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HERR SENN FÄHRT VAN: EIN AUTO OHNE BETT IST KAPUTT!


Walter Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 4/2020 vom 14.10.2020

Zuwachsraten wie Nasen- und Ohrenhaare ab 50! Wenn auf dem vor sich hin siechenden Automarkt gerade irgendwas boomt, dann sind es Campervans. Wohnmobile auf Kastenwagenbasis. Jeder will einen, jeder braucht einen. Auch Ihr! Und somit auch der Herr Senn. Und den begleiten wir in den nächsten Ausgaben auf dem Weg durch die Modelle zu seinem Favoriten. Eine Real-Life-Echtzeit-Kaufberatungs-Verfolgung zum Nachmachen. Start der Serie: VW Grand California 600 und Ford Transit Custom Nugget Plus. Kann einer der beiden schon das Rennen machen?


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Bildquelle: Walter Magazin, Ausgabe 4/2020

„Ein Auto ohne Bett ist kaputt“! So sagt es ...

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... VW-Nutzfahrzeuge-Produktkommunikationsmann Christian Schlüter. Und er scheint Recht zu haben. Die Hersteller können gar nicht so schnell liefern wie bestellt wird. Es gibt tatsächlich Modelle, die eine Wartezeit bis Mitte 2024 haben. Und zu diesem Satz muss man beinahe schon die Uhrzeit des Schreibens dazufügen, weil es sich minütlich nach hinten verschiebt. Der Caravan Salon in Düsseldorf war gerade die einzig genehmigte Groß-Messe mit 20.000 Besuchern pro Tag. Der Fiat Ducato als Platzhirsch unter den Campervans war im Mai auf Rang zwei der Zulassungsstatistik in Deutschland nach dem Golf. Platz zwei! Auch wenn die Branche schon seit Jahren boomt, so hat Corona doch noch mal für eine totale Bestellungsexplosion gesorgt. Wenn man nirgendwo mehr getrost hinfliegen darf, dann will man eben in den eigenen vier Kastenwagen-Wänden verreisen. 29 Prozent Zuwachs allein im Mai! Und auch viele Berufstätige haben es im Lockdown gemerkt: Was tun, wenn alle Hotels geschlossen sind, man aber Termine hat? Außendienstler, Handwerker, Pressefritzen - wir alle saßen tatenlos zu Hause, weil wir nirgendwo übernachten konnten.

Aber hey, jetzt wollen wir mal nicht mit Fakten kommen, so ein Campervan macht auch einfach Spaß. Wenn man den FÜR SICH richtigen hat. Und darum soll es in den nächsten Ausgaben gehen. Ein kleiner Leitfaden, um den persönlich perfekten Campervan zu finden. Denn so klein der Raum in einem Ducato, Jumper, Boxer, Sprinter, Crafter oder TGE auch ist: so unterschiedlich sind die Basisfahrzeuge und die möglichen Ausbauten. Als allererstes muss man sich mal überlegen, was man überhaupt mit dem Camper vorhat. Also wirklich lange und gut und intensiv und auch ehrlich nachdenken. Was will ich damit machen? Wie oft fahre ich? Wohin fahre ich? Will ich oft freistehen oder lieber auf einen Campingplatz mit Strom und Ver- und Entsorgung? Soll er nur auf der Straße fahren oder auch mal an den einsamen Strand? Wie viele Personen werden REALISTISCH mitfahren? Koch ich gern? Wie groß bin ich? Will ich Fahrräder mitnehmen? Oder gar ein motorisiertes Zweirad? Will ich den Camper für immer behalten (sicher nicht) oder muss ich bei der Auswahl des Fahrzeuges und der Ausstattung auch auf den Wiederverkaufswert achten?

