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Herz und Schilddrüse –


raum&zeit - epaper ⋅ Ausgabe 222/2019 vom 30.10.2019

Wer denkt bei Bluthochdruck oder Herzrhythmusstörungen daran, dass die Schilddrüse die Ursache sein kann? Herzspezialisten unternehmen bei Herzerkrankungen schnell riskante operative Eingriffe wie eine Ablation, also eine Zerstörung von elektrisch aktivem Herzmuskelgewebe. Die Ursache wird damit jedoch oft nicht behandelt. Fabian Hain, der Neffe des raum&zeit-Lesern bekannten ganzheitlichen Kardiologen Dr. med. Peter Hain, erklärt, welche Diagnoseverfahren die eigentlichen Ursachen von Herzproblemen ermitteln können.


Ein oft unterschätzter Zusammenhang?

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Bildquelle: raum&zeit, Ausgabe 222/2019

© Crystal light/Adobe Stock; Collage raum&zeit

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Innerhalb der Medizin schreitet die Spezialisierung auf die einzelnen Organe voran. Nur auf diese Weise – so die Vermutung – kann eine maximal gute Versorgung der einzelnen Organe sichergestellt werden. Dadurch haben wir derzeit eine Situation erreicht, in der tatsächlich großes Fachwissen für eine Fachrichtung bei einem Arzt gefunden werden kann.
Die Kehrseite dieser Medaille ist jedoch, dass ein Denken an größere Zusammenhänge zwischen den Organsystemen im klinischen Alltag oftmals auf der Strecke bleibt. In meinen Augen besonders auffallend ist hier der Zusammenhang zwischen Herz und Schilddrüse.
Bereits in den vorklinischen Semestern im Medizinstudium werden – vornehmlich in der Biochemie – diese Zusammenhänge aufgezeigt. Hierzu gehört, dass eine Überfunktion der Schilddrüse immer zu einer Vermehrung der adrenergen Rezeptoren (Empfänger für Stresshormone) in allen Organen führt. Dies hat mit den beiden Schilddrüsenhormonen Thyroxin (T4) und Triiodthyronin (T3) zu tun, deren Hauptaufgabe es ist, den Stoffwechsel unter anderem durch eine Vermehrung der Produktion adrenerger Rezeptoren zu beeinflussen. Dieses Wissen kann eigentlich als in der Ärzteschaft allgemein bekannt vorausgesetzt werden. Auch eine Übermedikamentierung mit Schilddrüsenhormonen führt zu der beschriebenen Vermehrung der adrenergen Rezeptoren. Jede Vermehrung adrenerger Rezeptoren führt zu einer höheren Stressbereitschaft des Körpers.
Es kommt durch die Rezeptorvermehrung zu einem zu starken Zusammenziehen des Herzens, zu einer Verdickung des Herzmuskelgewebes und somit insgesamt zu einer Dehnbarkeitsstörung – auch als diastolische Herzinsuffizienz bekannt. In der Folge treten Probleme im Liegen auf: Das aus den Beinen anflutende Blutvolumen führt zu einem erhöhten Innendruck am Herzen. Das Herz kann sich aber nun nicht mehr so gut erweitern, um das Blutvolumen aufzunehmen und so entsteht eine Durchblutungsstörung der Herzinnenschicht (weißer Saum im Bild).
Das stellt für den Organismus einen Notfall dar und es werden über den Sympathikus Regelmechanismen aktiviert, die die Sauerstoffversorgung am Herzen wieder sicherstellen sollen. Der Sympathikus bildet zusammen mit dem Parasympathikus und dem Darmnervensystem das vegetative Nervensystem und ist für eine Steigerung der Aktivität („fight or flight“) zuständig. Als Folge der Sympathikusanregung kommt es zu einer Erhöhung des Blutdrucks und einer Beschleunigung der Atmung, die letztlich über eine Reduktion der Kohlensäure zu einer Alkalose (zu basischem Blut) führt und damit Muskelkrämpfe bedingen kann.
Der Sympathikus bedingt auch eine direkte Aktivierung der Nebenniere und eine Freisetzung von Adrenalin. Dieses Adrenalin bindet nun an die vermehrten Rezeptoren und es kommt zu einer sehr viel stärkeren Reaktion als normalerweise. Dadurch, dass die ß-Rezeptoren regelmäßig mit Adrenalin bedeckt werden, werden sie vom Körper nicht mehr abgebaut und der Körper bleibt vermehrt „stressbar“.
Vielen schilddrüsenkranken Menschen wird nachgesagt, sie seien schneller als andere oder sähen jünger aus. Wer hört das nicht gerne? Doch diese Schnelligkeit ist mit der beschriebenen vermehrten Stressbarkeit erkauft, die früher oder später zu Problemen führt.

