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Herz der automatisierten Produktion


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Digital Manufacturing - epaper ⋅ Ausgabe 3/2022 vom 15.06.2022
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UNSERE FRAGEN AN DIE EXPERTEN

1 Die aktuellen Krisen wie die noch andauernde Pandemie und der Krieg in der Ukraine verursachen Probleme in den Lieferketten oder führen zu steigenden Energie- und Rohstoffkosten. Wie wirkt sich das auf die Robotik-Branche aus?

2 Was sind die wichtigsten Trends in der Industrierobotik?

3 Welche Rolle spielt die Robotik für eine nachhaltige Produktion?

Jörg Rommelfanger

Leiter der Robotics-Division von ABB in Deutschland

1. Von diesen Krisen bleiben auch wir nicht verschont. Jedoch ist Robotik eine Antwort darauf: Roboter arbeiten rund um die Uhr und steigern gleichzeitig die Produktivität. Dadurch können Unternehmen in Ländern mit hohem Lohnniveau wirtschaftlich produzieren und Transportwege verkürzen oder vermeiden. So sind sie weniger anfällig für gerissene Lieferketten und bleiben gleichzeitig wettbewerbsfähig.

2. Einfachheit und Flexibilität gehören zu den ...

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... wichtigsten Robotik-Trends. Da für die Inbetriebnahme bei vielen Robotern keine Programmierkenntnisse notwendig sind, halten Roboter Einzug in immer mehr Geschäftsfelder, etwa den Einzelhandel, das Gesundheitswesen oder die Logistik. Besonders die intuitiv bedienbaren Cobots eröffnen KMU den Weg in die Robotik. Auch müssen Roboter flexibel für verschiedene Produktvarianten einsetzbar sein. In der Automobilindustrie teilen sich beispielsweise Verbrenner- und E-Fahrzeuge häufig eine Fertigungslinie. Darüber hinaus fragen Kunden immer mehr individualisierte Produkte nach. Auf diese geänderten Anforderungen müssen Roboter schnell umprogrammiert werden können.

3. In der Produktion arbeiten Roboter wiederholgenau, was fehlerhafte Produkte und Abfälle deutlich verringert. Nehmen wir als Beispiel die Fahrzeuglackierung. Das mehrfache Maskieren und Demaskieren verbraucht viel Energie. Durch die präzise Lackierung mit PixelPaint von ABB hingegen wird der sorgfältig dosierte Lack in einem einzigen Lackierdurchgang aufgetragen. Auch verbrauchen moderne Steuerungen dank energiesparender regenerativer Technologie und Bremsenergierückgewinnung bis zu 20 Prozent weniger Energie. Dies hilft produzierenden Unternehmen, ihren Gesamtenergieverbrauch zu verringern und den ökologischen Fußabdruck zu verbessern.

Dr.-Ing. Sven R. Schmidt-Rohr

Geschäftsführer & Mitgründer von ArtiMinds Robotics

1. Die Rückverlagerung der Produktion nach Europa wird von einem strategischen Zielthema zu einem operativ drängenden Thema für produzierende Unternehmen. Statt nur einen abstrakten Zukunftstrend zu bedienen, haben Unternehmen mit heimischer Produktion nun teilweise massive Liefervorteile gegenüber Mitbewerbern, die erst noch rückverlagern müssen. Solche Ansiedlungen kollidieren allerdings stärker denn je mit dem allgemeinen Arbeitskräftemangel. Dadurch erhöht sich selbstverständlich die Nachfrage nach flexiblen Robotik-Lösungen, während in deutlich geringerem Maße als früher das Schreckgespenst Arbeitsplatzvernichtung eine Umsetzungshürde darstellt.

2. Flexibilität von Systemen, schnelle Amortisation durch schlankes Kapitalinvestment, einfache Bedienung sowie hohe Anpassungsfähigkeit und Interoperabilität bleiben die wichtigsten Trendeigenschaften von Systemen und Lösungen der Industrierobotik. Auf der Anwendungsseite werden sowohl weiterhin einfache Anwendungen wie Pick & Place oder Maschinenbeladen in der Breite ausgerollt als auch verstärkt anspruchsvollere Anwendungen in den Bereichen Montage und Werkstückbearbeitung umgesetzt. Die Industrierobotik beginnt sowohl mit Cobots als auch klassischen Industrierobotern breiter in Industrie-Segmenten Einzug zu halten, in denen sie bis dato nur ein Nischendasein fristete.

