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Hier arbeitet der Präsident


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HÖRZU - epaper ⋅ Ausgabe 6/2022 vom 04.02.2022

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Bildquelle: HÖRZU, Ausgabe 6/2022

RESIDENZ Das Schloss am Berliner Tiergarten dient seit 1994 als erster Amtssitz des Bundespräsidenten

Wann fühlt man sich in einem Haus auch heimisch? Vielen Menschen ist es wichtig, die Räume nach ihrem Geschmack zu gestalten. Letzteres hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in den vergangenen zwei Jahren recht aktiv getan, gleich vier Salons und einen Saal ließ er im Schloss Bellevue neu dekorieren – obwohl er dort nur arbeitet, nicht wohnt. Seit fünf Jahren ist das Gebäude am Rand des Berliner Tiergartens sein Amtssitz. Und wird dies aller Wahrscheinlichkeit nach auch bleiben: Bei der Präsidentenwahl am 13. Februar haben die von den Linken und der AfD aufgestellten Kandidaten keine Chancen gegen ihn.

Bereits im Jahr 2020 ließ Steinmeier im einstigen Schinkelsaal im Obergeschoss des Schlosses den Robert-Blum-Saal einrichten, benannt nach einem fast vergessenen Publizisten, Dichter und Freiheitskämpfer, der 1848 in Wien hingerichtet wurde. Gemälde und Zeichnungen in dem Saal sollen an die ...

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... Wurzeln der Demokratie im 19. Jahrhundert erinnern, so der Präsident. 2021 wurden weitere Räume neu gestaltet, etwa der Karl-Friedrich-Schinkel­ Salon sowie der Salon Voltaire. Dieser Philosoph stehe „beispielhaft für den großen Einfluss des Denkens und der Kultur Frankreichs“, sagte Steinmeier bei der Einweihung. „Es ist ja kein Zufall, dass Sanssouci in Potsdam und Bellevue in Berlin französische Namen tragen. Gerade jener aufklärerische und weltläufige Teil des geistigen Preußen empfing vielfache Anregungen vom westlichen Nachbarn.“ Die Umgestaltungen sollen „die Aussagekraft von Schloss Bellevue als Repräsentationsort der Demokratie“ deutlicher machen.

Bundespräsidialamt

Behördenneubau

1. In der Behörde arbeiten rund 220 Menschen. Die Berliner nennen das 1998 eröffnete Gebäude das „Präsidenten-Ei“

2. Tiefgarageneinfahrt

3. Haupteinfahrt und Sicherheitsschleuse

4. Wache, Technik, Post

Schloss Bellevue

Südflügel

5. Einfahrt des Bundespräsidenten

6. Küche im Obergeschoss

7. Büros der Präsidentengattin und ihrer Mitarbeiter im Zwischengeschoss, Gartenseite

8. Raum für Videokonferenzen im Erdgeschoss, Gartenseite Nordflügel

9. Büros und Besprechungsräume, Lagerflächen

Hinter dem Hauptgebäude Schlossgarten

Ein Landsitz für den Prinzen

Schloss Bellevue ist ein bedeutungsvoller, symbol- und geschichtsträchtiger Ort. Errichten ließ es 1785 August Ferdinand von Preußen. Der Prinz, 1730 geboren, war der 18 Jahre jüngere Bruder von Preußenkönig Friedrich II., welcher Schloss Sanssouci in Potsdam bereits 40 Jahre früher hatte bauen lassen. Bellevue sollte Ferdinands Familie als Landsitz dienen. Hauptwohnsitz für ihn, seine Ehefrau (übrigens zugleich Nichte des Prinzen), seine Tochter und seine drei Söhne war ein Palais im heutigen Berliner Bezirk Mitte, als Sommersitz diente ihnen bis dahin ein Schloss in Friedrichsfelde, das dem Prinzen jedoch zu weit von Berlin entfernt lag. Zudem fand er die Landschaft zwischen Spree und Tiergarten sehr schön – seinen Namen erhielt Schloss Bellevue aufgrund des weiten Blicks von Aussichtspunkten im Schlosspark über den Flusslauf und den Tiergarten bis hin zum Schloss Charlottenburg, das um 1700 entstanden war. Der Tiergarten hieß zu jener Zeit „Parc de Berlin“, war ein beliebtes Ausf lugsziel – und seit den 1740er-Jahren der erste von Anfang an öffentlich zugängliche Park des Landes.

Schloss Bellevue wurde in einem Übergangsstil zwischen Barock und Klassizismus erbaut von dem damals weitgehend unbekannten Architekten Michael Philipp Boumann, der sonst vor allem als Bauplaner, nicht als Gestalter tätig war. Seit jeher hat es einen Haupt- und zwei Seitenf lügel. Die drei Sandsteinfiguren auf dem Portalgiebel stammen ebenfalls aus der Entstehungszeit: Sie stellen entsprechend der einstmals ländlichen Lage die Jagd, den Ackerbau und die Fischzucht dar. In der Folgezeit erlebte das Schloss eine wechselhafte Geschichte, der dicke Bücher gewidmet sind. So beherbergte es ab 1844 ein Kunstmuseum, wurde vom Hof Kaiser Wilhelms II. genutzt, diente während der Nazizeit als Gästehaus und wurde dann im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt.

