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Helden des Alltags


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Ein Herz für Tiere - epaper ⋅ Ausgabe 11/2022 vom 14.10.2022

Titelthema

Artikelbild für den Artikel "Helden des Alltags" aus der Ausgabe 11/2022 von Ein Herz für Tiere. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Ein Herz für Tiere, Ausgabe 11/2022

Es ist schwer, wenn man Hilfe braucht bei den einfachsten Dingen. Das weiß wohl die 21-jährige Frieda am besten. Sie sitzt aufgrund einer Infantilen Cerebralparese, einer Bewegungsstörung durch Störungen des Nervensystems und der Muskulatur, seit ihrer Kindheit im Rollstuhl. Doch Assistenzhund Aidan ist an ihrer Seite und ermöglicht ihr Tag für Tag, das Leben selbstständig zu meistern. Er ist ihr praktischer Helfer, wenn es darum geht, die Jacke oder Schuhe auszuziehen, Schubladen oder Türen zu öffnen oder den Schlüssel aufzuheben. Doch für Frieda ist der friedliche Golden Retriever nicht nur Helfer im Alltag, sondern noch viel mehr – er ist ihr Seelentröster, gibt ihr Selbstbewusstsein und ist obendrein ihr bester Freund.

Bedingungsloses Vertrauen

Assistenzhunde wirken auf allen Ebenen: psychisch, physisch, sozial und kognitiv. Sie ermöglichen ihren menschlichen Teampartnern, Teil der ...

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... Gesellschaft zu sein, statt sich nur am Rand zu bewegen.

Aidan ist bereits der zweite Assistenzhund an Friedas Seite. Zuvor war Fellow zwölf Jahre lang ihre „Medizin und ihr Held auf vier Pfoten“. Doch nach dem großen Verlust war der jungen Frau schnell klar: Ein Leben ohne Assistenzhund ist unvorstellbar. Und dann kam Aidan.

Ausgebildet wurde Aidan vom Verein Vita e.V. Vor 22 Jahren rief Tatjana Kreidler den gemeinnützigen Verein ins Leben und leistet seitdem mit der Ausbildung von Assistenzhunden für Kinder europaweit Pionierarbeit. „Das wichtigste Ziel von Vita war und ist es, Leben zu verändern, Menschen mit dem Assistenzhund ein neues Leben zu schenken und in einzelnen Fällen sogar Leben zu retten“, erklärt sie. Im Mittelpunkt steht dabei die enge Beziehung zwischen Mensch und Hund, die auf bedingungslosem Vertrauen und gegenseitiger Achtung basiert. So hat Vita e.V. schon vielen Menschen helfen können, mit dem tierischen Unterstützer an der Seite einen Weg zurück ins Leben zu finden.

Ortungsgeräte auf vier Pfoten

Helfen und Leben retten – das tun auch die vierbeinigen Helden des Technischen Hilfswerks (THW). Bei der Suche nach vermissten oder verschütteten Personen ist Eile geboten, und je schneller sie aufgespürt werden, desto erfolgreicher verläuft die Rettung. Hilfe erhalten die Mitarbeiter von Hunden, denn sie sind wahre Ortungsgeräte auf vier Pfoten. Hunde hören etwa doppelt so gut wie Menschen und nehmen Frequenzen war, die das menschliche Ohr nicht mehr aufnehmen kann. Das Ohr wird durch siebzehn Muskeln in alle Richtungen gesteuert, sodass es auch Geräusche hinter sich wahrnimmt. Die beweglichen Ohrmuscheln lassen den Hund Geräuschquellen zudem dreidimensional orten.

»Tiere tun uns gut – und das auf ganz verschiedenen Ebenen«

Die Hundenase Der richtige Riecher

Hunde können etwa eine Million Mal besser riechen als wir Menschen. Auch deshalb werden sie sehr erfolgreich eingesetzt. Sie gehen mithilfe ihrer Nase auf die Suche von Menschen. Dabei verfolgen sie ausschließlich den Geruch des Menschen und nutzen dabei die Tatsache, dass der Mensch ständig Hautzellen verliert, die für den Hund als Duftspur verfolgbar sind.

