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HIER WÄCHST DAS GUTE GEWISSEN


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Living at Home - epaper ⋅ Ausgabe 12/2022 vom 09.11.2022

Grünes Porträt

Artikelbild für den Artikel "HIER WÄCHST DAS GUTE GEWISSEN" aus der Ausgabe 12/2022 von Living at Home. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Living at Home, Ausgabe 12/2022

Geschenk für die Umwelt

Tim Laumanns ist Revierförster am Rande von Hamburg und verkauft seit vielen Jahren FSC-zertifizierte Weihnachtsbäume. Dafür veranstaltet er in der Adventszeit stets einen kleinen Weihnachtsmarkt, auf dem es auch Glühwein, Bio-Bratwurst und Musik gibt. Wir haben mit ihm darüber gesprochen, warum das Geschäft mit den nachhaltig angebauten Bäumen so aufwändig ist und wieso das ökologisch gute Gewissen unter dem Baum zwar erstrebenswert, aber leider, aufgrund der höheren Preise, nicht mit jedem Geldbeutel zu vereinbaren ist.

FUNDSACHE

Wer auf der Suche nach einem nachhaltig angebauten Baum in der Umgebung ist, findet eine Liste von Händlern und Informationen zu deren Angeboten z. B. auf

Auf gute Nachbarschaft: Kurze Transportwege verbessern die Ökobilanz

Sie sind schon seit 25 Jahren im Ökoweihnachtsbaumgeschäft. Kommen die Tannen alle aus Ihrem Wald am Rande von ...

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... Hamburg?

Nein, auch bei Ökotannen müssen wir uns leider von der romantischen Vorstellung, sie kämen direkt aus dem Wald um die Ecke, verabschieden. Ein guter Weihnachtsbaum wächst nicht einfach so vor sich hin, sondern muss das ganze Jahr betüddelt werden. Gerade für einen schön gewachsenen Baum brauchen wir Plantagen, ansonsten ließe sich die aufwändige Pflege nicht realisieren.

Was unterscheidet die Bäume, die Sie verkaufen, von denen aus dem klassischen Anbau?

Das fängt bei der Entfernung des rundherum wachsenden Grases – dem größten Wachstumskonkurrenten– an. Im Ökoanbau passiert dies entweder durch Weideschafe, die gepflegt und hin- und weggehütet werden müssen – oder manuell, mit Sense oder Mäher. Im klassischen Anbau wird das Gras einfach gespritzt. Der zweite Faktor ist die Düngung, klassischerweise mit synthetischem Kunstdünger, bei uns kommt er aus biologischer Tierhaltung. In der Regel streuen wir Mist aus zertifizierter Hühnerhaltung. Außerdem bedarf es jährlich einer Wuchsreduktion der Bäume im obersten Trieb, damit sich die Tannen nicht zu schnell nach oben ausstrecken. Man hätte sonst große Löcher zwischen den Stufen. Die Leute wollen nicht durch ihre Weih- nachtsbäume durchgucken können. Das reguliert man im klassischen Anbau mit einer Chemikalie, wir benutzen eine Zange. Wir setzen dem Baum gezielt eine kleine Verletzung, sodass er zunächst Kraft darauf verwendet, diese auszuheilen und nicht in zu schnelles Wachstum investiert.

Gibt es viele Betriebe dieser Art in Deutschland?

Leider nicht, da dieser Weg sehr personal- und arbeitsaufwändig ist und die Bäume so in Masse noch nicht absetzbar sind. Viele Menschen können sich einen Öko-Baum nicht leisten.

Sollte man aufgrund der genannten Aspekte dann auf einen Weihnachtsbaum verzichten, sofern er nicht ökologisch angebaut wurde?

Meiner Meinung nach nicht. Ich finde, dass unser Weihnachtsfest mit dem Symbol des Tannenbaums gesellschaftlich und sozial richtig und wichtig ist. Je schlechter die Zeiten, desto mehr sehnen sich die Menschen nach Tradition. In Coronazeiten war das in unserem Geschäft deutlich zu spüren: Alle blieben zu Hause, wussten nicht, wie alles weitergeht – also sollte das Weihnachtsfest perfekt sein. Und dieses Jahr wird es genauso sein. Die Zeiten sind unsicher, aber das Fest rund um den Baum mit der Familie steht für Sicherheit. Viele Menschen werden im Zuge der Inflation Bauchschmerzen haben, ob sie sich überhaupt für 19,99 einen Baum aus dem Baumarkt leisten können. Sie zu verurteilen, weil sie nicht alle mit einer Ökotanne bei mir vom Hof marschieren, die aber dann auch 55 Euro kostet, halte ich für absolut falsch.

INFO

Rund 30 Millionen Weihnachtsbäume werden hierzulande ungefähr sechs Wochen vor dem Fest verkauft, davon stammen ca. 90 Prozent zwar aus Deutschland, die meisten jedoch aus umweltschädlichen Plantagen, weitere Infos unter

Klassiker

Laumanns empfiehlt Fichten, schon weil sie zu den heimischen Bäumen gehören. Sie werden schneller trocken, duften aber wunderbar. Die Blaufichte stachelt ein bisschen. Die Rotfichte hat dünne Äste, die leichte Deko bevorzugen, die edle Nobilis-Tanne punktet mit dichten Nadeln und Zweigen.

Wie lange vor dem Verkauf werden die Bäume geschlagen?

Zwischen zwei und sechs Wochen vor dem Fest. Wenn ein Baum seine Nadeln gut halten soll, sollte er eigentlich Frost bekommen haben. Im Zuge des Klimawandels haben wir aber meist keine Minusgrade mehr vor Weihnachten, die dem Baum physiologisch signalisieren, auf Winterbetrieb umzuschalten. Um sich vor Frost zu schützen, beginnt er, das Wasser langsam zurückzuziehen. Dann halten die Nadeln besser. Eine gewisse Lagerzeit hat einen ähnlichen Effekt. Schlägt man einen Baum jedoch an Heiligabend und stellt ihn in die warme und helle Stube, schaltet er direkt auf Frühling um. Er merkt nicht sofort, dass seine Wurzeln kein Wasser mehr ziehen und pumpt sich recht schnell komplett leer – die Folge: er nadelt. Wenn er noch eine Weile draußen lag, läuft der Prozess langsamer ab. Durch den Klimawandel nadeln die Bäume dennoch alle schneller.

Erleben Sie eine größere Nachfrage bei den ökologischen Bäumen im Zuge des Klimawandels?

Ja. Den Menschen, die es bezahlen können, wird das gute Gewissen immer wichtiger. Sie reisen teilweise von weit weg an, extra um einen ökologischen Baum auf unserem kleinen Weihnachtsmarkt zu kaufen. Wir sind über einen Zeitraum von zehn Jahren um über 100 Prozent gewachsen. Dieser Trend beschert mir jedes Jahr ein frohes Fest.