3. Robotik ermöglicht eine Standortwahl, die unabhängiger von reinen Arbeitskosten ist, wodurch sich Lieferwege stark verkürzen lassen. Zukünftig wird mit Industrierobotik auch das Thema Refabrikation an Bedeutung gewinnen, welches für Material- und Energieersparnis neue Maßstäbe setzen kann.

UNSERE FRAGEN AN DIE EXPERTEN

1 Die aktuellen Krisen wie die noch andauernde Pandemie und der Krieg in der Ukraine verursachen Probleme in den Lieferketten oder führen zu steigenden Energie- und Rohstoffkosten. Wie wirkt sich das auf die Robotik-Branche aus?

2 Was sind die wichtigsten Trends in der Industrierobotik?

3 Welche Rolle spielt die Robotik für eine nachhaltige Produktion?

Andreas Reitz

Geschäftsführer von Datentechnik Reitz

1. Unser Unternehmen beschäftigt sich vor allem mit dem Thema Software. Somit bekommen wir die aktuelle Situation nur von unseren Kunden mit. Zweifelsfrei sind die Lieferzeiten der Robotersysteme und der Peripherie gestiegen. Viele Kunden greifen auf den Gebrauchtroboter-Markt zurück. Wir hoffen, dass sich die Lage in den nächsten Wochen und Monaten entspannt.

2. Wir stellen fest, dass die Möglichkeiten des Roboters immer mehr ausgeschöpft werden. Waren es vor einigen Jahren lediglich Handling-Aufgaben, erhalten wir jetzt vermehrt Anfragen hinsichtlich komplexer Bahnplanungs-Software für die Bereiche Fräsen, Drucken, Schneiden, Kleben, Schweißen, Lackieren usw. Wichtig ist hier eine perfekt ausgearbeitete Bahnplanung. Unsere Software erstellt dazu Werkzeugwege, welche der Roboter abarbeiten kann. Auch komplexe Wege lassen sich so realisieren. Der Roboter nähert sich somit immer mehr einer CNC-Maschine an. Auch wenn hier Bearbeitungsmaterialien und Genauigkeit derzeit noch nicht vergleichbar sind. Die Tendenz in diese Richtung ist aber klar zu erkennen. Auf der Automatica in München stellen wir beispielsweise erstmals einen Zusatz zu unserem Programmiersystem Sprutcam vor, mit dem der Anwender komplexe 3D-Druckteile bearbeiten kann. Ohne Support-Material und mit acht Achsen gleichzeitig wird dies ein Zukunftsmarkt sein.

3. Der Roboter ist in der Lage, verschiedene Technologien zu vereinen. So ist es möglich, einen Roboter für Pick & Place-Aufgaben einzusetzen und den gleichen Roboter auch für Fräsarbeiten, 3D-Druckarbeiten oder Schleifarbeiten zu verwenden. Der Roboter passt sich dabei seinen Anforderungen an. Lediglich die angesteuerte Technik am Roboterkopf ändert sich. Mit der richtigen Software ist es problemlos möglich, den Roboter für alle Technologien einzusetzen, ohne unterschiedliche Programmierwerkzeuge verwenden zu müssen. Unsere Software Sprutcam wird zum Beispiel eingesetzt, um die Bahnen zu berechnen und direkt Singularitäten, Achsbegrenzungen oder Kollisionen zu erkennen. Die erkannten Problembereiche werden von der Software erkannt, und die Bahnplanung wird optimiert.

Volker Hartmann

Leiter Sales & Engineering Intralogistik und Robotik bei Bosch Rexroth

1. In Anbetracht der Materialknappheit bei gleichzeitig hohem Nachfragevolumen ist die Stabilisierung der Lieferketten derzeit eine der größten Herausforderungen. Dank unseres internationalen Produktionsnetzwerks und langjährig gewachsener lokaler Lieferketten ist uns das gut gelungen. Die Sicherstellung der Supply Chains wird die gesamte Industrie auch über 2022 hinaus intensiv beschäftigen und fordern.

