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Hekate die Göttin mit den Fackeln


Münzen Revue - epaper ⋅ Ausgabe 4/2020 vom 25.03.2020
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Bildquelle: Münzen Revue, Ausgabe 4/2020

Abb. 13: Die dreileibige Hekate im Kampf mit dem Giganten Klytios. Detail vom Ostfries der sogenannten „Gigantomachie“ des Pergamonaltars (2. Jh. v. Chr.). Standort: Pergamonmuseum, Berlin.


Quelle: ChristianBier, Wikimedia Commons

Die aus Karien in Kleinasien stammende Göttin Hekate gelangte in archaischer Zeit nach Griechenland. Von dort aus verbreiteten sich ihr Kult und ihre Verehrung in der gesamten antiken griechisch-römischen Welt. Obwohl sie später „bis in die Neuzeit als Gespensterherrin [und] als dämonische Mittlerin par excellence zwischen Unten und Oben bekannt [war und] in dieser Funktion auch ...

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... eng mit der Magie verbunden [war], in der die ,Benutzung‘ von Totengeistern eine wichtige Rolle spielte,“ so findet sich in den archaisch-griechischen Quellen nichts von alledem. (Der neue Pauly, Enzyklopädie der Antike, Bd. 5, Sp. 267) Der antike Autor Hesiod beispielsweise führt ihren mythischen Stammbaum auf die Titanen Asteria und Perses zurück und preist sie als mächtige, hochgeachtete und hilfsbereite Göttin. „Diese [gemeint ist Asteria] empfing und gebar dann Hekate, die der Kronide Zeus vor allem geehrt, indem er sie herrlich begabte, Teil an der Erde zu ha ben und an der Öde des Meeres. Hohe Ehre auch ward ihr zuteil unter Himmelsgestirnen, höchste Achtung genießt sie im Kreis der unsterblichen Götter. Denn noch jetzt ist es so: Wenn einer der irdischen Menschen Gnade erfleht, im heiligen Opfer dem Brauche genügend, ruft er Hekate an. Und reichen Segen gewinnt er mühelos, wenn nur die Göttin sein Bitten gnädig erhört hat. Aus der Fülle der Macht gewährt sie Glück ihm und Wohlstand.“ (Hesiod: Theogonie, 410-420) Dabei gewährte die jungfräuliche Hekate ihre Hilfe vor allem Müttern, Schwangeren - für diese war sie Geburtshelferin -, kämpfenden Helden, wettkämpfenden Sportlern, Seefahrern und Fischern und half in Gemeinschaft mit Hermes dem Vieh zu gedeihen.

Seit der klassischen Zeit hebt allerdings auch die griechische Literatur ihre Rolle als Gespensterherrin hervor und in der späteren Antike wird sie sogar selbst als gespensterhaft und angsteinflößend aufgefasst. So soll sie mit Mädchen, die unverheiratet, und Frauen, die kinderlos gestorben und so zu bedrohlichen Geistern geworden waren, umhergezogen sein und Schrecken verbreitet haben. Ferner soll sie von Rudeln heulender Hunde, die man als tote Seelen interpretierte, begleitet oder von Hundegeheul angekündigt worden sein. Zum Bild der Hekate als Geisterherrin dürfte aber auch die Tatsache beigetragen haben, dass man sie als Hüterin von Eingängen und Wegkreuzungen hielt, an denen man sich Geister vorstellte. Aus diesem Grund deponierte man an Eingängen und Wegkreuzungen („Dreiwege“, triodoi) Schreine oder Statuetten von Hekate und auch Mahlzeiten für sie und ihre Gespenster. Wegen Hekates engem Bezug zu Wegkreuzungen, entstanden seit der klassischen Zeit auch plastische Darstellungen von ihr als Göttin mit drei Köpfen oder als dreigestaltige Göttin. Weil die toten Seelen in Hekates Gefolge außer nächtlichem Schrecken auch noch Wahnsinn verursachen konnten, war sie auch in Mys terienkulten sehr gefragt, vor allem in jenen, die eine Heilung des Wahnsinns versprachen.

