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HEISSE HECHTE


Blinker - epaper ⋅ Ausgabe 80/2021 vom 09.07.2021

HECHT

Artikelbild für den Artikel "HEISSE HECHTE" aus der Ausgabe 80/2021 von Blinker. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.
Na bitte, geht doch! Ein schöner Sommer-Hecht hat sich den Gummifisch geschnappt und hängt sauber am Drilling. Am einzigen Drilling! Denn das gehört zum ?Sommerkonzept?.

Hechte sind Kaltwasserfische und lassen sich bei warmen Sommertemperaturen gar nicht so einfach fangen. Aber trotz der Tatsache, dass unsere Sommer immer wärmer werden, kann man Hechte fangen, manchmal sogar richtig gut!

Dabei kommt es darauf an, wo man angelt! Erwarten Sie keine Bisse im aufgewärmten Flachwasser, das hat jetzt für uns Menschen Badetemperatur und ist für die Hechte zu warm.

Angeln Sie in tiefen Seen und Talsperren. Wenn dort noch ein kräftiger Wind weht, ist das Hechtangeln oft fantastisch!

VOM KÜCHENFISCH ZUR GESCHÜTZTEN ART

Als Jugendlicher habe ich nicht vor Ende September auf Hechte geangelt. Der Hecht galt bei uns in Holland als Küchenfisch und stand unter hohem Angeldruck. Ende der 1960er Jahre war es damit jedoch vorbei. Hechte wurden nun als Schlüsselfaktoren im Bewirtschaften von Fischbeständen gesehen. Denn man erkannte, dass die Weißfischbestände wegen der zu wenigen ...

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... Hechte explodierten. Unter anderem entstand so ein Algenproblem in unseren Gewässern. Aus diesem Grund sind Hechte in Holland geschützt und müssen zurückgesetzt werden! Außerdem wurde eine Hechtschonzeit eingeführt, damit sich die Hechtbestände erholen konnten. Es funktionierte! Doch es brauchte eine lange Zeit, bevor einige der großen Seen so klar wurden, dass sich die Hechte darin wohlfühlten. Daher angelten wir damals eher in den Poldern und Kanälen. Heute ist der Hechtbestand ausgezeichnet, und auf allen großen Seen sind zu jeder Jahreszeit „Hecht-Boote“ auf dem Wasser. Das Hechangeln in Holland kann übrigens sehr gut sein, aber gleichzeitig auch sehr kompliziert. Die Hechte stehen manchmal in sehr flachen Gewässerzonen, dann aber auch wieder in den tiefen Bereichen der Seen.

HECHTE VERTRAGEN MEHR WÄRME ALS VIELE ANGLER GLAUBEN

Viele Angler glauben, dass im Hochsommer alle Hechte in kaltes oder kühleres Wasser ziehen. Das erinnert mich an einen Artikel in der Amerikanischen Angelzeitschrift „In-Fisherman“, wo der Hecht als „Coolster unter allen Coolen“ beschrieben wurde. Und ich nahm das so hin – bis ich vor 25 Jahren meinen ersten Musky-Trip unternahm! Was mich völlig verblüffte: Für jeden Musky im Boot fingen wir mehr als ein Dutzend Hechte. Und das an ausgewiesenen Musky-Stellen!

Man muss dabei wissen, dass der Musky warmes Wasser liebt. Doch genau in diesem warmen Wasser fingen wir in Kanada auch die „Northern Pikes“, bei denen es sich um unseren Europäischen Hecht handelt. Ob das mit dem „Coolster unter allen Coolen“ vielleicht doch nicht stimmen sollte? Und so begannen wir auch in den Niederlanden in warmem Wasser zu fischen und fingen viele Hechte im Flachwasser.

IM SOMMER IST SCHNELLIG- KEIT BEIM HECHT GEFRAGT!

Bevor wir jedoch über den Fang sprechen, sprechen wir darüber, wie wir SommerHechte zurücksetzen: In flachem Wasser sind die Sauerstoffwerte meist recht niedrig. Bei einer Wassertemperatur von 20 Grad beträgt der Sauerstoffgehalt ungefähr 9 Milligramm pro Liter, was für den Hecht noch ausreicht. Liegen die Wassertemperaturen um die 25 Grad, riskiert man das Wohlergehen der Räuber, wenn sie zu lange drillt und für das Zurücksetzen zu lange braucht!

