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HIFI EXKLKUSIV VOLLVERS TARKER: Teuflische Familie


Stereo - epaper ⋅ Ausgabe 8/2019 vom 05.07.2019

Eine kleine Familie von Vollverstärkern mit dem Vornamen DIABLO hat der dänische Hersteller Gryphon seit Kurzem im Programm. Wir haben uns den jüngsten Spross vorgeknöpft: das Modell Diablo 120.


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Bildquelle: Stereo, Ausgabe 8/2019

Den Diablo 120 als kleinen Bruder zu bezeichnen, würde es bei einem Verstärker, der in der Grundausstattung fast 11.000 Euro kostet, nicht recht treffen. Sprechen wir also besser vom jüngsten Mitglied einer Verstärkerfamilie, die vor mehr als zehn Jahren mit dem Ur-Diablo begann und im Diablo 300 seine Reinkarnation erlebte, den wir vor ziemlich genau drei Jahren in STEREO 9/2016 testeten. Äußerlich ist auch der ...

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... Neue, Nachfolger des weltweit erfolgreichen Modells Attila, unschwer als ein Produkt der Dänen erkennbar. Firmengründer Flemming Rasmussen hat im letzten Jahr die operative Leitung abgegeben und konzentriert sich nunmehr mit sicherer Hand auf die optische Gestaltung und klangliche Abstimmung der Geräte, deren Logo ein Fabelwesen aus Löwe und Adler darstellt.

Auf der technischen Seite hat man zwar die Leistung und die Netzteilsektion etwas geschrumpft, einen Mangel an Saft und Kraft im Klangbild muss trotzdem niemand befürchten, zählen die Sanken-Transistoren, die pro Kanal paarweise zum Einsatz kommen, doch zu den leistungsfähigsten und klanggewaltigsten, die sich auf dem Markt finden lassen. Unterstrichen wird der Anspruch, wenn man sich den riesigen 1300 VA Ringkerntrafo und die Kondensatorbank mit 60.000 Mikrofarad pro Kanal ansieht, die dafür sorgen, dass das Teufelskind auch an Lautsprechern, die anderen Verstärkern das Herz, oder besser gesagt das Netzteil zerbrechen lassen, mit höchster Gleichgültigkeit seinen Aufgaben nachgeht. Womit eine Grundbedingung für einen gelungenen Auftritt im STEREO-Hörraum schonmal erfüllt war. Doch die Dänen glänzen noch mit einigen anderen Details, die nicht selbstverständlich, aber klanglich überaus vorteilhaft sind.

Dogma Doppel-Mono bleibt

Dazu gehört ein sehr hoher Ruhestrom, der die Verstärker vom Klanggift der Übernahmeverzerrungen verschont und die ausladenden Kühlrippen zur Wärmeabfuhr sinnvoll erscheinen lässt. Ebenfalls zum Credo der Dänen zählt eine „schnelle“ Schaltung – ein weit über den Hörbereich laufender Frequenzgang, der Phasenfehler verhindern und, im Zusammenspiel mit der durch den Doppel-Mono-Aufbau erreichten hohen Kanaltrennung, eine präzise räumliche Wiedergabe gewährleisten soll. Ihr besonderes Augenmerk richteten die Entwickler auch auf besonders kurze Signalwege und Platinen, deren Leiterbahnen mit einer dicken Goldauflage beschichtet sind. Nicht hoch genug bewertet werden kann auch, so sagen die klugen Köpfe der Entwicklungsabteilung, der Einfluss einer sorgfältigen elektrischen wie auch mechanischen Erdung. Hat man andernorts auch schon gehört, scheint also tatsächlich etwas dran zu sein, auch wenn wir es messtechnisch nicht überprüfen konnten.

Den Dämpfungsfaktor hingegen konnten wir im Labor messen – und er lieferte eindeutige Hinweise darauf, dass man es hier mit einem Verstärker mit keiner oder einer sehr geringen Gegenkopplung zu tun haben muss. Die rein passive, mikroprozessorkontrollierte 46-stufige Lautstärkeregelung umgeht ein immer wieder diskutiertes Problem im Verstärkerbau: die Qualität des Potis. Sie ist rauscharm, klangneutral mit extrem hoher Kanalgleichheit, und man fragt sich, warum das klassische Alps-Poti mit all seinen klangbeeinflussenden Eigenschaften bei vielen auch sehr teuren Geräten immer noch die erste Wahl ist. Selbst beim Display scheut man sich nicht, von gängigen Lösungen abzuweichen: Statt schnöder LEDs nimmt man ein fluoreszierendes Display – teurer, aber auch auf größere Entfernungen sauber ablesbar. Nach Art des Hauses spendierte man fürs Display und einige Schaltkreise, die die Funktionen des Amps überwachen, einen eigenen Trafo. Kurzum: Alles, was man sieht, macht einen sehr durchdachten und Vertrauen erweckenden Eindruck. Das gilt uneingeschränkt auch für das bei unserem Testmuster mitgelieferte Digitalboard, das auf höchstem Niveau sowohl PCM als auch DSD-Dateien in nahezu beliebiger Auflösung verarbeitet und als Datenlieferanten sowohl klassische CD-Player als auch Computer akzeptiert. Allerdings hat dieser Digitaleinschub mit über 5000 Euro auch einen mehr als stolzen Preis. Weniger als die Hälfte, aber mit 2250 Euro immer noch opulent in der Preisgestaltung, fällt der Aufpreis für das alternativ erhältliche Phonomodul aus.

