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Heizen mit Öl oder Gas Fossil, aber nicht von gestern


ÖKO-TEST Spezial Wohnen und Leben - epaper ⋅ Ausgabe 9/2011 vom 02.09.2011

Trotz aller Innovationen und medialer Aufmerksamkeit für erneuerbare Energien machen die fossilen Energieträger, vor allem Erdgas, bei Heizsystemen immer noch das Rennen. Wenn schon nicht erneuerbar, dann wenigstens hocheffizient, lautet die Devise.


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Bildquelle: ÖKO-TEST Spezial Wohnen und Leben, Ausgabe 9/2011

Nach Angaben des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) wurde im vergangenen Jahr die Hälfte aller 160.000 neu gebauten Wohnungen mit einer Erdgasheizung ausgestattet. Wärmepumpen hatten einen Anteil von 23,8 Prozent, gefolgt von Fernwärme mit 13,6 Prozent. Weit abgeschlagen in dieser Wertung sind Ölheizungen, die nur noch in 1,8 Prozent ...

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Nach Angaben des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) wurde im vergangenen Jahr die Hälfte aller 160.000 neu gebauten Wohnungen mit einer Erdgasheizung ausgestattet. Wärmepumpen hatten einen Anteil von 23,8 Prozent, gefolgt von Fernwärme mit 13,6 Prozent. Weit abgeschlagen in dieser Wertung sind Ölheizungen, die nur noch in 1,8 Prozent aller Neubauten zum Einsatz kamen. Sonstige Heizungssysteme, darunter vor allem Holzpelletheizungen, wurden in 9,4 Prozent der Gebäude installiert, Stromheizungen immerhin noch bei einem Prozent. Damit wurde im Jahr 2010 beim Bestand aller 38,2 Millionen Wohnungen in Deutschland schon knapp die Hälfte mit Erdgas beheizt. Nur noch knapp 30 Prozent nutzen Heizöl.

Gas-Brennwertgeräte

Die Vorrangstellung von Erdgasheizungen hat zahlreiche Gründe: Gas-Brennwertgeräte benötigen wenig Platz und verwerten die Energie zu fast 100 Prozent. Vor allem gehören sie zu den preiswerteren Heizungssystemen. Circa 4.500 bis 6.000 Euro kostet ein Gas-Brennwertgerät inklusive Solarspeicher und Regelung; ohne Speicher und Montage kommt die Gasheizung schon ab etwa 3.000 Euro ins Haus. Viele Installateure geben zudem auf die Listenpreise attraktive Rabatte. Nicht zuletzt ist Erdgas in vielen Baugebieten vorhanden, weil sich die kommunalen Energieversorger damit ihren Absatz sichern.

Effizienz dank Wärmerückgewinnung

Mehr schafft kein normaler Heizkessel: Brennwertgeräte verwerten bis zu 97 Prozent der im Erdgas enthaltenen Energie. Denn anders als ihre veralteten Vorgänger, die Niedertempe raturkessel, nutzen sie zusätzlich zum Heizwert des Erdgases noch die im Wasserdampf des Abgases enthaltene Kondensationswärme. Damit das funktioniert, werden Abgase und kühles Heizwasser aneinander vorbeigeleitet. Das Abgas muss dabei auf höchstens 55 Grad Celsius abkühlen; dann kann es nicht mehr so viel Wasserdampf speichern. Der Wasserdampf kondensiert auf den Flächen des Wärmetauschers und gibt dabei zusätzliche Wärme ab – die Kondensationswärme. Den Energiegewinn daraus nennt man Brennwert.

Verglichen mit einem Niedertemperaturkessel, der die Abgase ungekühlt durch den Schornstein hinausbläst, nutzt dieser nachgeschaltete Vorgang die im Gas enthaltene Energie um 10 bis 15 Prozent besser aus. Damit der Brennwerteffekt eintritt, müssen Brennwertkessel mit großen Heizflächen kombiniert werden, sodass das Heizwasser möglichst kühl wieder beim Kessel ankommt. Ideal dafür sind Fußboden- oder Wandhei zungen. Bei Heizkörpern sollte deren Größe auf die Brennwertnutzung abgestimmt sein, damit das Haus auch bei niedrigen Heizwassertemperaturen warm wird. Wer sein Haus komplett dämmt und eine neue Heizung einbauen lässt, kann die alten, großen Heizkörper also ruhig an ihrem Platz belassen. Mit niedrig temperiertem Heizwasser versorgt, passt die Kombination aus Alt und Neu meist gut. Diese Daumenregel kann eine Heizbedarfsberech nung ohne den früher üblichen massiven Sicherheitsaufschlag durch den Installateur aber nicht ersetzen. Bei sehr kalten Außentemperaturen oder schlecht gedämmten Häusern reichen die niedrigen Heißwassertemperaturen nich aus, die Geräte schalten dann automatisch hoch.