2. Anwender in Industrie und Logistik finden aktuell kaum noch Personal für einfache Tätigkeiten, beispielsweise die Kommissionierung. Das erhöht die Nachfrage nach Leichtbaurobotern. Entscheidend ist aber auch das Zusammenspiel von Robotik und kostengünstiger Sensorik, unterstützt durch den Einsatz von künstlicher Intelligenz – etwa für die Algorithmik zur Bildverarbeitung. Mit künstlicher Intelligenz arbeitet zum Beispiel das Smart Item Picking von Bosch Rexroth: Die Lösung erkennt modellfrei eine theoretisch unbegrenzte Zahl an Formen, passt die Greiferbewegung darauf an und übernimmt eigenständig die Bahnplanung. Damit können bislang manuelle Kommissionsplätze wirtschaftlich automatisiert werden. Weitere Trends sind kollaborative Roboter, die ohne Schutzeinhausung direkt neben Menschen arbeiten, aber auch die Kombination dieser Cobots mit mobilen Fahrsystemen wie autonomen mobilen Robotern (AMR). Anwender können sie flexibel und ohne Engineering-Aufwand an unterschiedlichen Stellen in der Fertigung einsetzen.

3. Robotik steigert die Nachhaltigkeit gleich mehrfach: Sie entlastet Menschen von gefährlicher, körperlich anstrengender und eintöniger Arbeit. Durch die geringere Fehlerquote und die höhere Reproduzierbarkeit der Arbeitsschritte verringern Roboter den Ausschuss und reduzieren damit den Ressourcenverbrauch.

Michael Hartmannsgruber

Leiter Strategy, Market and Technology bei Festo Robotics

1. Momentan gehen wir – was die Produktion unseres Cobots betrifft – von keinen Engpässen aus. Die letzten Jahre haben jedoch gezeigt, wie sensibel und dynamisch die weltweiten Lieferketten reagieren können.

2. Wir setzen künftig auf eine zunehmende Mensch-Roboter-Kollaboration – vor allem auch in kleinen und mittleren Unternehmen, wo heute noch viele beschwerliche Arbeitsschritte rein manuell ausgeführt werden. Um Roboter auch dort zu etablieren, ist es wichtig, dass ein Cobot ‚einfach‘ zu bedienen ist – in der Inbetriebnahme und vor allem auch in der Programmierung. Zudem ist Flexibilität ein wichtiges Kriterium: Sobald sich ein Cobot schnell für verschiedene Aufgaben einsetzen lässt, wird die Anschaffung auch für kleine und mittlere Unternehmen wirtschaftlich und somit interessant. Unser Festo Cobot wird dieser Anforderung gerecht: Er hat ein Gewicht von nur rund 17 Kilogramm und – als erster auf dem Markt – einen integrierten Schaltschrank. Das leichte Gewicht und der geringe Platzbedarf machen ihn, was den Einsatzort betrifft, maximal flexibel. Die einfache Programmierung sorgt dann dafür, dass er an den verschiedenen Einsatzorten auch schnell für verschiedene Aufgaben eingesetzt werden kann.

3. In Bezug auf die drei Säulen der Nachhaltigkeit leistet unser ‚Festo Cobot‘ unter anderem einen Beitrag zur ‚sozialen Säule‘: Entlastung bei kräftezehrenden, gefährlichen oder ergonomisch ungünstigen Tätigkeiten. Das ist vor dem Hintergrund des demografischen Wandels ein wichtiger Aspekt.

Christopher Drewer

CEO von Hahn Ruhrbotics

1. Für die Robotik-Branche ist die aktuelle Liefersituation eine logistische Herausforderung. Anlagenbauer können keine kurzen Lieferzeiten mehr garantieren, Kunden müssen leider vielfach auf ihre Investition warten. Bei jedem Projekt gilt es nun, kreative Lösungen zu finden. Teilweise tauschen wir Lieferanten und auch Technologie-Bausteine aus. Dies gibt vielen kleineren Marktbegleitern eine Chance, sich zu beweisen.

