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HEIMATBILDER: Wolgast will’s wissen


SUPERillu - epaper ⋅ Ausgabe 22/2019 vom 23.05.2019

Statt als bedeutende historische Herzogstadt und nördliches „Tor nach Usedom“ zu glänzen, bleibtder Ort am Peenestrom allzu vielen Inselreisenden als lästiges Nadelöhr samt Dauerstau in Erinnerung. Autos hinausdrängen aus der Altstadt, dafür Touristen hineinlocken, lautet der Plan. Ein leichtes Unterfangen ist das nicht


Artikelbild für den Artikel "HEIMATBILDER: Wolgast will’s wissen" aus der Ausgabe 22/2019 von SUPERillu. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: SUPERillu, Ausgabe 22/2019

Vom Turm der St.- Petri-Kirche blickt man auf Wolgasts Altstadt, die Peene, die Schlossinsel und nach Usedom (rechte Bildhälfte)


Klar ist das frustrierend. Das Navi sagt, noch 11 Kilometer bis Zinnowitz, aber da hat man als Reisender sein „Blaues Wunder“ (wie Wolgasts Klappbrücke im ...

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... Volksmund wohl nicht nur wegen der Farbe heißt) noch vor sich. Und die Rechnung ohne die B 111 gemacht, die sich durch enge Altstadtgassen bis runter zu Peenestrom und Brücke schiebt.

An sommerlichen Ferienwochenenden kann die Zahl der Kfz, die sich pro Tag durch Wolgast quälen, auf 35 000 anwachsen. „Für derart Staugeplagte ist Wolgast als Ort für einen Ausflug gestorben“, weiß Stefan Weigler. Ur-Wolgaster, Bürgermeister, Macher. Einer, der daran glaubt, dass vom immer größer werdenden touristischen Kuchen Usedoms mehr als nur ein paar Krümel in seiner Stadt liegen bleiben müssten.

Idyllisch liegt diese kleine Bar, an der man auch Boote leihen und Angeltouren buchen kann, im Wolgaster Hafen


An der Klappbrücke „Blaues Wunder“ ist von und nach Usedom nicht nur in den Ferien Stau vorprogrammiert


Denkt und plant Wolgast seit 2008 als Bürgermeister nach vorne: Stefan Weigler. Er weiß aber, dass alles erst richtig fruchten kann, wenn die Ortsumgehung kommt


VIER FÜR WOLGAST

Museumschefin Dr. Barbara Roggow hat dafür gesorgt, dass Wolgast Kulturinteressierten eine vielfältige Bühne bieten kann


Kerstin Schmitt arbeitet in der Schokoladenmanufaktur von Torsten Riel (Lange Straße 15). Pralinenkünstler Riel kam aus Halle in die alte Herzogstadt


Managt die mit Tourismuspreisen bedachte Jugendherberge „100Haus“ (Foto) und die Familienpension „Postel“ als Geschäftsführer: Wolgast-Förderer Martin Schröter


Nun ist Wolgast nach 1990 erst mal eine Stadt kontinuierlichen Aderlasses gewesen. 1994 war der Kreisstadt-Status weg, 2006 und 2015 wurden Finanzamt und Amtsgericht nach Greifswald verlegt. Die Peene-Werft schwächelte immer mal wieder.

Inzwischen ist zumindest die Bevölkerungsabwanderung gestoppt: „Wir wachsen vor allem in der Gruppe der bis 20-Jährigen. Und sind eine der wenigen Gemeinden, die dennoch den Bedarf an Kindergartenplätzen zu 100 Prozent abdecken können“, freut sich Weigler.

Ein Bummel durch die Stadt zeigt, der Wind dreht sich. Es wird saniert und aufgehübscht. Aus der leer stehenden Post etwa ist die pfiffige und moderne Herberge „Postel“ geworden, die alte Mädchenschule lockt heute als Jugendherberge. Beide Projekte heimsten zuletzt Tourismuspreise ein.

Ein Altstadtbummel führt uns u. a. in die prächtige Kirche St. Petri, ans historische Rathaus und zur Schokoladenmanufaktur von Torsten Riel, der seine florierende Pralinenproduktion von Halle nach Wolgast verlegte. „Weil ich an die Stadt glaube.“ Um das zu unterstreichen, übernahm er neulich auch noch das Traditionscafé „Biedenweg“. Vier Museumsstandorte wirft die Stadt ins Rennen, darunter das Stadtgeschichtliche Museum „Kaffeemühle“ und eine einzigartige Dampffähre im Museumshafen. Garant dieser Vielfalt ist die langjährige und im Sommer ausscheidende Museumschefin Dr. Barbara Roggow. Ihr Nachfolger, Stefan Rahde, steht in den Startlöchern, mit frischen Ideen. „Warum nicht das untergegangene Schloss der Herzogstadt zumindest als 3-D-Animation wiederauferstehen lassen?“, fragt er. Und könnte nicht auch die etwas verschlafen wirkende Schlossinsel neben Ausflugsschiffen wie dem Dreimaster „Weiße Düne“ noch etwas mehr Dynamik vertragen? Ein „richtiges“ Hotel etwa – neben all den kleinen Herbergen? Auch eine Art „Usedom Welcome Center“ könnte Gäste elektrisieren … Von einem Ort wie dem Müritzeum, das in Waren einen Erlebnisraum für die ganze Seenplatte geschaffen hat, darf hier geträumt werden.


Wie kriegt man Menschen dazu, an diesem schönen Hafen zu schlafen?


Fakt ist: Deutlich mehr als das mickrige Prozent, das der Tourismus heute in der Stadt erwirtschaftet, muss künftig drin sein. „Hilfreich wäre es, Wolgast auch formal mehr touristische Bedeutung zuzumessen“, hofft der Bürgermeister. Anerkannter „Erholungsort“ wäre ein guter Anfang. Zumal wenn dann auch die „Bäderregelung“ zur Anwendung käme, die z. B. Sonntagsöffnungszeiten garantiert. Die Prüfungen der zuständigen Kommission laufen und, so hört man, treffen auf ein positives Echo …

Das Bestehende herausstellen, Neues hinzufügen: Alle Anstrengungen Wolgasts werden sich jedoch stets an der Verkehrssituation messen lassen müssen. Die Idee, den Verkehr südlich der Stadt über eine neue Brücke nach Usedom fließen zu lassen, reicht weit zurück, fordert einen sicher dreistelligen Millionenbetrag – und kennt seit jeher viele Einwände. 2025 könnte es dennoch so weit sein, hoffen Antreiber wie Weigert. Bis dahin wird weiter der Stau Wolgasts Wollen die Grenzen setzen …

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FOTOS: Michael Handelmann für SUPERillu

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