DENKT AN DEN WIEDERVERKAUFSWERT

Bevor wir alle weiteren Fragen aufführen, beginnen wir mal mit der letzten: Der Wiederverkaufswert ist superwichtig! Denn: Selbst wenn ich in meiner Fantasie bis ans Lebensende mit meinem Camper auf dem Sitz-Lammfell dem Sonnenuntergang entgegen reite, wird es einfach nicht so sein. Verschärfte Abgasnormen sind irgendwann der sichere Tod des eigenen Campers, Bedürfnisse ändern sich, Geschmack ändert sich, neue Modelle rufen laut hier, irgendwann krabbel ich eben doch nicht mehr mit der Eleganz einer rumänischen Bodenturnerin in das Hochbett - wenn ich das Hochdach bei Sturm überhaupt ausklappen kann und nicht wieder aufrecht im Fahrersitz übernachten muss. Darum denkt an den Wiederverkaufswert. Das Schnäppchen vom Billiganbieter ist nur kurz ein Schnäppchen. In zehn Jahren wird der Gebraucht- markt geflutet sein. Und dann ist es gut, ein beliebtes Modell eines renommierten Ausbauers mit Top-Ausstattung anbieten zu können. Und nicht mangels Nachfrage im einstigen Schnäppchen ein Grünkohl-Gewächshaus im Garten anlegen zu müssen.

Aktuell ist das egal. Durch die langen Lieferzeiten existiert quasi gar kein Gebrauchtmarkt. Ein Westfalia Columbus oder ein Hymer Grand Canyon gehen auch als Gebrauchte zum Neupreis weg. In Minuten. Aber wie gesagt: das ändert sich in ein paar Jahren.

Natürlich soll man nicht nur an den Nächsten denken, aber eben auch. In allererster Linie muss der Wagen schon zu seinen aktuellen Bedürfnissen passen. Grundentscheidung ist erstmal: Dieselheizung oder Gasheizung. Gasheizung ist verbreitet und günstig. Aber wenn ich nicht neben einer Gasflaschen-Station bei kühlem Wetter urlauben will, dann sollte man auf jeden Fall eine Dieselheizung bevorzugen. Gasflaschen bei Heizungsbetrieb im Winter halten selten eine Woche. Drei Tage sind realistischer. Während ein 90 Liter-Dieseltank quasi gar nicht leer zu heizen ist.

Fast noch wichtiger ist die Körpergröße. Bitte vergesst alle Prospektzahlen, das persönliche Wohlfühlgefühl im Bett lässt sich nur selbst erliegen. Im Kastenwagen gibt es drei Bettenlösungen: Querbett, Längsbett oder Hubbett (wahlweise mit Alkoven oder Aufstelldach). Das sind völlig unterschiedliche Formen des Schlafens. Allerdings kommt es dabei nicht nur auf persönliche Schlafgewohnheiten an, sondern auch ein bisschen auf die Wahl des Autos. Fiat Ducato, Citroen Jumper und Peugeot Boxer sind bis auf Motoren, Getriebe und Logos identische Autos und durch die sehr kastige Form die breitesten am Markt. Es ist dort also am Einfachsten, ein platzsparendes Querbett mit einer Liegelänge nahe der 2 Meter unterzubringen. Querbetten ermöglichen es in der Regel, die Fahrzeuge knapp unter 6 Meter zu halten. Was a) für Parkplätze in der Stadt sorgt, b) für günstigere Fährpreise und c) ziemlich sicher gewährleistet, dass das zulässige Gesamtgewicht unter 3,5 Tonnen bleibt. Gerade Letzteres ist aus vielen Gründen wichtig: jüngere Menschen dürfen keine Autos mehr über 3,5 Tonnen mit ihrem PKW-Führerschein fahren, über 3,5 Tonnen ist Tempo 100 und jährlicher TÜV angesagt. Da wären wir wieder beim Wiederverkauf. Nicht.

LÄNGSSCHLÄFER ODER QUERSCHLÄFER?

Sprinter, Crafter und MAN (quasi Baugleich mit Crafter) laufen nach oben hin schmaler zu und ermöglichen Querbetten nur mit Ausstellohren auf Höhe der Betten. Ohne: keine Chance quer zu schlafen. Dann bräuchte es Längsbetten. Und die wiederum brauchen mit ihren knapp 2 Metern Länge natürlich viel mehr Platz im Fahrzeug als Querbetten. Das geht dann entweder zu Lasten von Küche, Bad und Sitzgruppe oder es muss auf deutlich über sechs Metern gegangen werden. Was die Parkplatzsuche erschwert und auch bei ordentlicher Ausstattung sehr sehr eng wird mit den 3,5 Tonnen. Nur wenige Hersteller schaffen das mit Leichtbaumöbeln.

