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Heinkel He 177 A-5 I Maßstab 1:72 I Baubericht: Revells gut aufgelegter Heinkel-Viermot-Bomber: Der greise Greif


ModellFan - epaper ⋅ Ausgabe 2/2020 vom 20.01.2020

Zum vierten Mal seit dem Jahr 2000 bringt Revell nun die 72er He 177 A in den Handel. Heinz Spatz greift dem schon etwas betagten Vogel in der Version A-5 ins Gefieder und zeigt, wie man ihm neuen Schwung verleihen kann


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Bildquelle: ModellFan, Ausgabe 2/2020

Aufwendige und wilde Camouflage: Die eigentliche Tarnung in RLM70 und RLM71 verschwindet fast völlig unter den Mäandern


Seit der ersten Vorstellung dieses Kits sind fast 20 Jahre vergangen. Der Fortschritt im Modellbau zeigt inzwischen, dass mittlerweile doch ein paar Schwächen zu erkennen sind, die aber Revell durch bessere Formenpflege und Spritzqualität verbessern könnte. Vielleicht bis ...

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... zur nächsten Wiederauflage? Insbesondere sind auf den Außenseiten der Höhenruder Auswerfermarken zu erkennen. Auch könnte die Form für die Klarsichtteile eine ordentliche Politur gebrauchen. Dann wären die Verglasungen auch wieder gut durchsichtig, ohne Kratzer. Und als letztes Manko waren die Räder an den Flanken stark eingefallen, was an der Fertigung selbst lag. Da möchte ich allerdings Revell Danke sagen, dass Sie mir recht schnell perfekten Ersatz zukommen ließen. Trotzdem handelt es sich aber um einen wirklich guten Bausatz.

Die Abziehbilder sind auch sehr detailliert und bieten alle erdenklichen Wartungshinweise. Um das Modell aufzupeppen, besorgte ich mir MG-Rohre von Master und Schatton sowie ein MG-81 und einen Ätzsatz von eduard, was später das Abkleben der vielen Fenster erleichterte. Damit war dann alles von mir Gewünschte vorhanden und der Bau konnte beginnen.

Ätzteile brauchen Vorarbeiten

Will man Ätzteile verwenden, sind Vorarbeiten unvermeidbar. Insbesondere diverse, auf den Bausatzteilen aufgeprägte Details müssen häufig erst mal entfernt werden, um sie dann durch Ätzteile zu ersetzen. Bei diesem Modell müssen auch die serienmäßig auf den Sitzen aufgeprägten Gurte entfernt werden. Das Cockpit der He 177 ist recht groß und komplex und es wurden schon dort zahlreiche Ätzteile verbaut. Diesmal keine vorgedruckten von eduard, sondern welche zum Selberbemalen und einem Film für die Armaturen. Daher mussten die Teile bereits vor dem Verkleben fertig bemalt sein (13). Nachdem ich das Cockpit und den Heck-Waffenstand fertig hatte, konnte ich den Rumpf zusammenkleben. Dabei benötigten insbesondere der B-1 Visierstand und der B-2 Stand auf dem Rücken einige Spachtelarbeit (4, 5).

Große Flächen für viele Linien. Die Mäanderlackierung erfordert einige Geduld


Die nächste Baustelle war die Verglasung am Bug. Hier gab es leichte Stufen und Spalte, die ich mit Wachsspachtel verschloss (6). Da ich eine Lötstation mit regelbarer Temperatur besitze, habe ich für meinen Lötkolben eine Spitze aus Messing selbst hergestellt, so wie ich am besten damit arbeiten kann. Inzwischen waren die Ersatzräder von Revell angekommen. Die eingefallenen Räder aus dem Bausatz hätten sich nur mit großer Mühe und auch nicht perfekt ausbessern lassen (7). Die auffallenden Rippen an den Reifen mussten weg. Dazu habe ich keine Fotos gefunden und sie machen auch keinen Sinn. Auch habe ich schon mal die Cowlings und Propeller zusammengebaut. Für erstere gab es schöne Ätzteile für die Kühlrippen, die auch noch am fertigen Modell gut sichtbar sind (8).

