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HIFI EXKLUSIV PLATTENSPIELER: Kiloweise Klangvergnügen


Stereo - epaper ⋅ Ausgabe 1/2020 vom 02.12.2019

Einem Sumo-Ringer gleich steht Transrotors „Massimo“-Laufwerk fett und feist da. Doch im Test präsentierte sich das Schwergewicht als leichtfüßiger Klangkünstler von zwar felsenfestem, zugleich jedoch sensiblem Charakter.


Artikelbild für den Artikel "HIFI EXKLUSIV PLATTENSPIELER: Kiloweise Klangvergnügen" aus der Ausgabe 1/2020 von Stereo. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Stereo, Ausgabe 1/2020

Ging hier wirklich alles mit rechten Dingen zu? Denn irgendwie passten Klang und Optik nicht so recht zusammen, als Transrotors aus leicht ersichtlichen Gründen „Massimo“ getaufter Plattenspieler quasi zur Einstimmung auf unsere gemeinsame Zeit „Unus Mundus“ von Joep Bevings „Henosis“-Album spielte. Diese mit leichter Hand entworfene Klangszenerie aus homogenen, behutsam mit gleichsam ...

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... getupften Klavieranschlägen und wie schwerelos im Raum hängenden, weit in die Tiefe gestaffelten Synthie-Wolken sollte aus diesem Metallklotz von Plattenspieler kommen?

Kaum zu glauben, aber wahr: Das auf vier soliden Füßen ruhende, gedrungene Masselaufwerk aus Bergisch-Gladbach inszenierte sich bei der Wiedergabe des ätherisch angehauchten Titels als feinsinniger Detailakrobat mit Liebe zum Leichtfüßigen, Schattierungsreichen und der irdischen Schwere Enthobenen. Beinahe ein Analog-Paradoxon!

Mit dieser ausgefeilten Vorstellung konnte sich der silbrig schimmernde Transrotor auf Anhieb gehörig Respekt verschaffen, wenn auch etwas anders als von uns vermutet. Aber kann man dem Betrachter seine Erwartungshaltung ankreiden? Schließlich spürt man das Gewicht des Massimo schon beim Anschauen. So drückte die zentrale Laufwerkseinheit unseres Testdrehers mit guten 34 Kilogramm aufs Rack, an denen die beiden mit Tonarmen von SME und Jelco bestückten Basen gewiss nur einen geringen Anteil hatten.

Antrieb magnetisch verkoppelt

Eher schon der acht Zentimeter hohe Teller, der allein satte zwölf Kilo auf die Waage bringt. Er ruht auf dem berühmten, magnetisch entkoppelten „TMD“-Lager („Transrotor Magnetic Drive“) des Herstellers aus Bergisch Gladbach. Dieses besitzt zwei gegeneinander verdrehbare Scheiben, deren untere ein ausgelagerter Synchronmotor per Riemen antreibt, während der Teller auf der oberen liegt. Zwischen den beiden sitzen einander abstoßende Magnete, sodass der angetriebene Teil den anderen mittels magnetischer Kopplung berührungslos vor sich herschiebt. Dabei soll diese hart genug ausfallen, um die Motorenergie verlustarm zu übertragen, aber auch weich genug, um dadurch winzige Unregelmäßigkeiten im Antrieb zu „schlucken“.

Das Argument, dass ein derartig schwerer Teller wohl alleine dafür sorge, zieht nur so lange, bis man mal Transrotors ansonsten identisch aufgebautes Lager gegen die TMD-Variante gehört hat, die für ein hörbar besseres Timing sowie eine gesteigerte Geschlossenheit des Klangbilds sorgt. Und wer alles richtig machen will, der nimmt gleich noch einen zweiten Motor für 1050 Euro dazu, der insbesondere die Stringenz im Timing wie die Attacke fördert.

Der Motor sitzt in einer höhenverstellbaren Basis, deren spitze Füße in Spike-Tellerchen ruhen. Eine Abdeckung verblendet auf Wunsch den Blick auf das präzise Metall-Pulley.