Gleiches gilt auch ein bisschen für die Hochdach-Variante mit Bett oben. So ein Dach ist schwer. Dafür ist das Bett riesig. Genug Theorie für heute, damit machen wir im nächsten Heft weiter. Kommen wir zu unseren ersten beiden Testkandidaten. Ausgesucht wurden sie - gar nicht. Denn eigentlich waren meine persönlichen Kriterien zu Beginn ganz andere. Ich glaubte mit 1,87 Meter Körpergröße sicher zu den Längsschläfern gehören zu müssen, was sich bald als Unfug rausstellte. Mit 1,87 passt man mindestens in jeden Fiat und auch in die Crafter und Sprinter mit aufgesetzten Segelohren. Aber hey, das war am Anfang (meine aktuelle Wunschliste seht Ihr im Extra-Kasten).

DAS DESIGNER-STÜCK: VW GRAND CALIFORNIA 600

Bestellt für den Test war aus diesen irrtümlichen Annahmen also der Grand California 680. Wie der Name schon sagt, ein 6,80 Meter langer Crafter mit Längsbetten und Serienhochdach. Das fand ich schicker als die nachträglich aufgesetzten Rigips-Geschwüre, die definitiv von einem Techniker an der Design-Abteilung vorbei “gestaltet“ wurden. VW hatte aber keinen 680er und schickte nun einen Grand California 600. Das ist die Sechs-Meter-Version, mit eben einem solchen greislichen Hochdach. Und Querbetten. 1,91 lang. Und noch ein Hubbett im Dach um die Kinder mitzunehmen. Allerdings wirklich nur Kinder. Für Erwachsene ist dieses Bett nicht gedacht. Und wenn, dann nur für sehr übersichtlich in die Höhe gewachsene Minimalerwachsene.


Wer nicht neben einer Gasflaschen-Tauschstation campen will, sollte eine Dieselheizung wählen


Auch wenn es gerade der große Trend ist, Kastenwagen durch die zusätzlichen Hochbetten zu Familienmobilen hochzurüsten: Spätestens auf der Waage holt einen dieser kurzlebige Trend wieder ein. Es werden ja nicht nur die Autos schwerer, ich muss ja auch Gepäck für vier Leute ins Auto kriegen. Und die vier Leute. Dafür sind die meisten Autos von Haus aus einfach schon zu nah an der 3,5 Tonnen-Grenze. Mir ist es wurscht, ich würde sowieso niemals mit mehr als einer weiteren Person in einem Kastenwagen verreisen wollen. Und niemand von Euch, wenn es mal eine Woche geregnet hat und du zu viert da drin hocken musst. Das geht einfach nicht, ohne dass am Ende nur drei überleben. Mit Glück.

Runde Sache: die Designer des VW Grand California kommen weder aus dem Barock noch aus Gelsenkirchen. Ähnlichkeiten mit Privatflugzeugen sind nicht auszuschließen


Nun hatte ich also ein Auto, was so gar nicht meiner Wunschkonfiguration entsprach. Und doch war er am Ende des Tests mein Freund geworden. Was an zwei Dingen lag: Das Innenraum-Design des Grand California ist wirklich mal im Jahr 2020 angekommen. Während bei den einen Kollegen gern wahlweise das Wohnzimmer meiner Großmutter Adelheid exakt nachgestellt wurde, haben andere einfach einen Satz Möbel und Geräte durchs offene Fenster geworfen und so lange verschoben, bis sie irgendwie übereinander standen und die Tür zuging. Nicht so bei Volkswagen: Design von vorne bis hinten. Nichts dem Zufall überlassen. Alles weiß, alles abgerundet, alles wirklich modern und schön. Ja, man sieht jeden Fleck drauf. Aber man sieht ihn und kann ihn einfach abwischen. Auf dem Modell „Nordmanntanne Osnabrück“ sind die Flecken auch. Die Leute schleppen sie nur mit, weil sie sie nicht sehen.