Weitere separat bearbeitete Teile sind natürlich die Abwehrwaffen. Um die MG-Rohre einzusetzen, mussten die alten abgeschnitten und an deren Stelle ein Loch gebohrt werden. Dann konnte ich die gedrehten Rohre einkleben: und fertig (9).

1 Das annähernd fertige Cockpit. Leider ist davon später trotz der vielen Fenster wenig zu sehen


2 Die vielen kleinen Hebelchen mussten einzeln angebracht werden. Reine Nervensache


3 Die Innenwände sind wie alles im Cockpit behandelt. Auch hier finden sich Ätzteile


4 Rumpf zusammen, Cockpit fertig. Wenn dann nicht das Spachteln und Schleifen wäre…


5 Auch beim B-2-Stand passt es nicht so ganz. Das erhöht den Verbrauch an Spachtelmasse. Aber da muss man durch


6 Die Stufe vom vorderen Glasteil zum Rest ist mit Wachsspachtel angepasst, die Spalten sind geschlossen


Aufwendige Lackierung

Bei dem Bausatz kann man zwischen zwei Lackierungen auswählen. Beide erst mal mit der Standardlackierung für Bomber in RLM65/70/71. Der Unterschied sind hier, neben der unterschiedlichen Tarngrenze der Ober- und Unterseite, die zusätzlichen Flecken an Rumpf und Unterseite in RLM76 bei der F8+KP und der Mäander in der gleichen Farbe auf der 6N+DN. Vor über zehn Jahren hatte ich das Modell schon mal gebaut. Damals in Grau mit dunklen Flecken auf Rumpf und Oberseiten. Daher wollte ich nicht noch mal Flecken, auch wenn diese Farbgebung seinen Reiz hat. Also war die Entscheidung zugunsten der sicherlich aufwendigeren Lackierung gefallen. Davor stand wie immer erst mal das Maskieren an. Die zahlreichen Glasscheiben konnten mit den Masken von eduard erledigt werden, doch für die Ringkühler der Motoren musste ich mir eigene Masken erstellen. Dabei half der hervorragende Kreisschneider von Dspiae, den ich mir mal vor ein paar Jahren gekauft hatte. Er hat zwar einen stolzen Preis, ist aber ausgesprochen praktisch und ihn möchte ich daher nicht mehr missen. Man kann damit Kreise von einem bis über 40 Millimeter schneiden, und das recht präzise.

Diesmal wurde nur eine PC 1400 X „Fritz X“ unter den Rumpf gehängt. Drei wären insgesamt möglich


7 Die Räder unten sind stark eingefallen. Schleifversuche führten zu keinem guten Ergebnis. Hilfe kommt von Revell


8 Zur Darstellung der Ringkühler kommen jeweils zwei Ätzteile aus dem Satz von eduard zum Einsatz


9 Die MG-Läufe: von Master zwei MG 151/20, von Schatton die MG 131 und von eduard das komplette MG 81


10 Den Kreisschneider möchte man nicht mehr missen. Runde Masken wie auf dem Bild sind damit kein Problem


11 Die spartanisch maskierte Unterseite. Das RLM65 ist nicht ganz deckend aufgetragen


12 Erst mal RLM71 über alles. Auch diese Farbe ist alterungsbedingt etwas unregelmäßig auflackiert


13 An einem großen Modell muss viel maskiert werden. Das erfordert entsprechend Zeit und Sorgfalt


14 Erster Versuch der Mäander. Leider nicht so ganz überzeugend, da die Deckkraft noch zu gering ist


15 Nach dem zweiten Versuch sieht das Ganze besser aus und es bleibt dann auch dabei


Für die besagten Masken wurden Ringe benötigt. Dafür habe ich erst mal den äußeren Kreis geschnitten und dann das Gerät für den inneren eingestellt, aber ohne den Kreisschneider von der Stelle zu bewegen, um konzentrische Kreise schneiden zu können. Dieses Vorgehen erfordert Übung, führt aber zu sehr guten Ergebnissen (10). Nach der Lackierung der Unterseite mit RLM65 klebte ich schon mal die Fahrwerksbeine an (11). Das schützt vor Beschädigungen des Lacks. Die Oberseite bekam dann zuerst RLM71 (12) und nach einer aufwendigen und zeitraubenden Maskierung das RLM70 auflackiert (13).

