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HELDEN DER ARBE IT


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Auto Zeitung - epaper ⋅ Ausgabe 13/2022 vom 08.06.2022

Kompakt-Kombis · Vergleichstest

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Bildquelle: Auto Zeitung, Ausgabe 13/2022

Man muss schon diverse Dekaden hinter dem Lenkrad verbracht haben, um sich zu erinnern: Als in den Sechzigern des vergangenen Jahrhunderts dem Kombi hierzulande noch das schnöde Image des Handwerker-Transportmittels anhaftete, hatte sich der Kombinationskraftwagen bei unseren Nachbarn in Frankreich längst als Familienfahrzeug etabliert. Während in Deutschland dreitürige VW Typ3 Variant, Opel Rekord A Caravan oder Ford Taunus Kombi meist gewerbliche Transportaufgaben erledigten, konnten gallische Familienväter bereits einen Peugeot 404 Familiale fahren – fünftürig und mit bis zu sieben Sitzen. Das ist zwar inzwischen über ein halbes Jahrhundert her, doch der Nutzwert und damit die Beliebtheit der Familientransportern blieb bei praktisch veranlagten Menschen erhalten – allen Auto-Moden zum Trotz. Das gilt heute ganz besonders für Kompakt-Kombis. Und so bitten wir ...

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... Peugeot 308 SW und VW Golf Variant zum Schlagabtausch.

Karosserie

Mit seinen markanten, senkrechten Tagfahrleuchten und der stimmigen Linienführung trägt der Franzose noch die Handschrift des ehemaligen Peugeot-Design-Chefs Gilles Vidal. Das Paket scheint nicht nur optisch gelungen, Platz gibt es nämlich genug: Für das Gepäck stehen bis zu 1634 Liter parat. Man weiß nicht, warum die spärlichen technischen Daten des VW-Konfigurators nicht einmal das Kofferraumvolumen beinhalten (611 bis 1642 Liter), denn verstecken muss sich der optisch eher von norddeutscher Nüchternheit geprägte Variant nicht – und auch für die Mitfahrer gibt es deutlich mehr Platz als im Peugeot. Überraschend: Der Gallier wartet mit einer hohen Material- und Verarbeitungsgüte auf, die dem des Golf nicht nachsteht. Wer die Ladekapazitäten des 308 SW nutzt, freut sich über eine serienmäßig dreigeteilte Rücksitzbank, Variant-Piloten steigern die Variabilität ihres Kombis mit einer klappbaren Beifahrersitzlehne (100 Euro). Zusätzlich trumpft der Wolfsburger mit höherer Zuladung (543 kg) und gebremster Anhängelast (1400 kg, Peugeot: 475/1200 kg) auf. Im Alltag ist der VW das übersichtlichere Auto, im Peugeot dagegen schränkt beim Abbiegen die zum Heck hin absteigende Dachlinie den Blick nach schräg hinten ein. Ein Pattsituation herrscht bei der Bedienung: Über Tasten beziehungsweise Touchfelder lassen sich in beiden Kombis diverse Bedienmenüs anwählen. VW hat es aber immer noch nicht ge- schafft, die Slider für die Temperatureinstellung zu beleuchten, während die Peugeot-Sprachbedienung von ernsten Verständnisproblemen geplagt ist.

Fahrkomfort

Bereits beim Platznehmen auf dem Fahrersitz fällt auf, dass die Sitzposition im Peugeot niedriger ist als im Golf. Auch die Polsterung des Franzosen fällt vorn wie hinten weicher aus als die seines deutschen Konkurrenten. Der Fairness halber muss man in diesem Zusammenhang aber auf den aufpreispflichtigen ergoActive-Fahrersitz im Variant (610 Euro) verweisen, der zusätzlich über eine Massagefunktion verfügt. Nach vielen hundert Kilometern Vergleichsfahrt bestätigt sich, was die erste Sitzprobe bereits vermuten ließ: Die strafferen Variant-Polster sorgen für einen höheren Langstreckenkomfort.

