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Hier bahnt sich GOLD an


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HÖRZU - epaper ⋅ Ausgabe 5/2022 vom 28.01.2022

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Bildquelle: HÖRZU, Ausgabe 5/2022

OLYMPIABAHN Das gigantische Yanqing National Sliding Center ist die modernste Rennrodelbahn der Welt

Die Ausbeute war glänzend: Zehn Medaillen holten deutsche Rennrodler und Bobsportler 2018 bei den Winterspielen in Pyeongchang, davon sechsmal Gold. Hoch sind die Erwartungen auch jetzt in China: Die Verantwortlichen des Bob- und Schlittenverbands für Deutschland (BSD) hoffen auf einen ähnlichen Medaillenregen wie vor vier Jahren.

Keine übersteigerte Erwartungshaltung. Im Rodeln treten bei den Männern gleich mehrere Medaillenkandidaten an: etwa Felix Loch, Johannes Ludwig und Max Langenhan, die Doppelsitzer Tobias Arlt und Tobias Wendl sowie Toni Eggert und

Keine übersteigerte Erwartungshaltung. Im Rodeln treten bei den Männern gleich mehrere Medaillenkandidaten an: etwa Felix Loch, Johannes Ludwig und Max Langenhan, die Doppelsitzer Tobias Arlt und Tobias Wendl sowie Toni Eggert und Sascha Benecken. Bei den Frauen sollten Natalie Geisenberger, Julia Taubitz und Anna Berreiter ebenso für einen ...

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... Schwung Edelmetall sorgen. Gleiches Bild im Bob: Bei den Frauen legen Laura Nolte, Kim Kalicki und Mariama Jamanka die Messlatte für die Konkurrenz hoch, bei den Männern Johannes Lochner und allen voran der „Dominator“ Francesco Friedrich. Letzterer sicherte sich im Viererbob bereits im Januar vorzeitig den Gesamtweltcup: nach sieben Siegen in sieben Rennen. 13 WMTitel schmücken den zweifachen Olympiasieger von 2018. Er scheint ein Abo auf Gold zu haben. Aber dafür muss alles passen: die Tagesform, die Qualität der Rodel- und Bobschlitten, die Anpassung an Eigenheiten der neuen Olympiabahn. Das Yanqing National Sliding Center, rund 80 Kilometer nordwestlich von Peking, ist Chinas erste Bahn und wurde extra für die Olympischen Winterspiele erbaut. Laut Gerüchten hat sie 2,5 Milliarden US-Dollar gekostet. Atemberaubend. Und tatsächlich verschlug es der deutschen Crew im Herbst 2021 bei einem Test vor Beginn der Weltcupsaison fast die Sprache angesichts des gigantischen Bauwerks, das in ein Bergmassiv integriert wurde. Die Ränge bieten Platz für 10.000 Zuschauer, sie sind wie die gesamte Bahn überdacht.

Imposantes Bauwerk

„Diese Bahn ist der Superlativ schlechthin“, schwärmt Bobtrainer Gerhard Leopold. „Es ist die Endstufe des Bobsports.“ Ähnlich äußert sich auch Bob-Bundestrainer René Spies im ZDF: „Das ist ein imposantes Bauwerk, bei dem alles sehr gut durchdacht ist. Das ist das High-End-Level für Bobsportler und Bobsportlerinnen.“ Die drachenförmige Bahn ist insgesamt 1975 Meter lang (die Bobstrecke 1615 Meter) und hat 16 Kurven. Laut Spies kommt es bei dieser „technisch anspruchsvollen Bahn“ auf die ersten sechs Kurven an. „Wichtig ist es, die Geschwindigkeit im vorderen Teil der Bahn zu erreichen. Wenn man im oberen Bereich Fehler macht, kann man das im unteren nicht aufholen. Die Bahn verzeiht keine Fehler. Da ist bis zum Ziel höchste Konzentration gefragt.“ Bis dahin sind es 121 Meter Höhenunterschied. Selbst Francesco Friedrich, der am 14. Februar erstmals an den Start gehen wird, bezeichnet die Anlage als „absoluten Wahnsinn“. Mit 59,52 Sekunden im Zweier und 1:00,27 Minuten im Viererbob hält er die Bahnrekorde. Wer sonst?!