Abb. 1: Mytilene (Lesbos). Hekte (1⁄6 Stater), um 377-326 v. Chr., Elektron, 2,55 g, Münzstätte Mytilene Quelle: Künker, Auktion 318 (11. März 2019), Los 697


Abb. 2: Lampsakos (Mysien). Stater, um 350 v. Chr., Gold, 8,37 g, Münzstätte Lampsakos. Quelle: Numismatica Ars Classica, Auktion 100 (29. Mai 2017), Los 151


Abb. 3: Skotussa (Thessalien). Trihemiobol, um 220 v. Chr., Silber, 1,09 g, Münzstätte Skotussa. Quelle: Roma Numismatics Ltd, Auktion XII (29. September 2016), Los 135


Abb. 4: Segesta (Sizilien). Bronzenominal, um 210-50 v. Chr., 3,50 g, Münzstätte Segesta. Quelle: Classical Numismatic Group, Electronic Auction 436 (23. Januar 2019), Los 90


Abb. 5: Stratonikeia (Karien). Didrachme, 1. Jh. v. Chr., Silber, 3,62 g, Münzstätte Stratonikeia. Quelle: Künker, Auktion 226 (11. März 2013), Los 493


Da Hekate vom Ursprung her jedoch keine griechische Göttin war, gehörte sie, obwohl sie laut Hesiod die Cousine von Artemis und Apollon war und höchste Achtung seitens der griechischen Götter genoss, nicht zum Kreis der Olympischen Götter, wurde aber mythologisch und ikonografisch mit diversen griechischen Göttinnen gleichgesetzt. „In Kult, Mythos und Ikonografie wurde Hekate mit verschiedenen Göttinnen identifiziert, vor allem mit Artemis, mit der sie das Interesse an Mädcheninitiationen und Geburten sowie die Darstellung mit zwei Fackeln teilt; ferner mit Selene und mit Enodia, einer thessalischen Göttin, die ebenfalls mit Geburten und mit Schutz von Eingängen in Zusammenhang gebracht wird.“ (Der neue Pauly, Bd. 5, Sp. 269)

In der Ikonografie wird sie mit Ausnahme einiger spätantiker magischer Gemmen und Bleitäfelchen allerdings stets ohne erschreckende Züge dargestellt. Mit anderen Worten, das Gros der zutage geförderten Artefakte präsentiert uns keine furchteinflößende Göttin, sondern im Gegenteil eine, die Vertrauen und Schutz suggeriert, eine, bei der sich die gläubig Flehenden wohl aufgehoben fühlen konnten, zumal auch ihre Gewandung „normal“ war, d. h. der anderer Göttinnen entsprach.

Hekate in Numismatik und Kunst

Zu den frühesten Münzen mit Hekate gehören Elektronhekten aus Mytilene (Lesbos) und Goldstatere aus Lampsakos (Mysien). Doch wenngleich diese Göttinnendarstellungen auch beide aus dem 4. Jh. v. Chr. stammen, so unterscheiden sie sich sowohl in ihrer Gestaltung als auch in ihrer Platzierung auf der Münze. Auf der mytilenischen Hekte erscheint der Kopf der jungen Göttin auf der Rückseite, während er auf dem Goldstater aus Lampsakos auf der Vorderseite zu finden ist. (Abb. 1 und Abb. 2)

Ferner ist das Stirn- und Nackenhaar der Göttin auf der Hekte eingerollt und unbekränzt, während das Nackenhaar der Göttin auf dem Goldstater hochgebunden und mit einem Lorbeerkranz geschmückt ist. Zudem trägt die Göttin auf der Hekte einen Scheibenohrring und auf dem Stater ein längeres einfaches Ohrgehänge und eine Halskette. Darüber hinaus ist der Hekatekopf auf der Hekte mit dem Kopf eines bartlosen Kabiren im Pilos gekoppelt, wohingegen der Göttinnenkopf des Goldstaters mit einer Pegasosprotome - dem Wappen von Lampsakos - gekoppelt ist. Dass es sich bei dem Frauenporträt des Goldstaters um Hekate handelt, darauf verweist ein Fackelbeizeichen, das sich im Feld hinter dem Kopf der Göttin befindet, das allerdings nur bei perfekt zentrierten Münzen sichtbar ist. Nun gibt es zwar auch auf einigen Exemplaren der erwähnten mytilenischen Hekte ein Tellerfackelbeizeichen im Feld hinter dem Kopf, aber eben nicht auf allen. Bodenstedt beschreibt den weiblichen Kopf auf dieser Hekte als den der Persephone oder Hekate. Gegen Persephone spricht jedoch die Tatsache, dass diese als Tochter der Ackerbaugöttin Demeter in aller Regel mit Ähren- oder Kornblätterkranz auf Münzen dargestellt wurde.