Die Mess- und Leistungswerte der auf dem deutschen Markt verfügbaren Kessel unter scheiden sich in vielerlei Hinsicht nur wenig. Das zeigt, dass die technische Entwicklung auf einem hohen Stand quasi ausgereizt ist. Nahezu alle Geräte erfüllen die Anforderungen des Umweltzeichens Blauer Engel, auch wenn zurzeit nur ein Modell zertifiziert ist. Immer mehr Hersteller binden die Nutzung von Solarenergie in ihre Geräte mit ein. Zum Beispiel sehen die dazugehörigen Warm- oder Pufferspeicher eine Anbindung der Solaranlage serienmäßig vor. Oder die Regelung ist so programmiert, dass der Energieertrag von der Sonne optimiert wird. Der Warmwasserspeicher wird erst später am Tag aufgeheizt, wenn die Sonne hoffentlich ihren Beitrag geleistet hat. Frieren muss bei trübem Wetter trotzdem niemand, Komfort geht vor.

Gas-Brennwertgeräte können gegenüber Ölkesseln ihre Leistung stufenlos bis hinunter auf etwa 20 Prozent der Maximalleistung anpassen. Das hat den Vorteil, dass sie auch in der Übergangszeit und in sehr gut gedämmten Häusern effizient arbeiten, bei Bedarf aber auch den Badesamstag einer vierköpfigen Familie rasch mit Hunderten Litern warmen Wassers versorgen. Trotzdem sollte man darauf achten, dass der Installateur einen Kessel mit der passenden Leistungsstufe einbaut. Denn überdimensionierte Kessel haben so viel Leistung, dass sie den Wärmebedarf in der Übergangszeit in sehr kurzer Zeit bereitstellen. Entsprech end oft schalten sie ein und wieder aus. Dieses Takten kostet Energie und erhöht den Schadstoffausstoß.

Lieferbar sind Wandgeräte und bodenstehende Modelle. Beide Typen benötigen sehr wenig Platz, vor allem wenn der dazugehörende Warmwasserspeicher unter oder neben dem Kessel montiert wird. Schon ein halber Quadratmeter Bodenfläche reicht aus, sodass man die Kessel auch in der Küche, im Flur oder im Bad aufhängen beziehungsweise in eine Nische stellen kann.

Leise, aber nicht geräuschlos

Neben dem Schlafzimmer sind Gas-Brennwertgeräte nicht so gut aufgehoben, da die Brenner, Ventilatoren und Pumpen der Kessel nicht geräuschlos arbeiten. Bei Wänden in Leichtbauweise kann es zu unangenehmen Dröhn geräuschen kommen. Um Resonanzen zu verhindern, sollten solche Wände mit stabilen Platten verstärkt werden. Auch wenn man ihn nicht unbedingt braucht, da Gaskessel auch als Durchlauferhitzer arbeiten können: Einen Warmwasserspeicher sollte man wegen des deutlich höheren Komforts dazubestellen. Abhängig von der Zahl der Hausbewohner und den Bade- und Duschgewohnheiten sind 80 bis 120 Liter Speicherinhalt das Mindestmaß.

Solche Speicher werden meist als Kombination passend zum Kessel im gleichen Design angeboten. Anschlüsse und Regelung passen dann zusammen. Beim Neubau kann man die Auflagen des Erneuerbare-Energien-Wärmegesetzes durch die Kombination des Gaskessels mit einer Solaranlage zur Trinkwassererwärmung erfüllen. Aber auch Altbausanierer, die vielleicht erst später eine Solaranlage ankoppeln wollen, sollten einen Solarspeicher mit 300 bis 400 Litern Inhalt und zwei Wärmetauschern für Solar- und Heizungsbetrieb zum Heizkessel bestellen. Um den aufzustellen, muss die Decke aber ausreichend tragfähig sein. Schließlich wiegt der Speicher inklusive Inhalt knapp eine halbe Tonne. Ein Speicher für die Heizungsunterstützung ist mit etwa einer Tonne Gesamtgewicht fast so schwer wie ein Kleinwagen.

