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HEUNETZE: Verstrickte MASCHEN


Mein Pferd - epaper ⋅ Ausgabe 10/2019 vom 07.12.2018

Engmaschige Heunetze werden gerne eingesetzt, um dieFutteraufnahme von Heu zu verlängern. Hier leisten sie gute Dienste. Dass die engen Maschen aber auch Auslöser vonVerdauungsproblemen , Zahnhaken oderBlockaden sein können, ist bisher nur Wenigen bekannt


Artikelbild für den Artikel "HEUNETZE: Verstrickte MASCHEN" aus der Ausgabe 10/2019 von Mein Pferd. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Mein Pferd, Ausgabe 10/2019

Heunetze haben viele Vorteile, sollten aber nicht das alleinige Mittel der Wahl fürs Raufutter sein


Stundenlanges, langsames Gehen und Grasen entspricht der natürlichen Futteraufnahme


Wildpferde verbringen etwa zwei Drittel des Tages mit der Nahrungsaufnahme von dürrem, trockenem, eher energiearmen Gras. Nur so funktioniert ihr Verdauungssystem ...

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... optimal. Domestizierte Pferde hingegen werden in der Regel zwei bis drei Mal pro Tag mit rationierten Raufutterportionen gefüttert, vor allem dann, wenn sie in Boxen oder Paddockboxen untergebracht sind. Um hier die Dauer der Fresszeit zu verlängern und so Verdauungsund Verhaltensproblemen zuvorzukommen, ohne gleichzeitig die aufgenommene Futtermenge zu erhöhen, greifen viele Pferdehalter zu Heunetzen. Kaum ein Stall, wo sie nicht zu finden sind. Insbesondere bei leichtfuttrigen Pferden, die sehr schnell fressen, werden sie sehr häufig eingesetzt. Engmaschig, äußerst stabil und leicht zu befüllen scheinen sie das Mittel der Wahl zu sein, um eine naturnahe, artgerechte Fütterung nachzuahmen.

Reduzierte Fressgeschwindigkeit

Studien beweisen, dass die Netze die Fressgeschwindigkeit im Gegensatz zur Fütterung mit losem Heu deutlich reduzieren. So zeigt beispielsweise eine Untersuchung der Hoogeschool Van Hall Larenstein in den Niederlanden und der Georg-August-Universität in Göttingen, dass ein Pferd für ein Kilogramm Heu in einem Netz mit vier mal vier Zentimeter großen Maschen eine Fresszeit von rund 66 Minuten benötigt. Im Vergleich dazu frisst es ein Kilogramm loses Heu bereits in rund 34 Minuten. Ähnliches belegt auch das Schweizerische Nationalgestüt, in dem sechs Pferde in einem Offenstall beim Fressen von losem Heu und Heu aus Drei- und 4,5-Zentimeter- Netzen beobachtet wurden. Das Ergebnis? Die Werte für die Fressgeschwindigkeit lagen ohne Netz bei 1,69 Kilogramm Trockenmasse pro Stunde, bei 4,5 Zentimeter großen Netzen bei 1,51 Kilogramm Trockenmasse pro Stunde und bei den Drei-Zentimeter-Netzen bei 1,26 Kilogramm Trockenmasse pro Stunde. Die deutlichste Verlangsamung gab es also bei der kleinsten Maschengröße.

UNSERE EXPERTIN

JULIE VON BISMARCK
ist gelernte Osteopathin und hat viele Jahre lang Pferde in aller Welt behandelt. Jetzt gibt sie ihr Wissen als Autorin („Reitsport: Auf dem Rücken des Pferdes“), Beraterin und Dozentin im Pferdebereich an Interessierte weiter.
www.julievonbismarck.com

WELCHE MASCHENWEITE SOLL ICH WÄHLEN?

Die Maschengröße ist von verschiedenen Faktoren abhängig. Dazu zählen die Heuqualität (geringer, mittlerer oder hoher Zuckergehalt), die Heustruktur (grob und lang, kurz und fein etc.), die gewünschte Futtermenge und die Geschicklichkeit der einzelnen Pferde. So wird blattreiches, weiches Heu z. B. wesentlich schneller gefressen und kürzer gekaut als strukturreiches, härteres Heu. Generell gilt: Die Maschengröße des Netzes sollte so beschaffen sein, dass das Pferd ein gutes Heubüschel daraus ohne große Anstrengung herauszupfen kann – also so groß wie nötig und so klein wie möglich. Sind Sie sich unsicher, wählen Sie lieber eine größere Maschenweite. Denn ist die Größe zu klein gewählt, kann dies schnell zu Fressfrust führen. Eine übertriebene Fresszeitverlängerung mit sehr engmaschigen Heunetzen macht keinen Sinn.