Äußerst gut sichtbar ist die Fackel der Hekate auf einem Trihemiobol aus Skotussa (Thessalien) aus dem späten 3. Jh. v. Chr. Auf der Rückseite dieser Kleinsilbermünze steht die Göttin nämlich von vorn mit nach links gewandtem Kopf und stützt die Rechte auf eine lange Fackel. (Abb. 3)

Da die Fackel aber auch das Attribut der Artemis und nicht nur das der Hekate war, sehen Numismatiker wie Oliver Hoover beispielsweise in der Dargestellten Artemis. Berücksichtigt man wiederum, dass Hekate in Kult, Mythos und Ikonografie u. a. auch mit Artemis identifiziert wurde, wäre eine Beschreibung als Artemis-Hekate vielleicht die angemessenste.

Aus dem sizilischen Segesta stammt ein Bronzenominal, das auf der Vorderseite das nach rechts gewandte Porträt der Hekate und auf der Rückseite einen bewaffneten Krieger mit seinem Pferd zeigt. (Abb. 4)

Flüchtig betrachtet, könnte man den Göttinnenkopf auch für den der Hera halten, da er über der Stirn mit einer Stephane (dem Attribut der Hera) geschmückt ist. Schaut man ganz genau hin, so erkennt man, dass die Stephane von einer Mondsichel gekrönt ist, die wiederum ein Attribut der Hekate ist. Weil Hekate aber eben auch mit der Mondgöttin Selene identifiziert wurde, deren Attribut ebenfalls die Mondsichel war, wäre eine Beschreibung als Hekate-Selene in diesem Fall ebenfalls statthaft.

Aus dem karischen Stratonikeia ist eine äußerst seltene silberne Didrachme aus dem 1. Jh. v. Chr. auf uns gekommen, die vorderseitig Hekate und rückseitig den reitenden Zeus Panamaros abbildet. (Abb. 5)

Flüchtig betrachtet, könnte man den Göttinnenkopf auch für den der Hera halten, da er über der Stirn mit einer Stephane (dem Attribut der Hera) geschmückt ist. Schaut man ganz genau hin, so erkennt man, dass die Stephane von einer Mondsichel gekrönt ist, die wiederum ein Attribut der Hekate ist. Weil Hekate aber eben auch mit der Mondgöttin Selene identifiziert wurde, deren Attribut ebenfalls die Mondsichel war, wäre eine Beschreibung als Hekate-Selene in diesem Fall ebenfalls statthaft.

Aus dem karischen Stratonikeia ist eine äußerst seltene silberne Didrachme aus dem 1. Jh. v. Chr. auf uns gekommen, die vorderseitig Hekate und rückseitig den reitenden Zeus Panamaros abbildet. (Abb. 5)

Die nach rechts gewandte, drapierte Büs te der Hekate trägt einen Lorbeer- kranz, der von einer Mondsichel gekrönt ist. Hier allerdings ebenfalls von Hekate-Selene zu sprechen, wäre vermutlich unangebracht, zumal die Göttin Hekate ursprünglich aus Karien stammt und ihr Kult in Karien wahrscheinlich auch im 1. Jh. v. Chr. immer noch so beherrschend und gegenwärtig war, dass eine Identifikation mit der griechischen Selene hier wohl kaum stattgefunden haben dürfte.

Abb. Originalgröße Abb. 6: Baktrien: König Agathokles (um 185-170 v. Chr.), Tetradrachmon, um 185-170 v. Chr., Silber, 16,71 g, Münzstätte Baktra. Quelle: Classical Numismatic Group, Triton XII (8. Januar 2019), Los 456


Abb. 7: Metapont (Lukanien). Nomos, um 330-290 v. Chr., Silber, 7,88 g, Münzstätte Metapont. Quelle: Naville Numismatics Ltd, Auktion 39 (29. April 2018), Los 27


Abb. 8: Neapolis (Kampanien). Didrachmon, um 300-275 v. Chr., Silber, 7,24 g, Münzstätte Neapolis. Quelle: Gerhard Hirsch Nachf., Auktion 258 (25. September 2008), Los 2007


Abb. 9: Pherai (Thessalien). Bronzenominal, 2. Jh. v. Chr., 7,98 g, Münzstätte Pherai. Quelle: Classical Numismatic Group, Mail Bid Sale 82 (16. September 2009), Los 476


Abb. 10: Apameia (Phrygien). Pseudo-autonomes Bronzenominal aus dem 2. Jh. n. Chr., 2,41 g, Münzstätte Apameia. Quelle: Nomos AG, Auktion 13 (7. Oktober 2016), Los 222