LANGSAM, ABER GEWALTIG
Im Konstant TMD sorgen gleich zwei Trafos für die notwendige Power für bis zu drei Motoren. Die analog erzeugte Frequenz ist sehr stabil und wird für die Synchronläufer langsam hochgefahren.


Wie der Block mit Teller und Tonarmen – es lassen sich bis zu vier Stück montieren – sind auch die flachen Motorbasen exakt in der Höhe verstellbar. Ihre nach unten spitz zulaufenden Gewindebolzen an den Ecken mit griffigen Knöpfen am oberen Ende, die sich ebenso am Laufwerk in freilich ungleich größerer Form finden, ruhen auf Spike-Tellerchen mit schmalem Gummiring, die das Zerkratzen der Unterlage verhindern. Die Höhenjustage ist notwendig, damit die vertikal gegeneinander versetzt in unterschiedlichen Lagerriefen laufenden Riemen dabei exakt horizontal stehen. So picobello wie der gesamte Dreher gearbeitete Metallblenden verdecken den Blick auf die rotierenden Metall-Pulleys und geben der Erscheinung des Drehers etwas Nobles, Unangreifbares.

Einmal korrekt aufgestellt, muss man hier nichts mehr berühren. In Rotation versetzt man den Sumo-Teller per Dreh am großen Knopf des externen Netz- und Steuerteils Konstant TMD, das bis zu drei Motoren ebenso potent wie präzise versorgen kann. Über versenkte Mini-Potis, die durch winzige Öffnungen in der dicken, polierten Frontplatte zugänglich sind, ist eine Feineinstellung der beiden Drehzahlen möglich.

Die Ausleger für die Tonarme werden mittels solider Muttern felsenfest auf Fußstützen geflanscht. Ein polierter Metallstöpsel verschließt danach die Öffnung. Über drehbare Füße beziehungsweise Gewindebolzen lassen sich das Chassis und die Motorbasen exakt in der Höhe ausrichten (u.).


Ausstattungsoptionen en masse

Wenn der Massimo so dasteht wie unsere opulent ausgestattete Testversion, erscheinen exakt 17.168 Euro unten auf der Rechnung, wovon auf das mit einem Motor gelieferte nackte Laufwerk inklusive TMD-Lager, einer Armbasis, des hochwertigen Speiseund Steuerteils Konstant FMD sowie des Auflagegewichts mit graviertem Transrotor-Logo 8900 Euro entfallen.

Jeder zusätzliche Armausleger kostet knapp 400 Euro. Für die beiden von den Spezialisten SME beziehungsweise Jelco zugelieferten Tonarme Transrotor 5009 und TR800-S werden 3060 und 800 Euro fällig, wobei diese Preise vergünstigt sind und nur im Paket mit dem Laufwerk gelten. Gleiches gilt für Transrotors MC-Tonabnehmer Figaro und Merlo Reference für 2000 respektive 960 Euro, die von Goldring in England gebaut werden.

Zurück zur Musik: Zum erneuten Einstieg lief das mit kräftiger, athletisch pulsierender Basslinie herzhaft zupackende „September in Montreal“ von Anne Bissons Direktschnittalbum „Four Seasons in Jazz“ über das Gespann SME/Figaro. Abermals entpuppte sich der Massimo als Meister der Durchzeichnung und Definition, der sich von den fülligen, pumpenden unteren Lagen in keiner Weise davon abhalten ließ, die feine Hallfahne hinter der Stimme, die wie festgenagelt aus der Mitte zwischen den Boxen ertönte, ausklingen zu lassen oder verwehende HiHat-Schleier zu offenbaren.

