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Heizungspumpen Herzschwäche im Keller


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 2/2015 vom 30.01.2015

Man nimmt sie nur selten zur Kenntnis, und genau das ist das Problem: Vier von fünf Heizungspumpen in Deutschland sind veraltet. Ihr Austausch spart reichlich Strom und Geld.


Artikelbild für den Artikel "Heizungspumpen Herzschwäche im Keller" aus der Ausgabe 2/2015 von ÖKO-TEST Magazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Foto: kjekol/iStock/Thinkstock

Ohne sie funktioniert eine Heizung nicht, und deshalb werden sie auch als Herz einer Heizungsanlage bezeichnet.

Schließlich schicken Heizungsund Warmwasserpumpen das im Heizkessel erzeugte warme Wasser durch die Rohre und Heizflächen im Haus – so wie das Herz in unserem Körper unser Blut durch Arterien und Venen. Und trotzdem genießen Heizungspumpen nur wenig Beachtung, solange sie keinen Infarkt ...

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... erleiden. Dabei sollte man die unscheinbaren Armaturen mit einem „Gesundheitscheck“ genauer prüfen. Denn viele von ihnen sind völlig veraltet, kennen nur „Ein“ oder „Aus“ und stellen sich nicht auf die unterschiedlichen Anforderungen im Heizungsnetz ein. Moderne Hocheffizienzpumpen können das. Im Vergleich zu den oft hochbetagten Oldies sparen sie jede Menge Strom; Einsparungen bis zu 80 Prozent des Verbrauchs sind keine Seltenheit. Damit werden Heizungspumpen gemeinsam mit Kühlund Gefriergeräten zur wichtigsten Quelle für Stromsparer. Denn beide Gerätegruppen arbeiten rund um die Uhr. Je nach Gebäude und Alter der Heizung sind die Pumpen dabei bis zu 6.000 der 8.760 Stunden eines Jahres in Betrieb.

Bis zu 130 Euro im Jahr sparen

Diese langen Laufzeiten in Verbindung mit enormen technischen Fortschritten summieren sich zu einem großen Sparpotenzial. Je nach Größe der Heizanlage und ihFoto rer Auslegung sind im Einfamilienhaus Einsparungen bei den Stromkosten von 80 bis 130 Euro pro Jahr realistisch, siehe unser Rechenbeispiel. Und weil ein Austausch einer Standardpumpe etwa 350 bis 500 Euro kostet, hat sich die Investition oft schon nach drei bis fünf Jahren bezahlt gemacht. In vielen Gebäuden erreicht eine neue Heizungspumpe damit unangefochten Platz eins der Sparhitparade.

Der Wechsel ist vom Sanitärfachbetrieb schnell erledigt, wenn die alte Pumpe ins Rohrnetz eingebaut ist. Schwierig bis unmöglich ist ein Tausch bei ins Heizgerät integrierten Modellen, etwa bei Gasthermen oder GasBrennwertgeräten. Für diese herstellerspezifischen OEM-Modelle (Original Equipment of Manufacturer) gibt es häufig keine passenden Austauschtypen oder die Steuerelektronik kann nicht auf die hydraulischen Bedürfnisse des Geräts, zum Beispiel einen Mindestdurchfluss des Heizwassers, angepasst werden. Hier bleibt nur der Komplettaustausch des Heizgeräts.

Stufenregelung als Zwischenlösung

Neben Pumpen ohne jede Einstellmöglichkeit, die seit etwa 20 Jahren nicht mehr verbaut werden, findet man im Heizungskeller vor allem mehrstufige Pumpen, deren Leistung mit einem kleinen Schalter, meist in drei Stufen, eingestellt werden kann. Aus Bequemlichkeit und als Sicherheitszuschlag arbeiten solche Pumpen oft auf der höchsten Stufe. Hier sollte man ausprobieren, ob alle Heizkörper auch auf einer niedrigeren Stufe warm werden. Denn häufig ist die Pumpe überdimensioniert. Schon mit diesem Dreh spart man ordentlich: Arbeitet eine Pumpe zum Beispiel auf der höchsten Stufe mit einer Leistungsaufnahme von 80 Watt, benötigt sie im Jahr Strom für rund 135 Euro (bei 6.000 Stunden Betrieb und einem Strompreis von 28 Cent je Kilowattstunde). Auf Stufe eins reduziert sich die Leistungsaufnahme zum Beispiel auf 30 Watt, was circa 50 Euro Stromkosten pro Jahr entspricht. Wer dann noch darauf achtet, dass die Pumpe im Sommer und während nächtlicher Heizpausen nicht arbeitet, ist schon auf einem guten Weg.

