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HIFI EXKLUSIV VOLLVERSTÄRKER: Mit Krell durch Sturm und Drang


Stereo - epaper ⋅ Ausgabe 11/2019 vom 01.10.2019

Alles in Deckung – hier wird scharf geschossen! Mit dem K-300i präsentiert Krell einen Vollverstärker von unbändiger Spielfreude und in bester „Geberlaune“.


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Bildquelle: Stereo, Ausgabe 11/2019

Manche werden nie erwachsen. Die reiten noch im gesetzten Alter ihre Harley, springen aus Flugzeugen oder suchen auf ihrem Surfbrett die ultimative Welle. Ähnlich aufregende Trips ohne steifen Nacken oder die Gefahr schlimmerer Blessuren kann man direkt vom Sofa aus unternehmen. Mit seiner HiFi-Anlage und insbesondere dann, wenn Krells neuer Vollverstärker K-300i darin spielt.

Klinken Sie ihn doch mal in Ihre vertraute Kette ein! Kann sein, dass diese ...

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... plötzlich wie von der Tarantel gestochen losmarschiert und dabei eine Energie, Größe und Strahlkraft verbreitet, die Ihnen bislang unbekannt war. Standen die 300er-Amps des US-Spezialisten ja seit jeher für Sturm und Drang sowie „große“ Auftritte, die ihre stets flache Bauform Lügen strafte, so steigert das aktuelle Modell, der in Schwarz oder Silber lieferbare K-300i, diese Underdog-Attitüde bis ins Ex trem. Selten waren wir derart angefixt. Der Krell bringt die Anlage in Schwung wie ein Aufputschmittel – er ist pures Viagra für den Hörspaß!

Wer ein bisschen mit ihm herumspielt, den verleitet der Krell schnell zum Übermut. So kam es, dass wir mit dem in jeder Lage unerschrockenen Ami Dynaudios brandneue Confidence 50 mittels Monty Alexanders hochdynamischem „Moanin’“ von der STEREO Hörtest-CDVI unter Beschuss nahmen. Wie kleine Explosionen knallten dessen Drum-Kicks ansatzlos und perfekt „moduliert“ aus der Mitte zwischen den schlanken Boxen, stand der unterlegte Bass prächtig im Futter, zeigte der anspruchsvolle Titel trotz des üppigen Pegels eine derart ungerührte Lockerheit, blitzblanke Sauberkeit sowie eherne Stabilität, dass wir einander verdattert anschauten. Solch ein souveränes Selbstbewusstsein hätten wir von dem niedrigen Amp nicht erwartet.

Dass in ihm mehr drinsteckt als vermutet, wird spätestens klar, wenn man den K-300i anheben will: Fast 24 Kilogramm widersetzen sich diesem Versuch. Neben dem soliden Gehäuse ist es vor allem der 770-VA-Trafo, welcher sich vorne links breitmacht, der für das satte Gewicht verantwortlich ist. Die Leistungstransistoren sitzen unsichtbar auf einem kompakten Kühlkörper daneben, der bei Bedarf von zwei unhörbar laufenden Mini-Ventilatoren mit Luft durchfächelt wird. Denn wenn’s hoch hergeht, was wie erwähnt schnell mal passiert, wenn man sich mit dem Krell voll ins Hörvergnügen stürzt, wird der Amp ordentlich heiß.

Pfiffige „iBias“-Schaltung

Das liegt nicht zuletzt am von den Amerikanern patentierten, cleveren „iBias“-Konzept, das auf intelligente Weise einen fließenden ClassA- Betrieb simuliert, um Übernahmeverzerrungen in den Transistoren beim Übergang von der positiven zur negativen Halbwelle des Signals und umgekehrt möglichst gering zu halten beziehungsweise vollkommen auszuschließen.

Statt die Halbleiter stets voll geöffnet zu halten und auf diese Weise fortwährend die halbe Maximalleistung in Wärme umzusetzen, versorgt iBias die jeweils unbelastete Phase mit einem den Erfordernissen angepas sten Ruhestrom. Für dessen korrekte Ermittlung sorgt eine Schaltung im Ausgangstrakt, die die abgegebene Leistung misst und dabei laut Krell sogar die Impedanz der angeschlossenen Lautsprecher einbezieht. So bleibt das Power-Management bei normalen Pegeln niedrig und damit auch der Wärmehaushalt.

Eingangsseitig verfügt der K-300i in der in Deutschland vertriebenen Variante samt Digitalmodul neben den fünf analogen über eine Reihe digitaler Inputs, darunter gleich drei in HDMI-Ausführung, was der amerikanischen Vorliebe für umfangreichere AV-Ketten geschuldet sein dürfte. Aber natürlich gibt’s daneben eine USB-Schnittstelle sowie je einen gängigen optischen und koaxialen Kontakt – und umfassende Netzwerkfähigkeit inklusive einer App, die sogar Einblick in die Steuerungszentrale erlaubt, die eine Vielzahl von Betriebsdaten erfasst – etwa die Temperatur oder den Status der Lüfter.

So kann der K-300i Daten von UPnP-Servern und NAS-Speichern ziehen, unterstützt die Strea ming-Dienste Spotify, Deezer, TIDAL und Qobuz sowie sogar MQA und ist „Roon-ready“. Je nach Input verarbeitet der verwendete ESS Sabre-DAC PCM-Signale bis hinauf zu 24 Bit/192 Kilohertz und kleinere Formate in MP3, AAC, WMA und was da noch so kreucht und fleucht sowieso. DSD-Files bis 5,6 Megahertz nimmt der Amp genauso wie etwa Hochbit-PCM von Blu-ray-Discs per HDMI entgegen.

