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Hier spricht der nächste DFB-Präsident!


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Sport Bild - epaper ⋅ Ausgabe 8/2022 vom 23.02.2022

BERND NEUENDORF

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Bereit zur DFB- Einwechslung: Bernd Neuendorf sitzt auf der Trainerbank in der Sportschule Hennef, Heimat des Mittelrhein-Verbandes

SPORT BILD: Herr Neuendorf, die Fans kennen Sie nicht. Gehören Sie zu den Funktionären, die selbst nie vor den Ball getreten haben?

BERND NEUENDORF (60): In der Eifel bin ich sehr früh in einen Fußballverein eingetreten. Ich habe mein grün-weißes Trikot des FC Grenzwacht Hürtgen über alles geliebt und heute noch das Klackern der Stollen auf dem Asphalt auf dem Weg zum Spielfeld im Ohr. Ich habe dieses Geräusch sehr gemocht.

Welche Position haben Sie gespielt?

Linksaußen, ich bin Linksfuß. Familien-Generationen vor mir haben auch Fußball gespielt, das waren aber alles Rechtsfüße. Leider musste ich meine Karriere wegen einer Knieverletzung schon in jungen Jahren beenden.

Später sind Sie als Politik- und Geschichtsstudent im Ruder-Team an der Universität Oxford gestartet.

In Oxford gehörte Rudern dazu. Es gab nicht nur ein Boot, sondern – wie im Fußball nach Leistungsstärke eine erste, ...

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... zweite oder dritte Mannschaft – ein sechstes, siebtes oder achtes Boot. Ich war im letzten Boot, weil ich vorher nie gerudert bin. Ich kann mich gut erinnern, dass ich mit den acht anderen Kommilitonen morgens an die Themse gejoggt, eine Stunde gerudert, zurück zum College gelaufen bin und wir dann gemeinsam gefrühstückt haben. Ich habe in England gelernt, wie stark die Verbindung zwischen Körper und Geist ist, dass körperliche Betätigung die Voraussetzung für geistige Leistung ist. Das hat mich sehr geprägt.

In der Jugend waren Sie Gladbach-Fan …

Als Kind übernimmt man häufig den Verein, den die eigenen Eltern unterstützen. So auch ich, mein Vater war Gladbach-Anhänger. Wir haben zusammen samstags die Sportschau geguckt und gejubelt, wenn die Borussia gewonnen hat.

Ihre Idole konnten kaum unterschiedlicher sein: Günter Netzer, der rebellische Spielmacher. Und Berti Vogts, der Wadenbeißer. Was haben Sie sich von Ihnen abgeguckt?

Was Netzer betrifft: Für mich ist das DFB-Pokalfinale 1973 unvergessen, das ich vor dem Fernseher mit meinem Vater und meinen beiden Onkeln geguckt habe – beide Köln-Fans.

Netzer wechselte sich im Streit mit Trainer Weisweiler in der Verlängerung selbst ein und erzielte kurz darauf den 2:1-Siegtreffer.

Von da an war Netzer eine Ikone für mich. Mich faszinierten seine Grazilität und sein souveränes Auftreten. Und bei Vogts beeindruckte mich der Kampfgeist, das Niemals- Aufgeben, das Hinterjedem-Ball-Herjagen.

Ihr Lieblingsverein heute ist Alemannia Aachen. Woher der Sinneswandel?

Das ging los, als ich mich aus der Eifel mit dem Zug ein bisschen in die Welt aufgemacht habe. Mein erstes Spiel der Alemannia habe ich 1978 gesehen, 4:0 gegen Bayer Uerdingen auf dem alten Tivoli, da war ich 17 Jahre alt.

Von da an war es um mich geschehen. Von der Stimmung auf dem alten Tivoli, von der Atmosphäre her so nahe am Spielfeld habe ich bis heute wenig Vergleichbares gesehen.