FREIE PLATZWAHL IN DER 1. KLASSE

Highlight sind die Oberschränke im Grand California, die sehr an eine Boeing oder einen Airbus erinnern. Und da ein Camper ja der legitime Ersatz zum überflüssigen Urlaubsflieger ist, fühlt man sich sofort heimisch. Und das bei freier Platzwahl in der 1. Klasse. Auch toll: Ein einziges Touchscreen-Panel für die gesamte Fahrzeugtechnik. Üblich ist eine Ansammlung von Schaltern, Rädchen und piefigen 80er-Jahre-Displays, die man noch aus seinem Nokia-Handy kennt. Von sieben Herstellern in acht Looks. Das kommt im Grand California nicht in Frage. Hier fährt das Auge mit! Und zwar gern. Aber das war nur ein kleiner Teil, der mich begeistert hat.

SEGELFLÄCHE WIE DIE GORCH FOCK

Der wahre King ist das Auto an sich. Und das darf man schon mal im ersten Teil unserer Serie vorwegnehmen: es gibt derzeit kein besseres Basisauto als den Crafter mit seiner absolut fortschrittlichen Technik. Keiner der Konkurrenten hat (wenn überhaupt) einen so perfekten Spurhalteassistenten wie der Crafter. Ihr könntet zusammen mit dem Abstandshalte-Tempomaten-Dingenskirchen (auch wenn ich meinen Begriff besser finde, heißt es offiziell „Automatische Distanzregelung ACC follow to stop“) absolut problemlos während der Fahrt auf einer kurvigen Bergstraße einen Fahrerwechsel vornehmen! Dem Auto wär es egal, es würde weiter gen Gipfel steuern. Oder der Einpark-Assistent, der Parklücken erkennt, in die das 6-Meter-Viech reinpasst und das Einparken dann auch gleich für Euch übernimmt. Gibt es bei keinem anderen Anbieter (außer natürlich beim baugleichen MAN TGE). Und der Seitenwindassistent! Ein Träumchen beim VW. So ein Auto hat mit seinen sechs Metern Länge und drei Metern Höhe bei starkem Seitenwind die Segelfläche der Gorch Fock! Da sind Spurwechsel nicht immer gewollt, aber an der Tagesordnung. Nicht so mit dem perfekten System des VW. Der zuckt nicht mal einen Zentimeter, wenn Ihr auf der Autobahn beim Überholen eines LKW auf die Sturmfront Helga knallt. Ist dem VW egal. Haben wir in dieser Qualität wirklich noch nicht erlebt.


Bitte nicht Probeliegen wie im Sarg. Niemand schläft so.


Das Bett, ja, hmm, es ist knapp. Man ist im Liegen einfach größer als im Stehen, weil die Füße nach vorn abklappen. Aber hey: macht bitte beim Probeliegen nicht den Fehler und legt Euch in so ein Bett wie in einen Sarg. Niemand schläft so. Simuliert es wirklich richtig, legt Euch so hin, wie Ihr zu Hause auch einschlafen würdet. Und dann passen plötzlich viele Betten. Das Dachbett im GC 600 ist hingegen wirk- lich nur was für Kinder. Und kann auch bei Nichtgefallen einfach nicht angekreuzt werden, wenn man lieber zu zweit unterwegs ist und dafür eine Stehhöhe wie im Ulmer Münster haben will. Das ist der wirkliche Segen des unschönen Daches: während man in den Fiats meist nach zwei Wochen die Wege des Hausherren am Haargelstreifen entlang des Dachhimmels ablesen kann, ist im Crafter bei Regen auch mal ein Basketballspiel mit Dunk-Contest drin.

AUFPREISLISTE VON WOLFSBURG BIS HANNOVER

Stauraum im Heck ist reichlich gegeben, Zuladung geht auch. Der VW-Konfigurator rechnet beim rumspielen nicht nur die Preise mit, sondern auch das Gewicht. Und irgendwann meldet er dann, dass ab diesem einen Teil nun die Auflastung auf 3,8 Tonnen nötig wäre. Beim Grand California 680 taucht dieses Fenster übrigens spätestens nach 30 Sekunden Zubehör-Orgie auf. Durch die Länge ist er einfach zu schwer.

Noch ein Wort zum Konfigurator: Die Options- und Aufpreisliste reicht ausgedruckt von Wolfsburg bis Hannover. Den Grundpreis verdoppeln ist also überhaupt kein Problem. Das gilt allerdings für jedes Wohnmobil, je nach dem, was man gern hätte. Und bei VW gibt es eben viel mehr als beim Ducato.

