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HIFI EXKLUSIV STANDLAUTSPRECHER: AMERICAN DREAM


Stereo - epaper ⋅ Ausgabe 7/2020 vom 05.06.2020

Man muss kein Hellseher sein, um zu erkennen: JBLs 61 Kilogramm mächtige 4367 ist ein Schallwandler mit Horn und gewaltiger 38er-Tieftonpumpe, gemacht für professionellen Druck und natürlich Spaß pur!


Artikelbild für den Artikel "HIFI EXKLUSIV STANDLAUTSPRECHER: AMERICAN DREAM" aus der Ausgabe 7/2020 von Stereo. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Stereo, Ausgabe 7/2020

In der Tat spricht mich dieses mit „Studio Monitor“ sehr zivil benannte Gerät schon auf der Instinktebene enorm an, zumal mein gewisses Faible für die Profiwelt der PA, der Studio- und Kinowelt privat nicht zu leugnen ist. Klar sind da auch filigrane Analoglaufwerke, die eine oder andere Röhre und feingeistige, jedoch recht ineffiziente, britische Nahfeldmonitore. Aber die Wattleistungen der anwesenden ...

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... Verstärkertriebwerke für Kinos und die Durchmesser der versammelten eingebauten wie losen Tieftontreiber dürften doch im Durchschnitt oberhalb der Kollegensammlungen liegen. Das Alter der Artefakte und Sammlerstücke ohnehin. Denn auch die vielversprechende JBL ist natürlich Vintage pur!

Mächtiger Klotz

Allein die Abmessungen der Synthesis 4367 sind schon für viele Räumlichkeiten eine mächtige Herausforderung und stellen für manchen Lebenspartner gar einen Affront dar, den ein Anschaffungspreis von offiziell 17.000 Euro mitunter prohibitiv zu verhindern weiß.

Ansonsten verkörpert dieser Lautsprecher wie schon der legendäre Name mit den drei Buchstaben auf den ersten Blick: Das rockt! Wie einst der geschätzte und leider früh verstorbene Kollege Heinz Schmitt sagte: „Ich brauche einen Lautsprecher nur zu sehen und weiß schon, wie er klingt!“

Selbstredend ist die JBL dank Doppel-Terminal bi-wiring-/bi-ampingtauglich ausgelegt.


Selten war dieser Satz so wahr wie bei dieser JBL, die nicht weniger als eine domestizierte Ableitung des Professional M2 Master Reference Monitors (mit zwei Basstreibern) darstellt. Allerdings ist obige Klangprognose in diesem Fall auch nicht wirklich schwierig, wenn man häufiger Live-Konzerte besucht, im Heimkino selbst amerikanische PA-Hörner betreibt und zudem schon einige JBL-Kreationen wie etwa die K2 9600 testen durfte.

Klang: Wahnsinn

Ansatzlose, stupende Dynamik und solch ein bis in die Magengrube zuschlagender, konturierter und druckvoller Bass haben Seltenheitswert. JBL erfreut sich nicht umsonst eines schon magischen Rufs, was die großen Basstreiber angeht, die mit straffer Einspannung, kraftvollen Magnetantrieben und Membranen aus eher klassisch-traditionellen Zellulosematerialien arbeiten, also Papier/ Pappe, die allenfalls beschichtet werden. Im Vergleich zu HiFi-Boxen fällt der Verzicht auf dämpfende Sicken bei der Einspannung der Membran im Metallkorb auf, das aber ist wiederum eine Gemeinsamkeit mit der Profibeschallung. Man setzt auf Bewährtes und fährt damit sehr gut sowie nicht zuletzt erfolgreich. Die 4367 hat natürlich über die M2 hinaus berühmte Vorbilder, schließlich baut JBL, in der Langform „James B. Lansing“, seit über 60 Jahren Schallwandler und steht wie Harley Davidson im Motorradbereich für DEN amerikanischen Lautsprecher. So basiert sie auf den Zwei-Wege-Studio- Monitoren der 50er- und 60er-Jahre mit Tieftöner und Horn bis hin zur bis 2010 gebauten 4365, deren Tradition sie heute wieder aufnimmt. Deren Basschassis 1501FE-8 ist ein direkter Vorfahre des nun verwendeten, in Sachen Artikulation und Präzision aber deutlich weiterentwickelten 2216Nd-1 mit beschichteter Membran, hochlinearem Neodym-Antrieb, 8-cm-Doppelschwingspule und Impedanzkontrollring. Vor zehn Jahren war die Abteilung Hochton noch eine Kombination aus getrennten Mittelhoch- und Superhochton-Kompressionstreiber samt Horn, die in der neuen 4367 einer patentierten konzentrischen Anordnung namens D2430K Select mit HDI-Waveguide weichen musste. Diese „Punktschallquelle“ mit Doppel-Neodym-Antrieb soll noch mehr kompressionsfreie Dynamik liefern als ein hinsichtlich Membranfläche vergleichbarer 3-Inch-Treiber. Ein eleganter, bruchloser Übergang zwischen den optimierten Arbeitsbereichen der Treiber soll ebenso sichergestellt sein wie eine räumlich-zeitliche Kongruenz, was Timing und Staffelung der reproduzierten Schallereignisse zugutekommt. Es gibt übrigens zwei verschiedene Lautsprecher, der rechte ist auf der Rückseite nicht grundlos markiert.