Ein Heizungscheck durch den Fachbetrieb sollte auch die Effizienz der Heizungspumpe und Austauschempfehlungen beinhalten.


Kompakt

AllerFörderung

Staatliche Förderinstitutionen wie KfW und BAFA fördern den Pumpenaustausch zwar nicht direkt. Aber im Rahmen der Förderprogramme zur Heizungsmodernisierung oder zum Einsatz erneuerbarer Energien kann ein Pumpentausch mitgefördert werden. Häufig ist die Verwendung von Hocheffizienzpumpen sogar Bedingung für die Gewährung eines Zuschusses oder eines Förderkredits: www.kfw.de, www.bafa.de

Viele Fördermaßnahmen schreiben den Einsatz hocheffizienter Pumpen vor.


Foto: epr/Grundfos

Pumpencheck

Die gemeinnützige Initiative CO2 online hat einen Onlinecheck zum Pumpenaustausch entwickelt. Mit ihm können Hausbesitzer, aber auch Mieter, in wenigen Minuten feststellen, ob und wie viel Geld sie mit einer Hocheffizienzpumpe sparen können: www.co2online.de/service/energiesparchecks/ pumpencheck.

Der Rechner kann auch Daten zu Mehrfamilienhäusern bearbeiten und die Ergebnisse per E-Mail zusenden. So können Mieter ihrem Vermieter die Ergebnisse vorlegen und möglicherweise den Einbau effizienter Pumpen bewirken.

Solar- und Warmwasserpumpen

Auch andere Pumpen im Haus, etwa zur Warmwasserzirkulation oder für die Solaranlage, lassen sich optimieren. Zwar laufen sie oft nicht so viele Stunden wie die Heizungspumpe, gerade bei älteren Modellen lohnt der Austausch trotzdem.


Intelligente Hocheffizienz hilft sparen


Heute erhältliche Pumpen arbeiten aber noch viel effektiver – ebenso wie ihre elektronisch geregelten Vorläufer, die etwa zwischen 1998 und 2006 installiert wurden. Ihre Regelelektronik erkennt, ob Thermostatventile offen oder geschlossen sind, welche Druckunterschiede herrschen und welche Leistung nötig ist. Zudem passt sie die Steuerung der Pumpe ständig so an, dass sie stets im optimalen Bereich arbeitet. Gleichzeitig sind ihre Permanentmagnetmotoren so effektiv, dass sie je nach Betriebszustand der Heizung nur 4 bis 30 Watt in Anspruch nehmen. Im Jahr bedeutet das etwa einen Verbrauch von 75 Kilowattstunden und Kosten von nur noch 20 Euro. Mit solchen Relationen können auch Mieter ihren Vermieter überzeugen, der die Stromkosten als Betriebskosten auf die Mieter umlegt. Die sind absolut gesehen in Mehrfamilienhäusern deutlich höher als im Einoder Zweifamilienhaus, da hier lange Leitungswege überbrückt werden müssen und entsprechend leistungsstarke Pumpen zum Einsatz kommen. Die Initiative CO2 online stellt dafür im Internet einen Onlinerechner bereit, der am Ende sogar ein entsprechendes Schreiben erstellt (siehe Kompakt).