Als Fan der Alemannia, die in der Regionalliga gegen den Abstieg kämpft, bringen Sie die nötige Leidensfähigkeit für das Amt des DFB- Präsidenten mit. Warum wollen Sie sich die „Schlangengrube“ (Ex- DFB-Chef Fritz Keller) und „Deutsche Streit- Gesellschaft“ (Uli Hoeneß) antun?

Ich habe in meiner knapp dreijährigen Amtszeit am Mittelrhein mitbekommen, wie viele wichtige Projekte – Corona hin oder her – der DFB initiiert, die einem Ziel dienen: Wie bringen wir den Fußball nach vorne? Wie gewinnen wir mehr Spielerinnen, Spieler, Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter, ehrenamtlich Engagierte? Es gibt sehr viele Menschen beim DFB, die sich über die Entwicklung des Fußballs permanent Gedanken machen. Es ist sehr bitter, dass diese gute Arbeit über Jahre überlagert worden ist durch die Streitereien an der Spitze. Das hat der DFB nicht verdient, er ist ein hervorragender Verband, den man sich nicht antut. Sondern für den es sich lohnt zu arbeiten.

Deutschland ist Gastgeber der EM 2024. Haben Sie Sorge, dass Europa dann zu Gast bei Streithähnen ist?

Ich finde es sehr erstaunlich, dass wir zwei Jahre vor einer EM im eigenen Land stehen und noch so wenig darüber gesprochen wird. Eigentlich müsste langsam die Spannungskurve steigen: Wir müssen dringend wieder den Fußball in den Mittelpunkt rücken. Und auch darüber sprechen, was die Ausrichtung der EURO 2024 für den deutschen Fußball insgesamt bedeuten kann.

Was meinen Sie?

Man muss sich doch nur die Zahlen anschauen, was nach großen Erfolgen wie 2006 (Dritter bei der Heim-WM; d. Red.) und 2014 (Weltmeister) passiert ist: Die lösen eine enorme Kurve aus, was Neueintritte von Kindern und Jugendlichen in die Vereine betrifft. Zeigt sich die die deutsche Mannschaft bei der EM stark verbessert, wird das 2024 nicht anders sein. Sind unsere Vereine darauf vorbereitet? Haben wir genug Trainerinnen und Trainer? Reicht die Infrastruktur, die Zahl der Plätze und Kabinen, aus? Wir haben jetzt schon die Situation in Köln, dass Vereine Kinder abweisen müssen, weil die Trainingskapazitäten für eine vierte E-Jugend oder dritte F-Jugend nicht ausreichen. In den ländlichen Regionen haben die Vereine wiederum ganz andere Probleme: Dort ist man teilweise nicht mehr in der Lage, eigene Mannschaften aufzubauen. In beiden Fällen wenden sich die Spielerinnen und Spieler dann möglicherweise anderen Sportarten zu oder sich ganz vom Sport ab. Das strebt man als Fußball-Präsident natürlich nicht an.

Ich finde es sehr erstaunlich, dass so wenig über die EM 2024 gesprochen wird

Bedeutet?

Wir müssen die EURO 2024 nutzen, um die Basis im Amateurfußball so breit wie möglich aufzustellen, Und wir wollen möglichst viele Spielerinnen und Spieler für die Spitze entwickeln. Auch die Bewerbung um die Frauen-WM 2027 gemeinsam mit Belgien und den Niederlanden bietet viele Chancen. Diese Themen müssen wir sofort nach dem DFB-Bundestag angehen.

Für einen Neustart beim DFB könnten Sie in Zusammenar- beit mit der neuen DFL-Chefin Donata Hopfen und dem neuen DFL-Aufsichtsratschef Hans-Joachim Watzke sorgen, die mit Ihnen im DFB-Präsidi- um sitzen würden. Haben Sie schon mit beiden gesprochen?

Ja, ich habe mich mit beiden getroffen, und wir haben unsere Vorstellungen ausgetauscht. Es waren aus meiner Sicht sehr gute Gespräche, die mich optimistisch stimmen und eine gute Grundlage für eine mögliche künftige Zusammenarbeit bilden.