Schilddrüse und Burn-out

Durch die beschriebene Rezeptorenvermehrung und dadurch bedingte vermehrte Stressbarkeit resultieren irgendwann Probleme, die nicht mehr kompensiert werden können. Oftmals ist der Nachtschlaf regelmäßig durch Wachphasen mit Schweißausbrüchen und Angstgefühlen gestört. Hinzu gesellen sich Grü- belphasen „Wie soll es nur weitergehen?“ und man ist tagsüber nicht mehr leistungsfähig, da der Nachtschlaf nicht mehr erholsam ist. Nun kommt es –auch weil man vorher schneller als „normal“ war – zu einer Überhöhung der eigenen Ansprüche nach dem Motto: „Das habe ich doch früher mit links gemacht …“ und dadurch auch wieder zu einem höheren Stresslevel. In der Folge bleibt der Adrenalinspiegel auch tagsüber hoch und es entwickelt sich ein Teufelskreis aus Schlafstörungen, verminderter Leistungsfähigkeit und Vermehrung der vegetativen Anspannung am Tag und in der Nacht. Diese Entwicklung mündet oftmals im sogenannten Burn-Out.
In dieser Situation wird oft zufällig bei einer hausärztlichen Untersuchung ein erhöhter Blutdruck festgestellt. Dieser durch eine verminderte Dehnbarkeit des Herzens und eine erhöhte Sympathikusaktivität in der Nacht ausgelöste Bluthochdruck ist mit der Standardtherapie oftmals nicht oder nur schlecht einstellbar. Bei einigen Patienten kommt es sogar zu einer Paradoxreaktion und die blutdrucksenkenden Medikamente führen zu einer Sympathikusaktivierung und so zu einer Erhöhung des Blutdrucks. Eine Ursache des Bluthochdrucks wird nicht gefunden und die Diagnose einer essenziellen Hypertonie gestellt.
Auch dies führt in eine weitere Verzweiflung der mentalen Situation: „Keiner kann mir helfen …“. Gerade bei diesen Menschen sind es oft Dosisreduktionen, die zum Erfolg führen oder auch Therapien wie kleinere Aderlässe, um den erhöhten Druck an der Herzinnenschicht zu verringern.


Eine Überfunktion der Schilddrüse führt immer zu einer Vermehrung der adrenergen Rezeptoren (Empfänger für Stresshormone) in allen Organen.


© Von Geo-Science-International - https://commons.wikimedia.org/

Schilddrüse und Vorhofflimmern

Neben der übermäßigen Aktivierung des Sympathikus und den daraus folgenden Symptomen wie erhöhte Stressanfälligkeit, erhöhter Blutdruck etc. haben wir auch einen Zusammenhang zwischen Schilddrüsenproblemen und Vorhofflimmern beobachtet. Durch die Zunahme an adrenergen Rezeptoren ist das Herzmuskelgewebe an der Herzwand verdickt und die Dehnbarkeit des Herzens vermindert (diastolische Herzinsuffizienz). Das Blut kann aus den Vorhöfen nicht mehr schnell genug in die Hauptkammern aufgenommen werden und staut sich auf diese Weise zurück in die Vorhöfe. Hier wird nun das Reizleitungsgewebe „gedrückt“ und gedehnt. Dies führt physiologisch zu einer vermehrten ungeordneten Entladung.
So ist es auch erklärbar, dass bei diesen Patienten mit Herzrhythmusstörungen eine Kardioversion keinen Erfolg in der Therapie der Rhythmusstörungen bringt. Eine Kardioversion ist der Versuch mittels Elektroschock oder Medikamenten den Sinusrhythmus wieder herzustellen. Ebenso wenig hilft in diesen Fällen eine Ablation, die Verödung und Zerstörung von elektrisch aktivem Gewebe. Auch generell liegt die Erfolgsrate einer Ablation bei permanentem Vorhofflimmern nur unter 50 Prozent. Es fehlt eine Ursachenforschung, die die biochemischen und physiologischen Vorgänge im Körper und die damit einhergehende Beeinflussung der Organe untereinander in den Vordergrund rückt. Eine Ablation bei Herzrhythmusstörungen bleibt oftmals erfolglos, wenn die eigentliche Ursache nicht beseitigt wird.
Bereits im Jahr 2017 ist eine Publikation in der „Ärztezeitung“ erschienen 1, die eindrucksvoll ein Fallbeispiel beschreibt, in dem eine Überdosierung von SD-Hormonen bei einem Patienten zu massiven Herzrhythmusstörungen geführt hat, die nach dem Absetzen der Medikation wieder verschwanden.
Was bei dieser kurzen Thyroxineinnahme noch rasch wieder normalisiert werden konnte, ist bei einer lang andauernden Überversorgung mit Thyroxin – sei es durch eine Entzündung oder durch eine zu hohe Substitution – nicht so einfach zurückzustellen.