Index ersetzt Label

Wer auf der Suche nach der passenden Effizienzpumpe auf das bekannte Verbrauchszeichen mit den Klassen von A bis G setzt, hat die Rechnung ohne die Gesetzgebung der EU gemacht. Denn die seit 2013 geltende ÖkodesignRichtlinie schreibt statt des vermeintlich einfachen Labels nun einen kompliziert errechneten EnergieEffizienzIndex (EEI) als Maßstab vor. Aktuell muss eine Standardpumpe einen EEI von kleiner 0,27 erreichen, ab 1. August 2015 wird die Anforderung auf einen EEI von 0,23 verschärft. Modelle, die die Mindeststandards der Richtlinie einhalten, sind mit der Bezeichnung „ErPready“ gekennzeichnet. AllerFörderung dings existieren vor allem für Einund Zweifamilienhäuser schon Modelle, die einen EEI von deutlich unter 0,20 erreichen. Diese Klassenbesten sind oft nur wenig teurer als andere, weniger effiziente Modelle. Der EEI muss auf der Verpackung, auf dem Typenschild und in der technischen Beschreibung der Pumpe vermerkt sein. Angesichts der langen Lebensdauer von circa 15 und mehr Jahren lohnt es sich also, auf Topmodellen zu bestehen. Ladenhüter, die noch in den Regalen von Installateuren und Händlern liegen, sollte man dort belassen. Selbst wenn eine deutlich bessere Rendite heute noch nicht erkennbar ist, wird der Strompreis auch in den kommenden Jahren eher steigen als sinken, sodass sich eine Mehrausgabe häufig rentiert.

Rechenbeispiel Pumpentausch

Foto: artist-unlimited/iStock/Thinkstock

Wir haben mithilfe des Rechners auf www. co2online.de für ein typisches Einfamilienhaus mit 135 Quadratmetern beheizter Fläche nachgerechnet, was ein Pumpentausch bringt. Dabei sind wir bewusst nicht vom schlechtesten Fall ausgegangen, allerdings ist unsere alte Pumpe stark überdimensioniert und falsch eingestellt. 1984, als sie eingebaut wurde, galt noch „Viel hilft viel“; und seitdem hat niemand mehr nach ihr geschaut. Die dreistufige Pumpe leistet maximal 80 Watt und arbeitet auf Stufe drei. Immerhin wird sie außerhalb der Heizperiode und nachts für sechs Stunden ausgeschaltet, sodass sie insgesamt 4.500 Stunden pro Jahr in Betrieb ist.
Die alte Pumpe verbraucht 360 Kilowattstunden (kWh) Strom im Jahr, eine heutige Effizienzpumpe mit einem Durchschnittsverbrauch von 15 Watt nur 68 kWh. Bei einem Strompreis von 29 Cent/kWh, der in Zukunft pro Jahr „nur“ um zwei Prozent steigt, ergibt sich ein mittlerer Strompreis für die kommenden Jahre von 33 Cent je Kilowattstunde. Die Stromkosten der Heizungspumpe sinken durch den Austausch von 120 auf 23 Euro pro Jahr. Angenommen der Austausch kostet 450 Euro inklusive Montage, ist die Investition nach rund viereinhalb Jahren wieder drin und die neue Pumpe spart deutlich an Stromkosten.

Foto: artist-unlimited/iStock/Thinkstock

Werden alle Heizkörper im Haus gleichmäßig warm? Wenn nicht, hilft ein hydraulischer Abgleich. Sind entsprechende Ventile an den Heizkörpern vorhanden, geht das auch schnell vonstatten


Foto: VitalyEdush/iStock/Thinkstock

Heizkreislauf optimieren

So wie das Herz unser Blut nur schlecht durch verstopfte Arterien pumpen kann, tut sich jede Pumpe schwer, wenn die Strömungsverhält nisse im Heizungskreislauf nicht stimmen. Beim Einbau einer neuen Pumpe sollte deshalb möglichst ein hydraulischer Abgleich gemacht werden. Der Fachhandwerker rechnet dazu den Wärmebedarf jedes Raumes aus und stellt, sofern vorhanden, ein Ventil am Heizkörper so ein, dass alle Heizkörper gleichmäßig vom warmen Heizwasser durchströmt werden.

Dann muss die Pumpe weniger arbeiten und verbraucht weniger Strom. Der hydraulische Abgleich ist Bedingung für die Gewährung von Zuschüssen und Förderkrediten staatlicher Institutionen wie der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) und des Bundesamts für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA). Ansprechpartner für die Pumpenauswahl und Installation ist ein Heizungsfachbetrieb, für den der Pumpentausch zum Tagesgeschäft gehört. Denn bei insgesamt 22 Millionen Heizund Warmwasserpumpen allein in Wohngebäuden gibt es viel zu tun. Volker Lehmkuhl