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HiFi-Messen 2022 – quo vadis?


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Audio Test - epaper ⋅ Ausgabe 2/2022 vom 04.02.2022

Interview des Monats

Artikelbild für den Artikel "HiFi-Messen 2022 – quo vadis?" aus der Ausgabe 2/2022 von Audio Test. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Audio Test, Ausgabe 2/2022

Wir haben die wichtigsten Messeveranstalter nach ihrer Meinung gefragt. Zur Gesprächsrunde eingeladen haben wir Ivonne Borchert-Lima von den Norddeutschen- und Süddeutschen HiFi-Tagen (kurz: NDHT und SDHT), Dr. Michael Hackenberg von den Deutschen HiFi-Tagen Darmstadt sowie Manfred Keim von den Mitteldeutschen HiFi-Tagen aus Leipzig. Was folgt ist ein Ausblick und ein Stück weit Optimismus nach zwei Jahren ohne HiFi-Messe in Deutschland.

*Stefan Dreischärf, Geschäftsführer der HIGH END Messe, hatten wir selbstverständlich auch zum Gespräch geladen, doch er möchte mit Blick auf die aktuelle Situation momentan davon absehen, in schriftlicher Form Stellung zum Messegeschehen zu nehmen. Gern holen wir das Interview zu einem späteren Zeitpunkt nach.

Wann wird es wieder HiFi- Messen in Deutschland geben? Schaffen wir das noch in 2022? Ivonne Borchert-Lima: Das ist eine schwere Frage, ...

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... wenn ich nur eine Glaskugel hätte? (lacht) Ich bin ein Mensch, der immer positiv bleibt und denkt. Daher bin ich davon überzeugt, dass es in 2022 eine HiFi-Messe geben wird!

Dr. Michael Hackenberg: Ja, das schaffen wir. Und wenn es in den Sommermonaten ist.

Manfred Keim: Die Frage nach dem wann und wie beschäftigt uns seit Wochen und Monaten. Auch der Blick in die berühmte Glaskugel gibt uns darauf keine Antwort. Natürlich wäre es wünschenswert eine HiFi-Messe nach dem bekannten Vorbild auszurichten. Zum jetzigen Zeitpunkt wäre eine positive Antwort auf die Frage nicht seriös. Eine Antwort mit „Ja, wenn...“ und „Nein, wenn...“ hilft uns nicht weiter.

HiFi-Messen leben vom Kontakt und dem direkten Hören und vergleichen – wie kann das wieder möglich werden?

IBL: Es kann möglich werden, aber man muss sich als Veranstalter, Aussteller und auch Besucher darüber im Klaren sein, dass es nicht so wird wie vor Corona. Es wird mit vielen Auflagen für die Veranstalter sein, welche ich als Veranstalterin gerne in Kauf nehme, wenn dafür wieder etwas starten darf!

MH: Ich hoffe sehr, dass im Sommer die Pandemie abebbt und sie endemisch wird. Dann sollte für Geimpfte wieder ein normales Leben möglich sein.

Wenn natürlich wieder eine neue Mutante auftaucht, ist das Ganze hinfällig.

MK: Genau das ist der Knackpunkt. Der persönliche Kontakt unserer Kunden zu den Vertretern der Industrie, zu uns und auch zu euch vom Auerbach Verlag schafft ein einzigartiges Flair in einer einzigartigen Umgebung. Gerade bei unseren Messen haben es sich viele Geschäftsführer oder Eigentümer von HiFi-Firmen oder

Vertrieben nicht nehmen lassen, persönlich auf dem Messestand zu erscheinen, um HiFi zu zelebrieren. Um diese Möglichkeit wieder zu schaffen, muss jedoch die pandemische Lage deutlich abebben.

Alle Messeveranstalter verschieben ihre Veranstaltungen seit zwei Jahren. Wird nach dem Ende der Pandemie alles wie vorher? Gefüllte Hörräume, begeisterte Gesichter und zugewandte Hörer und Gespräche? Oder wird alles in einer sterilen Atmosphäre stattfinden – wenn überhaupt?

IBL: Es wird stattfinden, davon bin ich überzeugt. Wenn ich das nicht wäre, hätte ich den falschen

Job! Es wird anders, das ist völlig klar. Gefüllte Hörräume nicht wie früher, alles mit etwas Abstand. Es wird aber wieder Gespräche geben. Begeisterte Gesichter kann es auch mit Abstand geben und ebenfalls zugewandte Hörer.

MH: Es muss wieder wie früher werden. Ich glaube nicht an „halbe“ Veranstaltungen wo Leute mit Masken auf einem Meter Abstand sitzen und Hören.

