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High-End-Bluetooth-Kopfhörer mit aktiver Geräuschunterdrückung


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Hifi Test TV Video - epaper ⋅ Ausgabe 3/2022 vom 29.04.2022

Test Bluetooth-Over-Ear-Kopfhörer · Mark Levinson No 5909

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Bildquelle: Hifi Test TV Video, Ausgabe 3/2022

Ja irgendwo auf der Webseite von Rolls Royce findet man auch die Motorleistung und ein paar Angaben zur Technik. Doch die Präsentation der allerneusten Technologien erwartet hier wohl niemand. Wer so viel Geld für ein Auto ausgibt, der legt Wert auf andere Aspekte jenseits schnelllebiger Technik. Okay, diese ewigen Analogien zur Autowelt sind im HiFi-Journalismus mittlerweile etwas verpönt.

Doch wenn ich jetzt schreibe, dass Sie den Bluetooth-Kopfhörer von Mark Levinson im Vergleich zum Wettbewerb etwa so einordnen sollen wie einen Rolls Royce im Vergleich zu gängigen Premium-Marken ist schnell klar, worum es bei diesem Kopfhörer geht.

Nach dieser Vorrede kann ich ganz ungeniert verkünden, dass der Mark Levinson No 5909 rund 1.000 Euro kostet. Okay, bei Rolls Royce finden Sie vermutlich keinen einzigen Artikel, den sie für so wenig Geld ...

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... bekommen. Ich vermute mal, dass selbst ein Ersatzschlüssel mehr kostet. Und auch für Mark Levinson Verhältnisse sind 1.000 Euro preiswert. Ich nehme mal an, dass 1.000 Euro in etwa das sind, was der geneigte Mark Levinson Kunde für ein Signalkabel ausgibt. Insofern sind 1.000 Euro für einen Kopfhörer nachgerade preiswert. Andererseits liegen die aktuellen Top-Bluetooth-Kopfhörer der einschlägigen Hersteller, selbstverständlich alle mit ANC und sämtlichen anderen technischen Features, bei etwa einem Drittel des Preises, den Mark Levinson für den No 5909 aufruft. Und dabei gibt sich der No 5909, was seine technische Ausstattung betrifft, sogar eher konservativ.

Ausstattung „Konservativ“ heißt in diesem Zusammenhang etwa, dass Mark Levinson den No 5909 mit einem Bluetooth-Chipset mit dem 5.1 Standard ausgestattet hat. Die neuste Bluetooth-Version ist 5.2. Gegenüber Bluetooth 5.2 fehlen 5.1 ein paar Features, die gerade der Audiowiedergabe zugute kommen. Dazu gehört das energiesparende LE-Audio oder der LC3 Codec, der eine Bluetooth-Übertragung mit geringer Verzögerung (Latenz) und hoher Wiedergabequalität ermöglicht. So kommt der Mark Levinson No 5909 ohne die neuste Energiespartechnik „nur“ auf eine Spielzeit von bis zu 34 Stunden. Andere Kopfhörer mit ähnlicher Ausstattung und Bluetooth 5.2 kommen da auf rund 50 Stunden. Ob LC3 gegen AptX oder gar LDAC ankommt, wage ich allerdings zu bezweifeln. LDAC ermöglicht eine Datenübertragungsrate in Hi-Res-Qualität mit bis zu 24-Bit / 96kHz. Das ist deutlich mehr als LC3 bietet.

Und schließlich müssen sowohl Kopfhörer als auch Zuspieler Bluetooth 5.2 beherrschen, um in den Genuss der Vorteile zu kommen. Das dürften aktuell nur sehr wenige Smartphones sein. AptX und LDAC sind dagegen bei vielen anspruchsvolleren Geräten Standard. Insofern ist der No 5909 technologisch up to date, jedoch kaum innovativ.