HERTZSCHRITTMACHER

Man sieht es schon, hier wurde vom erzstabilen Korb über den Magneten bis hin zur PA-verwandten Membrantechnologie alles für den Druck getan, der aus der Tiefe kommt.

Als „Studio Monitor“ lässt die JBL zudem feine Korrekturen des Amplitudenfrequenzgangs zu, was auch in heimischen Gefilden hilft, etwa bei asymmetrisch möblierten, zu wenig oder zu stark bedämpften Räumen.


Des Rätsels Lösung ist die Schallführung des Mittelhochtontrichters, die den Hörer tatsächlich leicht unterschiedlich ansteuert und so das axiale wie abaxiale Verhalten perfektionieren soll. Wie die traditionellen Zwei-Wege-Systeme trennt auch die 4367 nur noch bei einer einzigen Frequenz von 700 Hertz, bei der das menschliche Ohr zudem nicht sehr empfindlich ist. Packt man nun das Ganze mit Sachkenntnis in ein rigides, 2,5 Zentimeter dickes, versteiftes MDF-Gehäuse mit zusätzlich verstärkter Schallwand, kommt dabei diese 4367 heraus. Ein atemberaubender Lautsprecher, denn er ist auf die Ausgewogenheit getrimmt, die man daheim von einem Schallwandler erwartet.

HORN

Hier das ausgebaute, breit abstrahlende Mittelhochtonhorn aus der Nahsicht

Keine Diva – oder doch?

Sie können diesen Lautsprecher ins Wohnzimmer wuchten, und er wird recht unproblematisch loslegen, solange es um Pop und Rock geht. Da ist dieser mühelos federnde, tiefe und souverän in den Magen drückende Bass, den die meisten High End-Lautsprecher – und das fast größenunabhängig – schuldig bleiben. Wir haben uns entsprechend mit Rainbows „Since You Been Gone“, der Bloodhound Gang, aber auch mit „Respect Yourself“ prächtig unterhalten.

Geht es indes um die feineren und Zwischentöne, die Charakteristika verschiedenster natürlicher Instrumente wie etwa in der Klassik und beim Jazz, so ist die JBL durchaus nicht überfordert, sondern kann die absolut Richtige bleiben. Allerdings muss man dann dem Frontend und der Verkabelung mehr Achtsamkeit schenken. Extrem nach vorne gehende Elektronik oder ein Silberkabel müssen nicht unbedingt zur Spontaneität dieses Lautsprechers passen, zu viel Härte und Analytik könnten in heimischen Gefilden auch klanglich zu viel Aggressivität bedeuten. Klar kann man manches mit der offerierten Klangregelung dezent abfangen, aber auch z. B. ein gut gewähltes Cardas-Interconnect aus der Clear- oder Golden-Baureihe wird hier Wunder wirken. Es machte in unserem Fall Vivaldi mit Anne-Sophie Mutter zum Hochgenuss – und das ist für ein Hochtonhorn schon harter Tobak!

Dieser Lautsprecher ist mächtig, er ist nicht schön – und er ist mit 17.000 Euro auch nicht billig. Aber wenn Sie Spaß am Musikhören haben und nach dem Wochenende den Rest der Woche das Grinsen einfach nicht mehr aus dem Gesicht bekommen wollen, hören Sie ihn sich an. Unbedingt!

JBL Synthesis 4367

Preis: um 17000 €
Maße: 56 x 96 x 43 cm (BxHxT)
Garantie: 5 Jahre
Kontakt: HARMAN Luxury Audio
Tel.: +49 8031/ 391 16 00
www.harmanluxuryaudio.com/

JBLs Synthesis steht trotz modernster Chassistechnologie in der Tradition klassischer Studiomonitore und vermittelt enormen Hörspaß. Mühelos und temperamentvoll, mit überragend federndem, tiefem Bass und sogar audiophilen Tugenden ist sie klanglich hervorragend.

Messergebnisse

DC-Widerstand 5,9 Ohm
Minimale Impedanz 4 Ohm bei 1200 Hz
Maximale Impedanz 19 Ohm bei 63 Hz
Kennschalldruck (2,83 V/m) 89 dBSPL
Leistung für 94 dBSPL 6 W
Untere Grenzfrequenz (-3dBSPL) <30 Hz
Klirrfaktor bei 63/3k/10k Hz 0,15/0,3/0,6 %

Labor-Kommentar

Der Frequenzgang der JBL zeigt den Tiefgang bis unter 30 Hertz sowie einen noch recht ausgewogenen Verlauf, die Impedanz ist gutmütig, der Wirkungsgrad recht hoch. Die Sprungantwort zeigt exzellentes Timing und nur sehr geringe Nachschwinger, das Verzerrungsverhalten ist überragend.

Ausstattung

Bi-Wiring-Terminal, Bespannung, Bassrefl exkonstruktion, Klangregler

TEST-GERÄTE

CD-Spieler: T+A MP 3100 HV
Vollverstärker: T+A PA 3100 HV AVM Ovation 6.2 ME
Lautsprecher: B&W 800 D3
Kabel: Audioquest, Cardas, HMS

ARBEITS– TEILUNG

Die (zweiteilige) Frequenzweiche ist hochwertig bestückt und überraschend komplex.