2. Komplexitätsreduktion und Flexibilität sind künftig die größten Herausforderungen der industriellen Fertigung, denen sich die Automation stellen muss. Vereinfachte Programmierung der Roboter und Bedienkomfort der Anlagen sind hier aus heutiger Sicht als zentrale Maßnahmen zu nennen. Mit jeder Software-Version wird die Bedienung intuitiver, so dass es schon jetzt meist nur noch kurzer Personalschulungen bedarf. Darüber hinaus ergeben sich gerade bei Cobots durch ständige Weiterentwicklungen bei Traglasten, Reichweiten und Bedienung permanent neue Lösungsansätze. Neue Konfigurationen in der kollaborativen Robotik eröffnen vielfältige Konzepte. Applikationen, die zuvor nicht wirtschaftlich lösbar waren, müssen aufgrund veränderter Setups regelmäßig neu bewertet werden. Zudem steigt die Attraktivität kleiner Industrieroboter und Cobots für das Handwerk. Aber auch die Gastronomie ist ein für die Robotik junger Markt, der mit innovativen Lösungen von uns bedient werden kann.

3. Die Robotik ermöglicht eine höhere Präzision und damit Verbesserung der Qualität. Hierdurch wird mit deutlich weniger Ausschuss und letztlich nachhaltiger produziert. Die mit der flexiblen Automation einhergehende höhere Effizienz führt zu einer deutlichen Reduzierung der Produktions- und Energiekosten.

Stefan Ziemba

Manager Vertrieb und Marketing DACH bei IAI Industrieroboter

1. Zum Alltag gehören bereits Produktionsausfälle, verursacht durch die globalen Lieferengpässe. Wer davon noch nicht betroffen ist, sieht sich jedoch durch die stark steigenden Energiepreise unter Druck gesetzt. Diesen Problemen kann sich auch die Roboterbranche nicht länger entziehen. Noch gelingt es uns bei IAI, die Preise stabil zu halten und auch für die meisten unserer Produkte die Standardlieferzeiten anzubieten. Analysten gehen davon aus, dass die aktuellen Probleme noch bis weit ins nächste Jahr anhalten werden. Sollte dass der Fall sein, werden auch wir die Preise anpassen müssen und nicht mehr alle Produkte kurzfristig bereitstellen können.

2. Trends sind vor allem die Integration von KI und, damit einhergehend, lernende Roboter (unterstützt durch Bildverarbeitung) sowie auch weiterhin die Mensch-Roboter-Kollaboration. Dominierend bei uns im Hause ist jedoch das Thema Energieeffizienz. Dabei kommt uns zugute, dass wir bereits seit Jahrzehnten ausschließlich energiesparende elektrische Aktuatoren entwickeln und produzieren. Weiterhin sind die anhaltende Entwicklung zu immer kleineren Losgrößen, die immer kürzeren Produktionszyklen vieler Produkte sowie IIoT zu nennen.

3. Moderne Industrieroboter helfen ressourcenschonend zu produzieren, den Produktionsausschuss zu verringern und dadurch auch in Hochlohnländern eine wirtschaftliche und energieschonende mehrschichtige Fertigung zu realisieren. Ein verstärkter Robotereinsatz unterstützt Unternehmen dabei, die eigene CO2-Bilanz positiv zu beeinflussen und eine energiesparende Vor-Ort-Produktion zu realisieren. Dies verkürzt wiederum die Transportwege zum Endverbraucher und entlastet so die Umwelt.

Caren Dripke

Leitung Entwicklung Robotik bei Lorch Schweißtechnik

1. Erhöhte Energie- und Rohstoffkosten betreffen viele Produktionsbetriebe: Materialpreise ändern sich tagesaktuell, und es müssen teils hohe Zuschläge bezahlt werden, um Material überhaupt zu beschaffen. Die zusätzlich schwere Planbarkeit von Lieferketten und Pandemie schreckt manch einen von einer Roboter-Neuinstallation ab. Dabei ermöglicht eine automatisierte, roboterunterstützte Produktion flexibel auf Produktionsbedarfe zu reagieren und auch Kleinserien effizient zu fertigen. Deshalb gibt es vielfach die Entscheidung, gerade jetzt in die Automatisierung zu investieren, zum Beispiel in Komplett-systeme mit geringen Projektaufwänden, die bestenfalls sogar mit vergleichbar kurzen Lieferzeiten verfügbar sind.