1975

METER

lang ist die Bahn des Yanqing National Sliding Center

130

KM/H

erreicht der Bob auf seiner Fahrt

DER VIERER BOB

Hightech-Geschoss auf schmalen Kufen

Der Rahmen ist aus Stahl, die Verkleidung aus kohlefaserverstärktem Kunstharz. Mit Besatzung hat der Bob ein Maximalgewicht von 630 Kilo. Seine zwei Teile, Vorder- und Hinterboot, verbindet ein Gelenk. „Sonst würde der Schlitten in den engen Kurven verklemmen“, sagt Ingenieur Michael Nitsch. „Die Lenkung funktioniert wie bei Seifenkisten. Die Vorderachse ist drehbar gelagert und wird vom Piloten über eine Seillenkung bedient“

Oft werden Bobrennen als die Formel 1 des Wintersports bezeichnet. Mit bis zu 130 Stundenkilometern jagen die Sportler durch den Eiskanal. Und wie im Motorsport kommt auch dem Material entscheidende Bedeutung zu – angefangen bei den passgenauen Anzügen bis hin zu den Bobschlitten. Alles absolutes Hightech. Allein ein Satz Stahlkufen kostet mindestens 15.000 Euro. Ein kompletter Zweierbob ungefähr 80.000 Euro, ein Viererbob gut 100.000 Euro, samt Ausrüstung 120.000 Euro – Aber die deutschen Olympia-Bobschlitten sind nicht käuflich. Gebaut werden im freien Verkauf. sie vom Institut für Forschung und Entwicklung von Sportgeräten (FES) in Berlin. Dessen 80 Mitarbeiter haben eine klare Aufgabe: Sportgeräte auf höchstem technischem Niveau zu entwickeln, egal ob Ruderboote, Segel, Fahrräder oder eben Rodel- und Bobschlitten. „Wir nutzen Synergieeffekte“, sagt FES-Direktor Michael Nitsch. So können die Bobbauer von Entwicklungen aus anderen Sportdisziplinen profitieren. „Dadurch erreichen wir eine hohe Nachhaltigkeit und Effizienz.“ Mit staatlichen Geldern finanziert, besteht die Technikschmiede seit 1963.

Deutschland ist Weltspitze

Der Erfolg spricht für sich: Die Deutschen sind Weltspitze. Denn das FES hat einen eindeutigen Auftrag: „Wir betreiben keine freie Forschung, sondern haben eine klare Zielvorgabe“, sagt Nitsch. „Wenn wir ein Sportgerät entwickeln, ist es am Ende bei den Olympischen Spielen dabei.“ Dennoch betont er, dass es wichtig sei, demütig zu bleiben. „Die Konkurrenten schlafen nicht und machen ihre Arbeit auch gut.“ Klar ist ebenso: Ganz entscheidend ist die möglichst enge Zusammenarbeit mit den Athleten. „Sportgeräte am grünen Tisch zu entwickeln funktioniert nicht“, erklärt Nitsch. „Wir sind bei der Arbeit auf ihre Informationen angewiesen, wir brauchen ihr Feedback.“ Auch da gilt Bobstar Friedrich als vorbildlich. Er ist auch außerhalb der Rodelbahn engagiert und schraubt gern mit.

Francesco Friedrich und Johannes Lochner, die trotz aller Konkurrenz ein lockeres Verhältnis pf legen, fahren die gleichen Modelle. Diese werden an den jeweiligen Piloten und seine Vorlieben angepasst. Bei Wettkämpfen ist Projektleiter Enrico Zinn mit FES-Technikern vor Ort: Sie machen kleine Reparaturen, optimieren letzte Einstellungen, gewährleisten vor den Rennen die Einhaltung des Reglements.

Und was passiert in den vier Jahren zwischen den Winterspielen? „Man arbeitet an der Verkleidung, um die Aerodynamik zu verbessern“, sagt Nitsch. „Das sieht ein Außenstehender aber nicht. Da stecken mehrere Prozent geringerer Luftwiderstand drin.“ Am Ende geht es darum, einige Hundertstelsekunden herauszuholen. Obwohl die Bobschlitten eher grob wirken, ist große Genauigkeit gefragt. Absolute Präzision, ja Perfektion. „Das ist wichtig, damit die Geschosse gut und gerade durch die Bahn kommen“, erklärt Michael Nitsch. „Bei einem Maximalgewicht von 630 Kilogramm, 150 Stundenkilometern und fünffacher Erdbeschleunigung in der Kurve ist man mit drei Tonnen unterwegs. Das sind enorme Kräfte.“ Sollte es in Yanqing die erhofften Medaillen regnen, haben auch die FES-Techniker ihren Beitrag dazu geleistet. Aber Nitsch bleibt bescheiden: „Klar wären wir dann stolz. Aber letztlich machen wir nur unseren Job.“

THOMAS KUNZE

SA 5.2. TV-TIPP

14.00

DAS ERSTE

RENNRODELN SPORT

Einsitzer Männer, 1. und 2. Lauf, unter anderem mit Johannes Ludwig