Ganzheitliche Diagnostik und Früherkennung ist wichtig

Aus dem klinischen Alltag heraus sind in den letzten Jahren zahlreiche Methoden entwickelt worden, die eine Früherkennung und Therapiekontrolle möglich machen. Zu ihnen zählen:
der Doppel-Hämatokrit nach Dr. Peter Hain
Beim sogenannten Doppel-Hämatokrit wird die Blutdicke (Hämatokrit) im arteriellen (kapillaren) Blut und im venösen Blut bestimmt. Das arterielle Blut wird aus einer Fingerbeere entnommen, das venöse aus einer Vene. Die venöse Blutdicke ist normalerweise 0,1 bis 1,1 Prozent dicker als die arterielle. Ist das venöse Blut dünner (venöser Hämatokrit sinkt) ist dies ein Zeichen für eine Leistungsminderung des Herzens (systolische und diastolische Herzinsuffizienz) oder eine zu starke Leistungsanforderung an das Herz. Daraufhin versucht der Körper über Zurückhalten von Wasser im venösen Blut eine bessere Füllung des Herzens sicherzustellen. Auf der anderen Seite kommt es bei einer starken vegetativen Anspannung zu einem vermehrten Zusammenziehen des Herzens und damit auch zu einer Erhöhung der Nierendurchblutung. In der Folge wird mehr Wasser über die Nieren ausgeschieden und es kommt zu einer Erhöhung des Hämatokrits. Zum Teil sehen wir bei stark angespannten Patienten Differenzen von 3 bis 4 Prozent. Mit Hilfe einer speziellen Computer-Software ist es möglich, Konzentrierungs- und Verdünnungsreaktionen nach einem diagnostischen Aderlass genau zu bestimmen und so den Therapieerfolg zu kontrollieren und gegebenenfalls Anpassungen an der Therapie vorzunehmen.
Die Blutgasanalyse
Die Blutgasanalyse gibt Einblick in den Säure-Basen-Haushalt des Blutes (pH) sowie den Sauerstoffund Kohlensäurepartialdruck (pO2 , pCO2 ). Dadurch kann bereits im frühen Stadium ein Rückstau des Blutes in die Lunge hinein diagnostiziert werden. Dies führt durch einen verschlechterten Gasaustausch zu einer Erhöhung der Kohlensäure. Auf der anderen Seite kann eine Überaktivierung des vegetativen Nervensystems diagnostiziert werden. Die Aktivierung des Atemzentrums führt zu einer Reduktion der Kohlensäure durch vermehrte Abatmung.
Das Volumen-EKG
Das Volumen-EKG ist eine besondere Form des sogenannten Vektorschleifen-EKG. Bei diesem Vektorschleifen-EKG werden die elektrischen Signale des Herzens räumlich in drei Ebenen dargestellt. Auf diese Weise ist es möglich, schon sehr kleine Änderungen der elektrischen Aktivität zu erfassen. Wenn bei einer Dehnbarkeitsstörung (diastolischen Herzinsuffizienz) beispielsweise ein vermehrter Druck auf die Innenschicht des Herzens im Laufe der Nacht im Liegen auftritt, so resultiert daraus eine Veränderung der Vektorschleifen. Die Nacht wird in der Untersuchungssituation durch das Anheben der Beine mit Ablegen der Füße auf einem Würfel simuliert. Das Blut aus den Beinen strömt nun schneller ans Herz und erhöht den Innendruck. Normalerweise kommt es nur zu Beginn zu einer Veränderung der Vektorschleifen (graue Schleife vor der Belastung, durchsichtige Schleife während der Belastung, siehe Abbildung S. 26 oben), die sich im Laufe von ein bis zwei Minuten wieder normalisiert. Liegt jedoch eine Durchblutungsstörung vor, die vom Herzen nicht kompensiert werden kann, bleibt diese Reaktion erhalten. Sie verstärkt sich sogar, bis sie sich nach dem Absetzen der Beine langsam wieder zurückbildet. Auf diese Weise ist es uns möglich, die vielen unterschiedlichen Symptome einer unter Umständen abgelaufenen Schilddrüsenentzündung und der durch sie verursachten Dehnbarkeitsstörung am Herzen zu benennen und mit objektiven Untersuchungen „dem Kind einen Namen zu geben“. Die Veränderungen im Volumen-EKG oder auch die Verlaufsuntersuchungen im Doppel-Hämatokrit und der Blutgasanalyse sind auch für den Patienten sichtbar und nachvollziehbar. So bekommt auch der Patient ein Werkzeug an die Hand, mit dem er seine aktuellen Beschwerden und den Therapieerfolg nicht nur subjektiv empfinden, sondern auch selbst anhand von klaren Veränderungen der Befunde sehen kann.