Auch die Hundenase ist viel feiner als unsere. Während der Mensch „nur“ über fünf Millionen Riechzellen verfügt, haben Hunde bis zu 220 Millionen. Ein weiterer Grund für die enorme Riechleistung ist die schnelle Atmung des Hundes. So kann er ständig neue Gerüche aufnehmen.

„THW-Suchhund spürt Rentnerin auf“, „Rettungshunde suchten vermisste Frau“ oder „Rettungshund findet vermisste Seniorin“ – das sind nur einige der Überschriften aus Nachrichten des vergangenen Jahres. Die Fellnasen sind außerdem in der Lage anzuzeigen, ob ein Mensch bei Bewusstsein, bewusstlos oder tot ist. So sind die Vierbeiner oft im Dienst des Menschen unterwegs – ob als Suchhund, als Flächensuchhund im Wald oder als Trümmersuchhund bei der Ortung von Verschütteten nach Erdbeben, Einstürzen oder Explosionen.

Krankheiten „erschnüffeln“

Hunde haben jedoch auch sonst oftmals den „richtigen Riecher“: So werden sie als Drogen-Spürhunde eingesetzt und sogar als Krebs-Spürhunde ausgebildet, denn sie besitzen die Fähigkeit, Krebszellen von gesunden Zellen zu unterscheiden. Sie können also über ihre Nase erschnüffeln, ob ein Mensch die Krankheit in sich trägt, und damit eine Früherkennung von Krebs anzeigen. Dies funktioniert sowohl direkt am Menschen als auch auf Entfernung über Proben der Atemluft, des Urins und des Speichels. Auf diese Weise lassen sich sogar unterschiedliche Krebsarten entdecken, unter anderem Hautkrebs, Lungenkrebs oder auch Prostatakrebs. Die Trefferquote wurde wissenschaftlich untersucht und liegt bei über 90 Prozent.

Eine andere Tierart tut wahre Heldentaten und schützt viele Menschen vor schlimmen Verletzungen oder sogar dem Tod: Die Rede ist von Ratten. In Kambodscha werden Riesenhamsterratten darauf trainiert, Sprengstoff zu erschnüffeln. Sie helfen dabei, gefährliche Landminen im Boden zu finden.

Schätzungen zufolge sind in dem südost-asiatischen Land noch rund zwei Millionen Landminen im Boden vergraben. Die Ratten haben nicht nur einen besseren Geruchssinn als Hunde – sie arbeiten auch sehr viel schneller als Menschen mit Metalldetektoren. Die Spürnasen finden Minen, die bis zu 20 Zentimeter unter der Erde vergraben sind. Die Nager sind so leicht, dass ihr Gewicht die Sprengkörper nicht zur Explosion bringt. An einer ganz langen Leine werden die Heldenratten über die Felder geführt, in denen Minen vermutet werden. Jedes Mal, wenn die Tiere Sprengstoff erschnüffeln, beginnen sie an der Stelle zu graben.

Goldmedaille für eine Ratte

Magawa heißt die berühmteste „HeroRAT“ von Kambodscha. Sie stammte aus Tansania und ist im Alter von neun Monaten nach Kambodscha gebracht worden. Nach einem Training spürte sie in fünf Jahren mehr als 100 Landminen und andere Sprengstoffe im Boden auf und hat so viele Menschen davor bewahrt, einen Arm oder ein Bein zu verlieren oder gar bei der Explosion einer Mine getötet zu werden.

Magawa hat für ihre Leistung eine Goldmedaille erhalten und hat als „Heldenratte“ einen der gefährlichsten Jobs der Welt grandios erledigt. Als Magawa im Januar 2022 starb, ging diese Nachricht um die ganze Welt. Doch der Nager ist nicht etwa durch eine Landmine gestorben, sondern im hohen Alter von acht Jahren friedlich eingeschlafen. Doch noch heute werden Ratten für die Minensuche eingesetzt: Derzeit sind weltweit 96 sogenannte HeroRATs im Minen-Einsatz.