Auf Stromverbrauch achten

Eine wichtige Kennzahl ist der Normnutzungsgrad, der bei unterschiedlichen Heizwasser temperaturen ermittelt wird. Bei 75/60 Grad Celsius (für Vorlauf und Rücklauftemperatur der Heizung) und für sehr kalte Witterung liegt er etwas niedriger als bei 40/30 Grad in der Übergangszeit, da hier der Brennwerteffekt besonders zum Tragen kommt. Gemittelt sollten beide Werte zusammen über 105 Prozent liegen; bei Spitzengeräten liegt der Wert für den niedrigeren Temperaturbereich bei 110 Prozent. Die angegebenen Nutzungsgrade über 100 Prozent kommen dadurch zustande, dass als Berechnungsgrundlage der sogenannte untere Heizwert dient. Rechnet man zu dieser Größe den Brennwert hinzu, kommt man auf die eigentlich unmöglichen Werte von über 100 Prozent.

Größere Unterschiede findet man noch beim Stromverbrauch. Pumpen und Gebläse können rasch zu den größten Stromfressern im Haus werden. Hocheffiziente Pumpen der Klasse A sind zwar ein wenig teurer, mittlerweile aber schon in vielen Geräten Standard. Ihre Anschaffung ist sinnvoll, da die Pumpe je nach Heizwärmebedarf des Hauses mehrere Tausend Stunden pro Jahr läuft.

Generell geben Gas-Brennwertheizungen kaum Schadstoffe in die Umwelt ab, da in Erdgas wenig Schwefel enthalten ist. Auch der Feinstaub ausstoß ist im Vergleich zu anderen Heiztechniken sehr gering. Der Austausch eines alten Kessels mit Baujahr vor 1978 lohnt sich auf jeden Fall: Um etwa 25 Prozent sinkt der Energieverbrauch und damit der CO2 -Ausstoß; wird auch noch eine Solaranlage eingebaut, sind es sogar bis zu 40 Prozent. Auch gegenüber den jüngeren Niedertemperaturkesseln ist der Einspareffekt deutlich: 12 bis 15 Prozent weniger Brennstoffverbrauch durch den Brennwerteffekt und bessere Technik sind realistisch.

Schornstein sanieren

Brennwertgeräte – ob mit Gas, Heizöl oder Pellets befeuert – stellen besondere Anforderungen an den Abgasweg: Weil die abgekühlten Abgase nicht genug Auftrieb haben, um von allein nach draußen abzuziehen, werden sie meist mithilfe eines Gebläses mit leichtem Überdruck ins Freie geführt. Bei alten Schornsteinen mit großem Durchmesser geht das nicht, da das Abgas im Schornstein weiter kondensieren und zu Bauschäden führen würde. Um eine solche Versottung zu vermeiden, zieht der Fachbetrieb in einen bestehenden Schornstein Rohre aus Kunststoff, Edelstahl, Glas oder Keramik mit kleinerem Durchmesser ein. Die Kosten liegen zwischen 100 und 200 Euro je Meter. Am einfachsten ist es, das Brennwertgerät im Dachgeschoss aufzustellen.

Die Abgase gelangen dann über eine preiswerte Abgasleitung aus Kunststoff direkt durchs Dach ins Freie; wer den alten Schornstein nicht mehr braucht, kann ihn abreißen, und gewinnt so zusätzlichen Platz.

Öl-Brennwertgeräte

Foto: MHG Heiztechnik

An der Technologie liegt es nicht, dass Ölheizungen nur noch einen kleinen Anteil an den Neuinstallationen haben. Mit Brennwertnutzung sparen auch sie bis zu 40 Prozent der Brennstoffkosten, wenn man einen Heizungsoldie ersetzt. So richtig durchgesetzt haben sich Öl-Brennwertgeräte trotzdem nicht, da die Technik aufwendiger als bei Gas und damit teurer ist. Das betrifft auch den Wartungsaufwand, weil Heizöl mehr Schadstoffe enthält und der Kessel häufiger gereinigt werden muss. Doch eine effiziente Alternative zu alten Niedertemperaturkesseln sind sie allemal.

