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HENGSTLEISTUNGSPRÜFUNG KÜNFTIG OHNE MINDESTNOTE


Der Trakehner - epaper ⋅ Ausgabe 1/2020 vom 30.12.2019

Im Rahmen einer außerordentlichen Sitzung im Dezember hat der Beirat Zucht der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) die Liberalisierung der Hengstleistungsprüfung (HLP) beschlossen.


Mit großer Mehrheit stimmten die Vertreter der Zuchtverbände für die Abschaffung der gemeinsamen Mindestnoten, um in das Hengstbuch I eingetragen zu werden. Die Zuchtverbände können jedoch auch weiterhin eine Mindestnote festlegen oder sich dafür entscheiden, zukünftig Hengste aufgrund absolvierter HLP einzutragen. Die Verpflichtung zur HLP-Teilnahme des bisherigen Systems bleibt bestehen. Einstimmig angenommen wurden neue Standardparcours, das Verbot von Hinterbeingamaschen bei jeder HLP sowie die Möglichkeit für Hengsthalter, ihre Pferde auf eigenen Wunsch von bereits begonnenen Stationsprüfungen zurückzuziehen. Dies war bisher nur bei den Sportprüfungen möglich. Die Neuerungen gelten ab 2020.

Im Mai bei den FN-Tagungen hatte der Beirat Zucht der Idee, der Hengstleistungsprüfung den Charakter eines für alle verbindlichen „Qualitätschecks“ ohne gemeinsame Mindestnote zu verleihen, noch eine Absage erteilt. Nun fand eine angepasste Änderung in der Zuchtverbandsordnung eine große Mehrheit. „Statt ständig über notwendige Systemveränderungen auf Grund von durchgefallenen Hengsten zu diskutieren, bietet die Möglichkeit zur Abschaffung der Mindestnote nun jedem Zuchtverband die Chance, den Fokus auf die Hengste mit besonders guter Leistung zu legen und diese herauszustellen“, sagte Dr. Klaus Miesner, Geschäftsführer des FNBereichs Zucht. Entsprechend stimmten die Zuchtverbände auch der Idee zu, ihre besonders erfolgreichen HLP-Absolventen mit einer Prämie oder mit einem Titel auszuzeichnen. „Dem Warentest liegt der Gedanke zugrunde, dass die Züchter mündig genug sind, die Einzelergebnisse der Hengstleistungsprüfungen zu interpretieren und für sich und ihre Zuchtentscheidungen zu nutzen. Die geplante Veröffentlichung der Ergebnisse der Linearen Beschreibung der einzelnen Hengste in der Sport- und Stationsprüfung bringt einen höheren Informationsgewinn als die Einzelnoten. Außerdem wollen die Verbände weniger bevormunden und die Hengste mit guten Ergebnissen stärker herausstellen“, kommentierte der Zuchtleiter und Geschäftsführer des Trakehner Verbandes, Lars Gehrmann, die Entscheidung.

„Der Wunsch der meisten Zuchtverbände ist es, ihren Marktauftritt selbst zu regeln. Sie sehen die Zuchtverbandsordnung als Leitplanken, innerhalb derer sie nach den eigenen Bedürfnissen agieren wollen“, bekräftigte Theodor Leuchten, Vorsitzender des Bereichs Zucht der FN. Konsequenterweise stimmte der Beirat daher auch der individuellen Festlegung einer Mindestnoten bei den Körungen zu.

Bereits im Mai hatten sich die Zuchtverbände für die Ausstellung von Abstammungsnachweisen auch für Hengstbuch II-Nachkommen ausgesprochen. Zusätzlich wurde jetzt auch beschlossen, sowohl bei Hengst- als auch bei Stutfohlen, deren Väter (noch) nicht endgültig ins Hengstbuch I eintragfähig sind, dies entsprechend im Pferdepass kenntlich zu machen.

DISKUSSION ZUM KÖRSYSTEM DER ZUKUNFT

■ Im Rahmen ihrer Dezembertagung in Warendorf haben sich die Vorsitzenden, Zuchtleiter und Geschäftsführer aller der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) angeschlossenen Zuchtverbände schwerpunktmäßig neben dem Thema Hengstleistungsprüfung auch mit der Zukunft des Körsystems und der Vorbereitung auf die Körung auseinandergesetzt.

Es wurde einstimmig beschlossen, diese einer kritischen Überprüfung durch eine Arbeitsgruppe zu unterziehen. Erste Teilergebnisse sollen im Mai 2020 bei den FNTagungen vorgestellt werden. Hintergrund sind die „Leitlinien Tierschutz zu Umgang und Nutzung von Pferden unter Tierschutzgesichtspunkten“ des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, die sich seit 2017 in der Überarbeitung befinden und im kommenden Jahr verabschiedet werden sollen. Auswirkungen auf das Körwesen hat vor allem der Beginn der zielgerichteten Nutzung von Pferden, der in den neuen Leitlinien auf 30 Monate definiert werden soll. „Es waren sich alle einig, dass Veränderungen unausweichlich sein werden. Durch die Umsetzung der Leitlinien ergeben sich Konsequenzen, die wir nicht ignorieren können. Daher ist es wichtig, dass wir als Fachleute selbst ein Konzept erarbeiten, bevor uns womöglich irgendwann von außen erklärt wird, wie das Körgeschehen künftig abzulaufen hat“, sagt Theodor Leuchten, Vorsitzender des FN-Vorstands Zucht.

Laut Beschluss der Zuchtverbände soll nun eine Arbeitsgruppe aus Zuchtverbandsvertretern, Hengsthaltern und Ausbildern das Kör- und Vorbereitungssystem einer kritischen Überprüfung unterziehen und gemeinsam ein Konzept mit den notwendigen Änderungen und Maßnahmen zur Umsetzung erarbeiten.

fn-press

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