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HIER KOMMT DER BUS!


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Auto Bild - epaper ⋅ Ausgabe 8/2022 vom 24.02.2022

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Bildquelle: Auto Bild, Ausgabe 8/2022

Der Prototyp des ID. Buzz ist noch streng geheim. Nachts schläft er im Pyjama, für tagsüber haben sie ihn knallbunt foliert

DAS IST NICHT MEHR MEIN VW! Verstehen Sie mich nicht falsch. Ich als Busfahrer (Bulli als California) sit- Dze im neuen ID. Buzz, und alles funktioniert. Mit der Dame aus dem Navi hat es auf Anhieb gefunkt, sie macht auf Zuruf Popo und Füße warm. Als sie in Sekundenschnelle das Ziel findet, mir auch noch Ladestrategie mit Standzeiten präsentiert, da stutze ich kurz: Das ist nicht mehr mein VW! Meiner versteht nämlich meistens nur Bahnhof.

Sorry, Sie wissen noch gar nicht, wo wir sind, und wenn ja, warum. Habe mich, sagen wir: reingeschmuggelt. Auf jeden Fall hatten ein paar Journalisten aus Skandinavien hier in Dänemark jeweils eine Stunde, um mit dem getarnten Prototyp des elektrischen ID. Buzz eine Runde zu drehen. Ich hab den VWs gesagt: Rückfahrt von Kopenhagen nach Hamburg mach ich gratis, ihr spart Geld, ich hab ’ne Story, also win-win. Fanden die wohl gut.

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! Freuen wir uns auf den ID. Buzz! Er wird ein freundliches Auto mit Grinse- Gesicht und erinnert auf Anhieb an den VW T1

Hat VW also die Studie verschlimmbessert? Nee, die Jungs von der Crashsicherheit haben gesagt, was Sache ist. Wenn du mit der Bulli-Studie und kurzer Front mit 50 Sachen vor die Wand knallst, solltest du vorher noch ein Stoßgebet abgesendet haben. Wenn dir das mit dem ID. Buzz passiert, steigst du wahrscheinlich aus, schüttelst dich kurz und zündest dir vor Schreck erst mal ’ne Fluppe an.

Malen wir jetzt nicht den Teufel an die Wand und fahren los. Unserem Prototyp haben sie noch das Cockpit mit Stoffhäubchen verdeckt, bloß nichts verraten, was die Weltöffentlichkeit erst am 9. März um 19 Uhr sehen darf. Wir sind ja hier unter uns, also: psst! Der Gangwahlsteller ist anders als bei ID.3, 4 und 5 nicht rechts am digitalen Tacho angedockt, sondern befindet sich im Lenkstockhebel rechts, so wie bei Mercedes. Der Scheibenwischer lässt sich dafür am Blinkerhebel links über ein Drehrädchen bedienen, und wir werden das Gefühl nicht los, dass sie das demnächst bei allen neuen VW so lösen werden. Das Handy lädt induktiv in einer „Garage“ rechts neben der Lenksäule, der 12-Zoll-Touchmonitor mit vier Kurzwahltasten darunter etwa für Navigation oder Klima ist so brillant geraten, dass wir uns spontan fragen mussten: Habt ihr einen von Mercedes abgeworben? So ließe sich ja auch die perfekte Sprachbedienung erklären. Jedenfalls ist das neue MIB-System (Modularer Infotainment-Bau- kasten) in der Ausführung 3.1 so schnell und schlau, da fühlt sich die 1.0er-Version im ID.3 so alt an wie Blaupunkt „Emden“ im Golf I. Wie gut, dass VW bei allen ausgelieferten ID nacharbeiten wird, Motto: Kleine Updates erhalten die Freundschaft.

Lautlos rollen wir also durch die breiten Straßen von Kopen- hagen und an den Fahrradfah- rern vorbei (unglaublich: Die halten bei Rot ALLE an, in Berlin und Hamburg undenkbar). Als wir eine Straße noch mal nehmen wollen und kurz drehen, die nächste Überraschung: elf Meter Wendekreis, du kannst zwar nicht auf einem Bierdeckel drehen, aber in einem Zug auf der Straße. Unser Testwagen hat 204 PS auf der Hinterachse und ist somit Hecktriebler, wie früher der Käfer. Im Fahrzeugboden des MEB-Modells (Modularer Elektro-Baukasten) steckt ein Akku mit 77 kWh, das soll zwischen 400 und 450 Kilometer Reichweite ergeben. Ist natürlich so theoretisch wie der Champions-League-Sieg des VfL Wolfsburg, in der Praxis ziehen wir da mal schön 20 Prozent ab, bei dieser Kälte noch mehr. Und weil wir gleich auf die Autobahn rollen, können wir auch den 24-kWh-Schnitt der skandinavischen Kollegen nicht halten, die ja nur im „One-Pe- dal-Modus“ durch die Stadt gestromert sind und bei jedem Mal Gaswegnehmen Energie zurück- gewinnen konnten. Nee, geht auf der Autobahn nicht, weshalb wir später in Hamburg eine 29 vorm Komma stehen haben. Na ja, sind ja auch öfter 130 Sachen gefahren, und das ist nur 15 km/h weniger als die Höchstgeschwindig- keit, die VW dem Buzz zugesteht.

Unser Auto hat kein Verstell- fahrwerk, vermissen wir aber auch nicht, so stimmig haben sie den Elektro-Bulli abgestimmt. Er schwebt sanft über den Asphalt, die Lenkung bietet perfekte Rückmeldung, insgesamt haben wir nie das Gefühl, in einem 4,70-m- Brocken mit deutlich über zwei Tonnen Gewicht zu sitzen, alles fühlt sich eine Nummer kleiner an, viel handlicher, agiler. Beim ersten Ladestopp in der Nähe von Kolding haben wir 250 Kilometer auf der Uhr und noch 17 Prozent Strom im Tank. Nach 29 Minuten hat der Bulli auf 80 Prozent geladen, teilweise mit 156 kW, beim zweiten Ladestopp später sogar mit 170 kW. Das ist ganz schön schnell für ein Auto, das keine 800-Volt-Technik an Bord hat! VW verspricht: von 5 auf 80 Prozent immer unter 30 Minuten, der Peak nach oben ist zwar nicht so groß wie bei Kia und Co, die mit bis zu 230 kW laden können, dafür soll das Plateau mit den hohen Ladegeschwindigkeiten länger andauern. Werden wir nachprüfen, wenn Ende des Jahres die ersten Serienautos kommen sollen. Und auch, ob der ID. Buzz mit „Plug & Charge“ nach ISO-15 118-Norm automatisch Schnelllader von Ionity, E.ON, Aral, BP und Enel erkennt und man keine Karte oder App mehr braucht. Oder ob dank bidirektionalem Laden das Auto zuerst die Solarenergie vom Dach aufnimmt und später das Haus fünf Tage lang mit bis zu 50 kWh Strom versorgt. Oder ob da wirklich sieben USB-C-Schnittstellen drin sind, wo wir doch nur eine in der Beifahrertür, eine im Spiegelgehäuse, zwei im Cockpit und zwei hinten entdeckt haben.

Ach ja, da waren noch die drei schwedischen Handwerker im Crafter, die irgendwo bei Kolding neben uns an der Ampel standen, alle die Hälse lang machten, Daumen hoch. Hey, Jungs, diesen Bulli wird es auch ohne Fenster hinten geben, sie nennen ihn Cargo, könnt ihr dem Chef schon mal stecken. Und sorry, dass ihr nicht fahren durftet. Sonst hätte ich noch vor der Grenze gesagt: Das ist nicht mehr mein VW!