Allrad allerdings im Moment nicht: Anfangs wurden einige wenige GC noch mit 4-Motion geliefert, diese Option fehlt zurzeit. Alle Hersteller haben Probleme mit Gewicht und Abgasnormen, wann der 4-Motion zurückkommt, konnte man uns noch nicht sagen.

Zusammengefasst: Wer auf Design und klare Linien steht, wer das Auto mit den besten Helfern sucht und auf PKW-Niveau fahren will: nimmt auf jeden Fall den Grand California. Man muss aber sehr tapfer bei der Aufpreisliste sein. Wenigstens eine Wahl hat VW den Interessenten abgenommen: es gibt nur eine einzige Motorisierung, Ende: den Zwoliter mit 177 PS und 8-Gang-Automatik. Großer Vorteil: Bestellung und Wartung direkt beim VW-Nutzfahrzeughändler! Weltklasse: die zweigeteilte Fliegenschutztür - gibt es so bei keinem anderen Hersteller! Preis AB 55.000 Euro.

ANDERS ALS DIE ANDEREN: FORD NUGGET

Eine ganz andere Weltanschauung ist unser zweiter Kandidat. Und auch da wurde nicht das geliefert, was wir bestellt hatten. Weil es einfach noch kein fertiggestelltes Fahrzeug gab. Wir hatten uns den Ford Big Nugget mit Westfalia-Ausbau auf Transit-Basis gewünscht. Weil er den klassischen Grundriss haben wird und es den Transit auch mit Allrad gibt. Theore- tisch. Bekommen haben wir stattdessen den eine Nummer kleineren Ford Nugget Plus, der mit seinen 5,34 Meter auf dem Ford Transit Custom basiert und ein von seinen Fans vergöttertes alternatives Innenraumkonzept mitbringt. Er hat erstens 5 Sitze, was sonst kein Konkurrent hat, und zweitens die Küche im Heck und nicht neben der Schiebetür, wie es sonst in 99 Prozent der Fälle üblich ist.

Renntauglich: Alle großen Fords fanden in Hockenheim großen Anklang!


Was dafür sorgt, dass man beim ersten Betreten des Nugget Plus erstmal lost ist und ein „Hä?“ im Gesicht auflegt. Man geht also trotz des kurzen Fahrzeugs zu Beginn ein bisschen auf und ab und versucht sich zu orientieren. Tausend Staufächer an Stellen, wo es sonst keine gibt. Eine wirkliche L-Küche im Heck, in der man die Hamburger Sommer auch mal drinnen mit einer Küchenparty vergessen machen kann. Und durch die (anders als bei der Konkurrenz) nach oben schwenkende Hecktür sogar noch einen überdachten Raucherbalkon vorfindet. Nur: wo ist die Heckgarage für das ganze Gerödel, die bei traditionellen Grundrissen an dieser Stelle unter dem Heckbett ist? Einfach nicht da! Und wo überhaupt ist das Bett?

FÜNF SITZE? NUR IM NUGGET!

Man muss den Nugget einfach anders betrachten. Er ist der perfekte Begleiter für jeden Tag. Der Übergang zwischen CamperBus und Campervan auf Kastenwagenbasis. Man kann eben mal zu fünft irgendwo hinfahren, zusammen kochen, ein feines Wochenende haben. Wir hatten den Wagen beim Trackday von Chromecars in Hockenheim dabei und ich kann sagen, dass der Nugget die gleiche Aufmerksamkeit bekommen hat wie die reichlich aufgefahrenen Millionen-Boliden. Für einen Motorsportler ist der Nugget ein Traum. Bei jeder Besichtigung an diesem Wochenende sind die Leute bald ausgetickt, ob des Raumgefühls in diesem Auto. Das Geraffel hat man eh im Renntransporter, ist kein Thema. Aber diese Heckküche, die Sitzplätze, dieses Gefühl eines eigenen Aufenthaltsraums, das kannten die Jungs nicht. Auch wenn das Interieur eher ein bisschen wie die Spinde im Hallenbad Süd aufgebaut ist, freut man sich über die kopfsteinpflastersichere Qualität des Westfalia-Ausbaus und findet auch nach einer Woche noch ein Türchen, welches man bisher nicht geöffnet hatte. Nuggetfahrer haben so in der Weihnachtszeit immer ihren Adventskalender dabei.