Fremde Tiere verstehen lernen

Ein Besuch im Zoo kann für uns Wunder wirken – nicht nur, dass wir an der frischen Luft sind und spazieren gehen, sondern auch viel über die fremden kleinen und großen Tiere lernen. Ob mit Schuppen, Fell, Federn oder glatter Haut – was man nicht kennt, kann man weder verstehen noch schützen. Somit sind Zoos oder Wildtierparks bedeutende Institutionen, um den Besuchern wichtige Informationen über die Lebensweise, den Lebensraum und das Verhalten der verschiedenen Tierarten zu vermitteln. Wer erinnert sich nicht an Eisbär Knut aus dem Zoologischen Garten in Berlin, der Tausende von Fans hatte? Vor allem Kinder wollten daraufhin alles über das weiße plüschige Tier erfahren, das normalerweise im hohen Norden in Eis und Schnee lebt – und wussten bald besser Bescheid über das Verhalten, den Lebensraum und die Bedrohung von Eisbären als ihre Eltern. Somit haben Zoos und Tierparks einen wichtigen Bildungsauftrag und tragen darüber hinaus in vielerlei Hinsicht auch zum Artenschutz bei.

Es gibt jedoch auch Tierparks, in denen gerettete Tiere ein neues und artgerechtes Zuhause erhalten. Eines dieser Tier-Refugien ist der Bärenwald Müritz: das Bärenschutzzentrum in Mecklenburg-Vorpommern, das die Tierschutzorganisation Vier Pfoten 2006 eröffnet hat. Auf dem 16 Hektar großen Gelände bietet es 17 Bären aus schlechter Haltung ein neues artgerechtes Zuhause.

Besucherinnen und Besucher können sich an Stationen im Gelände über das Leben der Tiere informieren. Betreute Führungen und Vorträge machen auf das Thema der privaten Wildtierhaltung in Deutschland und die damit verbundene Tierschutzarbeit aufmerksam. Ein weiteres Bärenschutzzentrum befindet sich in der Schweiz: Im Bärenland Arosa haben Bären, die früher angekettet in einem winzigen, schmutzigen Käfig leben mussten, eine neue Heimat gefunden. Auf der Bärenplattform erfahren die Besucher neben den Geschichten der Bären aus Serbien, Albanien und der Ukraine auch viele weitere spannende Bärenfacts.

Heilende und tröstende Pfoten

Der große Golden Retriever legt seine Pfote auf das Knie von Günther Merkert. Der demenzkranke Mann lächelt und freut sich über den Kontakt mit dem Hund. „Es ist immer eine riesige Freude, wenn Paul zu uns kommt“, sagt er und streicht dem Vierbeiner sanft über den Kopf. Paul ist Besuchshund in der Sozialstation Impuls, einer Tagespflege in Berlin. Einmal pro Woche bringt ihn sein Herrchen Michael Bittrich hierher, um in großer Runde zu zeigen, was der Vierbeiner alles kann. „Ich habe mit Paul eine sechsmonatige Besuchshundeausbildung bei den Maltesern absolviert und bringe ihn nun einmal pro Woche in diese Einrichtung“, erklärt Herrchen Bittrich.

Für ihn selbst sei es jedes Mal wieder ein emotionales Erlebnis, wenn die Männer und Frauen mit dem vierjährigen Hund interagieren. „Sie blühen förmlich auf, wenn Paul in den Raum kommt“, sagt er. Das kann Pflegedienstleiterin Manuela Baumgart nur bestätigen: „Unsere Tagespflege-Besucher warten immer schon darauf, dass Paul zu uns kommt. Er tut ihnen sichtlich gut. Außerdem werden durch den Hundekontakt bei den dementen Besuchern auch Erinnerungen geweckt“, fügt sie hinzu. Spielerisch bezieht der Hundeführer die „älteren Herrschaften“ mit ein, verteilt die Kuscheltiere des Hundes, die Paul dann selbstständig von jedem Einzelnen zurückholt. Dem Hund macht der Besuch in der Tagespflege ebenso Spaß wie den Seniorinnen und Senioren. Kein Wunder – haben die Hunde doch eine durchweg positive Wirkung.