Immerhin ist der No 5909 etwa mit einem aktuellen adaptiven aktiven Geräuschunterdrückungssystem (ANC, Active Noise Cancelling) ausgestattet. Adaptiv heißt, dass man die Stärke des ANC sowohl manuell einstellen als auch den Kopfhörer automatisch entscheiden lassen kann, in was für einer Umgebung man sich befindet und ob das ANC Umgebungsgeräusche hier nur leicht dimmen oder möglichst vollständig ausblenden soll. Wie die meisten aktuellen Bluetooth-Spitzenkopfhörer bietet der No 5909 darüber hinaus neben dem ANC auch einen Awareness-Modus. Anstelle Umgebungsgeräusche auszusperren, werden diese im Awareness-

Modus gezielt der Musik untergemischt. Dabei kann man entscheiden ob sich das Ganze auf stimmliche Frequenzen beschränken soll – etwa, wenn man sich mit dem Kopfhörer auf den Ohren mit jemandem unterhalten will oder Lautsprecherdurchsagen auf dem Flughafen oder dem Bahnhof mitbekommen möchte -oder ob sämtliche Frequenzen an die Ohren übermittelt werden sollen, sodass man etwa auch das Motor-Brummen eines herannahenden LKWs hört. Wie jeder aktuelle Bluetooth-Kopfhörer unterstützt der Mark Levinson No 5909 auch das Telefonieren beziehungsweise die Kommunikation mit dem Sprachassistenten. Dank insgesamt vier Außenmikrofonen und aktueller Beamforming-Technologie sorgt der No 5909 dabei für beste Sprachverständlichkeit, filtert Nebengeräusche aus und unterdrückt Windgeräusche.

Zur Bedienung des Mark Levinson No 5909 gibt es am Kopfhörer selber insgesamt vier Tasten, von denen sich jeweils zwei hinten-unten an den Gehäusen befinden. Dort sind sie gut mit den Daumen zu erreichen. Links wird der No 5909 eingeschaltet bzw. in Kopplungsbereitschaft versetzt sowie die ANC-oder Awareness-Funktion eingestellt, rechts gibt es eine Plus/Minus-Schaltwippe um die Lautstärke zu regulieren. Das ist im Vergleich zu anderen aktuellen Kopfhörern wenig.

Die Spitzenmodelle anderer Hersteller bieten Teilweise teilweise noch Sensorflächen mit deren Hilfe man zum Beispiel den Player steuern oder das Telefon bedienen kann.

Auch die zugehörige Mark Levinson Megaphone App gibt sich vergleichsweise reduziert.

Mit der App lassen sich lediglich die Funktionen von ANC und Awareness steuern. Anstelle des bei vielen Kopfhörern üblichen Equalizers gibt es nur die Möglichkeit, die Bassperformance in drei Stufen zu regeln – neutral, enchanced oder attenuated. Das hat einen speziellen Grund – dazu später mehr. Ansonsten kann man noch den Auto-Power- Off-Zeitraum einstellen sowie den Tragesensor einschalten. Mit aktiven Tragesensor pausiert die Musikwiedergabe, wenn man den Kopfhörer abnimmst und setzt wieder ein, wenn man ihn wieder aufsetzt.

Erwähnenswert ist noch, dass man den Mark Levinson No 59090 auch komplett passiv betreiben kann. Ein langes und ein kurzes Anschlusskabel, dass kopfhörerseitig einen USB-C Anschluss und zum Anschluss an einen Zuspieler eine 3,5-Millimeter Stereo-Klinkenbuchse besitzen, gehören zum Lieferumfang.

Passform und Verarbeitung Dass der Mark Levinson No 5909 bei diesem Preis piekfein verarbeitet ist, versteht sich von selbst.

Kopfbügel und Gelenke bestehen aus Alu anstelle aus Kunststoff, Ohr-und Kopfbügelpolster sind mit feinem Leder bezogen, die Metallic-Lackierung der Gehäuse ist so edel, dass sie locker die höchsten Automobil-Standards erfüllt. Dem edlen Design dürfte geschuldet sein, dass die Links/Rechts-Beschriftung so unauffällig angebracht ist, dass man sie kaum findet.