Mut ist gefragt

Nach dem Aufbringen der zahlreichen Abziehbilder wurde es dann langsam spannend. Es hört sich ja erst mal recht einfach an: dünne Linien wild geschnörkelt aufspritzen. Im Detail wird es aber kompliziert, denn es gibt einige Parameter, die über Wohl und Wehe entscheiden. Erst mal ist die Frage, welchen Airbrush man denn verwendet. Da kommt es auch auf die Düsengröße und den Arbeitsdruck an. Dann ist da natürlich auch noch die Farbe. Hier gibt es einige Unterschiede, was den Farbentyp/Hersteller betrifft und natürlich auch den Verdünnungsgrad und die Art des Verdünners. Von anderen Faktoren wie zum Beispiel der Raumtemperatur ganz abgesehen. Für eine möglichst dünne Linie, die so wenig wie möglich Sprenkel aufweist und auch keine Tropfenbildung zeigt, braucht es einige Übung und auch einiges an Herumprobieren. Ich versuche mal zu erläutern, wie ich es anstellte: Ich verwendete eine Evo Silverline mit einer 0,15 Millimeter starken Düse und einem Druck von etwa 1,2 Bar.

Neben dem Druckregler hab ich noch ein Luftmengenventil direkt an dem Airbrush. Dieses öffnete ich um zirka 80 Prozent. Als Farbe kam von MRP das RLM76, Nr. 66, zum Einsatz. Da diese Farben schon fertig verdünnt sind, erübrigte sich das teils mühsame Einstellen der Farbe auf den richtigen Verdünnungsgrad. Nach ein paar Versuchen auf einer schwarzen Kunststoffplatte fühlte ich mich bereit und begann mit der Lackierung. Das Ergebnis gefiel mir aber nur bedingt, insbesondere, wenn man die Fotos des Originals als Vergleich heranzieht (14). Die Linien waren deutlich zu schwach deckend. Aber zumindest gab es keine Sprenkler oder Nasen.

Nach einigem Hin und Her, denn schließlich gingen die Mäander über viele Abziehbilder, entschied ich mich, alles noch mal nachzuziehen. Das führte dann leider zu einigen Stellen, wo die Linien zu breit gerieten oder es gab Kleckse. Das habe ich dann ausgebessert, nachgezogen, noch mal ausgebessert und noch mal nachgezogen. Nach etwa vier Durchgängen war ich dann soweit zufrieden und durch. Im Vergleich zum Original zwar immer noch nicht so deutlich und auch mit deutlich weicheren Kanten, aber besser bekam ich es einfach nicht hin (15, 16).