Haben Sie sich auch mit der Frauen-Initiative „Fußball kann mehr“ um Ex-HSV- Vorstandsmitglied Katja Kraus und Nationaltorhütern Almuth Schult getroffen?

Wir hatten eine Schaltkonferenz mit mehreren Frauen aus der Initiative, darüber hinaus gab es individuelle Gespräche, unter anderem mit Katja Kraus. Ich habe den Austausch als konstruktiv empfunden, nicht als konfrontativ. Sehr viele Punkte, die die Initiative vorantreibt, teile ich: Ich bin ebenfalls der Meinung, dass die Fußball-Verbände weiblicher werden müssen. Und dass sich die gesellschaftliche Realität, wie sie sich in unserem Land darstellt, derzeit nicht in den Fußball-Verbänden abbildet. Wir müssen uns ingesamt diverser aufstellen. Ich rede ausdrücklich nicht nur von Frauen, wir brauchen auch mehr Menschen mit Einwanderungsgeschichte und junge Menschen.

Eine DFB-Doppelspitze aus Ihnen und einer Frau lehnen Sie ab.

Ja, weil ich einen Widerspruch darin sehe, einerseits eine Richtlinienkompetenz zu fordern (wurde Keller 2019 per Satzungsänderung entzogen; d. Red.) und dann doch eine Doppelspitze zu bilden. Richtlinienkompetenz ist nicht teilbar.

Die Bundesliga hadert sehr mit den aktuellen Zuschauer- Beschränkungen der Politik aufgrund der Pandemie. Bis zum 20. März sollen alle Corona- Maßnahmen bis auf die Maskenpflicht fallen. Erwarten Sie dann bundesweit wieder ausverkaufte Stadien?

Wir sind dann in der entscheidenden Phase der Saison. Wenn wir uns in Europa umsehen, sehen wir schon jetzt volle Stadien. Wenn man das politisch analysiert und zum Ergebnis kommt, dass es keine gravierenden Auswirkungen auf die Hospitalisierungsrate oder andere Werte hat, ist eine Komplettöffnung der Stadien auch bei uns natürlich vertretbar. Ich fand es sehr ernüchternd, dass hinsichtlich der Zuschauerzahlen quasi die Rasenmäher-Methode angewendet worden ist. Wenn ich 750 Zuschauer erlaube und die Stadiongrößen nicht in den Blick nehme, dann halte ich das für problematisch. Die Frage ist: Warum haben wir uns als Fußball hier kein Gehör verschafft?

Ihre Antwort?

Das Bild, das der DFB abgibt, animiert die Politik nicht dazu, zu sagen: Da kommt ein sehr kraftvoller Verband auf uns zu, dessen Interessen ich mir tunlichst anhöre, um dann gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Durch das zerstrittene Bild war die Durchschlagskraft da, wo wir sie gebraucht hätten, nicht vorhanden. Das muss sich dringend ändern. Wir brauchen wieder die Zugänge zur Politik, das hat sich in der Pandemie besonders gezeigt.

Donata Hopfen und Bayern-Boss Oliver Kahn können sich Play-offs um den Meistertitel in der Bundesliga vorstellen. Ihre Meinung?

Wir haben zwei Systeme: die Meisterschaft mit 34 Spieltagen. Und den DFB-Pokal im K.o.-Modus. Beide Systeme sind hochgradig akzeptiert, werden von den Fans geliebt. Deshalb sollten Veränderungen sehr genau durchdacht werden.

Hopfen schließt einen deutschen Supercup in Saudi-Arabien nicht aus. Wie wäre es mit einem DFB- Pokalfinale in Asien oder Amerika, um für den deutschen Fußball zu werben?

Ich glaube nicht, dass wir die Vergabe der WM an Katar kritisieren können und im gleichen Atemzug darüber nachdenken sollten, den Supercup nach Saudi-Arabien zu verlegen. Ich bewerte das kritisch. Die Menschenrechtssituation in Saudi-Arabien ist sicherlich nicht anders gelagert als in Katar. Was ein DFB-Pokalfinale in anderen Ländern betrifft: Das Pokalfinale gehört für mich nach Berlin.