Peugeot

Connectivity

Für ein integriertes Navisystem berechnen die Franzosen beim 308 SW 800 Euro Aufpreis. Dafür gibt es dann auch TomTom Echtzeitnavigation und Over-the-Air-Karten-Updates. Wer nicht nur auf dem Weg zum Ziel telefonieren will, kann das mit der serienmäßig installierten Freisprecheinrichtung tun. Selbstredend wird auch eine Smartphone-Integration über Mirror Screen ohne Aufpreis mitgeliefert. Geht die Akku-Leistung zur Neige, lässt sich das Telefon ab der Ausstattungslinie Allure Pack kabellos laden. Mit der Peugeot Connect Box für 150 Euro gelangen Telematikdienste wie Pannenund Unfallhilfe GPSgestützt an Bord.

Bemerkenswert hinsichtlich der Feder-Dämpfer-Eigenschaften unserer Kandidaten: Beide rollen diesmal jeweils ohne optionale adaptive Dämpfer zum Test. Die Befürchtungen, sich damit automatisch einen schlechten Federungskomfort einzuhandeln, entpuppen sich dennoch rasch als unbegründet. Zwar ist die Bandbreite dessen, was die Feder-Dämpfer-Elemente von den Insassen fernhalten kleiner als bei den elektronisch geregelten Pendants, trotzdem lässt es sich auch mit den hier zur Verfügung stehenden Kapazitäten gut leben.

Beide wirken straff und leiten in unbeladenem Zustand bei einseitigen Anregungen kurze Stöße der Hinterachse recht ungefiltert an die Passagiere weiter. Der VWkann sich vom Peugeot allerdings vor allem auf Querrinnen und Fräskanten mit einem etwas geschmeidigeres Abrollverhalten leicht absetzen. Hier wird er weniger zu Aufbaubewegungen angeregt. Und voll beladen zeigt er auf Bodenwellen noch Reserven, wo der Franzose bereits durchschlägt. Auf Autobahnen erweisen sich die Rivalen als recht angenehme Begleiter – mit einer Einschränkung: Oberhalb der Richtgeschwindigkeit wird das Klangbild des Peugeot-Dreizylinders recht aufdringlich.

Motor / Getriebe

Mit ihren 131 (Peugeot) beziehungsweise 130 PS (VW) sind die Kombis nicht nur vernünftig, sonder auch gut motorisiert. Bei der Sprintprüfung von null bis zur 100-km/h-Marke nimmt der Peugeot dem VW mit gemessenen 9,6 Sekunden vernachlässigbare 0,3 Sekunden ab, in der Höchstgeschwindigkeit liegt dagegen der Golf Variant mit 214 km/h vorn (308 SW: 210 km/h). Aber auch das ist im Verkehrsalltag nicht wirklich von Bedeutung.

Wichtiger: Das dreizylindrige 1,2-Liter-Aggregat im Peugeot macht sich spürbar spritziger an die Arbeit als der 1,5-Liter-Vierzylinder-VW-Motor. Unter 2000 /min fällt dessen Antritt etwas müde aus, man muss entsprechend öfter zum Schalthebel des Sechsgang-Getriebes greifen. Die Anpassung der Übersetzung erledigt im 308 SW eine optionale Achtstufen-Automatik. Die handgeschaltete Variante stand für den Test nicht zur Verfügung. Die Automatik Marke Aisin im Franzosen sorgt mit ihren acht Stufen für ein niedriges Drehzahlniveau: 130 km/h entsprechen im achten Gang circa 2200 /min, hier benötigt der VW im sechsten Gang etwa 2750 /min. Einen Verbrauchsvorteil aus längerer Übersetzung und geringerer Zylinderzahl kann der Gallier dennoch nicht ziehen: Mit 7,0 Liter Super auf 100 Kilometern ist er fast einen Liter durstiger als der Teutone mit 6,1 Litern. Wie bereits im Komfortkapitel angedeutet, mangelt es dem schnarrenden Peugeot-Motor gegenüber dem VW-Aggregat obendrein auch an Laufkultur.