Dazu gibt’s die Möglichkeit, Mobilgeräte einfach per Bluetooth aptX mit dem K-300i zu verbinden. Das klappte in unseren Versuchen auf Anhieb. Und selbst mit einem datenreduzierten MP3-File von „The Water Garden“ des Gitarristen Alex de Grassi von meinem iPhone zeigte der Krell seine Präzision wie Spannkraft, indem er das Instrument wie festgenagelt und plastisch umrissen sowie in jener beinahe hautnah erfahrbaren Weise abbildete, dass man glaubte, die straff gespannten Saiten schwingen zu sehen.

Gut zwei Drittel des Volumens beanspruchen das Netzteil mit mächtigem Ringkerntrafo und die auf den Kühlkörper montierte Leistungsstufe.


FB MIT SYSTEM

Die beigelegte Metallfernbedienung steuert auch andere Komponenten aus dem Krell-Programm.

DAMIT HABEN WIR GEHÖRT: The Sheffield Track Record

Ultimative Dynamik und Frische zum Tote aufwecken liefert diese alte LP vom berühmten Sheffield Lab. Nicht nur über den Krell ein Erlebnis.

INFO-DISPLAY

Zahlreiche Optionen des Krell wie eine Vorpegelung für seine individuell benennbaren Eingänge oder den fix wie geregelt betreibbaren Pre-Out lassen sich auf dem dimmbaren Display darstellen.

Der Kühlrippenblock mit den Leistungstransistoren wird bei Bedarf von zwei kleinen Ventilatoren mit Frischluft versorgt.


Doch Bluetooth ist nur ein Nebenaspekt der Digitalsektion, die vornehmlich PCM-Files – gerne auch in Hochbit – zum wortwörtlich „Besten“ geben soll. Um dies zu checken, verkabelten wir T+As MP3100HV per HMS Suprema sowohl analog wie auch digital mit dem K-300i. Mithilfe der Fernbedienung konnten wir einfach zwischen den Eingängen hin- und herschalten. Dabei stellten sich Klangbilder ein, die kaum auseinanderzuhalten waren. So wirkte der T+A in den Mitten um einen Hauch stimmiger, während das Digital-Modul feine Details um eine Nuance krisper von ihrem Umfeld abgrenzte. Krells interne Digi- Lösung spielte auf Augenhöhe mit unserer Media-Player-Referenz. Noch Fragen?

Ein Amp von hart bis herzlich

Die waren uns längst ausgegangen, als wir den Amp nach einigem Ausprobieren seiner zahlreichen Funktionen endlich zur Kür sowohl mit den Dynaudios als auch einem Paar bezüglich des Verstärkers anspruchsvoller B&W 800D3 respektive extrem umgänglicher DALI Epicon 6 verbanden.

An keinem der drei zeigte der Krell irgendwelche Schwächen, sondern entfaltete stressfrei seine Grandezza in Gestalt einer Wiedergabe, die von innen her leuchtete sowie eine die Lautsprecher wie Zuhörer packende Nachdrücklichkeit in sämtlichen Lagen bot. Wer sich an den den oft zwingenden Auftritt früherer Krells mit den wie gemeißelten Strukturen erinnert: Hier ist er wieder, verbindet sich aber mit einer Musikalität und Geschmeidigkeit, die den älteren, zuweilen recht steif stolzierenden Krells abging.

„Geerbt“ hat der bärenstarke K-300i deren Unerschrockenheit und nassforsche Gebermentalität. So schien es dem Gute-Laune- Amp schier Spaß zu bereiten, die Tieftöner der Boxen mit Impulsen oder grollendem Paukendonner gehörig durchzukneten. Aber der Krell gibt nicht nur gerne den beherzt aufspielenden Rocker, sondern vermittelt seine Meriten auch bei leiser, bedächtiger Gangart. Dies etwa mit Tiny Islands beinahe hypnotischem Taj-Mahal-Klassiker „When I Feel The See Beneath My Soul“, in dem unzählige Details umeinanderhuschen und zugleich in ein sanft swingendes Netz gespannt sind. Dem K-300i gelang das Kunststück, den Titel bei exzellenter Durchhörbarkeit und Gelöstheit als sowohl in seinen Facetten schillerndes als auch ruhig atmendes Ganzes zu präsentieren.

Dabei erwies sich einmal mehr die plastische Dreidimensionalität in der Darstellung des Krell, der die Schallereignisse exakt am richtigen Punkt abbildete. Überhaupt: Je länger wir uns mit dem K-300i beschäftigten, desto lieber wurde er uns. Vermisst haben wir allenfalls einen Drehknopf für die Lautstärke an dem Sturm-und-Drang-Verstärker, der Musik physisch erlebbar macht.

Dank seines Digital-Moduls ist der K-300i eine moderne Medienzentrale für Netzwerke, PC/Mac-HiFi und andere digitale Zuspieler. Sogar fürs hochwertige Bluetooth aptX ist der Krell gerüstet.


TEST-GERÄTE

Plattenspieler: SME Model 12/ EMT HSD6
Phono-Vorstufe: Brinkmann EdisonMedia-Player: T+A MP3100HV
Vollverstärker: Gryphon Diablo 120, T+A PA3100HV
Vor-/Endstufe: Accustic Arts Tube PreampII-MK2/ AmpII-MK3
Lautsprecher: B&W 800D3, DALI Epicon 6, Dynaudio Confidence 50
Kabel: HMS Gran Finale Jubilee und Suprema (NF/digital/LS)