Eine ganz und gar ungewöhnliche Hekatedarstellung begegnet uns auf einem silbernen Tetradrachmon des Königs Agathokles aus Baktrien aus dem 2. Jh. v. Chr. Anders als auf allen bisher gezeigten Münzen ist Hekate auf diesem Tetradrachmon nämlich nicht Hauptgegenstand des Münzmotivs, sondern nur Bestandteil desselben. So sehen wir auf der Rückseite den frontal stehenden Zeus im Himation (Tuchmantel), der sich mit seiner Linken auf ein Langzepter stützt und auf seiner rechten eine Kultstatue der Hekate mit zwei brennenden Fackeln trägt. (Abb. 6) Gekoppelt ist das Rückseitenbild des Zeus „Hekatephoros“ (des Hekate-tragenden Zeus) mit der vorderseitigen Porträtbüste des baktrischen Königs Agathokles.

Nun trat Hekate zwar auch in Süditalien, und zwar in Metapont (Lukanien) und in Neapolis (Kampanien), ab dem späten 4. Jh. v. Chr. numismatisch in Erscheinung, doch keineswegs als echtes Münzmotiv, sondern nur als zeitweiliges, vorübergehendes Beizeichen. (Abb. 7 und Abb. 8)

So sehen wir sie auf der Rückseite eines Nomos von Metapont mit einer langen Fackel über dem Blatt einer Gerstenähre. (Abb. 7) Im Gegensatz dazu steht sie mit zwei Fackeln unter dem Hinterkopf der auf der Vorderseite eines Didrachmons dargestellten Sirene Parthenope. (Abb. 8) Teils wird dieses „Beizeichen“ als Artemis gedeutet, teils als Artemis-Hekate.

Aus dem thessalischen Pherai stammt ein Bronzenominal, das vorderseitig einen Löwenkopf und rückseitig eine nach links reitende Frau mit zwei brennenden Fackeln in den Händen zeigt. (Abb. 9) Für Numismatiker wie Oliver Hoover ist hier die thessalische Göttin Enodia dargestellt. Da Hekate aber auch mit der thessalischen Göttin Enodia identifiziert wurde, deren Attribut ebenfalls die Fackeln waren, wäre eine Beschreibung als Enodia-Hekate ebenfalls statthaft.

Interessanterweise gibt es jedoch weder aus der klassischen noch aus der hellenistischen Epoche Darstellungen einer dreileibigen Hekate auf Münzen, obwohl es Skulpturen dieser Art bereits im 3. vorchristlichen Jahrhundert gab. Auf Münzen erscheint die dreileibige Hekate erst in römischer Zeit. So z. B. auf einem pseudo-autonomen Bronzenominal aus Apameia aus dem 2. Jh. n. Chr. (Abb. 10) Auf diesem sehen wir sie auf der Rückseite stehend, wobei die zwei äußeren Hekate-Gestalten jeweils zwei Tellerfackeln tragen und die mittlere eine Phiale (Opferschale) in ihrer Rechten hält. Die Köpfe dieser dreileibigen Hekate sind allesamt mit einem Polos (einer hohen zylinderförmigen Kopfbedeckung) geschmückt. Die Umschrift CΩΤΕΙ-ΡΑ beschreibt Hekate als Retterin. Gekoppelt ist diese Hekatedarstellung mit der vorderseitigen Büste der Tyche von Apameia, die auf ihrem Haupt eine Mauerkrone trägt, und von der Legende ΑΠΑ-ΜΕΙΑ flankiert wird.

Abb. 11: Hekate tanzt mit zwei Fackeln vor Altar. Attische schwarzglasierte Oinochoe (Weinkanne) aus Capua, Italien, um 350-300 v. Chr. Standort British Museum, London. Quelle: Bibi Saint-Pol, Wikimedia Commons.


Abb. 14: „Hekate“ (1795). Farbstich aquarelliert von William Blake (1757- 1827). Standort: Tate Gallery, London. Quelle: Wikimedia Commons


Aber Hekate begegnet uns nicht allein auf Münzen, sondern ebenso in der bildenden Kunst der griechischen und römischen Antike sowie in jener des 18. Jahrhunderts. So erscheint sie beispielsweise im 4. Jh. v. Chr. auf einer attischen schwarzglasierten Oinochoe (Weinkanne) aus Capua (Italien) als Tanzende vor einem brennenden Altar. (Abb. 11)

Abb. 12: Hekataion (kleiner Kultpfeiler der Hekate). Hekate in dreifacher Gestalt von drei Chariten umtanzt (Attika, 3. Jh. v. Chr.). Standort: Glyptothek, München. Quelle: Bibi Saint-Pol, Wikimedia Commons


Die tanzende Göttin mit den langen brennenden Fackeln in ihren Händen trägt Vergoldungsspuren und rote Farbres - te, die darauf hindeuten, dass Schmuck und Gewandung der Göttin ursprünglich blattvergoldet waren und ihr um die Schultern gelegter flatternder Mantel rot gefärbt war. Auf Grund des kostbaren Dekors dieser Oinochoe ist zu vermuten, dass sie entweder für eine reiche Kundschaft oder aber für zeremonielle Tempelrituale hergestellt wurde.