L-Küche, 5-Sitzer, King-Size Bett: Der Nugget Plus macht vieles besser als die anderen. Nur über das freistehende Klo in der Küche musste sogar Niki Schelle lachen.



29% ZUWACHS JEDER WILL EINEN, JEDER BRAUCHT EINEN!


MIT DEM NACKTEN ARSCH VOR PUBLIKUM

Einen Extra-Absatz bekommt das Bett. Während man die Sitzgruppe mit ein bisschen Geduld auch zu einem Bett faltenschiebenklappenrichten kann, ist das wahre Bett im Turm des Nugget angerichtet. HIER kann JEDER schlafen. Egal wie groß. Es ist weit über zwei Meter lang, hat eine angenehme Nachtsrumdrehhöhe und ist so breit wie das Auto. Ich bin wahrlich überhaupt kein Freund dieser Dachbetten, aber das hier ist wirklich perfekt. Man schläft wie ein Stein und vor allen Dingen: man schläft auch am Straßenrand in dieser Höhe völlig unauffällig. Wer auch immer unten irgendwo ins Auto guckt, ahnt nicht, dass da oben Leute (gern reichlich) liegen.

Fahrtechnisch ist der Ford auch ein feines Gerät. Mit seinem Zweiliter-Diesel mit mittlerweile 185 PS fährt man ohne Probleme 150 Dauer-Reisegeschwindigkeit. Die 6-Gang-Wandler-Automatik arbeitet nicht ganz so unbemerkt wie die 8 Gänge im VW, aber immer noch völlig ohne Beanstandung. Da der Nugget aufgrund seiner Kürze (Parkplatzsuche null Problem, wie mit dem PKW) einen kürzeren Radstand aufweist, aber genauso hoch ist wie der Crafter, hat man hier bei hohen Geschwindigkeiten schon ein paar mehr Aha-Erlebnisse durch Seitenwind auf der Autobahn. Wenn es stürmt braucht man die Lenkrad-Heizung jedenfalls nicht. Ist absolut beherrschbar, aber eben nicht ICE-gleich wie im Crafter.

Worüber wir noch nicht gesprochen haben und worüber ich eigentlich auch nie wieder sprechen möchte, ist das Bad im Nugget. Das wurde beim Reinwerfen der Möbel schlicht starren muss. Eine simple Holz-Box drum, Kissen drauf, das Problem wär gelöst. Zumindest für die Zeit, wo keiner drauf geht. In Benutzung hat man einen kleinen Plastiksichtschutz zum Ausziehen vorgesehen, der einen gefühlt von den Mitfahrern trennt. Optisch. Akustisch und olfaktorisch leider weniger. ICH wollte das nicht. Und schon gar nicht die ganze Zeit mit der Angst leben, dass einer der Mitreisenden auf dem Campingplatz mal kurz die Heckklappe öffnet um was rauszuholen. Dann sitzt Du mit dem nackten Arsch vor Publikum. Und ob das dann applaudieren wird?

Zusammengefasst: Der Nugget Plus ist das perfekte Alltagsauto. Platz für Fünf, Top-Verarbeitung, sehr schöner Motor und das Bett aus der Präsidenten-Suite im Ritz Carlton unterm Dach. No-Go: die freistehende Lokusschüssel in der Küche. Der große Bruder Big Nugget hat natürlich ein eigenes Badezimmer, kann man sich auch mal anschauen. Allerdings auch als Big Nugget: aktuell nicht als 4x4 lieferbar, obwohl Karmann zum Beispiel einen 4x4 Transit als Campervan anbietet. Plus des Plus: wie beim VW auch Bestellung und Wartung direkt beim Fordhändler! Preise ab 53.000 Euro.

Ihr fangt jetzt mal bis Dezember mit Eurem eigenen Wunschzettel an! Und dann sehen wir uns wieder in Teil 2 mit den Allrad-Mercedes-Sprintern fürs Grobe: RSX „Sandstorm“ von Palmo auf Basis des Hymer Grand Canyon S 4x4 und Flowcamper „Max“ Sprinter 4x4 mit Vollholzausbau!

FAZIT: Haha, könnt Ihr vergessen! Wir sind nicht im Internet. Hier müsst Ihr schon die ganzen Geschichten lesen! Halbwissen is nich!


FOTOS Ford, VW, Thomas Senn