Der VW Golf Variant verträgt 543 Kilogramm Zuladung

Fahrdynamik

Mit Bremswegen um die 35 Meter aus 100 km/h bis zum Stand legt der Peugeot ein gutes Ergebnis vor. Dass es jedoch noch besser geht, stellt der Golf unter Beweis: Er braucht für die gleiche Übung zwischen 1,2 und 2,3 Meter weniger – jeweils mit kalter beziehungsweise mit warmer Bremse. Daran dürften allerdings auch die auf dem Testwagen montierten 18-Zoll-Räder mit den Reifen „Sportliche Fahrdynamik“ ihren Anteil haben, die Volkswagen für 1755 Euro offeriert.

Ansonsten geben sich beide Kandidaten lammfromm. Extreme Fahrmanöver werden jeweils vom elektronischen Schleuderschutz rechtzeitig eingebremst, wobei das VW-System den Golf Variant an einer etwas längeren Leine lässt als das recht früh, aber feinfühlig regelnde ESP den 308 SW. Bei Kurvenfahrt auf dem Handling-Parcours stellt sich schnell heraus, dass das kleine Lenkrad des fran- >

VW

Connectivity

Wer im Wolfsburger Bestseller sein Smartphone anbinden möchte, kann das werksseitig eingebaute App Connect-System nutzen. Für induktives Laden sind allerdings 465 Euro fällig. Die Nutzung von Online-Diensten mithilfe von We Connect beziehungsweise We Connect Plus ist technisch zwar vorbereitet, allerdings ist hierfür ein zusätzlicher Vertrag nötig. Eine Freisprecheinrichtung ist auch im VW Serie. Wer den Sound des serienmäßigen Radios und der installierten sechs Lautsprecher ein wenig aufpeppen möchte, kann das 480 Watt-Harman Kardon-Soundsystem inklusive 12-Kanal-Verstärker und Subwoofer für 680 Euro buchen.

zösischen Kombis kleinere Lenkwinkel erfordert als das größere Golf-Volant. Daran muss man sich anfangs etwas gewöhnen, wenn der Peugeot nicht zackiger abbiegen soll als gewünscht. In puncto Rückmeldung liefert allerdings die Progressiv-Lenkung des VW (215 Euro) das bessere Ergebnis. Summa summarum handelt es sich bei den beiden Familienkombis um sehr sichere Vertreter ihrer Zunft.

Die 100- km/h-Marke erreicht der Peugeot in nur 9,6 Sekunden

Umwelt / Kosten

Liegen beide Kandidaten im Basispreis noch nahezu gleichauf, ändert sich das Bild beim bewerteten Preis zugunsten des VW. Der Grund hierfür liegt darin, dass die Testbereifung des Peugeot an die teure Allure Pack-Ausstattung gebunden ist und laut Preisliste nicht einzeln erhältlich ist.

Auch bezüglich der Wartungskosten, zu denen Inspektionen und übliche Verschleißteile bei 20.000 Kilometern pro Jahr und einer Haltedauer von vier Jahren zählen, hat der VW laut ADAC die Nase vorn. Das Gleiche gilt für die Versicherungseinstufungen – hier ist der Peugeot in der Vollkasko gleich drei Typklassen schlechter eingestuft. Obendrein verursacht der Franzose höhere Spritkosten, sodass der Golf Variant am Ende den Kapitelsieg einfährt.

Den bepunkteten Test-Verbrauch pro 100 km ermitteln wir auf einer standardisierten, 108 km langen Route (Stadt, Land, Autobahn). Die EU- und WLTP-Verbräuche dienen nur als Orientierung und werden im Vergleichstest nicht bewertet.

FAZIT

Elmar Siepen

Dass er Design und Funktion gekonnt vereint, zeigt der Peugeot 308 SW auf vielen Feldern: Mit ordentlichem Ladevolumen, guter Variabilität, hoher Qualität und spritzigem, drehfreudigem Motor sammelt er kräftig Punkte. Trotzdem reicht es am Ende nur für Platz zwei. Der optisch deutlich nüchterner vorfahrende VW Golf Variant bietet noch mehr Platz, wartet mit einer umfangreicheren Sicherheitsausstattung auf, federt etwas besser und geht sparsamer mit dem Kraftstoff um. In der Fahrdynamik liegt er ebenfalls vorn. Nicht zuletzt trägt die bessere Kostenbilanz zum Testsieg des VW bei.