Durchblutungsstörung der Herzinnenschicht


© Fabian Hein

Viele Wirkungen – eine Ursache?

Die Liste der Symptome und Erkrankungen, die durch eine Schilddrüsenentzündung oder Überversorgung mit Schilddrüsenhormonen ausgelöst werden können, ist sicherlich noch viel länger und die genannten Beispiele können nur die Spitze des Eisbergs zeigen. Eine Re-zeptorenvermehrung wie nach einer Schilddrüsenentzündung führt über kurz oder lang zu Problemen, die eigentlich relativ einfach zu therapieren wären, wenn man die Verdickung des Herzmuskels und als Folge daraus die Dehnbarkeitsstörung stärker in den klinischen Fokus rücken würde. Leider wird kaum im klinischen Alltag darauf hingewiesen, dass dieser Zusammenhang besteht. Eher wird ein Patient als psychisch auffällig oder eingebildet krank abgestempelt, als dass man auf die Suche nach der Erkrankung geht. So ist es auch der Patientin im folgenden Beispiel aus meiner Praxis ergangen:
Eine 28-jährige Patientin mit einer bekannten Aortenklappeninsuffizienz und einer Schilddrüsenentfernung vor 10 Jahren mit darauffolgender L-Thyroxinsubstitution stellt sich bei ihrem Endokrinologen vor und berichtet ihm über starke innere Gereiztheit, Konzentrationsprobleme und einen stark spürbaren Herzschlag. Nach einer Schilddrüsenentfernung muss logischerweise L-Thyroxin substituiert werden, da nicht mehr genügend Schilddrüsengewebe vorhanden ist. Auch bei einer starken Hashimoto-Thyreoiditis kann es zu einer so großen Zerstörung von Gewebe kommen, dass eine Substitution nötig wird. Die Tendenz zu stark spürbarem Herzschlag (Palpitationen) und auch schnellem Herzschlag (Tachykardien) ist bei der Patientin schon in der Vergangenheit aufgetreten und ist mit dem Betablocker Metoprololsuccinat 97,5 mg therapiert worden. Unter der bisher funktionierenden Therapie hatten sich jetzt die Beschwerden erneut gezeigt und verschlechtert. Diese Kombination an Symptomen erinnert die Patientin stark an die Beschwerden, die sie bereits während der akuten Schilddrüsenüberfunktion hatte und sie spricht den Endokrinologen darauf an. Dieser antwortet sehr barsch:„Diese Beschwerden können nichts mit der Schilddrüse zu tun haben – gehen sie mal wieder zum Kardiologen und überhaupt: Sie horchen schon sehr in sich hinein …!“
In dieser Situation bekam ich zum ersten Mal Kontakt mit der Patientin. Ich hatte schon viele Patienten erlebt, die ebenso wie besagte Patientin genau diese Antwort bekommen hatten. Ich forderte die Patientin auf, nicht auf den Befundbericht der Endokrinologen zu warten, sondern sich die Schilddrüsenwerte (TSH, fT3 und fT4 ) direkt telefonisch zu besorgen. Es zeigte sich eine massive Überdosierung der Schilddrüsenhormone. Im sogenannten Doppel-Hämatokrit zeigte sich eine deutliche venöse Konzentrierung. Diese finden wir typischerweise immer dann, wenn das Herz sich aufgrund der stärkeren vegetativen Befeuerung vermehrt zusammenzieht (siehe oben). Außerdem fand sich in der Blutgasanalyse ein deutlich reduzierter pCO2 , was ein Zeichen für die oben beschriebene Ak- tivierung des Atemzentrums ist. Der Blut-pH war dadurch bedingt angestiegen und es kam nachts zu Muskelkrämpfen. Unter ärztlicher Begleitung wurde die Thyroxineinnahme deutlich reduziert und die durch die aktuelle Übermedikamentierung ausgelösten Beschwerden wie die Gereiztheit und die Konzentrationsprobleme legten sich. Durch eine begleitende Therapie mit kleineren Aderlässen von 50 Milliliter in der Zyklusmitte konnten auch die Palpitationen nachhaltig beseitigt werden, wobei der Betablocker reduziert und schließlich ganz abgesetzt werden konnte.
Eine weitere und sehr langsam durchgeführte Reduktion des L-Thyroxin (25μg an einem Tag in der Woche für einen Zeitraum von 8 Wochen) sorgte für einen leichten Anstieg des TSH-Wertes über die Norm hinaus. fT4 und fT3 blieben allerdings weiterhin in der Labornorm. Dadurch wird eine Regeneration des Schilddrüsengewebes möglich gemacht und die körpereigenen Regelkreise können wieder Einfluss auf die Regulation der Schilddrüsenhormone nehmen.
Dieses Beispiel zeigt sehr eindrücklich, dass es durch die „Zerteilung“ des Menschen in seine unterschiedlichen Organe zu einer sogenannte Feuer-Wasser-Therapie gekommen war. Jeder Facharzt hat genau sein Fachgebiet betreut und isoliert gut eingestellt. Doch das Zusammenspiel der einzelnen Organsysteme führte zu einer Steigerung der Medikation mit dazugehörigen Nebenwirkungen, die prinzipiell vermeidbar gewesen wäre.
Schilddrüsengewebe kann sich in bestimmtem Maße regenerieren und es kann neues Schilddrüsengewebe nachgebildet werden. Diese Tatsache ist als Krankheit in Form des Kropfes bekannt. Nichts desto weniger wird oftmals übersehen, dass es zu einer Regeneration nach einer Entzündung oder einer Entfernung gekommen ist und die Konsequenz der Therapiereduktion kann nicht gezogen werden. Bereits mit einfachen Methoden wie dem Doppel-Hämatokrit und der Blutgasanalyse wäre eine Diagnose der vegetativen Überaktivierung schon im Anfangsstadium möglich gewesen.

