfte der Tumor um zwei Drittel. „Meine Ärzte konnten es selbst kaum glauben“, erinnert sie sich. Weil Nebenwirkungen auftraten, wurde der Wirkstoff gewechselt. Der Tumor verkleinerte sich danach weiter und war Ende 2020 auf einer CT-Aufnahme nicht mehr zu sehen. „Das war wirklich ein kleines Wunder“, sagt Monika Müller.

„Dank der neuen Immuntherapie verschwand mein Lungen-Tumor"

Monika Müller (59) erhielt 2020 die Diagnose Lungenkrebs

Häufigster Auslöser für Lungenkrebs sind – wie bei einer COPD – Zigaretten. Zwar rauchte Monika Müller bis zu ihrer Diagnose nur gelegentlich, doch selbst kleinere Mengen Tabak sind krebserregend. „Meine Ärzte sagten mir, dass sei bei mir zwar nicht die Ursache, gut für meine Gesundheit war es dennoch nicht.“

Vorsorge für Raucher

Eine gute Maßnahme, um bei langjährigen und starken Rauchern frühzeitig Lungenkrebs zu bemerken, ist die Computertomografie (CT). Auf den Aufnahmen sind selbst kleinste Veränderungen im Lungengewebe und im Brustkorb sichtbar. In Amerika gehört ein CT bereits zum Vorsorgeprogramm bei Kettenrauchern. „In Deutschland wird das vermutlich in ein bis zwei Jahren auch der Fall sein“, ist sich Prof. Susanne Lang sicher. Die Medizinerin schaut in Hinblick auf die Behandlung von Lungenkrankheiten sehr optimistisch in die Zukunft: „Die Pharmaindustrie entwickelt und testet fortwährend neue, vielversprechende Wirkstoffe. Und wir Ärzte verstehen immer besser, warum eine Therapie bei einer Person anschlägt und bei der anderen nicht.“

Noch in den Kinderschuhen steckt hingegen die Therapie der Langzeitfolgen einer Corona-Erkrankung (siehe Interview). Auch spezielle Reha-Einrichtungen für Long Covid gibt es erst seit Kurzem. Die Paracelsus Harzklinik Bad Suderode gehört dazu und die 55-jährige Heike Palte ist dort Patientin. „Eine Woche vor meiner Erstimpfung infizierte ich mich mit Corona – und leide seitdem unter den Folgen“, erzählt die Medizinpädagogin.

Wenn die Worte fehlen

Die Krankheit führte bei ihr im Mai 2021 zu Konzentrationsund Wortfindungsstörungen, Abgeschlagenheit sowie Muskelschmerzen. Ein Test beim Pneumologen zeigte zudem, dass der Gasaustausch in der Lunge nicht einwandfrei funktionierte. „Ich bin sehr sportlich und war vor Corona oft 30 Kilometer wandern. Heute bin ich froh, wenn ich fünf Kilometer schaffe“, sagt Heike Palte, „aber ich habe in der Reha auch Leute kennengelernt, die 20 Jahre jünger sind und noch stärker unter den Folgen von Corona leiden.“

Mithilfe der fünfwöchigen Reha, die im November startete, soll Heike Palte wieder zurück in den Alltag finden. Ihre vorläufige Bilanz: „Corona hat mir wertvolle Lebenszeit genommen. Dennoch habe ich Glück, dass es mir nicht noch schlechter ging. Wohldosierte Bewegung mit vielen Pausen und Atemübungen geben mir jetzt neue Energie.“

Sonja Baulig