»Es müsste Hunde, Katzen, Kaninchen und andere tierische Mitbewohner auf Rezept geben«

Heilende, helfende Wesen

Doch nicht nur Hunde haben diese Wirkung, sondern auch Katzen, Pferde oder Therapieschweine. Körperliche Gebrechen wie Parkinson, Skoliose oder Rückenbeschwerden können mit der sogenannten Hippotherapie behandelt werden, einer Art Krankengymnastik auf dem Pferd. Denn durch die Bewegung des Pferdes werden Muskelverspannungen gelöst

und das Gleichgewicht geschult – das ist eine echte Wohltat für Kinder und Erwachsene mit neurologischen oder orthopädischen Erkrankungen.

Doch auch unsere Samtpfoten zu Hause haben heilsame Fähigkeiten: Das sanfte Katzenschnurren beispielsweise hat mehrere positive Effekte: Das gleichmäßige Geräusch beruhigt, senkt den Blutdruck, hilft bei Schlafstörungen und beugt zudem Muskelschwund vor. Außerdem regen die tiefen Frequenzen des Schnurrtons das Knochenwachstum an und wirken der Osteoporose entgegen.

Auch Schweine haben eine positive Wirkung auf Menschen, vor allem bei Demenz: Was für Ärzte und Pflegepersonal oft ein Kraftakt ist, schaffen borstige und grunzende Vierbeiner mühelos: Sie bringen kranke Menschen körperlich und geistig in Bewegung.

Ob nun Hunde- oder Schweinebesuch: Dass eine tiergestützte Therapie Demenzkranken helfen kann, sich Vergessenes oder Verlerntes in Teilen wieder anzueignen, die Wahrnehmungsfähigkeit steigern und Lernprozesse ermöglichen kann, belegen wissenschaftliche Studien. Auch negative Folgesymptome wie Aggressionen, Angstgefühle, Depressionen oder Selbstisolation können Tiere mildern.

Kevin nicht allein zu Haus

Es müsste also Hunde, Katzen, Vögel, Kaninchen und andere tierische Mitbewohner auf Rezept geben, denn uns tun fellige, schuppige, und gefiederte Begleiter einfach unheimlich gut. Das haben wir vor allem während der Corona-Pandemie erlebt. Die Einsamkeit im Lockdown hat nicht gutgetan, teils sogar zu Angstzuständen und Depressionen geführt. Doch viele Menschen haben sich einen tierischen Bewohner mit in die eigenen vier Wände geholt – und diese haben Stress und Angst einfach weggeschnurrt oder weggekuschelt. Aber Tiere können noch auf andere Art die Einsamkeit lindern: Sie trösten stumm über den Tod des Partners hinweg oder bringen neues Leben ins Haus, wenn die Kinder ausziehen. Meerschweinchen, Wellis oder Katzen sind gute Zuhörer. Die Nähe, der Hautkontakt und das weiche Fell oder Gefieder können selbst in den dunklen Stunden ein Gefühl der Zuversicht schenken.

Und es ist doch schöner, mit einem Hund Gassi zu gehen als allein. Zudem tut Bewegung gut – bei jedem Wetter. Außerdem kommen Herrchen oder Frauchen mit der Fellnase an der Leine leicht mit anderen Hundebesitzern in Kontakt und ins Gespräch – und die Einsamkeit ist passé!

Fazit

Was die Fellnasen oder Kuscheltiger uns geben, ist viel mehr, als wir uns meist bewusst sind. Die kleinen und großen „Helden des Alltags“ haben es verdient, dass wir Danke sagen. Sie zögern nicht, wägen nicht ab, geben immer 1000 Prozent und sind immer für uns da, vor allem, wenn wir Hilfe brauchen oder in Not sind. Ganz egal, wie wir morgens aussehen oder wie schlechtlaunig wir von der Arbeit nach Hause kommen: Fiffi, Waldi oder Torro freuen sich immer, uns wiederzusehen. Wir wären so viel ärmer ohne unsere tierischen Begleiter – sie bereichern uns täglich durch ihre bedingungslose Liebe, das unendliche Vertrauen und ihren großen Mut. Danke, Ihr kleinen und großen Helden ...