Eine dreileibige bzw. dreigestaltige Hekate findet sich auf einem attischen Hekataion (kleinen Kultpfeiler der Hekate) aus dem 3. Jh. v. Chr. (siehe Abb. 12) Hierauf erscheint die Göttin in langer Gewandung und mit niederem Polos auf dem Haupt in dreifacher Gestalt, um eine zentrale Säule stehend. Vor ihr sind die drei Chariten (Grazien) zu sehen, die sie in einem zeremoniellen Reigen umtanzen.

Die wohl eindrucksvollste und vielleicht auch bekannteste antike Hekatedarstellung begegnet uns zweifellos auf dem imposanten Fries des Pergamonaltars aus dem 2. Jh. v. Chr. (Abb. 13)

Auf diesem glyptischen Meisterwerk des Hellenismus, auf dem die sogenannte „Gigantomachie“ (der Kampf zwischen Göttern und Giganten) detailliert gezeigt wird, erkennt man die mit Fackel, Lanze, Schwert und Schild bewaffnete dreileibige Hekate im Kampf mit dem Giganten Klytios, der im Begriff ist, einen Felsbrocken auf sie zu schleudern. Begleitet wird Hekate vom Molosserhund, der sich im Oberschenkel des Klytios verbeißt.

Eine völlig andere Hekate taucht dann in der Kunst des ausgehenden 18. Jahrhunderts auf. In William Blakes aquarelliertem Farbstich „Hekate“ von 1795 beispielsweise wird die „dunkle Seite“ dieser Göttin in den Vordergrund gerückt und Hekate als Gespensterherrin, dämonische Mittlerin und Magierin gezeigt. (Abb. 14)

So sehen wir die halbnackte Göttin am Boden hockend, ihre Linke auf ein aufgeschlagenes Buch der Magie gestützt und ihren Blick auf die Kreaturen rechts von ihr fixiert - einen Disteln fressenden Esel, eine auf einem Fels sitzende Eule sowie die Köpfe einer Kröte und eines Krokodils. Hinter Hekate sind eine nackte junge Frau und ein nackter junger Mann dargestellt, die ihre Gesichter hinter der Göttin verbergen und zusammen mit dieser eine sonderbare Dreigestaltigkeit bilden. Im Hintergrund über ihnen fliegt eine katzengesichtige Fledermaus. Eine Bildkomposition, die insgesamt das schaurige und spukhafte Umfeld der Hekate herausstreicht und diese als Herrin einer mystischen und magischen Welt charakterisiert.

LITERATUR:

Peter Robert Franke, Max Hirmer: Die Griechische Münze. München 1964; Eva und Wolfgang Szaivert nach David R. Sear: Griechischer Münzkatalog. Bd. 1: Europa. München 1980. Bd. 2: Asien und Afrika. München 1983; Oliver D. Hoover: Handbook of Greek Coinage Series. Bd. 1. Coins of Italy and Magna Graecia. Lancaster, London 2018; Derselbe: Bd. 3. Coins of Macedon and its Neighbors, Part I. Lancaster, London 2016; Derselbe: Bd. 4. Coins of Northern and Central Greece. Lancaster, London 2014; Albert von Schirnding (Hrsg. u. Übers.): Hesiod: Theogonie/Werke und Tage. 5. Aufl. Berlin 2012; Staatliche Museen zu Berlin, Antikensammlung, Preußischer Kulturbesitz (Hrsg.): Der Pergamonaltar. Berlin 2004; Hubert Cancik, Helmuth Schneider (Hrsg.): Der neue Pauly, Enzyklopädie der Antike, 16 Bde., Stuttgart, Weimar 1996-2003; Wilhelm H. Roscher (Hrsg.): Ausführliches Lexikon der griechischen und römischen Mythologie, 10 Bde., 3. Nachdruckauflage. Hildesheim, Zürich, New York 1992/93.

Den in den Bildunterschriften erwähnten Quellen sei an dieser Stelle ausdrücklich und herzlich gedankt.