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Heizungserneuerung: Energiewende im Heizungskeller


Das Einfamilienhaus Heizungs-Ratgeber - epaper ⋅ Ausgabe 3/2018 vom 23.09.2018

Steht Ihr Heizkessel im Keller auch noch ständig „unter Dampf“? Dann dürfte bald ein Wechsel des Wärmeerzeugers ins Haus stehen. Denn Wärme wird heute deutlich effizienter und umweltschonender erzeugt – auf vielfältige Weise.


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Foto: Zukunft Erdgas/Luca Abbiento

Deutschland ist ein Heizungsmuseum, erklärte kürzlich die Initiative Erdgas. Von den insgesamt 21 Millionen Heizungen in Deutschland stammen über zwei Millionen alte Brenner und Kessel noch aus den 1980er-Jahren oder sind noch älter. Zum Zeitvergleich: Damals hatte ein Computer 64 Kilobyte Speicher und Filme wurden auf VHS-Kassetten angeschaut. Weitere rund 13 Millionen Öl und Gasheizkessel verfügen noch nicht über die aktuelle Standardtechnik für Öl und Gas: die Brennwerttechnik.

Oldies werden ausgemustert

Heizungskessel werden nach Erkenntnissen des Zentralverbandes Sanitär Heizung Klima (ZVSHK) meist erst dann ausgetauscht, wenn nichts mehr geht, sprich: der alte Kessel seinen Geist aufgibt, der Schornsteinfeger wegen schlechter Abgaswerte sein Veto für einen weiteren Betrieb einlegt oder die gesetzliche Austauschpflicht greift. Danach müssen bereits seit 2014 Heizkessel, die älter sind als 30 Jahre, ausgetauscht werden. Die Vorschrift betrifft allerdings nur wenige Eigenheimbesitzer, da die Energieeinspar-Verordnung (EnEV) Ausnahmen vorsieht: Zum einen können Besitzer von Ein und Zweifamilienhäusern ihre Heizungen weiter betreiben, wenn sie ihr Haus spätestens am 1. Februar 2002 bezogen haben. Zum anderen bezieht sich die Austauschpflicht nur auf alte Standard-Heizkessel. Diese Museumsstücke liefen — oder laufen immer noch — permanent mit Volldampf und produzierten konstant hohe Heizwassertemperaturen von 70 Grad und mehr, gleich, was das Außenthermometer anzeigt. Aber auch die bereits witterungsgeführten Heizwertkessel arbeiten nicht so effizient wie Brennwertgeräte.

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Der Energieverbrauch für Heizung und Warmwasser-Erzeugung wird häufig unterschätzt. Tatsächlich entfallen in einem deutschen Durchschnittshaushalt rund 80 Prozent des Energiebedarfs auf diese beiden Posten.


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Das Label für neue (rechts) und bestehende (links) Heizungsanlagen ordnet Heiz-Technologien in Effizienzklassen ein. Mehr als 50 Prozent der Altanlagen dürften nach Einschätzung von SHK-Handwerkern in die Klasse C oder schlechter eingestuft werden.


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Moderne Gas-Brennwertgeräte arbeiten hocheffizient, beanspruchen nur wenig Platz, sind einfach zu bedienen und können dank raumluftunabhängiger Betriebsweise im Prinzip überall aufgestellt werden.


Vaillant

Effizienz wird transparent

Um Hausbesitzer für das Einsparpotenzial ihres Wärmeerzeugers zu sensibilisieren, gibt es schon seit 2016 eine Energieeffizienz-Kennzeichnung für Heizungsgeräte im Gebäudebestand. Seit Anfang 2017 sind Bezirksschornsteinfeger bei ihren regelmäßigen Besuchen verpflichtet, alle noch nicht gekennzeichneten Geräte gestaffelt nach Baujahren zu etikettieren. Prinzipiell gehe das Label in die richtige Richtung, nämlich zu mehr Transparenz im Heizungsmarkt, urteilt die Verbraucherzentrale NRW. Dennoch empfiehlt sie, das Label nur als ersten Anhaltspunkt für eine Kaufentscheidung zu nehmen. Es komme auch auf andere Faktoren an, wie die richtige Technik, einen kostengünstigen und sauberen Energieträger und die gute Einbindung im Haus. Erst wenn alle diese Komponenten gut aufeinander abgestimmt sind, zeige sich das wahre Potenzial einer Heizungsanlage.