UNSERE FRAGEN AN DIE EXPERTEN

1 Die aktuellen Krisen wie die noch andauernde Pandemie und der Krieg in der Ukraine verursachen Probleme in den Lieferketten oder führen zu steigenden Energie- und Rohstoffkosten. Wie wirkt sich das auf die Robotik-Branche aus?

2 Was sind die wichtigsten Trends in der Industrierobotik?

3 Welche Rolle spielt die Robotik für eine nachhaltige Produktion?

2. Ein klarer Trend ist die Demokratisierung der Robotik-Programmierung. Industrieroboter bekommen durch die kollaborative Robotik deutlich mehr Zugang in verschiedensten Segmenten. Dies betrifft nicht nur die Vereinfachung der Programmierung und Interaktion, sondern auch die Flexibilität von Roboterinstallationen selbst. Der Fokus liegt nicht mehr nur auf Großserien, sondern die Anwender sollen selbstständig neue Mittel- oder Kleinserien auf den Anlagen projektieren können.

3. Robotik-Systeme sind sehr wandlungsfähig, sodass sie sich auch bei schnell wechselnden Produktionen einsetzen lassen. Vernetzung und Monitoring ermöglichen es zusätzlich, Abläufe effektiv zu gestalten und schaffen bessere Planbarkeit und schnellere Fehlerbehebung. Außerdem ermöglicht die Automatisierung ein Maß an Prozessqualität, das den Umfang der notwendigen Nacharbeit deutlich senkt.

Michael Finke

Product Manager Robots bei Mitsubishi Electric Europe

1. In der Produktion und in vielen unserer Niederlassungen nutzen wir eigene Technologien für das Energiemanagement, um Ressourcen und somit auch Kosten einzusparen. In unserem Headquarter in Ratingen zum Beispiel, haben wir die höchste LEED-Zertifizierung in Platin erhalten, unter anderem wegen der intelligenten Klimatisierung. Für den Robotik-Markt sind die sich schnell ändernden Produktionsprozesse ein wichtiges Argument. Für eine flexible Fertigung werden immer häufiger Roboter eingesetzt, um auf die sich ändernde Bedingungen reagieren zu können. Zudem wird das Ökosystem um die Roboterkinematik, zum Beispiel bei Greifsystemen, mobilen Roboterplattformen und KI-gestützter Bilderkennung, immer innovativer.

2. Trendthemen in der Robotik beziehen sich seit längerem auf das Robotik-Umfeld und physikalische oder datentechnische Schnittstellen. Roboter bilden hier den Mittelpunkt auf der Spielwiese der Automatisierungstechnik. Weitere Themen sind kollaborative Roboter, KI-Einbindung bei der Bilderkennung bis hin zur Fahrwegsplanung, sowie mobile Robotik und die mit der Robotik verknüpfte Massenpersonalisierung. Ein wichtiger Trend sind außerdem digitale Schnittstellen zur Programmierung.

3. Ein Industrieroboter ist per Definition als ‚universelle, programmierbare Maschine zur Handhabung, Montage oder Bearbeitung von Werkstücken‘ flexibel. Im Kern kann so die Rolle für die nachhaltige Produktion herausgestellt werden. Für eine flexible Fertigung werden immer häufiger Roboter eingesetzt, um auf sich ändernde Bedingungen reagieren zu können. So überleben Roboter schon heute viele Produktionsänderungen und sind – soweit ich das über die Melfa-Roboter von Mitsubishi Electric sagen kann – durch ihre Langlebigkeit ein nachhaltiges Element in der Produktion.