Ebenso wie Gas-Brennwertgeräte verwerten Öl-Brennwertkessel die im Abgas enthaltene Kondensationswärme. Dazu werden die Abgase an einem gesonderten Wärmetauscher vorbeigeleitet, der das Abgas so weit abkühlt, dass der darin enthaltene Wasserdampf kondensiert. Eine weitere technische Variante ist die Kondensation direkt im Kessel. Bei beiden Varianten wird zusätzliche Wärme frei, die das Heizwasser oder die Verbrennungsluft des Geräts erwärmt. Gegenüber Öl kesseln in Niedertemperaturtechnik sind somit Energieeinsparungen von bis zu zehn Prozent möglich.

Ein weiterer wesentlicher Unterschied zu Gas-Brennwertgeräten besteht bei den Brennern. Eine Gasflamme kann von circa 20 Prozent ihrer Leistung bis zu 100 Prozent stufenlos geregelt werden. In den Herstellerprospekten heißt das dann „modulieren“. Entsprechend gut kann sich ein Gaskessel an den Wärmebedarf eines Hauses anpassen. Öl-Brennwertkessel kennen nur eine oder zwei Leistungsstufen und können ihre Leistung auch nicht so weit absenken. In der Übergangszeit schalten Ölkessel deshalb häufig ein und aus. Das treibt die Schadstoffwerte in die Höhe und verstärkt den Geräuschpegel. Deshalb sollte die Leistung des Brenners möglichst gut mit dem Wärmebedarf des Hauses übereinstimmen. Zweistufige Brenner haben den Vorteil, dass sie fürs Heizen mit relativ niedriger Leistung arbeiten und seltener ein- und ausschalten. Mit der zweiten Leistungsstufe können sie dann schnell warmes Wasser zur Verfügung stellen und haben für extrem kalte Tage trotzdem eine Leistungsreserve.

Der Trend weg vom Öl mag neben dem Platzbedarf für den Öltank auch daran liegen, dass der theoretische Brenninfo werteffekt bei Öl-Brennwertkesseln nur sechs Prozent, bei Gas-Brennwertkesseln hingegen bis zu elf Prozent, beträgt. Das liegt daran, dass in ihrem Abgas weniger Wasserdampf enthalten ist, der kondensieren kann. Insgesamt nutzen Öl-Brennwertkessel die Energie im Heizöl aber genauso gut wie Gas-Brennwertgeräte die im Erdgas enthaltene Energie aus. Dazu muss das Abgas jedoch auf 47 Grad Celsius heruntergekühlt werden. Deshalb sollte man den Kessel mit einer Fußboden- oder Wandheizung kombinieren. Bei Gas tritt der Brennwerteffekt schon bei 55 Grad Celsius ein, durch den das Heizwasser in den Kessel zurückströmt.

Foto: Rotex/life PR

Unbedingt empfehlenswert ist der Einsatz von schwefelarmem Heizöl, das mittlerweile überall erhältlich ist. Es enthält laut Vorschrift maximal 50 Gramm Schwefel pro Tonne und damit theoretisch 20-mal weniger als leichtes Heizöl in Standardqualität, das bis zu 1.000 Gramm je Tonne enthalten darf. Der in diesem Punkt umweltfreundlichere Brennstoff ist viel weniger aggressiv, was der Lebens dauer und der Wartungshäufigkeit des Kessels zugutekommt. Auch eine sogenannte Neutralisationsbox ist dann nicht mehr nötig. Das gesonderte Gefäß macht das Kondensat, das bei der Brennwertnutzung entsteht, unschädlich, bevor es ins Abwasser eingeleitet wird. Trotzdem müssen Öl-Brennwertkessel aus sehr widerstandsfähigem Material hergestellt werden. Sonst würde der Rest an Schwefel säure, der bei der Kondensation entsteht, den Brennraum zerfressen. Dadurch sind Öl-Brennwertkessel mit einem Anschaffungspreis von ungefähr 5.500 bis 7.000 Euro inklusive Regelung, aber ohne Warmwasserspeicher und Installation, deutlich teurer als ihre Gaskollegen. Auch Öl-Brennwertgeräte benötigen einen geeigneten Schornstein oder ein Luft-Abgas-System; Technik und Preise sind mit denen für Gas in etwa vergleichbar.