MK: Bereits die Vorstellung „begeisterte Gesichter und zugewandte Hörer“ treibt mir ein Lächeln ins Gesicht! Veranstalter von Messen haben sich natürlich genau überlegen müssen, ob Messen möglich und sinnvoll sind oder ob von ihnen sogar eine Gefahr ausgeht. Von der Ausrichtung einer Messe allgemein geht also eine hohe Verantwortung aus, der auch wir uns stellen müssen. In der logischen Folge wurden natürlich zahllos Messen aller Art abgesagt.

Wäre das dann „besser als gar nichts“?

IBL: Finde ich schon! Natürlich sind die Auflagen enorm, aber da muss gerade „fast“ jede Branche durch. Also warum sollten wir als Veranstalter von HiFi-Messen das nicht auch schaffen!? Mit Bedacht und mit Einlasskontrolle wird es möglich sein und es ist besser als nichts, finde ich.

MH: Nein. Das würde nicht funktionieren.

MK: Ein „Mini-Messe“ auszurichten ist nüchtern betrachtet nicht wirtschaftlich. Dennoch darf man nicht davon ausgehen, dass das allheilig machende ewige Wachstum die Lösung aller Probleme ist. In der Tat müssen alle über neue Wege nachdenken.

Planen Sie, in diesem Jahr noch Ihre HiFi-Messen stattfinden zu lassen? IBL: Ja in der Tat! Nach der „schmerzlichen Absage“ der Norddeutschen HiFi-Tage 2022 für

Anfang Februar, planen wir nun die NDHT2022 am 20. und 21. August 2022 und die Süddeutschen HiFi-Tage 2022 am 3. und 4. September 2022. Gerade für die NDHT, die seit Jahren immer am ersten Wochenende im Februar stattfanden ist es sehr ungewöhnlich, die NDHT im Sommer zu veranstalten. Aber ich finde gerade in dieser besonderen Zeit, muss man die Dinge nehmen, wie es gerade am besten passt! Das Jahr 2021 hat gezeigt, dass die Corona-Zahlen gerade in den Sommer- Monaten stark zurückgingen und ein „fast normales Leben“ möglich war. Also werden die Norddeutschen HiFi-Tage 2022 das erste Mal im Sommer stattfinden! Ich muss als Veranstalter flexibel sein und das bin ich dieses Jahr. Ich freue mich, dass wir dieses Datum gemeinsam mit unserem Partnerhotel „Privathotel Lindtner“ gefunden haben!

MH: Stand heute: ja.

MK: Aktuell liegt lediglich eine „lose“ Planung in der Schublade. Jedoch könnte ich als Messeveranstalter beschließen was ich will, ohne die Industrie und vor allem ohne Publikum ist die Messe nichts! Unser Publikum, die Industrie und wir möchten aber die Messe nicht unter sprichwörtlich „allen Umständen“. Wenn wir die Mitteldeutschen HiFi-Tage dieses Jahr durchführen, wäre uns der Termin am 17. und 18. September 2022 am liebsten.

Was sagen die Aussteller? Vermissen sie den Kontakt zum Kunden oder geht auch alles „online“?

IBL: Die Mehrheit vermisst den direkten Kontakt zu den Kunden. Natürlich gibt es wie überall Ausnahmen, die meinen es geht auch online. Aus meiner Sicht kann eine HiFi-Messe, die so speziell ist und auch durch die Besucher und Aussteller so lebhaft ist, nicht online stattfinden!

MH: Nein. Die Aussteller vermissen den direkten Kontakt zu den Kunden sehr.

MK: Zunächst ist es sicherlich möglich, dass man sich online über Produkte informieren kann. Und nicht selten entstehen bereits hier zahlreiche Missverständnisse. Ein echtes emotionales Erlebnis lässt sich online zumindest im Bereich HiFi nicht vermitteln. Natürlich ist es unverkennbar, dass sich die Aussteller nach den bekannten Kontakten sehnen und ihre Ware live vorführen möchten. Ich muss sagen, dass vor einem Jahr eine eher positive Einstellung zu erkennen war. Aktuell sehe ich das weniger. Bei Betrachtung aller Umstände, insbesondere der zu erwartenden geringeren Besucherzahl, ist natürlich auch der zu erwartende Erfolg ebenfalls geringer. Somit ist es klar erkennbar, dass die Bereitschaft zur Teilnahme an Messen genau überlegt sein will. Letztendlich kann die Finanzierung der Messen nur aus dem erfolgreichen Abverkauf der Produkte erfolgen.

Kann eine Online-Messe im HiFi- Bereich eine wirkliche Alternative sein?

IBL: Ganz klar: Nein!

MH: Nein. Wie soll man denn da Hören?

MK: Eine Online-Messe wird auf keinen Fall das echte Erleben ersetzen können. Auch zwei Jahre nach den letzten Mitteldeutschen HiFi-Tagen schwärmen Kunden noch immer vom Erlebten. Meine hypothetische Frage dazu: Können Sie sich spontan an einen YouTube Clip von vor zwei Jahren erinnern?