Andreas Bauer

Bereichsleiter Robotik bei Toolcraft

1. Wie jede Branche, kämpfen auch wir aktuell mit sehr langen Lieferterminen und steigenden Rohstoffkosten. Durch frühzeitige Planung und eine große eigene Wertschöpfungskette können wir einiges ausgleichen. Dennoch ist eine hohe Dynamik in Projekten und Angeboten wahrnehmbar, mit der wir täglich umgehen müssen.

2. Der Bedarf an Verbrauchsgütern steigt stark an und so auch die damit verbundene Produktion. Besonders im Möbelbereich ist dies spürbar, wodurch Kapazitäten über Roboterlösungen weiter ausgebaut werden. Gerade in diesem Bereich wirkt sich der Fachkräftemangel deutlich aus, weshalb immer mehr Roboteranlagen auch im Mittelstand und in kleinen Handwerksbetrieben sinnvoll und wirtschaftlich eingesetzt werden. Ein weiterer wichtiger Trend in der Industrierobotik ist das Nachbearbeiten und Finishen von individuellen Präzisionsbauteilen.

3. Roboter spielen in vielerlei Hinsicht eine wichtige und ausschlaggebende Rolle in Bezug auf die Nachhaltigkeit. Prozesszeiten werden optimiert, Ausbringmengen erhöht, Ausschusszahlen minimiert und nach Möglichkeit effizientere Technologien eingesetzt. Durch all diese Anpassungen und Optimierungen lassen sich indirekt und direkt Energiekosten einsparen. Hinzu kommt, dass Roboterlösungen sehr flexibel sind und somit auch mit langen Nutzungszeiten zu einer nachhaltigen Produktion beitragen.

Peter Lange

Business Development Manager, European Fixed Robotic Team bei Omron Electronics

1. Die aktuellen Krisen führen zu einem Umdenken vieler Unternehmen hin zu globalem Planen und lokaler Produktion. Aktuelle Beispiele sind der Bau des Tesla-Werks in Grünheide und die Errichtung von zwei neuen Chip-Fabriken durch Intel in Deutschland. Um diese Werke herum wird sich zudem Zulieferindustrie ansiedeln. Viele Prozesse in diesen lokalen Produktionsstätten erfordern den Einsatz von Robotik aufgrund von Zykluszeit, Genauigkeit, Nachverfolgbarkeit und Flexibilität. Roboter können zudem problemlos in einem Umfeld und bei Prozessen eingesetzt werden, in welchen der Mensch sicherheits- und gesundheitstechnisch gefährdet ist.

2. Die Industrierobotik wird immer intelligenter. Hier profitiert die Robotik zum großen Teil von anderen Komponenten und Funktionen wie intelligenten Sensoren, neuen Bildverarbeitungssystemen, schnellen Algorithmen zum Auswerten von Daten und natürlich KI. Dadurch sind Kunden in der Lage, ihre Produktionsprozesse zu optimieren, Abweichungen der Qualität früh zu erkennen und durch Anpassung von Prozessparametern ohne Stillstand zu beseitigen. Ein weiterer wichtiger Trend ist die Kollaboration zwischen Roboter und Mensch. Cobots entlasten den Menschen von monotonen und körperlich anstrengenden, aber notwendigen Nebentätigkeiten.

3. Roboter sind in der Lage, Tätigkeiten dauerhaft mit einer konstanten Qualität bei höchster Flexibilität auszuführen. Dies führt in vielen Applikationen zu einer Erhöhung der Qualität des Produktes. Damit reduzieren sich die Transportwege für reklamierte Produkte, Nacharbeiten und natürlich der Rohstoffverbrauch. Die Nachhaltigkeit liegt hier also gar nicht direkt bei der Robotik, aber bei den Auswirkungen des Einsatzes von Robotik.

Andrea Alboni

General Manager Western Europe bei Universal Robots (Germany)

1. Die gesamte Robotik-Branche hat 2020 einen Einbruch erlebt, den wir bis heute spüren. Im Jahr 2021 konnten wir aber schon wieder deutlich aufholen, und im ersten Quartal 2022 erlebten wir bei Universal Robots herausragende Umsatzzahlen. Das stimmt uns trotz aller immer noch bestehenden Krisen und Unsicherheiten positiv. Dennoch: Die Lieferketten und der gleichzeitig im eigenen Land herrschende Arbeitskräftemangel sind große Herausforderungen. Mit unseren Cobots ermöglichen wir aber immer mehr Unternehmen, ihre Fertigung effizienter, flexibler und zuverlässiger zu machen.