Große Unterschiede bei Gaspreisen

Während der Ölpreis schon seit Jahrzehnten dem politischen und wirtschaftlichen Auf und Ab hinterherhetzt und seit jeher Spekulationsobjekt ist, folgten die Gaspreise in der Vergangenheit dem Ölpreis relativ gleichmäßig mit einiger Verzögerung. Grund waren die langfristigen Lieferverträge, in denen die großen Gasimporteure den Gaspreis an den Ölpreis koppelten. Doch diese Automatik ist zumindest in Teilen Geschichte. Die Ausbeutung bisher ungenutzter Gasvorkommen in den USA und die vermehrte Lieferung von Flüssiggas mit Tankern nach Europa haben die Preisunterschiede zwischen den einzelnen Anbietern wachsen lassen. Denn immer mehr Anbieter versorgen sich auf dem günstigen Spotmarkt, für kurzfristige Angebote und nicht mehr über jahrelange Verträge.

So haben nach Angaben des Vergleichsportals Verivox (www.verivox.de) 90 Gasversorger zum August und September 2011 Gaspreiserhöhungen von durchschnittlich 11 Prozent angekündigt, was für einen Musterhaushalt mit einem Jahresverbrauch von 20.000 kWh eine Mehrbelastung von 133 Euro bedeutet. Gleichzeitig vergrößern die Erhöhungen die Preisunterschiede zwischen den Anbietern deutlich. Gasversorger, die ihre Preise erhöhen, begründen dies mit gestiegenen Beschaff ungskosten. Im Laufe des Jahres 2011 haben sich sowohl die Ölpreise als auch die Großhandelspreise an den Spotmärkten für Erdgas deutlich nach oben bewegt. Ob ein Gasversorger die Preise für Endkunden erhöhen muss, hängt davon ab, wie viel Gas er über langfristige Verträge mit Ölpreiskopplung beschaff t und zu welchem Preis an den Spotmärkten eingekauft wurde. So können einzelne Anbieter niedrigere Preise als noch zu Jahresbeginn anbieten. „Die unterschiedlichen Beschaff ungs strategien der Gasversorger wirken sich stärker als im Strombereich auf den Endpreis aus“, erklärt Peter Reese, Leiter Energiewirtschaft bei Verivox. Eine Folge sind große Preis unterschiede zwischen örtlichen und überregionalen Gasanbietern. Im August 2011 bezahlten Verbraucher im günstigsten Tarif des örtlichen Gasversorgers für 20.000 kWh durchschnittlich 1.244 Euro pro Jahr. Im günstigsten verfügbaren Tarif (ohne Vorauskasse) lagen die durchschnittlichen Kosten bei 945 Euro, was einer Ersparnis von 299 Euro im Jahr entspricht. Für Haushalte mit geringem Gasverbrauch unter etwa 10.000 Kilowattstunden können Tarife ohne Grundgebühr interessant sein. Denn manche örtlichen Gasversorger haben die Fixkosten in letzter Zeit drastisch erhöht.

Kompakt Kein eigener Gaszähler?

Foto: Dan Race/Fotolia.com

Nicht jeder Haushalt mit Gasheizung hat auch einen eigenen Zähler und kann selbst den Anbieterwechsel veranlassen. Jeder dritte Verbraucher ist beim Thema Gasanbieterwechsel auf die Hilfe des Vermieters angewiesen. Dieser hat häufig ein geringes Interesse an einem Wechsel, da er die Gaskosten ohnehin über die Nebenkostenabrechnung an die Mieter weitergibt. Daher sollten alle Verbraucher, die über keinen eigenen Gaszähler verfügen, ihren Vermieter oder Hausverwalter direkt auf die Einsparmöglichkeiten ansprechen und zum Anbieterwechsel auffordern. Der Vermieter ist aufgrund des Wirtschaftlichkeitsgebots nach § 560 Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) dazu angehalten, seine Mieter vor unverhältnismäßigen und überflüssigen Kosten zu bewahren, also die Betriebskosten so niedrig wie möglich zu halten. Darunter fallen auch die Gaspreise, die seit 2005 um rund 20 Prozent gestiegen sind. Ab einer zehnprozentigen Steigerung der Betriebskosten (im Vergleich zum Vorjahr) kann der Vermieter dazu verpflichtet werden, den Preisanstieg zu erklären. Auch Hausverwalter in Eigentumswohnungsanlagen müssen dem Wirtschaftlichkeitsgebot folgen und können von der Eigentümerversammlung verpflichtet werden, zu einem günstigeren Anbieter zu wechseln.