Auch bei der Passform hat man vermutlich leichte Kompromisse hinsichtlich des Designs gemacht. Von seinen Proportionen wirkt der No 5909 perfekt. Das Platzangebot für die Ohren dürfte allerdings etwas größer sein. Die Ohrpolster an sich sind perfekt auf den Anpressdruck des Kopfhörers abgestimmt und gewährleisten sowohl einen super-bequemen als auch stabilen und akustisch dichten Sitzt des Kopfhörers um die Ohren, doch größere Ohren kommen auf jeden Fall mit den üppigen Polstern in Kontakt. Von Tragekomfort wären etwas größere Gehäuse angenehmer. Der Kopfbügel ist zwar weich gepolstert, vermag es aber nicht ganz, das mit 355 Gramm vergleichsweise hohe Gewicht zu kaschieren.

Ausstattung Der Mark Levinson No 5909 kommt in einem sehr schicken Hardcase, in dem auch das UCB-C-Ladekabel und ein USB-C auf USB-A Adapter sowie die beiden Anschlusskabel (USB-C / 3,5-Millimeter-Stereoklinke) samt Flugzeug-und 6,3-Millimeter-

Adapter Platz finden. Das beiliegende Poliertuch hilft, das edle Finish von Fingertapsen zu säubern. Alle Kabel und Adapter sind auf Mark Levinson gelabelt.

Klang Auf das Wesentliche reduzierte Technik-Features und edelste Verarbeitung sind das Eine, das Wichtigste ist und bleibt bei einem Kopfhörer natürlich der Klang. Und hier hat man bei Mark Levinson auf die umfangreichen Studien der Konzernmutter Harman zurückgegriffen. Bei Harman – zu dem Konzern gehören etwa auch die Marken JBL und AKG – hat man weltweit Studien betrieben, welcher Klang Menschen unterschliedlichen Alters bei Kopfhörern am besten gefällt. Dabei sind verschiedene Ideal-Frequenzgänge entstanden, die Harman als „Kurven“ bezeichnet. Diese Kurven unterscheiden sich nach Marken und Zielgruppen. Beim No 5909 kommt die sogenannte Harman-Kurve zum Einsatz, die maximalen Klanggenuss bieten soll. Der Kopfhörer ist darauf gezüchtet, dieser Idealkurve zu folgen.

Bemerkenswert ist, dass Mark Levinson den Kopfhörer so gebaut hat, dass er passiv diese Vorgaben erfüllt. Die Elektronik hält sich hier raus. Außer, man verändert via App die Bass- Performance. Die Harman-Kurve ist sicher auch der Grund, aus dem Mark Levinson keine weitergehenden Eingriffe in den Kopfhörer- Frequenzgang via App vorsieht. Man ist einfach davon überzeugt, dass der No 5909 in seiner original-Abstimmung optimal klingt.

Wird der No 5909 seinen hohen Ansprüchen klanglich gerecht? Definitiv ja. Seine 40-Millimeter Beryllium-beschichteten Treiber bieten auf jeden Fall eine beeindruckende Auflösung und folgen feinsten wie groben dynamischen Sprüngen ansatzlos. Dabei klingt der No 5909 alles andere als analytisch. Tonal etwas in die wärmere Richtung tendierend, präsentiert er die unglaubliche Detailfülle, die er zu reproduzieren Vermag, immer perfekt in das Musikgeschehen eingebunden. Dabei macht er eine für einen geschlossen gebauten Kopfhörer angenehm weite und entspannte Soundstage auf.

Was der Mark Levinson Bluetooth-Kopfhörer an Klang bietet, gehört sicherlich zum Besten, was man aktuell in diesem Segment bekommen kann. Dass der No 5909 so überzeugend klingt, dürfte auch daran liegen, dass der von Grund auf solide abgestimmt ist, denn er klingt per Bluetooth genauso gut wie analog an einem hochwertigen Player betrieben.

Was das ANC und die Telefonqualität betrifft, ist der Mark Levinson No 5909 auf der Höhe der Zeit. Das ANC funktioniert hervorragend und auch als Headset erntet der Kopfhörer Bestnoten.

Fazit Der Mark Levinson No 5909 legt die preisliche Messlatte für einen Bluetooth-Over- Ear-Kopfhörer mit ANC auf ein neues Niveau.

Allerdings definiert er auch die klanglichen Möglichkeiten in dieser Klasse. Die Verarbeitung ist über jeden Zweifel erhaben und die Funktionalität auf ein sinnvolles Maß beschränkt.

Dr. Martin Mertens