Diagnostik mit dem Volumen-EKG


© Fabian Hein


Eine immer stärkere Spezialisierung in einzelne Fachdisziplinen kann nur ein Teil der Ausrichtung einer zukunftsorientierten Medizin sein. Es ist wichtig, eine ganzheitliche Betrachtung in das Zentrum des Denkens zu stellen.


Vektorschleifen-EKG


© Fabian Hein

Fußnoten

1 Ärzte Zeitung online:
„Im Alter darf der TSH-Wert höher sein. Vorsicht bei Älteren mit subklinischer Hypothyreose! Der TSH darf im oberen Normbereich liegen.“, 26.4.2017,
www.aerztezeitung.de /medizin/krankheiten/ hormonstoerungen/schilddruesenerkrankungen/ article/934177/normwertealter- darf-tsh-wert-hoeher.html siehe auch:
www.allgemeinarzt-online.de / archiv/a/hypothyreose-1752052

Der Autor

Fabian Hain
hat bereits seit seiner Jugend Kontakt mit der ganzheitlichen Medizin über die Praxis für ganzheitliche Kardiologie seines Onkels, Dr. Peter Hain, in Bad Nauheim bekommen. Bis zu dessen Tod fand in regelmäßigen Hospitationen ein reger Erfahrungsaustausch statt. Mittlerweile betreibt Fabian Hain als Heilpraktiker eine eigene Praxis, spezialisiert auf die ganzheitliche Behandlung von Herzerkrankungen. Zudem hat er in den letzten Jahren Seminare zum Thema ganzheitliche Herzmedizin gehalten. https://hain-badnauheim.de

Ganzheitliche Untersuchung braucht Zeit

Eine immer stärkere Spezialisierung in einzelne Fachdisziplinen kann nur ein Teil der Ausrichtung einer zukunftsorientierten Medizin sein. Es ist wichtig, eine ganzheitliche Betrachtung in das Zentrum des Denkens zu stellen. So kann zum Beispiel mit den beschriebenen Methoden sehr gut Früherkennung betrieben werden und Patienten unter Anwendung naturheilkundlicher Therapien wie Aderlass eine individualisierte Therapie ermöglicht werden. Dadurch können langfristig Medikamente eingespart werden.