Beim Fressen vom Boden gibt es keine gesundheitlichen Probleme


CLEVERE LÖSUNGEN FÜRS HEU

Beobachten Sie Ihr Pferd: Muss es den Kopf verdrehen, um ans Heu zu gelangen?


Wenn das Pferd nur wenig Heu bekommen darf, ist es sinnvoll, dieses in verschiedenen Formen anzubieten. Der Vierbeiner sollte dabei immer die Möglichkeit haben, den größten Hunger mit dem Fressen von losem Heu zu befriedigen, bevor er aus einem Netz frisst. Abwechslung heißt das Motto der drei Fütterungsvorschläge.

• Füttern Sie lose Heumahlzeiten und Heu aus Netzen abwechselnd. Sie können z. B. zwei lose Heumahlzeiten aus einer Heubox oder bei trockenem Wetter in Büscheln verteilt auf Paddock bzw. Weide geben und ein oder mehrere Netze mit Heu tagsüber und ein weiteres für die Nacht füllen.
• Füttern Sie eine bestimmte Menge loses Heu und reichen Sie dazu oder danach Heu aus einem viereckigen, an der Wand angebrachten Netz.
• Mischen Sie Heu und Stroh und füllen Sie es zusammen in ein Netz mit sehr großen Maschen. Die Pferde zupfen dann in der Regel zuerst das Heu heraus, haben dann aber noch das Stroh als weitere Mahlzeit übrig.

Die Netze verlangsamen aber nicht nur die Fressgeschwindigkeit, sondern sorgen auch aufgrund der Anbringung (in Brusthöhe des Vierbeiners) dafür, dass das Raufutter nicht in der Box verteilt, darauf geäppelt oder uriniert und es dann nicht mehr gefressen wird. Außerdem sind sie eine tolle Beschäftigungsmöglichkeit, wenn Vierbeiner viel Zeit in ihren Boxen verbringen müssen.

Doch jetzt wird Kritik laut, dass die Höhe, in der die Netze angebracht werden, in Kombination mit engen Maschen alles andere als positiv für das Pferd sind. „Man möchte das Grasen nachahmen und somit annähernd artgerecht füttern. In der freien Natur aber fressen die Pferde die überwiegende Zeit des Tages in einer langsamen Vorwärtsbewegung vom Boden“, sagt Julie von Bismarck, die mehr als 20 Jahre lang Pferde in aller Welt osteopathisch behandelt hat und jetzt als Autorin, Beraterin und Dozentin im Pferdebereich tätig ist. Der Kopf ist dabei deutlich nach vorne-unten gesenkt, die Oberlinie gedehnt, und die Vorderbeine sind abwechselnd in Schrittstellung vorgestellt. „Abgesehen davon, dass das in einer Pferdebox ohnehin nur schwer möglich ist, da sich Pferde beim Grasen immerzu fortbewegen, bedeutet das: Jedes Heunetz, das höher als auf dem Boden angebracht ist, erfüllt diese Maßgabe schon einmal nicht“, bemängelt sie. „Will das Pferd an das Futter gelangen, muss es sich sehr anstrengen.

Natürlich unternehmen Pferde in freier Wildbahn auch manchmal größere Anstrengungen, um an gutes Futter zu gelangen, zupfen mit schief gelegtem Kopf und verdrehtem Hals, teils auch in großer Höhe, an Büschen oder Bäumen. Aber eben immer nur kurz.“ Muss diese unphysiologische Fresshaltung über einen längeren Zeitraum eingenommen werden, kann es zu Blockaden, Verspannungen und Schmerzen kommen. „Besonders häufig finden sich dabei Blockaden des Genicks, der Kiefergelenke, der ersten Halswirbel, der Schultern sowie des Zungenbeines“, zählt Julie von Bismarck auf. Auch werde die Muskulatur der Vorhand bei einer ausschließlichen Raufuttergabe aus Heunetzen überlastet, da viele Pferde die Vorderbeine für mehr Stabilität in den Boden stemmen würden. Die Tiere spannen außerdem die Unterhalsmuskulatur an und drücken als Folge den Rücken nach unten weg. „Es passiert also das Gegenteil von dem, was ein Pferd beim Grasen tut“, so die Dozentin.

Zu kleine Maschengröße

Die häufig zu gering gewählte Maschenweite der Netze betrachtet die Expertin als weiteres großes Problem. Die Menge, die ein durchschnittlich großes Pferd aus einem solchen Netz mit einem Mal Rupfen herausbekommt, ist oft zu gering. Studien (u.a.nachzulesen bei „Forages and Grazing in Horse Nutrition“) haben ergeben, dass Pferde bei kleiner Maschenweite mehrfach rupfen und dann nur unzureichend kauen (66 Kauschläge pro Minute bei einem Netz mit 7,5 Zentimeter breiten Maschen, 17 Kauschläge bei einem Netz mit 2,5-Zentimeter-Maschen). „Das heißt, dass die Zahl der Kauschläge mit dem Durchmesser der Maschen abnimmt. Wahrscheinlich wird aufgrund des Hungergefühls weniger gekaut und schneller geschluckt“, vermutet Julie von Bismarck.