Spiegelsymmetrischer Aufbau, sehr solide Buchsen und reichlich Anschlussmöglichkeiten


RUSTIKAL
Die massive Fernbedienung ist übersichtlich, liegt angenehm in der Hand und hat eine gute Reichweite.


DAMIT HABEN WIR GEHÖRT

Susan Weinert Rainbow Trio:

Beyond the Rainbow
Meisterhaft vorgetragene akustische Musik in perfekter Aufnahmequalität aus den Bauer-Studios


TEST-GERÄTE

CD-Spieler: T+A MP 2000
Vollverstärker: Audionet SAM, Audionet Watt
Lautsprecher: Montor Audio Platinum PL100 II, PMC 5.22, DALI Epicon 6
Kabel: Audioquest, DALI, HMS, Cardas

Im Hörraum ließ der Däne keine Sekunde lang Zweifel daran aufkommen, dass er höchste Weihen anstrebt. Egal, ob in Verbindung mit DAL Is Epicon 6, der 22er PMC oder der Platinum100 von Monitor Audio (s.S. 50) – pegelunabhängige Souveränität und Gelassenheit waren sofort spürbar. Den Reigen eröffneten Rodrigo y Gabriela mit, klar, „Diablo RoJo“. Der Gryphon trieb wechselweise jedes angeschlossene Boxenpaar zu dynamischen Höchstleistungen an, bettete das vor Klangfarben sprudelnde Geschehen in einen minimal warm angehauchten Kontext und faszinierte mit einem Bass, der den Spagat zwischen knochentrocken und zugleich federnd-lebendig in selten erlebter, Kribbeln hervorrufender Perfektion darstellte.

Musikalisches Brennglas

Nicht weniger beeindruckend die weiteren Hörstationen: Roger Waters’ „Radio Waves“ mit ihrem pulsierenden Bass rissen einen ob der Detailfülle und Durchhörbarkeit mit, da gab es auch im dicksten Getümmel kein Aufweichen im Frequenzkeller. Martha Argerichs 86er-Einspielung von Beethovens Klavierkonzert Nr. 1 erklang so sanft wie berührend und kraftvoll, der Flügel unzweideutig in einem großen Saal aus einiger Distanz eingefangen. Spektakulär auch der Umgang mit Bass und Klavier bei Susan Weinerts „A day like this“. Mit der Monitor Audio ergab das eine sehr langzeittaugliche Kombination bei grundsätzlich leicht warmer Tongebung, die aber in keinem Frequenzbereich Schwächen in der Auflösung verursachte. Die PMC 5.22 spielte am Gryphon etwas nüchterner, vielleicht einen Hauch ehrlicher, erreichte aber nicht die staubtrockene Knorrigkeit der PL 100 am Diablo, der hier unzweifelhaft für Emotionales empfängliche Menschen noch stärker in den Bann zog und die Unterschiede der Boxen wie unter dem Brennglas herausarbeitete.

Gryphon Diablo 120

Preis: ab 10590 € (Dac & Phono-Board optional)
Maße: 48 x19 x43 cm (BxHxT)
Garantie: 3 Jahre
Kontakt: Gryphon
Tel.: +45 8689 1200
www.gryphon-audio.dk

Der seltene Fall eines Verstärkers, der Kraft, Kontrolle und eine unbändige wie feinfühlige Spielfreude unter einen Hut bringt. Die Verarbeitung ist sehr hochwertig, die Preise für die optionalen Wandler-und Phonomodule sehr hoch.

Messergebnisse

Labor-Kommentar

Sehr breitbandiger Verstärker, der fast nicht rauscht und nicht klirrt. Hohe Leistungsreserven, geringer Dämpfungsfaktor. Sehr hohe Kanalgleichheit, was sowohl an der Lautstärkeregelung wie an den exzellenten Bauteilen liegt.

Ausstattung

4xCinch, 1x XLR-Eingänge; 1x Tape out; MM/ MC-Modul und DAC-Modul für PCM bis 32/384 und DSD bis 512 optional; Digitaleingänge: USB; BNC SP/DIF; AES/EBU und optisch; Fernbedienung; Display, dimmbar