ZU GAST IM SCHLOSS

Bürgerinnen und Bürger können Schloss Bellevue einmal im Jahr besichtigen: am Tag der offenen Tür. Zudem werden vom Personal des Bundespräsidialamts Gruppenführungen angeboten. Anmeldung: besucherdienst@bpra.bund.de

Ein maroder Amtssitz

Wiederaufgebaut wurde das Schloss erst ab 1955, zunächst ohne Bestimmung. Schließlich wählte der Bundestag es 1957 zum zweiten Amts- und Wohnsitz des Bundespräsidenten – erster Amtssitz war seit 1950 die Villa Hammerschmidt in Bonn. Bereits 1994, also fünf Jahre bevor der Bundestag nach Berlin umzog, verlegte Bundespräsident Richard von Weizsäcker den ersten Amtssitz des Staatsoberhaupts ins Schloss Bellevue. Drei Jahre zuvor hatte Komiker Hape Kerkeling mit seinem Auftritt als Königin Beatrix vor Schloss Bellevue den Ruhm des Gebäudes gemehrt und TV-Geschichte geschrieben. Bundespräsident Roman Herzog (1994 bis 1999) bezeichnete das Schloss als „Bruchbude“ – so fiel immer mal wieder das Licht aus, auch Heizung, Sanitäranlagen und das gesamte Stromnetz waren stark sanierungsbedürftig. 2004 und 2005 wurde das Gebäude schließlich renoviert.

Schon in den Jahren 1996 bis 1998 war neben dem Schloss der ovale Bau des Bundespräsidialamts entstanden, der sich recht bescheiden in die Parklandschaft einfügt, innen aber hell und luftig gestaltet ist. In dem Verwaltungsgebäude arbeiten rund 220 Menschen, die den Bundespräsidenten bei der Wahrnehmung seiner Aufgaben unterstützen. Der einzige Bundespräsident, der jemals in Schloss Bellevue wohnte, war Roman Herzog. Seit Horst Köhler (2004 bis 2010) dient die Villa Wurmbach in Berlin-Dahlem als dienstlicher Wohnsitz des Staatsoberhaupts und seiner Familie. Schloss Bellevue kann Frank-Walter Steinmeier nicht seine volle zweite Amtszeit nutzen, denn voraussichtlich ab 2025 soll der gesamte Gebäudekomplex inklusive Bundespräsidialamt aufwendig saniert werden. Und wohin dann mit dem Bundespräsidenten? In einen Neubau. 2023 soll mit der Errichtung eines großen Bürogebäudes im Stadtteil Moabit begonnen werden. Nach Fertigstellung (geplant für 2025) wird es als provisorischer Amtssitz dienen, bis das Schloss rundum erneuert ist. Das neue Bürogebäude wird anschließend Bundesbehörden beherbergen.

NELE-MARIE BRÜDGAM

SO 13.2. TV-TIPP

11.50 ZDF

ZDF SPEZIAL LIVE Wahl des neuen Staatsoberhaupts. 19.10 Uhr: Interview mit dem Gewählten

So wird der BUNDESPRÄSIDENT gewählt

Am 13. Februar wird das Staatsoberhaupt Deutschlands gewählt. Es gilt als sicher, dass der derzeitige Amtsinhaber Frank-

Walter Steinmeier bestätigt wird. Seine erste Amtszeit endet am 18. März. Den Bundespräsidenten bestimmt in geheimer Wahl die Bundesversammlung, die von der Präsidentin des Deutschen Bundestags Bärbel Bas einberufen wird. Die Bundesversammlung besteht aus den Mitgliedern des Bundestags und einer gleichen Anzahl von Mitgliedern, die von den Volksvertretungen der Länder benannt werden. Da 736 Abgeordnete im Deutschen Bundestag sitzen, werden es also diesmal insgesamt 1472 Mitglieder sein. Wie viele Vertreter die einzelnen Länder jeweils in die Bundesversammlung entsenden dürfen, errechnet sich anhand ihrer Bevölkerungszahl.

Die Delegierten sind überwiegend Landtagsabgeordnete, darüber hinaus ist es üblich, Kommunalpolitiker sowie Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens zu benennen. 2017 etwa waren an der Wahl auch beteiligt: der damalige DFB-Bundestrainer Joachim Löw, die Komikerin Carolin Kebekus, Sänger Peter Maffay und Entertainer Hape Kerkeling. In diesem Jahr sollen Sänger Roland Kaiser, Pianist Igor Levit, Virologe Christian Drosten und Ex-Kanzlerin Angela Merkel dazugehören. Jedes Mitglied der Bundesversammlung kann einen Kandidaten oder eine Kandidatin für das höchste Staatsamt vorschlagen. Er oder sie muss mindestens 40 Jahre alt sein, die deutsche Staatsbürgerschaft und das Wahlrecht für den Bundestag besitzen. Diesmal sind sich die großen Parteien einig. Steinmeiers Wiederwahl gilt als sicher. Zwar existiert bereits länger der Wunsch, eine Frau solle das Amt innehaben, die CDU nahm jedoch Abstand davon, eine Kandidatin zu benennen, da diese keine Aussicht auf eine Mehrheit gehabt hätte. Auch die Grünen verzichteten auf eine eigene Kandidatin, um den Frieden in der noch jungen Regierungskoalition mit SPD und FDP nicht zu gefährden. Erreicht ein Kandidat im ersten Wahlgang nicht die nötige absolute Mehrheit, gibt es einen zweiten. Erst im dritten Wahlgang genügt die relative Mehrheit. Frank-Walter Steinmeier dürfte schon im ersten erfolgreich sein. Nach seiner Wahl wird der Bundespräsident vereidigt und ist dann fünf Jahre im Amt. Da maximal zwei Amtsperioden vorgesehen sind, wird es seine letzte sein.