„IST DER HECHT DER COOLSTE UNTER ALLEN COOLEN?“

Wenn man im Hochsommer einen Hecht zurücksetzt, dann muss es also sehr schnell gehen. Am besten landet man den Fisch mit der Hand. Dann löst man den Haken mit minimalem Körperkontakt.

Die Lösezange muss bereit liegen. Man sollte den Fisch schon im Wasser abhaken und wenn man ein Foto schießt, dann ganz schnell. Sommer-Hechte sollten nie länger als drei Minuten ihrem Element entnommen werden!

SOMMER-HECHTE STEHEN OFT NUR DREI METER TIEF

Wenn sich das Wasser noch weiter erwärmt, stellen die Hechte das Fressen ein und ziehen in kälteres tiefes Wasser. In vielen Fällen findet man dort die Ränder von Krautfeldern, aber auch Scharkanten – und an solchen Stellen halten sich Hechte gerne auf. „Tief “ kann also nur drei Meter bedeuten, doch dort ist es schon deutlich kühler als im Flachwasser!

Seit einiger Zeit hat sich der Untergrund unserer Gewässer verändert. Wo wir früher viel offenes Freiwasser hatten, wächst nun mehr und mehr Kraut, und dieses macht das Angeln auf Sommerhechte kompliziert.

Das Hechtkraut bildet zum Beispiel einen regelrechten Dschungel! Von oben sieht die Krautdecke sehr dicht aus aber darunter gibt es Raum zum Jagen und Fressen und da muss unser Köder hin. Zumindest in der Theorie, denn an manchen Stellen ist das schlicht unmöglich.

VON WEGEN: SANDFLÄCHEN SIND VÖLLIG TOT!

Das klingt frustrierend, hilft aber den Hechten und auch uns! Das Kraut bietet den Hechten die Möglichkeit, sich auszuruhen, ohne durch uns Anglern belästigt zu werden. Und schon Ende August nimmt der Krautwuchs im immer noch warmen Wasser ab und ermöglicht uns ein gutes Hechtangeln.

Und in der Zeit davor? In dieser gibt es immer noch genügend Lücken in den riesigen Krautfeldern.

„VON WEGEN, IM SOMMER BEISSEN DIE HECHTE NICHT!“

DAS RICHTIGE TIMING FÜR DIE SOMMER-HECHTE

Interessanterweise fange ich immer wieder Hechte auch über unbewachsenem Sandboden! Der Untergrund sieht nach einer Sandwüste aus, die mit einzelnen Krautfeldern durchsetzt ist. Über diesem Leopardengrund fange ich nicht nur hervorragend Hechte, sondern auch schöne Zander!

Vor allem in den frühen Morgenstunden oder im letzten Abendlicht kommen die Fische an solchen Stellen ins Flachwasser. Angler mit geschultem Auge sehen Brassen an den Krautfeldern, die hier abends fressen. Da sind die großen Räuber nicht weit!

Unterschätzen Sie daher diese Sandflächen nicht. Vielleicht fängt man an solchen Stellen tagsüber nichts, aber morgens und abends sind diese Bereiche super!

Die Tage im Sommer sind lang und heiß. Und häufig sind wir Angler nicht die Einzigen auf dem Wasser. Man mus schon früh auf dem Wasser sein, um seine Ruhe zu haben. Doch das passt gut zu den Beißzeiten der Sommer-Hechte. Die Hechte beißen am besten von Sonnenaufgang bis in den Vormittag. Um die Mittagszeit geht dagegen kaum etwas. Also warum sollte man Energie verschwenden, wenn die Fische ohnehin nicht fressen?

Machen Sie eine Pause und ruhen Sie sich bis zum späten Nachmittag aus, denn auch die Abendstunden können tolle Fische bringen!

Und wenn man schon am Nachmittag auf dem Wasser ist, sollte man einfach mal schleppen. Okay, das ist ein bisschen langweilig, auch ich werfe lieber.

Doch ich weiß ja, dass die Hechte im Sommer nachmittags noch sehr lethargisch sind und daher muss man „Fläche machen“, um aktive Hechte zu finden.

Beim Schleppen fische ich mit zwei Ruten: eine kürzere in der Hand und die längere Rute im Rutenhalter.