Das ergab eine überaus hörenswerte, so druckvolle wie ausfi nessierte Vorstellung mit unbeschwerter, spielerischer Attitüde. Und das Gleiche bei „Her Town Too“ des US-Barden James Taylor, ebenfalls mit trockenen, markanten Tieftonimpulsen unterlegt, denen der massige Transrotor nicht das geringste Eigenleben zugestand und sich darüber hinaus gewissenhaft dem leisen Perlen der Gitarre daneben widmete. Eine geschliffene HighEnd-Performance!

Fluidum der Perfektion

Um diese richtig einordnen zu können, hatten wir neben dem Massimo unseren täglich laufenden, gleichfalls mit 5009-Arm und bis hinters Komma des Aufl agedrucks identisch justierten Figaro-MC bestückten Referenz-Dreher Transrotor Rondino nero aufgebaut. Dieser trat – hatte uns unser Klanginstinkt also nicht getäuscht – tatsächlich etwas burschikoser auf, zog dabei das Spektrum enger als der sich schier entäußernde Massimo, wirkte ein wenig grundtonorientierter als dieser und nicht ganz so ehern fest.

Allerdings handelte es sich hier um ein Familientreffen auf Top-Niveau und ohne zweiten Sieger. Dennoch wirkte die Performance des Rondino nero in Ansätzen tonal anheimelnder und musikalisch verbindlicher, während der Massimo eher die Rasierklinge ritt, nämlich ohne jeden leicht romantisierenden Anfl ug auskam und dabei in fast noch höherem Maß das Fluidum unbedingten Perfektionismus’ verströmte.

Der obere Teil des Tellerlagers ist gegenüber dem unteren, von den Riemen angetriebenen verdrehbar. Magnete sorgen für die Verkopplung


TIPP FÜR 800-S

Der vom japanischen Spezialisten Jelco stammende Tonarm 800-S mit abnehmbarer Headshell lässt sich vortreffl ich mit Transrotors anspruchsvollem MC-Abnehmer Merlo Reference kombinieren.

TIPP FÜR 5009

Transrotors Top-MCAbtaster gehört zu den Besten seiner Preisklasse und empfi ehlt sich für den teuren, erstklassigen „5009“-Tonarm.

DAMIT HABEN WIR GEHÖRT

Joep Beving: Henosis

Düstere Stimmungen in warmen, sphärischen Klangbildern aus Klavier, Synthies und sogar Orchesterunterstützung


Div. Komponisten: Klangraumwelten

Klassik-Highlights verschiedener Epochen und Stile aus dem Programm von Dabringhaus & Grimm in Top-Klang

Das 450 Gramm schwere Plattengewicht hat auf der Unterseite einen schmalen Gummiring, der den Kontakt zur Schallplatte verbessert.


Massimo bringt Masse ein

Und das grundsätzlich auch dann noch, wenn wir auf die erheblich günstigere Arm/Abtaster-Kombi umstiegen. Gerade das Merlo Reference hat uns bereits in einigen anderen Zusammenhängen überzeugt und gehört zu den am meisten unterschätzten Angeboten des Marktes. Zwar bot dieses Set nicht ganz die unbestechliche Ehrlichkeit und brutale Offenheit der Spitzen-Teams. Doch der Massimo brachte auch so das Beharrungsvermögen seiner Masse zur Geltung. Dass er uns damit faszinierte und anzog wie das Licht die Motten, wird kaum einen Analog-Fan verwundern – denn vom Transrotor Massimo gibt’s das Hörvergnügen gleich kiloweise.

Im STEREO-Hörraum traf der Massimo auf seinen Bruder Rondino nero – einer unserer Referenz-Plattenspieler. Es war ein Stechen auf Augenhöhe.


TEST-GERÄTE

Plattenspieler:
SME Model 12/ EMT HSD6, Transrotor Rondino nero

Phono-Vorstufe:
Brinkmann Edison

Vor-/Endstufe:
Accuphase C-2150/P-4500, Accustic Arts Tube PreampII-MK2/AmpII- MK3

Lautsprecher:
B&W 800D3, Dynaudio Confidence 50

Phono-Kabel:
Boaacoustic Silver Galaxy, HMS Suprema, Siltech