2. Viele Menschen haben immer noch Vorbehalte gegenüber der Robotik. Ein anhaltender Trend ist daher die direkte und sichere Zusammenarbeit von Mensch und Maschine. Unser Ansatz ist es, Mitarbeitende von anstrengenden und monotonen Tätigkeiten zu entlasten und sie stattdessen für wertigere Aufgaben einzusetzen oder gar zu befähigen, den Cobot zu bedienen. Die meisten von uns wissen, wie ein Smartphone funktioniert, und genauso intuitiv sollte die Bedienung von Robotern sein. Ein zweiter Trend ist die Schlüsseltechnologie KI. So können Cobots, die mit KI-basierter Software ausgestattet werden, in Echtzeit auf Varianzen reagieren, zum Beispiel hinsichtlich der Lage oder Form eines Werkstücks.

3. Robotik ist ein wichtiger Treiber für nachhaltiges Produzieren. Zum einen sind kollaborierende Roboter so programmiert, dass sie ressourcenschonend arbeiten, indem sie beispielsweise den Dosieraufwand eines zu applizierenden Klebstoffs genau einschätzen. Zum anderen können Sie die Qualität der Produkte durch ihr genaues Arbeiten erhöhen. Das spart wertvolle Materialien und kommt damit nicht zuletzt auch dem Geldbeutel eines Unternehmens zugute. Robotik kann Unternehmen zudem dabei unterstützen, vor Ort produzieren zu können und nicht aufgrund des Arbeitskräftemangels in Niedriglohnländer ausweichen zu müssen.

Dr. Michael Klos

General Manager Business Development – Robotics Division bei Yaskawa Europe

1. Wie überall in der Industrie spüren auch wir bei Yaskawa die Auswirkungen der aktuellen Lage, insbesondere hinsichtlich der beiden Faktoren Liefertreue und steigende Preise. Die Lieferkette unserer eigenen Produkte (Roboter und Robotersteuerungen) haben wir glücklicherweise, auch dank unserer wachsenden lokalen Produktion in Europa, gut im Griff, so dass die Lieferzeiten und Liefertreue unserer eigenen Kernprodukte noch recht passabel sind.

2. Ein anhaltender Trend ist es, die Bedienung, die Inbetriebnahme von Robotersystemen und den Zugriff auf Robotik-Know-how grundsätzlich einfacher zu machen. Es werden vermehrt alternative Möglichkeiten angeboten, Roboter intuitiver zu programmieren. Auch im Sinne eines möglichst einfachen Aufbaus von Robotik-Anwendungen werden Produkt-Ökosysteme und Hersteller-Partnerschaften zunehmen. In der Logistik findet man verstärkt ‚intelligente Roboter‘, also Roboter mit Sensorik/Bildverarbeitung, um so anspruchsvolle Tätigkeiten wie das Stapeln von Paketen in Gitterboxen, das Beladen von gemischten Paletten oder das Handhaben unterschiedlichster Warentypen umsetzen zu können.

3. Roboter sind als modulares, vielseitig verwendbares, schnell umrüstbares Automatisierungsmittel schon vom Konzept her für eine flexible und damit nachhaltige Produktion geeignet. Robotik ist eine Kerntechnologie zum effizienten Re-Shoring von Lieferketten, das bedeutet das Zurückholen von Produktionen aus globalisierten, risikoreichen Lieferketten. Damit lassen sich wertvolle Logistik- und Transport-Ressourcen einsparen. Energieeffiziente Roboter besitzen technologische Komponenten zur Rekuperation (Rückeinspeisung und Wiederverwendung) von Bremsenergie. Dies ermöglicht eine intelligente Abschaltung bei Produktionspausen. Und über die zunehmenden Industrie-4.0-Umsetzungen und Digitalisierung der Kommunikation erleichtern Roboter nachhaltige Lebenszyklen und verringern Kosten.

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