Müssen sich Besucher aufgrund der unplanbaren Umstände und Auflagen auf höhere oder erstmals überhaupt auf Eintrittspreise einstellen?

IBL: HiFi-Messen, die von mir organisiert werden, bleiben auch weiterhin „Eintritt frei“. Natürlich müssen wir auch durch die Auflagen Einlasskontrollen durchführen und jeder Besucher wird ein Einlassbändchen bekommen, aber einen Eintritt nehmen wir nicht!

MH: Das kann durchaus passieren, da der Aufwand zur Prüfung des Impfstatus die Kosten nach oben treibt.

MK: Sollte eine Messe unter Auflagen stattfinden, dann müssen diese natürlich ausnahmslos umgesetzt werden. Der Aufwand dafür ist nicht gering und treibt die ohnehin schon hohen Kosten weiter in die Höhe. Unter geltenden Abstandsregeln wird wahrscheinlich nur die Hälfte der Besucher kommen dürfen. Tatsächlich wäre es eine Überlegung, dass man diese Differenz durch Eintrittsgelder auffängt. Schon seit einiger Zeit befrage ich Kunden, ob man sich ein Eintrittsgeld vorstellen könnte. Als Zahl habe ich geschätzte 8 Euro in den Ring geworfen. Ausnahmslos habe ich Zustimmung erfahren. Nachteilig könnte sich auswirken, dass unser Ansatz zu einer Messe für die ganze Familie gestört wird. Gerade unsere Mitteldeutschen HiFi-Tage sind Herstellern und Vertrieben positiv als Messe für die ganze Familie in Erinnerung. Nirgendwo sonst in Deutschland wurde ein so hoher Anteil an Frauen und jungem Publikum gezählt.

Wie sehen Sie allgemein die Zukunft von Messen: Wird es ein zurück zum „normal“ geben, oder wird nun alles anders?

IBL: Da kommt wieder meine positive Grundeinstellung: Ich bin zuversichtlich, dass es ein zurück zum „normal“ geben wird, aber mit Sicherheit noch nicht 2022!

MH: Es muss zurück zum „normal“ geben.

MK: Persönlich denke ich, dass sich einiges verändern wird oder bereits im Wandel ist. Insofern ist „normal“ nicht mehr möglich. Für uns bedeuten die aktuellen Umstände, dass wir uns noch breiter aufstellen müssen und noch mehr Ware vorführbereit halten müssen als bisher.

Geht es vielleicht auch ganz ohne Messen?

IBL: Solch eine Frage an eine Veranstalterin zu stellen.... Ich denke nicht! Wer geht nicht gerne zu Messen?! Egal welches Hobby man hat, sei es Golf, Caravan, Pferde oder Hunde: Jeder geht gerne zu einer Messe seines Hobbys, schaut sich die Neuheiten an, spricht mit Experten, lauscht Vorträgen oder kauft etwas auf der Messe, nur um etwas mit nach Hause genommen zu haben. Vermissen Sie nicht das Gefühl? Ich vermisse es sehr, als Veranstalterin die strahlenden Besucher zu sehen, wie sie umher schlendern und auch selber einer Messe meines Hobbys beizuwohnen!

MH: Nein.

MK: Die Vorstellung, dass es die eine oder andere Messe nicht mehr geben wird, teile ich durchaus. Für unseren HiFi- und Heimkino-Sektor bleibt zu hoffen, dass es wieder emotional aufgeladene und unvergessliche Messeerlebnisse geben wird.

Wenn Sie einen Wunsch hätten an die Politik, der „irgendwie“ klare Vorgaben zum Messebetrieb erstellen kann – welcher wäre das?

IBL: Klare Vorgaben und etwas Planbares wäre toll! Und wenn es heißt „2022 gibt es keine Messe in Deutschland“, dann kann ich damit leben. Nur schwer, aber ich

kann damit planen und arbeiten! Und mich auf 2023 konzentrieren!

MH: Wir werden meines Erachtens nicht um eine Impfpflicht herumkommen.

MK: Eine allgemeine Richtschnur wie ein Messebetrieb stattfinden kann, wäre für alle Seiten wünschenswert. So wären in unserer theoretischen Planung deutlich weniger unbekannte Faktoren in der Rechnung.

Vielen Dank für das Gespräch!

HiFi-Messen 2022*

• 19. bis 22. Mai 2022 HIGH END Messe (München)

• 20. und 21. August 2022 Norddeutsche HiFi-Tage (Hamburg)

• 3. und 4. September 2022 Süddeutsche HiFi-Tage (Stuttgart)

• 17. und 18. September 2022 Mitteldeutsche HiFi-Tage (Leipzig)

• Sommer 2022 Deutsche HiFi-Tage (Darmstadt)

*Alle Angaben ohne Gewähr