Individuelle Beratung tut not

Gerade in Altbauten sind individuelle Lösungen gefragt. Kaum ein Gebäude gleicht dem anderen und die Palette an Heiztechniken ist groß. Und manche davon sind in einem unsanierten Altbau überfordert. Daher sollte die Modernisierung ganzheitlich geplant werden — was nicht heißt, dass alles gleich umgesetzt werden muss, was sinnvoll und technisch möglich ist. Ein unabhängiger Energieberater sollte sich das Haus genau ansehen. Er hat den Überblick über mögliche Heiztechniken, sucht die richtige aus und lässt sie entsprechend auslegen. Bei einer gleichzeitigen Verbesserung der Bausubstanz kann sie meist mehrere Nummern kleiner ausfallen. Diese unabhängigen „Vor-Ort“-Beratungen unterstützt der Staat seit vielen Jahren mit einem Zuschuss (s. Beitrag „Förderung“ in diesem Heft).

Vielfältige Alternativen

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Eine Pellet-Zentralheizung bietet die Möglichkeit, auch einen Altbau CO2-neutral mit erneuerbaren Energien zu heizen. Ist noch kein Brennstofflager eingerichtet, kann der Vorrats behälter des Kessel auch manuell befüllt werden.


Oekofen

Wo die Heiztechnik 20 Jahre und älter ist, wird der Austausch gegen ein modernes Brennwertgerät meist den schnellsten und größten Kosten-Nutzen-Effekt haben. Wurde der Kessel schon vor einigen Jahren erneuert und sind weitere energetisch wirksame Maßnahmen geplant, bietet sich die Einbindung erneuerbarer Energien an, zum Beispiel eine Solarthermie-Anlage oder ein Heizwasser führender Kaminofen. Vielleicht rät der Energieberater auch zu einer Luft/Wasser-Wärmepumpe als Ergänzung oder einem Mikro-Blockheizkraftwerk, das gleichzeitig Strom und Wärme erzeugt. Verfügt das Haus über Flächenheizungen, vergrößern sich die Optionen. Denn diese eignen sich ideal für die effiziente Nutzung von Sonnen-, Erd und Umweltwärme. Auszahlen werden sich gut geplante Verbesserungen gewiss: durch eingesparte Heizkosten, mehr Wohnqualität und nicht zuletzt durch eine Wertsteigung des Hauses — dokumentiert im Gebäude-Energieausweis, der inzwischen bei jeder Vermietung und jedem Immobilienverkauf vorgelegt werden muss und die Spreu vom Weizen trennt.

PLANUNGSTIPP

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Hybrid-Heizsysteme bieten die Möglichkeit, auch im Altbau von erneuerbaren Energien zu profitieren. Da die meisten regenerativen Wärmequellen nicht immer zur Verfügung stehen, braucht man mindestens einen weiteren Wärmeerzeuger, der bei Bedarf einspringt, sowie einen leistungsfähigen Speicher. Das bekannteste Hybrid-System ist die bewährte Kombination von Solarthermie mit einem Gas oder Öl-Brennwertkessel. Als „Teamplayer“ eignen sich aber auch andere Wärmequellen wie eine Wärmepumpe, ein Pelletkessel und/oder ein wasserführender Kaminofen. Im Mittelpunkt steht stets ein gut gedämmter Pufferspeicher, in dem die Wärme aus den verschiedenen Quellen eingelagert wird. Auch Überschüsse aus der PV-Anlage lassen sich mithilfe eines Heizstabs als Wärme speichern. Wichtig ist eine intelligente Regelung, die den erneuerbaren Energiequellen den Vorzug gibt. Erst wenn diese nicht mehr genug Energie liefern, springt der konventionelle Gas oder Öl-Brenner ein.

Grafik: IWO

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