Auch ein schöner Rücken kann entzücken. Die He 177 ist in 1:72 schon recht groß


16 Die Mäander laufen auch über die zuvor aufgeklebten Abziehbilder. Deshalb gibt es für Korrekturen kaum Raum


17 Das Spornrad. Der weiße Ring als Markierung eines leitfähigen Reifens ist per Airbrush auflackiert


18 Die Räder werden so maskiert, dass die Laufflächen etwas heller als die Flanken lackiert werden können


Entspannt zum Ende

Nach dieser etwas aufreibenden Aktion standen dann nur noch diverse Restarbeiten an. Die Räder habe ich bereits fertig lackiert, nachdem ich sie zuvor mit etwas Schleifpapier geplättet hatte. Daher konnten diese nun montiert werden. Dazu habe ich erst mal das Spornrad in die Gabel geklemmt und so hingedreht, dass das Modell auf der flachen Stelle stand. Dann habe ich je Seite erst mal ein Hauptrad auf die Fahrwerksbeine gesteckt und das Modell so hingestellt. Nun wurde das Spornrad ohne Anheben des Modells festgeklebt. Das geht gut mit einem Kleber mit Kanüle (Faller Expert) oder einem feinen Pinsel (Tamiya extra thin). Erst einen Tag später habe ich die ersten Hauptfahrwerksräder (jeweils die äußeren) angeklebt. Nach einem weiteren Tag waren dann die beiden übrigen dran. So bekam ich alle Räder genau positioniert ans Modell. Nach der Alterung habe ich dann nur noch die winzigen Visiere an die MG angeklebt.

Der Bau hat Spaß gemacht, ich bin mit dem Ergebnis zufrieden. Im Vergleich zu meinem Kit vor über zehn Jahren stellte ich schon eine gewisse Verbesserung meines Könnens fest. Damals verwendete ich die Ätzteile von Extratech und Zurüstteile für Motor und Fahrwerk von CMK. Letztere lohnen sich, wenn man den besonderen Antrieb zeigen möchte. Die Ätzteile sind gegenüber denen von eduard nicht schlechter. Aber es gibt in jedem Satz Dinge, die beim jeweils anderen fehlen. Da müsste man fast beide nehmen.

Als Heinz Spatz, Baujahr 1970, mit acht Jahren eine Brewster Buffalo in 1:72 von Revell geschenkt bekam, war sein Schicksal besiegelt. Zwischenzeitlich baute er auch Militärfahrzeuge, doch kam er vor etwa zehn Jahren wieder zurück zu den Flugzeugen. Schon immer schaute er aber über den Tellerrand und baute Autos und Raumschiffe, seit Neuestem zusätzlich Schiffe in 1:350. Man kann ihn auch hin und wieder auf Ausstellungen treffen, wenn er dort mit seinem Club, dem PMV-Augsburg, in dem er seit 1989 Mitglied ist, teilnimmt.

Das Vorbild: Heinkel He 177 A-5

Heinkel He 177 A-5


Foto: Bundesarchiv_Bild_101I-676-7969A-23

Großbomber hatten bei der Führung des „Dritten Reichs“ keine Priorität. Eine Ausnahme war hier die He 177, die man bereits vor Kriegsbeginn entwickelt hatte und die am 20.11.1939 zum Erstflug abhob. Um einen möglichst ge ringen Luftwiderstand zu generieren und trotzdem ausreichend gute Flugleistungen zu erreichen, entschied man sich für zwei Doppelmotoren, die jeweils eine Luftschraube antreiben sollten. Die Wahl fiel zuerst auf den bewährten DB 601. Der aus zwei dieser Motoren entstandene Doppelmotor bekam die Bezeichnung DB 606. Spätere Versionen der He 177 hatten Doppelmotoren des Typs DB 610, bestehend aus zwei DB 605.

Alle gemeinsam hatten das Problem der unzureichenden Kühlung, da der Motorraum sehr eng war und die großen Motoren eine Menge Wärme entwickelten. Dadurch entstanden häufig Motorbrände, die zum Verlust der Flugzeuge und häufig auch der Mannschaften führten. Erst ab der Version A-5 besserte sich die Situation. Auch sonst wurde der „Greif“ mit einigen Innovationen ausgestattet, so zum Beispiel mit einem ferngesteuerten Waffenstand auf dem Rücken. Der sogenannte B-1-Stand wurde vom davorliegenden B-1-Visierstand bedient, der auch als Astrokuppel diente. Mit die wichtigste Waffe der He 177 waren ferngesteuerte Gleitbomben wie die PC 1400X „Fritz X“ und Hs 293, mit denen einige Erfolge gegen Seeziele erreicht wurden. Obwohl weit über 1000 Bomber diesen Typs entstanden, waren die Einsätze und deren Wirkung eher überschaubar, was nicht zuletzt am Konzept der Einsätze lag.


Fotos, sofern nicht anders angegeben: Heinz Spatz