Die Rute in der Hand können Sie aktiv fischen, indem Sie diese heben und senken. Ein guter Trick ist es außerdem, das Boot in einem Zick-Zack-Kurs zu fahren. So beschleunigt man die Köder und verlangsamt sie dann wieder. Oft macht diese Köderführung den Unterschied zwischen Fangen und Nichtfangen aus!

Ich mag keine zu langen Vorfächer beim Werfen, aber beim Schleppem sind sie von Vorteil. Klemmen Sie ein wenig Blei auf das Vorfach, um den Köder abzusenken – aber auch, damit das Blei treibendes Kraut einsammelt. So bleibt Ihr Köder länger krautfrei.

Wenn die Rute sich stärker durchbiegt, schlagen Sie einige Male kräftig an, um das Kraut zu entfernen. Hilft das nicht, müssen Sie den Köder einholen, um ihn vom Kraut zu befreien. Diese „Arbeit“ muss leider sein, wenn man Hechte fangen will.

IM FLACHWASSER BEI SON- NENAUFGANG BEGINNEN

Wenn wir schon vor Sonnenaufgang auf dem Wasser sind, steuere ich zuerst ins Flachwasser. Hier braucht man flach laufende Jerkbaits oder für experimentierfreudige Angler auch Popper oder andere Oberflächenköder. Es ist immer enorm spannend, an der Oberfläche zu fischen. Die harten Attacken der Hechte sind spektakulär!

Ein Problem bei den Oberflächenködern ist es, den Anhieb richtig zu setzen. Viele Angler schlagen schon an, wenn sie den Schwall des Fisches an der Oberfläche sehen, aber das sollte man auf keinen Fall tun! Vielmehr muss man warten, bis man den Fisch in der Schnur spürt. Nur dann hat man eine Chance, dass der Haken sicher fassen kann.

Geben Sie also nicht zu schnell auf und meinen Sie nicht, dass nur Sie Fische auf Oberflächenköder verlieren. Auch erfahrene Angler machen diese Erfahrung, nehmen dies aber wegen der explosionsartigen Bisse in Kauf.

Man kann aber auch mit flach laufenden Gummifischen angeln. In den Angelläden gibt es schon fertig montierte Gummifische. Konzentrieren Sie sich dabei auf Köder mit nur einem Drilling. Ein Drilling reicht aus und man kommt besser mit dem Kraut klar.

EIN DRILLING AM GUMMI- FISCH REICHT WIRKLICH!

Man kann die Köder aber auch selber mit einem Stahlvorfach mit Drilling ausstatten. Auch hier kommt es darauf an, dem Kraut ein Schnippchen zu schlagen und die perfekte Köderbalance zu finden.

Dabei braucht man keine Big-Baits, um große Hechte zu fangen. Die meisten Beutefische sind kleiner als 25 Zentimeter und viele Hechte sind auf kleinere Beutefische spezialisiert. Ist es für die Hechte eventuell einfacher, zwei kleine als einen großen Beutefisch zu fangen? Ich weiß es nicht. Und ich weiß auch nicht, warum manche der Riesenköder mit XXL-Drillingen ausgestattet sind, die einem Hecht so richtig schaden!

EIN DRILLING AM GUMMI- FISCH REICHT WIRKLICH!

Ich persönlich fische Gummifische bis 25 Zentimeter mit nur einem Drilling, alles darüber, was ich aber selten mache, mit zwei Drillingen. Wo wir gerade beim Thema Drilling sind, hier noch ein Tipp: Gummifische verjüngen sich nach hinten. Verwenden Sie daher Drillingsgrößen, bei denen die Hakenspitzen nur wenige Millimeter vom Gummifisch abstehen. So bleibt der Köder länger krautfrei. Stehen die Haken nur einen halben Zentimeter zu den Seiten ab, fängt man nur Kraut. Bevor Sie jetzt auf Sommer-Hechte gehen, habe ich noch eine Bitte: Wenn Sie Catch & Release praktizieren, seien Sie sehr schnell beim Zurücksetzen des Hechtes. Das Fangen von Sommer-Hechten bringt eine Riesenfreude, aber das Fischwohl sollte an erster Stelle stehen.

Ich wünsche Ihnen eine gute Zeit auf dem Wasser – und vergessen Sie die Sonnencreme nicht!