Was passiert? Die Nahrung wird zum einen unzureichend zerkleinert, was zu Fehlgärungen im Darm, Kotwasser und Koliken führen kann sowie die Verwertung von Nährstoffen reduziert. Zum anderen setzt die geringe Zahl der Kaubewegungen die Speichelproduktion herab. „Der Spei-chel wird beim Pferd durch die Kaubewegung aus den Speicheldrüsen gepresst und ist durch seinen pH-Wert der natürliche Puffer, den das Pferd seiner Magensäure entgegenzusetzen hat. Was insofern bedeutend ist, da es permanent Magensäure produziert und nicht nur dann, wenn es frisst. Wird nun wenig Speichel gebildet, steigt die Wahrscheinlichkeit von Magenschleimhautentzündungen und ihren Folgen. Die gut gemeinte Verlängerung der Fressdauer zur Vermeidung von langen Futterpausen kann also bei zu kleinen Maschen schnell ins Gegenteil umschlagen“, warnt sie.

Die Anzahl der Kauschläge nimmt mit geringerer Maschenweite ab


Des Weiteren seien die meisten Vierbeiner schnell frustriert, wenn sie nicht genug Futter aus dem Netz bekämen. „Sie sind dauerhaft hungrig und gestresst. Dies besonders, wenn ausschließlich aus dem Netz gefüttert wird. Viele geben dann aus Frustration oder aufgrund schmerzender Muskeln auf und lassen das Heu im Netz liegen, obwohl sie hungrig sind“, sagt von Bismarck.

Die Vierbeiner sollten ihren größten Hunger mit dem Fressen von losem Heu stillen können


Folgen des Hungergefühls

Nicht selten hat die unnatürliche Fressposition auch Auswirkungen auf die Zähne. Zahnexperten und Tierärzte, wie u.a. Souel Maleh, 1. Vorsitzender der Internationalen Gesellschaft zur Funktionsverbesserung der Pferdezähne e. V. (IGFP), geben zu bedenken, dass die unnatürliche Haltung mit erhobenem Kopf besonders bei frei baumelnden Netzen problematisch ist. Die Tiere würden ihren Kopf beim Herausrupfen der Heubüschel oft dauerhaft schief zur selben Seite hinhalten, was wiederum ein einseitig abgeriebenes Gebiss zur Folge habe. Oberund Unterkiefer seien etwas versetzt, und die Zähne würden beim Kauen nicht genau aufeinander reiben. So könnten Zahnhaken schneller entstehen. Etwas besser sei die Fütterung bei viereckigen Heunetzen, die an einer Wand angebracht werden. Doch auch hier müsse der Pferdebesitzer die Kopfhaltung seines Pferdes genau beobachten.

Nicht zu vergessen ist die erhöhte Staubbelastung. Fressen Pferde Heu vom Boden, atmen sie weniger Staub ein als in der Fressposition vor einem hoch angebrachten Heunetz, in der sie das Raufutter durch die ruckartigen Zupfbewegungen immer wieder neu aufschütteln. Auch die Gefahr des Hängenbleibens darf nicht außer Acht gelassen werden. Es kann immer mal passieren, dass ein Pferd mit dem Vorderbein etwas höher ausschlägt und das Netz sich am Huf selbst oder zwischen dem Schenkel eines Eisens und dem Huf verheddert. Eine weitere Gefahrenquelle stellen die Deckenverschlüsse an der Brust dar. Um ein Hängenbleiben zu verhindern, sollten die vorderen Schnallen verdeckt sein. Wenn die Decke dies selbst nicht hergibt, hilft ein breites Klettband. Trotz der Risiken ist es bei manchen Pferden manchmal unvermeidbar, die Heunetze als Fresshemmer einzusetzen. „Dann sollte man darauf achten, dass man Gurtnetze mit nicht zu kleiner Maschenweite nimmt und diese sicher am Boden befestigt, eine flache (bodennahe) Box mit einem Gurtnetz abdeckt oder auf die inzwischen auch auf dem deutschen Markt erhältlichen Heuboxen zurückgreift“, empfiehlt die Expertin abschließend. Ziel des Pferdebesitzers sollte es sein, den besten Kompromiss (siehe Kasten linke Seite) bzw.andere natürliche Fresshaltungen zu finden, die keine negativen gesundheitlichen Probleme verursachen.

Ein hoch angebrachtes Heunetz kann zu Blockaden beim Pferd führen


Fotos: Malte Schwarzer (1), slawik.com (5), Privat (1), AdobeStock/ Action Sports Photography Inc (1)